Reise nach den Inseln Teneriffa, Trinidad, St. Thomas, St. Crux und Porto-Rico; : auf Befehl der französischen Regierung, vom 30. Sept. 1796 bis zum 7. Juni 1798, unter der Leitung des Capitain Baudin unternommen,
Hahn Qarter % Cihraru Brumm Antnersitu “A — erre Berg Be nad) den Snfeln Teneriffa, Trinidad, St. Thomas, ‚ St. Crux und Porto: Nico; auf Befehl der franzoͤ ſiſchen Regierung, vom 30. Sept. 1796 bis zum 7. Juni 1798, unter der Leitung des Capitain Baud in unternommen, von Peter Le Dru, einem der Naturforſcher der Expedition beſchrieben, und e von Sonnini mit Anmerkungen verſehen. EL Aus dem Franzöſiſchen. Mit Bemerkungen begleitet, nebſt einer allgemeinen über⸗ fi 7 des ganzen weſtindiſchen Archipels, zee in Ruͤ ckſicht der Keen ewa von \ E. A. W. v. era 0 Erſter Band. Leipzig 1811, bei Heinrich Büſchler in Elberfeld. Vorbericht des Hrn. Le Oru. Der Kapitaͤ n N. Baudin diente in der franzoͤ ſi— ſchen Marine, als der Frieden von 1783 in ihm den entſchiedenen Hang zu ſcientifiſchen Expeditio— nen weckte. …
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Hahn Qarter % Cihraru Brumm Antnersitu “A — erre Berg Be nad) den Snfeln Teneriffa, Trinidad, St. Thomas, ‚ St. Crux und Porto: Nico; auf Befehl der franzoͤ ſiſchen Regierung, vom 30. Sept. 1796 bis zum 7. Juni 1798, unter der Leitung des Capitain Baud in unternommen, von Peter Le Dru, einem der Naturforſcher der Expedition beſchrieben, und e von Sonnini mit Anmerkungen verſehen. EL Aus dem Franzöſiſchen. Mit Bemerkungen begleitet, nebſt einer allgemeinen über⸗ fi 7 des ganzen weſtindiſchen Archipels, zee in Ruͤ ckſicht der Keen ewa von \ E. A. W. v. era 0 Erſter Band. Leipzig 1811, bei Heinrich Büſchler in Elberfeld. Vorbericht des Hrn. Le Oru. Der Kapitaͤ n N. Baudin diente in der franzoͤ ſi— ſchen Marine, als der Frieden von 1783 in ihm den entſchiedenen Hang zu ſcientifiſchen Expeditio— nen weckte. Neugierig als beobachtender Naturfor— ſcher den Ocean zu befahren, den er fo oft als Mir litaͤ r e hatte ), führte er vom Jahre *) Das Lob, 11 5 Le Dru dem Kapitän Baudin ertheilt, ſticht auffallend gegen die Angaben und die Kla— gen mehrerer Gelehrten ab, die ſo wie er unter ſeiner Leitung gereiſet ſind. Ohne der Beſchwerden zu erwaͤ h⸗ nen; wer hat nicht die ſonderbaren Nachrichten des inte⸗ reſſanten Reiſenden Hrn. Bort de St. Vincent, des Hauptnaturaliſten einer der Expeditionen gelefen, der ihn der Unwiſſenheit beſchuldigt * und woruͤ ber er einige glaubwürdige Zeugen anführt. Meine Abſicht gehet indeß nicht dahin, die noch warme Aſche des Kapitän Baudin zu beunruhigen, und ich will lieber das Beiſpiel des ge⸗ lehrten Herausgebers der Voyage de Decouvertes dans les *) In der Voyage dans les quatres principales isles des mers d' Afrique etc, 3 vol. Paris, g i * IV 5 1786 bis 1789 auf Koſten des Hauſes Oeſtreich ſeine erſte Reiſe nach dem Suͤ dmeere aus, von wo er viele lebendige Pflanzen zuruͤ ckbrachte, wel⸗ che jetzt den kaiſerlichen Garten zu Schoͤ nbrunn ſchmuͤ cken. In derſelben Abſicht unternahm er von 1793 bis 1795 eine zweite Expedition. Er ging von Trieſte auf der Fregatte la Jardiniere unter Segel, und be— ſuchte China, die Sundinſeln, Hindoſtan, das Cap der guten Hoffnung u. ſ. w. Auf dem Ruͤ ckwege hatte er einen heftigen Sturm auszuſtehen, und ſah ſich gezwungen, in Amerika bei der ſpaniſchen Inſel Trinidad vor Anker zu gehen, um dort die aus dem Schiffbruche geretteten Ueberbleibſel einer mers australes nachahmen. In dieſer Beſchreibung wird des Hauptes der Expedition gar nicht erwaͤ hnt, und dieſe ganz einzige Uebergehung iſt harter und erniedrigender fuͤ r ihn, als Seiten von Klagen. Br, Hat ſich der Kapitaͤ n Baudin Hrn. Le Dru auf feiner Reiſe nicht unter ſo unvortheilhaften Geſichtspunkten als waͤ hrend der folgenden Reiſen gezeigt, ſo mag vielleicht der fanfte nachgiebige Charakter des Hrn. Le Dru hiezu Veranlaſſung gegeben haben. f Indeß iſt Hr. Le Dru durch die günſtige Meinung für ihn in einen Irrthum gefallen. Baudin hat naͤ mlich nie in der koͤ niglichen Marine gedient. Es waͤ re indeß ſtets zu wünſchen, wie dieß auch vor Kurzem d'Entrecaſtaux in ſeiner Reiſe aͤ ußert, daß dergleichen Expeditionen Flott⸗ Offizieren anvertraut werden moͤ chten S. koſtbaren Sammlung von naturhiſtoriſchen Gegen ſtaͤ nden, naͤ mlich 195 Gattungen lebendiger Pflan⸗ zen, eine große Menge Muſcheln, Madreporen, Verſteinerungen, Fiſche, Inſekten, Quadrupeden und ausgeſtopfter Voͤ gel in Verwahrung zu geben. Baudin kam am achten Jun. 1796 wieder nach Frankreich; er bot dieſe verſchiedenen Gegenſtaͤ nde der Regierung als Geſchenk an. Das Direktorium nahm es an; hierauf ließ es in Havre das Fluͤ t— ſchiff die Belle-Angelique von acht hundert Tonnen ausruͤ ſten, und beſchloß, der Kapitaͤ n Baudin ſolle das Kommando deſſelben übernehmen, um nach den Antillen damit zu gehen, und dort ſeine Sammlung vollſtaͤ ndig zu machen. Es wurden ihm vier Natus raliſten beigegeben, um ihn bei dieſer Unterneh— mung zu unterſtuͤ tzen und ſich mit den darauf Bezug habenden Kunſtforſchungen zu beſchaͤ ftigen. Die Profeſſoren des Muſei der Naturgeſchichte erhielten vom Marineminiſter den Auftrag, ſeine Gehuͤ lfen zu wählen. Ich hatte das Vergnügen, als Bota-⸗ niſt Mitglied der Expedition zu werden. Verſchie- dene Umſtaͤ nde, die ich anfuͤ hren werde, haben der Reiſe eine andere Richtung gegeben, als die, wel— che die Regierung vorgezeichnet hatte. Durch einen Sturm geriethen wir nach den kanariſchen Inſeln. Die Englaͤ nder, welche zu der Zeit, als wir auf Trinidad landeten, in Beſitz der Inſel waren, ge— V ſtatteten uns, nur acht Tage dort zuzubringen).— Der Kapitaͤ n, der indeß von den Antillen nicht nach Europa gleichſam mit leeren Haͤ nden zuruͤ ck⸗ kehren wollte, ohne das Vertrauen des Direktorii gerechtfertigt zu haben, faßte den Entſchluß, nach und nach auf den daͤ niſchen Inſeln und bei Porto— rico zu landen. Ueberall ſuchte ich die ſachkundigen Perſonen unter der Kaufmannſchaft, den Aerzten, den Gou—⸗ verneuren u. ſ. w. auf. g . Vorzüglich verdanke ich dem Ritter d' Azara, ſpaniſchen Ambaſſadeur in Frankreich, die ſehr ſchoͤ nen Karten von den kanariſchen Inſeln und Portorico von Thomas fopez, und dem beruͤ hmten Botaniker Hrn. Cavanilles die Geſchichte der kana⸗ riſchen Inſeln von Clavijo, ſo wie die von Porto⸗ rico von Soto-Mayor. Hr. Buache, erſter Hydro— graph der Marine, hat mir gefällig die von Ofho— lum in Koppenbagen 1793 herausgegebene Karte von St. Crux mitgetheilt. 3 um unnütze Wiederholungen zu vermeiden, er— waͤ hne ich es hier, daß die in dieſem Werke anges *) Ungeachtet die engliſche Admiralität auf Verwenden des Praͤ ſidenten der koͤ nigl. Societaͤ t Sir J. Bauks, den die Profeſſoren des pariſer Muſeums darum gebeten, die Erlaubnitz zur Reiſe ertheilt batte, um die Kollektion von Trinidad abzuholen. | führten Breite: und Laͤ ngegrade, vom parifer Mes ridian angerechnet find. Die Reiſemaaße werden hier in Seemeilen zwanzig auf den Grad gerechnet, wovon jede 2850 Toiſen oder 555,475 Metres ent: hält. Da die geographiſchen Lagen eine Sache der hoͤ chſten Wichtigkeit ſind, ſo gruͤ nden ſich die von mir angefuͤ hrten zuſammen auf Autoritaͤ ten, die alle Achtung verdienen. Als Augenzeugen von meh— reren Mißbraͤ uchen habe ich ſie anfuͤ hren muͤ ſſen, ſo wie auch die Veraͤ nderungen, welche gewiſſe Zweige der oͤ ffentlichen Verwaltung erheiſchen; ohne indeß ſicher den Charakter der Spanier belei⸗ digen, oder uͤ ber die Geiſtlichen und die Ceremonien ihres Gottesdienſtes ſpotten zu wollen. Ich weiß, die von den Europaͤ ern gegruͤ ndeten Kolonien ſtehen nicht auf derſelben Stufe der Kul— tur, der Induſtrie, haben nicht die naͤ mlichen libe⸗ ralen Grundſaͤ tze. Die Urſachen dieſes Unterſchiedes liegen in der allgemeinen Geſchichte der Fortſchritte des menſch— lichen Geiſtes, und in der Dauer gewiſſer der Ent wicklung der menſchlichen Vernunft vortheilhaften oder ſchaͤ dlichen Einrichtungen. AIndeß iſt bei allen civiliſirten Voͤ lkern die Majo⸗ ritaͤ t der Buͤ rger nothwendig tugendhaft '); ver „) D. h. fie beſteht aus ſolchen, die in Bezug auf die So— cietaͤ t und ſich ſelbſt nuͤ tzliche Handlungen vornehmen. VIII hielte ſich dieß anders, ſo waͤ re die geſellſchaftliche Verbindung bald aufgeloͤ ßt. Die Bewohner von Teneriffa und Portorico ſte— hen in Anſehung der Moral keinem andern Volke nach, ſondern haben vor mehreren den Vorzug in Hinſicht der aufrichtigſten Freundſchaft und edeln Hoſpitalitaͤ t, wodurch fie charakteriſirt werden. Sie haben uͤ brigens mit den Bewohnern des Mutterſtaats zwei koſtbare Eigenſchaften gemein, die dieſe in ſo hohem Grade auszeichnen, naͤ mlich Maͤ ßigkeit und religioͤ ſe Beobachtung ihres gegebenen Wortes. Seit meiner Ruͤ ckkehr nach Europa iſt Teneriffa zum zweitenmal vom Kapitaͤ n Baudin beſucht, und einer der Gelehrten dieſer neuen Expedition, Hr. Bory de St. Vincent, hat ſeine Essais sur les Isles fortunees herausgegeben. Dieß Werk iſt bes ſonders zu empfehlen wegen der Geſchichte der Guanchen und der geographiſchen Beſchreibung der Inſeln. Indeß habe ich dennoch nicht geglaubt, mich durch die Herausgabe deſſen abhalten laſſen zu muͤ ſſen, meine Ideen uͤ ber denſelben Gegenſtand bes kannt zu machen. Die Statiſtik eines wegen ſeines Klimas, feiner Produkte, der Anmuth feiner Bewoh— ner intereſſanten Landes bietet ein großes Gemaͤ lde dar, das wohl den Pinſel von mehr als einem Ma⸗ ler beſchaͤ ftigen darf. — ER Vorrede 9 des Herausgebers der Ueberſetzung. Sind gleich die Reiſenachrichten über Weſtindien ſehr zahlreich, ſo haben dennoch nur wenige derſel— ben die Naturgeſchichte dieſer fuͤ r Europa ſo ſehr wichtigen Inſeln ausſchlußweiſe zum Gegenſtande. Zwar verdienen Sloane und Brown unter den Eng; laͤ ndern, ſo wie Rochefort und du Tertre ſelbſt noch jetzt unſre vorzuͤ gliche Achtung; in Anſehung derje— nigen Produkte „ welche die ſogenannten Kolonial— waaren betreffen, gehört dem Engländer Bryan Edwards unſtreitig der erſte Rang. Seit der Zeit jener zuerſt genannten Autoren iſt aber die Naturhiſtorie faſt gänzlich umgeſchaffen, und Edwards Auseinanderſetzungen, ſo belehrend X ſie auch ſind, mußten der Natur ſeines Werks zu⸗ folge ſtets nur beſchraͤ nkt bleiben. Der Naturgeſchichte war es daher ſehr willkom⸗ men, daß ein neuerer ſachkundiger Naturaliſt wie Hr. be Dru ſeine Reiſenachrichten uͤ ber einige der Inſeln Weſtindiens bekannt machte *), nur iſt es ſehr zu bedauern, daß es ihm ſeine Lage nicht er⸗ laubte, mehrere Inſeln dieſes Archipels zu bereiſen, und ſeinen Aufenthalt auf der bedeutenden Inſel Trinidad ſo beſchraͤ nkt zu ſehen. Indeß tragen die Länder Weſtindiens ziemlich ein und denſelben Stempel, obgleich mehrere der großen ſich eben wegen ihres Umfangs und ihrer Bildung nicht un bedeutend auszeichnen. Beſonders ſchaͤ tzbar ſind die Nachrichten von dem uns bis dahin weit weniger als die uͤ brigen In— ) Sein Werk führt den Titel: Voyage aux Isles de Te- neriffe, la Trinité, St. Thomas, Sainte Croix et Porto- Rico, execute par Ordre du gouvernement francois depuis le 30. Septemb. 1796 jusqu’ au 7. Juin 1798 sous la Direc- tion du Capitaine Baudin, pour faire des recherches et des collections relatives A Phistoire naturelle, contenant des observations sur le elimat, le sol, la population, Pagricul- ture, les productions de ces Isles, le caractere , les moeurs et le commeree de leurs habitans par A. Pierre Le Dru. Quvrage accompagné de notes de Sonnini. Paris. 2 vol. 8. fein bekannten Portorico. Hier wird nicht bloß dem Naturforſcher, ſondern eben ſowohl dem Statiſtiker ein neues Feld eroͤ ffnet, denn man kennt ja leider die beiden groͤ ßten ſpaniſchen Inſeln men > Cuba und Portorico, faſt gar nicht. Aber auch die Nachrichten, welche uns de Dru von den kanariſchen Inſeln mittheilt, verdienen ſelbſt, nachdem man den Bory de St. Vincent ge— lleſen hat, gehoͤ rige Achtung, wie dieß dann auch jener Reiſende mit einer ehrenvollen Wahrheitsliebe in ſeinem Briefe an Hrn. Le Dru ſelbſt geſteht. Endlich hat die Geographie durch die vielen Angaben der einzelnen Ortsbeſtimmungen nicht wer nig gewonnen. Wahrſcheinlich ruͤ hren ſie zum Theil wenigſtens von dem Kapit. Baudin her, der die ganze Expedition leitete, und der uns hier in einem neuen, beſſern Lichte erſcheint, daß man beinahe vermuthen ſollte, es ſey nicht derſelbe Nautiker, welcher Peron nach „ und um die Welt fuͤ hrte. Da Hr. Sonnini bereits durch mehrere oft faſt zu umſtaͤ ndliche Zufäge den Text zu erläutern geſucht bat, ſo habe ich mir nur einige Zuſaͤ tze erlaubt, um nicht das Ganze mit Noten zu uͤ berſchwemmen. ee rn = — XII Dagegen hoffe ich, daß die hier als Einleitung erſcheinenden allgemeinen Blicke auf Weſtindien, und beſonders eine neue Anſicht ſeiner wichtigſten Kolo⸗ nialwaaren nicht gänzlich ohne Beifall werde auf⸗ genommen werden. Ich habe lücht nur geſucht, die letzte aus einem minder gewoͤ hnlichen Standpunkte zu betrachten, fondern mich zugleich bemuͤ het, die ſonderbaren Schickſale dieſes Archipels in der Kuͤ rze anzuzeigen, und dabei darzuthun, wie ſelbſt nach allen Kalami⸗ täten, nach unaufzaͤ hlbarem Ungluͤ ck, das ſowohl dieſe Inſeln, als auch einen großen Theil von uns ſerm Europa betroffen hat, dennoch bei dem ſtets weiter uͤ berhandnehmenden Luxus und den daraus nothwendig ſich vermehrenden Krankheiten, den— noch die Menſchheit dadurch um kein Unbetraͤ chtli⸗ ches weiter geruͤ ckt iſt, und in der Folge noch bedeu⸗ tendere Vortheile daraus erzielen wird. Nicht unwichtig wird aber, wie ich hoffe, meh⸗ reren Leſern dieſer Abhandlung die allgemeine Ueber— ſicht der Surrogate ſeyn, wodurch Europa bei vors kommender Nothwendigkeit ſich des ſchweren Ver luſtes entledigen kann, den es durch das theure Aufkaufen jener Kol onialwaaren ſeit Jahrhunder⸗ ten leidet. a na u m a > a — — er — vag ErTa n XIII Ich habe nicht nur verſucht, die Kolonialwaa— ren je nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen, ſondern ich habe mit dem Zucker, als dem nothwendigſten Pro— dukte der Kolonien, ſo wie zum Theil mit der Baumwolle, einen Weg zu eroͤ ffnen mich bemuͤ het, wovon ich wuͤ nſchte, daß man ihn auch in Ruͤ ck⸗ ſicht der uͤ brigen Kolonialwaaren verfolgen moͤ chte. Auf dieſe Weiſe gelangte man, glaube ich, zu etwas Allgemeinen; man koͤ nnte hiernach es ziemlich ab— ſehen, was wir nothwendig verbrauchen, und zu— gleich was und wie viel unſere Heimath davon oder | von einem Surrogate ſelbſt zu erzielen fähig ſey. Nirgend habe ich auf Unkoſten der Wahrheit uns Europaͤ ern uͤ berhaupt zu ſchmeicheln geſucht, da— mit man ſich nie zu große Erwartungen von unſern Anſtrengungen machen moͤ ge; geht man einmal mit Vorurtheilen auf eigene Kraͤ fte an ein großes Un— ternehmen, ſo verliert man nachmals beim Fehl— ſchlagen alles Zutrauen auf ſich ſelbſt, und indem man ſeine wirklich vorhandenen Kraͤ fte aus uͤ ber— triebenem Mißtrauen aus der Acht laß, findet man 0 doppelt beſtraft. Es thut mir leid, daß ich bei dieſer Arbeit in den Artikel der Einfuhr des Rohrzuckers in die ver— einigten Staaten von Amerika nicht das ſtatiſtiſche XIV Manual, die ſogenannten Economica von 1806 uns benutzt gelaſſen habe, die Reſultate fuͤ r dieſe Staa⸗ ten waͤ ren wohl etwas verſchieden ausgefallen, da die hier vorkommende Angabe nur aus Moſe Geo— graphy genommen iſt. Indeß haͤ tte dieß die großen Reſultate, wozu ich gelangt bin, wohl nie bedews tend geaͤ ndert. Dieß iſt ſicher auch dann der Fall, wenn ſich hier oder dort aus Mangel an Muſe und an Kraͤ ften (denn ich ſchrieb die Abhandlung zum Theil in und gleich nach einer Krankheit) Verſehen ſollten eingeſchlichen haben. Die Sache kam haupt— ſaͤ chlich auf die richtige, weit umfaſſende Ueberſicht und Beurtheilung im Ganzen an, und hiefuͤ r hoffe ich bei manchem Leſer Dank verdient zu haben. Br. den aqꝗten Juni 1811. E. A. W. v. Z. Namen der Offiziere und Naturforſcher, die auf dem Fahrzeuge, die Belle-Angelique eingeſchifft waren. Geboren Nicolas Baudin, Kapit. des Schiffs, Chef der Expedition, . . auf der Inſel Ahe. Pierre la Roche, Sch. Faͤ hnrich, . St. Malo. J. B. Baussard, desgl. "0% önlleur; B. Gaumond, desgl. 3 al. J. B. Augoumard, des gl. Le Havre. J. V. Le ‚Francois, Commissaire, id. | V. Tuffet, Geſundheitsbe.. St. Maixeut. ers bdotſe, 5 Le Havre. R. Marge, Zoologe, 8 in d. Nähe von Fon- | 5 i tainebleau. A. B. Le Dru, Botaniker, | Chanteuai bei le | | Mart. A. Riedlé, Gaͤ rtnerr. Yrsee. | A. Advenier, Mineraloge, Paris. As. Gonzales, Maler, N Madrid. B. Le Villain, Liebhaber der | | 5 turgeſchichte, 5 0 5 alle Havre. L. Houard, desgl. ; 2 ars L. Le Gros, desgl. u. Ingenieur,. La Rochelle. Die ganze Anzahl der Offiziere, Naturforſcher, Ma— troſen u. ſ. w. dieſer e ff ſich a 108 Perſonen. Verwandlung der in diefem Werke angefuͤ hrten fremden Muͤ nzen, Maaße und Gewichte in franzoͤ ſiſche. Die metrologiſchen Berechnungen der vorzuͤ glichſten Schriftſteller bieten nicht jene Gleichfoͤ rmigkeit, jene Be⸗ ſtimmtheit dar, welche bei Materien nothwendig ſind, in Hinſicht deren das ganze Verdienſt auf Genauigkeit bee ruhet. Vergebens habe ich geſucht Baudeau a), Peu- chet b), Cuthrie c), Catteau d); die Redaktoren des Annuaire imperial e) u. ſ. w. mit einander zu vereini⸗ gen; felten ſtimmen fie in Anſehung des Werthes der fremden Maaße, Muͤ nzen und Gewichte, die auf franzoͤ ⸗ ſiſche k) gebracht ſind, uͤ berein. Uebrigens gründet fi ch die hier beigefügte Tabelle auf Quellen, die mir den Vor⸗ zug zu verdienen ſchienen. Zumal habe ich die Metro- logie von Biornerod, welche man in dem gten Band der a) Dictionaire de Commerce, dans l’Encyclopedie Methodi- que 1783. 410. se d) Dietionaire de la Geographie commergante an 7. 5 vol. in ꝗto. i e) Nouvelle Geographie universelle, traduite par Noel an 7. tom. 3. d) Tableau des Etats danois 3 vol. in 8 vo. Paris 1802. e) In 16. 1808. £) Beifpiel. — Vare von Kaſtilien, 31 franzoͤ ſiſche Zoll 3 Linien, nach Peuchet; und 5 Fuß s Zoll 6 Linien; Bau⸗ deau infolge. XVII Geographie von Mentelle und Malte-Brun eingeruͤ ckt fin- det, zu Rathe gezogen. Acre, ein europaͤ iſches und amerikaniſches Ackermaaß = 160 Quadratruthen, welche einen Morgen 444 Toiſen und 16 pariſer Fuß b) ausmachen 10 Hektaren. Arrobe, ſpaniſches Raummaaß, — 163 pariſer Pin- ten oder ungefaͤ hr 16 Litres (Peuchet). — Die Arrobe, ein Gewicht, hält in Kaſtilien 27 tb; in Aragonien 36; in Frankreich wird es auf 25 angegeben (Teſſier, Biornerod). Fanegue. Dieß Wort hat drei verſchiedene Bedeutun— gen; es bezeichnet naͤ mlich ein Flaͤ chen- ein Raummaaß, und ein Gewicht. Das erſte halt 40 Klafter ins Quadrat, jedes von zwei I Vares; die Vare haͤ lt ungefähr 30 franz zoͤ ſſche Zolle. Das courante Klafter hat 65 Zoll. Alſo kommt die Fanegue als Flaͤ chenmaaß ungefaͤ hr 71 Qua- dratmetres gleich. — Das zweite iſt vier und einem halben pariſer Scheffel gleich, wovon jeder acht Se Höhe, und zehn im Durchmeſſer hat | Biornerod zufolge haͤ lt die Fanegue, ein n Maaß für tro⸗ ckene Sachen, auf den kanariſchen. Inſeln 3,600 Kubikzoll. Die Fanegue als Gewicht hat nicht den naͤ mlichen Werth durchgehends auf den kanariſchen Inſeln. Der mittlere Durchſchnitt iſt 100 Pfund. Biornerod ſchlaͤ gt fie auf 93 bis 97 Pfund an = 4 Myriogrammenfuß, daͤ niſcher, — 130 Linien = 11 Zoll 71 Linie (Biornerod). Gallon, Maaß für Fluͤ ßigkeiten in England == 4 paris fer Pinten (Baudeau) = 4 Litres 66. b) Tessier Dietionaire d’Agriculture, Eneyclopedie unter dem Worte arpent. | * XVIII Maravedis, eine kleine Kupfermuͤ nze = 1 Cent. 58 folglich, 2 Maravedis — 3 Cent. 165 5 Maravedis 7 Cent. 90. — Und 10 Maravedis 5 Cent. 80 — 3 franz. Sous. Quartos, eine ſpaniſche Münze S 3 Cent. 16. folg⸗ lich 2 Quartos = 6 Cent. 32 — 5 Quartos = 15 Cent: 805 — 10 Quartos = 31 Cent. 60, oder in einer runden Summe 64 Sous. . Piastre, feit 1772 = 5 Franken 29 Cent. (Annuaire) 5 Fr. 27 (Biornerod). 0 Real 15 plata, von 16 Quartos oder 34 Maravedis = 0 Fr. 51 Cent. 18 (Biornerod) o, 52 Cent. (Annuaire). Real de vellon = 26 Cent. (Annuaire) 27 (Biornerod). Rixdaler, zu 6 Mark daniſch, jedes — 5 Franken 55 Centimen (Annuaire); 5 Fr. 52 Cent. (Biornerod). Die Mark gilt 95 Cent. a Schiling, daͤ niſcher = 5 Cent. oder 1 franzöſſcher Sous (Catteau). Thaler, ein daͤ niſcher, = 3 Franken 95 Cent. (Cat⸗ teau). 3 Franken 26 Cent. (Biornerod). Vare — 30 Zoll; Borda berechnet ihn zu 30 Zoll und 1 Linie, und Peuchet zu 31 Zoll 378 Linien. Nach , Bior- nerod iſt der Vare von Cadix = 3755 Linien; der der kanariſchen Inſeln = 3778 Linien, und der von Tene— riſfa 3798 = 31 Zoll. Mentelle und Malte-⸗Brun (geograph. mathem. tom. 15) zufolge find die auf den kanariſchen Inſeln üblichen Rechnungsmuͤ nzen: | Peso von 80 Quartos courant — 4 F.. 09,47- Real de plata von 10 Quartos — 51 18. - Real courant von 8 Quartos — = 409% AM r 6. 5 B > E SE RER! * 3 u hen a ne a u ri8 RN n * N S . ne. Ga FaFr ——e S A A Inhalt des erften Theiles. Vorbericht des Hrn. Le Dru. Seite III. Vorrede des deutſchen Herausgebers. 1 S. IX Namen der eingeſchifften Offiziere und Naturforſcher. S. XV. Verwandlung der in dieſem Werke angeführten fremden Muͤ n⸗ zen, Maaße und Gewichte in franzoͤ ſiſche. S. XVII. Erſtes Kapitel. Abfahrt von Havre — Wir erblicken die engliſchen Kuͤ ſten — Ein ſchoͤ nes Schauſpiel — Entſetzli⸗ cher Sturm — Weg nach den kanariſchen Inſeln — Wir gehen bei St. Crux vor Anker. . 3. Bemerkungen über den Delphin von Hrn. Sonnini. S. 14. Zweites Kapitel. Ueber die kanariſchen Inſeln im Allgemeinen — Temperatur — Bevoͤ lkerung — Regierung. S. 17. Drittes Kapitel. Blick auf die Inſeln Kanaria — Ferro — Fortaventura — Gomero — Lancerota — Palma. S 25. Viertes Kap. Beſchreibung von Teneriffa — Gemaͤ lde von der Stadt St. Crux — Monumente — Kirchen — Moͤ nche — Theater — Feſtungswerke — Rheede. S. 36. Fuͤ nftes Kap. Reiſe nach Laguna — Ueber dieſe Stadt — Inquiſition — Kloͤ ſter — Bibliotheken — Berge und Schluchten, die ſie umgeben. S. 50. Sechstes Kap. Reiſe nach Tegueſte und Tegina — Weg von St. Crux nach Kandelaria und nach Guimar — Reli— gioͤ ſe Feſte. f S. 60. Siebentes Kap. Reiſe nach Orotava — Pitoreskes Gemaͤ lde dieſer Stadt und ihrer Umgebungen — Drachenbluts— baum — der Hafen von Orotava — Botaniſcher Garten — Ruͤ ckkehr nach Laguna — Karnevals-Luſtbarkeiten. S. 65. 5 ; * K X Achtes Kap. Blick auf die uͤ brigen Städte und Dörfer von Teneriffa, unter andern auf Taganana — Realeſo — Garrachico — Buena-Viſta — Adera — Villaflor. S. 78. Neuntes Kap. Ackerbau — Produkte — Weinberge — Waf ſerleitungen von Teneriffa. S. 83. Zehntes Kay. Preis der Lebensmittel — Handwerke und Kuͤ nſte — Handel — Abgaben. S. 97. Eilftes Kap. Nachricht von den auf den kanariſchen Inſeln gebornen Gelehrten — Oekonomiſche Societaͤ t von Te⸗ neriffa. S. 108. Zwoͤ lftes Kap. Mineralogie. S. 124. Dreizehntes Kap. Zoologie. S. 135. Zuſatz zu der Geſchichte der kanariſchen Inſeln von Sonnini. e S. 150. Rückblick auf die kanariſchen Inſeln. S. 159. Vierzehntes Kap. Reiſe nach den Inſeln Trinidad — St. Thomas und St. Crux — Abfahrt von Teneriffa auf einem neuen Schiffe — Taufe unter dem Wendekreiſe — Angenehme Fahrt — Gefecht eines Wallfifches mit einem Sägefiſch — Wir gehen bei der Inſel Trinidad vor Anker. S. 163. Bemerkungen uͤ ber die Thiere, wovon in den vorhergehen— den Kapiteln die Rede iſt, von Hrn. S. S. 169. Fünfzehntes Kap. Huͤ bſche Landſchaft — Die Engländer bes maͤ chtigen ſich der Fanny — Sie verweigern Baudin die Erlaubniß, ſich auszuſchiffen — Betrachtungen über dieſen Vorfall. 5 S. 179. Note über den Pelikan von Sonnini. S. 188. Sechszehntes Kapitel. ueber die Inſel Trinidad — Bevöl- kerung — Pflanzungen — Produkte — Naturgeſchichte — Golf von Paria. S. 190. Bemerkungen über die Geſchichte, beſonders uͤ ber die Na— turgeſchichte der Inſel Trinidad von Sonnini. S. 203. a no - — 5 E RE ER EL EIERN E WESU / ð· m en Eng Dgelan³ ten am Zn — n u Ueber eren d en, | deffen Kolonialwaaren, und deren Surrogate. Bon E. A. W. v. Zimmermann, Leipzig, 1811, bei Heinrich Bühler in Elberfeld. # n oer ee DE, Bei den vielfachen und den lebhaften Bemuͤ hungen mehrerer Geſchaͤ fts- und Staatsmaͤ nner wie auch verſchiedener Schriftfteler, Surrogate für die Kos lonialwaaren, beſonders für das wichtigſte Erzeug— niß beider Indien, für den Zucker ausfindig zu mas chen, gab mir die neue ſchaͤ tzbare Reiſe des Hrn. le Dru Anlaß, einen Verſuch zu wagen, die Sache von einem hoͤ hern Standpunkt zu uͤ berſehen, um dadurch einen groͤ ßeren Geſichtskreis zu erhalten. Es ergeben ſich ſchon aus der einzigen genauern Ueberſicht des in Europa eingefuͤ hrten Zuckers Re— fultate, die wahrſcheinlich mehreren Leſern auffal— lend ſeyn werden. Man erſieht zugleich nun daraus etwas deutlicher, wie viel oder wie wenig wir von dem bei uns in Europa gewonnenen Zucker zu erz warten haben. Ich wuͤ nſchte, daß irgend ein un— partheiiſcher Sachkundiger bei hiezu hinreichenden Nachrichten und gehoͤ riger Ruhe und Muſe aͤ hnliche Unterſuchungen ebenfalls auf die uͤ brigen Kolonial— waaren ausdehnen moͤ gte, da mir hiezu faſt alles Obige fehlt. Nach meinen geringen Einſichten wuͤ r— den daraus ſehr merkwürdige Nefultate fuͤ r den gan⸗ zen inneren Laͤ nderverkehr und fir den ganzen Han— del hervorgehen. Schwerlich ließe ſich indeß dergleichen unterneh—⸗ men, ohne in den groͤ ßten Handelsſtaͤ dten die Eins fuhr- und Ausfuhrliſten benutzen zu koͤ nnen, und ſelbſt bei dieſen blieben wir ſtets wegen des Schleich⸗ handels um kein Unbedeutendes zuruͤ ck. In dieſer Ruͤ ckſicht darf ich annehmen, daß, ſo groß auch die nach dieſer Abhandlung ſich ergebende Quantitaͤ t des eingeführten Zuckers immer ſcheinen mag, dennoch eine anſehnliche Zahl von Centnern hiebei ſtets fehlen koͤ nnte. | Da dieſe Unterſuchungen mehreren beſern min⸗ der verſtaͤ ndlich bleiben mußten, ohne das Vaterland der Kolonialwaaren ſelbſt naͤ her zu kennen, ſo ſchien es mir nicht unzweckmaͤ ßig, hier das eigent⸗ liche Weſtindien durchzugehen, und zugleich auf die furchtbaren Ereigniſſe und harten Kaͤ mpfe aufmerk⸗ ſam zu machen, unter welchen dieſe ſchoͤ nen Laͤ nder ſeufzten, bevor wir Europaͤ er endlich zu dem Genuß ihrer trefflichen Erzeugniſſe gelanget ſind. Br. den ıoten Jun. 1811. E. A. W. v. Zimmermann. i end 2 We nien Mi aan konnte es kaum glaublich ſcheinen, daß der Zucker, den er größtentheils nur als eine Seltenheit des Orients, als das Tabaxir oder Tabaſchir der Bam— busknoten, kannte, (denn die Beſchreibung des den Rö— mern bekannten Zuckers paßt genau nur auf dieſen, in dem Rohre ſelbſt abgeſonderten Zucker a), und den er größtentheils nur als Arznei gebraucht fand, dereinſt ein ſo allgemein benutztes, daher allgemein geſuchtes Gut werden, eine ſolche Wichtigkeit erhalten konnte. Ueberhaupt ſiehet man hieraus, daß die Menſchheit noch in ihrer Kindheit ſtand, daß nämlich eine ſehr große Menge, der unſerm Geſchlechte ſo vortheilhaften, zugleich den Gaumen hoch reizenden Naturerzeugniſſe, aus Uns kunde von den Alten vernachläßigt blieb. Denn, wie würde ſonſt das, nach allem was den Sinnen fröhnet, gierige Rom, es wohl unterlaſſen haben, ſich ſolcher Pro— duckte, ſeinem Despotismus gemäß, zu bemächtigen, der . wenigſtens hievon das Monopol durch, Gewalt an ſich zu reißen? 5 | a) Succaron et Arabia fert, sed laudatius India. Est autem mel in harundinibus collectum gummium modo candidum, dentibus fragile, amplissimum nucis avellance magnitudi- ne, ad medicinae tantum usum. Plin. Hist. Natur. Lib. XII. Cap. 8. Die hier beſtimmt angegebene Größe der Stücke des im Rohre ſich von ſelbſt erzeugenden Zuckers, läßt keinen Zweifel übrig, daß auch nicht auf das entfernte— ſte von unſerm aus dem Zuckerrohr ausgepreßten Safte die Rede ſey. ö 3 Es fcheint aber hoͤ chſt bemerkenswerth, daß dieſes Hauptmaterial unſerer heutigen Kolonien, der Zucker, den Abend- und Nordlaͤ ndern, obgleich fie ihn als Arznei kannten, dennoch damals noch nicht von einem ſo hohen Beduͤ rfniß war, waͤ hrend es in mehreren Theilen des Orients nicht blos wie bei uns an dem Honig, ſondern an mehreren hoͤ chſt ſuͤ ßen Saͤ ften der Palmbaͤ ume, einen Stellvertreter fand, ſondern auch von vielen dortigen Voͤ l— kern aus dem wirklichen Zuckerrohr ausgeſogen, und aus— gekocht ward. Sogar die Suͤ dſee-Indianer bedienten ſich deſſen ſeit den aͤ lteſten Jeiten, und die Nordamerikaner ſetzten dafür ſchon bei ihrer Entdeckung den füßen Ahorn— ſaft, und daher deſſen Zucker, an ſeine Stelle. | Bei ruhigem, unbefangenem Ueberblicken der weiſen Einrichtung der geſammten Weltordnung, duͤ rfte man da— her ohne Selbſtigkeit fuͤ r unſer Geſchlecht vermuthen, daß damals diejenigen Krankheiten, welche zu den ſeptiſchen oder faulenden gehoͤ rten, noch nicht ſo allgemein verbreitet waren, daß naͤ mlich die Saͤ fte des Menſchengeſchlechts in dem kaͤ ltern Norden und Nordweſten noch nicht mit ſo vielem Faulſtoff im allgemeinen geſchwaͤ ngert geweſen, um der Verbreitung des Zuckers, jenes trefflichen Mittels zur Erhaltung der Geſundheit ſo ſehr zu beduͤ rfen. Der mit jeder Periode weiter um ſich greifende Ver— kehr der Nationen untereinander, die dadurch gegen einan— der ausgetauſchten Moden, Sitten und vermeinten Bes duͤ rfniſſe, brachten eine gaͤ nzliche Umwaͤ lzung bei unſerm Geſchlecht hervor. Der Menſch ſelbſt ward veraͤ ndert, an— dere Nahrungsmittel, andere Getraͤ nke, andere Lebensart brachten ein anderes Blut in Umlauf, andere Krankheiten brachen hervor, und andere Heilmittel wurden nothwendig. | 1 4 Auf ſolche Weiſe konnten ſich mithin Naturprodukte zu einer Nothwendigkeit, zu einer Allgemeinheit erheben, wovon die kurzſichtige, den Gang der menſchlichen Natur nie im Ganzen beobachtende Vorzeit auch keine Ahnung hatte; ſie konnten denn ein eben ſo wichtiger Gegenſtand der Fehden zwiſchen Nationen werden, als das Gold ſelbſt; und Laͤ nder, welche fie erzeugten, wurden der Zank⸗ apfel der groͤ ßten Mächte. Von nun an legte ihr Beſitz ein großes Gewicht in die Waagſchale der Macht des Staats, dem ſie angehoͤ rten. Ein ſo nothwendig gewordenes Produkt koͤ nnte daher ſelbſt die Vernachlaͤ ſſigung der goldreichen Bergwerke her vorbringen, ſobald man einſah, daß dieſe nur eine unges wiſſe und unbeſtimmte, der Anbau von jenen hingegen eine jährliche, beſtimmte Ausbeute auswuͤ rfe. Und ſo war wirklich der Fall. Die erſten Spanier ſuchten Bergwerke auf den von ihnen entdeckten Inſeln Weſtindiens. Sie fanden die Ausbeute wichtig, und zwangen die ungluͤ cklichen Indianer ſie zu beärbeiten, allein ſo ergiebig ſie auch damals ſein mogten, man gab ſie bald auf, der Anbau des Zuckers und anderer Kolo— nialwaaren uͤ berwog bald die Bearbeitung der Goldminen. Von jetzt an wurden daher der weſtindiſche Archipel und deſſen Inſeln der Schauplatz anhaltenden Zanks, ſchrecklicher Kriege. Spanien hatte vormals die unſchul⸗ digen Originalbewohner, die einzigen rechtmaͤ ßigen Herren dieſer ſchoͤ nen Laͤ nder, größtentheild aufgerieben. Von da an wuͤ theten die Europaͤ er ſelbſt gegeneinander auf dieſer geſchaͤ ndeten Erde, und hiebei machten ſie ſich auf eine neue, bisher unbekannte Weiſe ſtrafbar. Der Mangel an Menſchen, durch ihre Greuel geſchaffen, ſollte durch a * 1 E /e . 8 eine neue Schaͤ ndlichkeit wieder verguͤ tet werden, durch das Stehlen, Rauben und in Eiſenſchlagen fremder Na— tionen, der Schwarzen, die niemals weder Amerika noch ſeine Moͤ rder geahnet hatten! So muß der verfeinerte Boͤ ſewicht von der erſten Staffel des Laſters ſtets zu einer hoͤ hern fleigen! — Gerechte Nemeſis! wie haft du es aber dem Europäer: vergolten! Denn dieſe ſchoͤ nen Inſeln, unter dem heiter— ſten Himmel, ſind ſeitdem die Monumente von Millionen | ſich wechſelſeitig mordender Europaͤ er, und in dem rein— ſten Zucker, in dem ſchmackhafteſten Kaffee, in dem nahr— hafteſten Kakao, genießen wir ſtets das Blut unferer Voraͤ ltern, denn der Boden aller Pflanzungen iſt ja damit auf immer gedünget. | Wahrlich lag faſt von Anfang an der Arm Gottes ſchwer auf dieſen Kolonien. ! a Kaum hatten ſich die erſten Entdecker nach taufend- fachen Schandthaten hier feſtgeſetzt, kaum hatten ſich außer den Portugieſen, die Holländer, die Franzoſen und Eng⸗ llaͤ nder zu bedeutenden Handelsnationen erhoben, fo ſahen die Spanier bereits mit Eiferſucht auf die Verſuche hin, welche letztere machten, in einigen der bis jetzt von Euro- paͤ ern unbenutzt gebliebenen Inſeln dieſes ſchoͤ nen Archi⸗ pels Fuß zu gewinnen. | Sie begannen ſofort ſelbſt die ſchweren anhaltenden Kriege gegeneinander. Ja es entſtand ſogar auf dieſen Meeren und Inſeln eine eigene Republik von Seeraͤ ubern, die da von allen übrigen europäifchen Nationen bekriegt, dieſen wiederum nicht nur mit furchtbarer Tapferkeit wi— derſtand, ſondern oftmals mit unmenſchlicher Wuth, ihre 6 an den harmloſen Indianern veruͤ bte Greuel, auf das blutigſte raͤ chte. Re Die Geſchichten der Boucaniers und Flibuſtiers, worunter ſich Montbars, Smith, Laurent, der Dieppiſche Peter der Große, Morgan, de Graeff u. a. auszeichneten, erregen ſowohl Schauder als Bewun⸗ derung. Sie zeigen die Kraft und die Elendigkeit, die Höhe und die Niedrigkeit des Menſchen. Der kuͤ hnſten Selbſtaufopferung, der edelſten Uneigennuͤ tzigkeit folgt oft augenblicklich bald die geſchliffenſte Mordſucht, bald die niedrigſte Raubgierde! Nirgend als bei dieſen Seeraͤ ubern ſah man ſo auffallend, was der Menſch iſt ohne feſte Grundſaͤ tze, ohne Religion; dann ein Halbgott, dann hin— gegen das verworfenſte aller geſchaffenen Weſen! \ Die Boucaniers und gleich nach ihnen die Flibuſtiers a) oder Freiboͤ ter, Geſellſchaften von prinziploſen Wagehaͤ lſen mehrerer Nationen, hauptſaͤ chlich Franzoſen und Englaͤ n⸗ dern, traten mit einem wuͤ thenden Haß, anfangs haupt⸗ ſaͤ chlich gegen die Spanier auf. Die Spanier hatten naͤ m⸗ lich geſucht, ſie mit bewaffneter Hand von St. Domingo zu vertreiben, woſelbſt ſie ihr Hauptgeſchaͤ ft aus der Jagd des wildgewordenen Hausviehes machten. | Aber dieſe tollkuͤ hnen Menſchen giengen unerfchüttert ihren Gang zur Vernichtung aller ſpaniſchen Niederlaſſun- gen. Man ſahe ſie mehrmals mit geringer Mannſchaft Feſtungen erobern, welche bisher für unuͤ berwindlich ge: halten wurden, und Flotten glücklich bekaͤ mpfen, die da a) So hießen fie vom Boucaniren (durch Rauch trocknen) des Fleiſches ihrer Jagden. Die Flibuſtiers hatten den Na⸗ men von ihren Fiyboat, fliegenden Boot, nach Andern von Fryboot, Freubuter, 2 1 re 2 ihnen ſowohl an Geſchuͤ tz als Mannſchaft 20 ja Zofach überlegen waren: Sie bildeten eine Art von Demokratie, und theilten auf die gewiſſenhafteſte Weiſe die Beute. Den Verwundeten ward hiebei fuͤ r ihren Verluſt ein feſt— | beſtimmter Er ſatz zu Theil. So galt ein verlorner Arm 200 Thaler; ein Auge, ein Finger koſtete die Haͤ lfte u ſ. w. Die gemachte Beute individuel zu ſchmaͤ lern, dieß ward mit Schmach und Verjagung aus der Geſellſchaft beſtraft. Auch hielt man genau auf ein gegebenes Wort, und man ſah mitten unter den groͤ ßten Greueln von Raub— und Mordſucht, daß bei dieſen Menſchen dennoch noch nicht alles Gefuͤ hl von Treue und Glauben vernichtet war. So wild nun auch dieſe Seeraͤ uber gegen alles Eigen— thum auftraten, dennoch waren ſie im Ganzen dem großen Gange der Menſchheit zur Entwickelung, kein gaͤ nzliches Hinderniß. Sowohl die Nautik als die Erdkunde ver dankt ihnen ſehr viel. Ihr langes, taͤ gliches, kuͤ hnes Durchkreutzen des weſtindiſchen Archipels ja ſelbſt eines großen Theils des Suͤ dmeeres gab uns die Kenntniß vieler kleinen In— ſeln, vieler gefährlicher Felſen, ſubmariner Untiefen, und nur ſeit ihren oft verheerenden Zuͤ gen befuhr man dieſe Meere mit groͤ ßerer Kunde und Sicherheit. Die Inſeln ſelbſt, ihre Kuͤ ſten ſowohl als ihr Innerſtes mußten aber begreiflich durch geſcheidte Menſchen viel ge— nauer bekannt werden, die entweder hier voͤ llig zu Hauſe waren, oder ſie doch auf das fleißigſte und genaueſte be— ſuchten und durchſuchten. Die Zeit von der Mitte des ne Jahrhun⸗ derts bis zum Anfange des achtzehnten war mithin für die Kunde des. weſtindiſchen Archipels von großer Wich— 8 4 tigkeit, denn mit dem Utrechter Frieden, der die zuvor einander feindlich behandelnden Seemaͤ chte wieder verei⸗ nigte, ſahen ſich dieſe wilden Freiheitsmenſchen verloren. Die Inſeln Weſtindiens ſelbſt erhielten indeß hiedurch nur pauſenweiſe Ruhe. Sie hatten fich freilich vor dieſem Frieden unaufhoͤ rlich wie Spielbaͤ lle bald dieſer bald jener Seemacht zugewor⸗ fen geſehen, ſo daß eine und dieſelbe Inſel oft in einem einzigen Jahre bald den Englaͤ ndern, dann den Caraiben, gleich darauf den Franzoſen angehoͤ rte. Dennoch war der Utrechter Frieden nicht vermoͤ gend unſerm Archipel eine lange Ruhe zuzuſichern. Schon 1718 loderte das Kriegsfeuer in St. Domingo, denn Frank⸗ reich ſuchte noch vor der Quadrupelallianz (1719) die Spanier von der Inſel, wiewohl vergeblich, zu verjagen. Die kleineren Antillen haben leider aͤ hnliche Schickſale erfahren. Bald ermordete man die Caraiben, bald be: netzten die Europaͤ er dieſe ſchoͤ nen Laͤ nder mit eigenem Blute. | Auf eine zuvor unbeſetzte Inſel waͤ hnte nun jede See— macht gleiche Anſpruͤ che zu haben, und ſelbſt wenn Europa völlig in Frieden war, fiel man über das Eigenthum des Andern her. Als St. Lucia ohne Widerſpruch von Eng: land, durch den Marſchall d’Etrees von Frankreich aus in Beſitz genommen, forderte es England im Jahre 1719, alſo bald nach dem Utrechter Frieden, zuruͤ ck, ja es beſetzte es 1722 fogar auf eine vollig feindliche Weiſe; und ſeit dieſem Jahre ſahe man zu verſchiedenen Zeiten an einem Theile der Inſel die engliſche, an dem andern die fran⸗ zoͤ ſſche Flagge. 9 Solcher Beiſpiele wäre es ein Leichtes hier viele andere innerhalb der benannten Perioden beizubringen, wenn es nicht zu weit von unſerm Zwecke fuͤ hrte. Und waren nicht gleich nach dem Frieden von Var⸗ dez (1728) ſtets die Inſeln auf das ungluͤ cklichſte der wechſelſeitige Raub der Seemaͤ chte, ſobald nur eine Miß⸗ helligkeit unter ihnen ausbrach? | So ward ja in dem Kriege von 1740 nicht nur Cuba nebſt dem uͤ brigen ſpaniſchen Weſtindien von England hart mitgenommen, und 1343 zerſtoͤ rte eben dieſe Seemacht auch den franzöfifchen Theil von St. Domingo. Der in dieſem Jahre erfolgte Aachener Friede ſetzte zwar dieſen Calamitaͤ ten auch in Weſtindien ein Ziel; allein ſchon 1755 brach die Kriegsflamme weit heftiger uͤ ber dieſe ſchoͤ nen Laͤ nder aus. Der Krieg, welcher auf dem feſten Lande von Amerika zwiſchen England und Frankreich anhub, hatte die traurig— ſten Folgen fuͤ r die inſularen Beſitzungen des letztern. Martinique, Guadeloupe und alle von ihnen abhangenden Kolonien Weſtindiens wurden eine Beute des Siegers, und nur der Pariſer Frieden von 1763 gab fie an Frank⸗ reich in ſehr veroͤ detem Zuſtande zuruͤ ck. Endlich gewaͤ hrte die Vorſicht den ſchoͤ nen Ländern eine verhaͤ ltnißmaͤ ßig lange Friſt zum Wiederaufbluͤ hen. Sie ward durch die ungluͤ ckliche Theilnahme Frankreichs an dem Familienzwiſt zwiſchen England und feinen Continen⸗ tal⸗Kolonien in Nordamerika beendigt. Der Krieg, der nun deßhalb im Jahre 1778 wiederum anhub, veranlaßte in den geſamten Inſeln des weſtindiſchen Archipels die traurigſten Verheerungen und Zerruͤ ttungen. 10 Durch den neuen Frieden im Jahre 1783 ſchienen ſie nur eine feierliche Pauſe zu machen, um ſechs Jahre dar— auf mit weit entſetzlicherm Ungluͤ ck wieder hervorzubrechen. Denn nun hub die entſetzliche Revolution Frankreichs an, und einer ihrer erſten Schritte war die Vernichtung der herrlichſten Kolonie des ganzen weſtindiſchen Archipels. Die Bekanntmachung der ſogenannten Menſchenrechte zerſprengte alle Ordnung, alle Sicherheit der hochblühen- den Niederlaſſungen Frankreichs. Die Nationalverſamm⸗ lung, welche die Rechte des Menſchen, aber nie die Pflich— ten des Menſchen auspoſaunte, verheerte den Fleiß von Jahrhunderten, brannte Pflanzungen, Doͤ rfer und Staͤ dte nieder, hetzte die Menſchen gegen einander wie wilde Thiere auf, wuͤ rgte vielehunderttauſende unſchuldiger flei— ßiger Mitbürger , welche das Vaterland bis dahin ſelbſt zum hoͤ chſten Wohlſtande hinauf geführt hatten. Und wem iſt es unbekannt, wie ſeit dieſer Ungluͤ cksperiode dieſe herrlichſte fruchtbarſte aller Antillen ein blutiger Raub der Verheerung vielartiger Partheien geworden iſt, und noch ſelbſt anjetzt keine Ruhe genießt! Doch wir wenden uns weg von den Folgen dieſes Um: ſturzes, und der daraus entſprungenen Greuel, ſie ſpre— chen noch jetzt zu furchtbar in das Ohr des Menſchen— freundes. | Weniger duͤ rfen wir hier übergehen, was ſelbſt in Zei⸗ ten der aͤ ußern Ruhe, in den Zeiten des Friedens der See— mächte untereinander, dieſe Kolonien in ihrem Innern fuͤ r ſchreckliche Verwuͤ ſtungen erlitten haben. | Die nothwendig geglaubte (vorzuͤ glich ſeit 1517 im Großen) Einfuhr der Schwarzen aus Afrika, mußte be⸗ greiflich eine bedeutende Veränderung in Ruͤ ckſicht des gan⸗ 11 zen Haushalts der Inſeln, ihrer 1 und ihres An⸗ baues hervorbringen. Wären auch dieſe Fremdlinge bereits unter einem aͤ hnlichen Klima wirklich Sklaven geweſen, waͤ ren ſie auch in ihrem Vaterlande zu harter Arbeit von ihren Herren angehalten worden, ſo war einmal dieß ſtets ihr Water: land, deſſen Nahrung, Sitten und Religion feit ihrer Kind: heit ihnen angeeignet waren; fie ertrugen das Joch ihrer eigenen Nation; ſie nahmen es als ein vaͤ terliches, wenn gleich unangenehmes, Erbtheil. Aber der Leibeigene in Afrika iſt weit weniger Sklav. Den ſicherſten Nachrichten zufolge ſtrengt man ihn weniger zur Arbeit an, denn man bedarf deren nicht ſo viel; man bauet in dem reichen Bo— den nur zum taͤ glichen Verbrauch. Allein, und hier liegt der große, harte Unterſchied, die wenigſten der nach Weſt⸗ indien hinuͤ bergeſchleppten Schwarzen waren in ihrem Vaterlande Sklaven. Dieſe freien Menſchen, oft auf die niedrigſte, haͤ rteſte Weiſe geraubt und hinweggeſchleppt, wie tief muͤ ſſen ſie nicht die Verwandlung ihres Zuſtandes fuͤ hlen? In enge ſtinkende Kerker der Sklavenſchiffe un— ter dem gluͤ henden Himmel zuſammengedraͤ ngt, in Ketten gelegt, Krankheit und Tod neben ſich, was fuͤ r eine kaum unausloͤ ſchliche Rachſucht muß dieß in der Seele der uͤ brig— gebliebenen, endlich auf den Inſeln gelandeten entflam— men? Und wie muß dieſe erhoͤ het werden, wenn nun der Sklavenhaͤ ndler mit eiſerner Stirn und Fauſt den Freund von dem Freunde „den Bruder von der Schweſter, das Weib von dem Manne, das Kind von der Mutter uner— bittlich trennt? Wie unterſteht ſich der Weiſſe nur allein bei dieſer Lage der Dinge, bei dieſen empoͤ renden Mißhandlungen 13 der menſchlichen Natur, von dem Schwarzen etwas an⸗ ders als dauernden Haß, verhaltene Rache und haͤ rteſte Wiedervergeltung zu erwarten? Dennoch erhoͤ het er ſtets ſeine Verbrechen gegen den unglücklichen Fremdling, der ihn nie zuvor beleidigte. Daher dann auch die haͤ ufigen, ja, ſobald man die ge⸗ ſammten Inſeln uͤ berhaupt durchgeht, faſt dauernden Ent⸗ laufungen und Empoͤ rungen dieſer Afrikaner gegen die Weiſſen; daher die dadurch bald hier bald dort in die Aſche gelegten Pflanzungen und Städte, und die Ermor⸗ dungen der Herren. 5 Auf den kleinern Inſeln konnte es indeß nicht ſchwer fallen, die empoͤ rten Neger wieder zu unterjochen. Die Europaͤ er eilten von allen Seiten vermittelſt ihrer Flotten den Pflanzern ſehr leicht zu Huͤ lfe. Ganz anders ſtand aber die Sache auf den großen In⸗ ſeln. Ihre bedeutende, oft weit vom Meere gelegene Ge⸗ birge boten den entlaufenen Sklaven Zufluchtsoͤ rter an, welche oftmals den Weiſſen, da ſie dieſe unfruchtbaren unangebaueten Gegenden nicht kannten, wegen der ſchrof— fen Felſen und der darin verborgenen Höhlen kaum zu— gaͤ nglich waren. Man nennt die ihren Herren entlaufenen Neger Maron-Neger, welches Wort bald von Mar⸗ rand, auf ſpanniſch ein junges Schwein, mit deren Jagd ſich dieſe Fluͤ chtlinge beſonders beſchaͤ ftigten, bald von Simaron (ein Affe) abgeleitet wird, da diefe Ne⸗ ger wie die Affen von wilden Baumfruͤ chten u. d. lebten. Wie furchtbar nun dieſe Maron⸗Neger den Pflanzun⸗ gen werden koͤ nnen, davon diene uns die Geſchichte der Maron⸗Neger auf Jamaika „ wenn gleich faſt die kleinſte der vier großen Antillen zum warnenden Beiſpiele. Nachdem die Engländer im Jahre 1655 dieſe Inſel den Spaniern abgenommen hatten, entliefen 5000 Neger ihren Pflanzungen, und fluͤ chteten ſich in das Gebirge. Ungereizt uͤ berſielen ſie nun von hieraus die Weiſſen, verheerten die Plantagen und mordeten ohne Anſehn des Alters und des Geſchlechts die Beſitzer. Zwar brachte man durch die gegen ſie geſandten Truppen viele von ihnen zum Gehorſam. Allein die übrigen wuchſen ſchnell durch neue Ausreiſſer zu einer ſo furchtbaren Macht an, daß England ſich genoͤ thigt ſahe, die Miliz von Jamaika mit mehreren Regimentern regelmaͤ ſſiger Truppen gegen ſie zu verſtaͤ rken. Denn dieſe Maron-Neger hatten nicht nur ſehr vorzuͤ gliche Anführer gewaͤ hlt, ſondern ihre Lebensart hatte ſie gegen jede Gefahr abgehaͤ rtet, und da ſie jede Schlucht, jede Höhle, jede ſchwer zu erſteigende Hoͤ he in- nerhalb der Gebirge, ſo wie jeden kleinen Waldſtrom kannten und trefflich zu benuͤ tzen verſtanden, ſo brachten es ſelbſt die koſtſpieligen Anſtrengungen der Pflanzer nie dahin, dieſe verheerenden Kriege entſcheidend zu beendigen. Sie hatten bis zum Jahre 1730 bereits auf drittehalb Millionen Thaler gekoſtet, und haͤ tte nicht der geſcheidte Gouverneur Trelawny, acht Jahre ſpaͤ ter, den Krieg gegen die Maron-Neger dadurch ſo furchtbar gemacht, daß er ſo viel moͤ glich alle Gewaͤ ſſer abſchnitt, ſie mit eigens hiezu aufgezognen Negerhunden aufſpuͤ rte, und ſich überall in den Waldungen Blockhaͤ uſer mit Beſatzungen errichtete, fo wäre es ſelbſt damals noch zu keinem haltbaren Frieden zwiſchen den Pflanzern und ihnen gekommen. In dieſem Frieden, den ihr talentvoller Anfuͤ hrer, der Maron-Neger Cud joe, im Jahre 1738 mit dem Gou- verneur abſchloß, mußte man ihnen dennoch eine eigene N ER ER, Fe RE FETT 14 Stadt oder Ortſchaft zugeſtehen, ſo weit hatten dieſe ent⸗ laufenen Schwarzen es gebracht! a | Der Frieden dauerte lange, nur erſt 1795, da ſich die Maron-Neger beleidigt glaubten, ward er gebrochen, und das Blutvergießen hub von neuem ab. Indeß war Eng— land dießmal weit gluͤ cklicher, die Klugheit des General Wal pole, den Maron-Negern ihren Unterhalt, vorzuͤ g⸗ lich das nothwendige Waſſer zu erſchweren, und die Furcht der auf die Weiſe verkuͤ mmerten und ausgemergelten Schwarzen vor jenen gräßlichen Negerhunden, welche man ausdrücklich nebſt eigenen Menſchenjaͤ gern aus den ſpani⸗ ſchen Beſitzungen hatte kommen laſſen, bewog endlich die Maron⸗Neger ſich unter der Bedingung, daß ihnen das Leben geſchenkt wuͤ rde, zu ergeben. Die Regierung hatte nur zu traurige Beweiſe der Furchtbarkeit dieſer Schwarzen innerhalb des gebirgigten Eilandes. Sie wandte daher 150000 Rthlr. an, fie ins⸗ geſammt nach Canada und Neuſchottland hinuͤ berbringen zu laſſen. Dort theilte man ihnen Land- und Ackergeraͤ the zu, um ſich ruhig anbauen zu koͤ nnen. So ward ſchon im Jahre 1796 dieſe ſchreckliche Menſchenrace in brauchbare Koloniſten verwandelt, und Jamaika's Pflanzungen konn⸗ ten ruhig gedeihen. Dies Beiſpiel lehrt hinreichend, was der Europäer von dem gemißhandelten Neger nicht ohne Grund zu er— warten hat, und wie ſehr, ſelbſt ohne aͤ ußern Krieg die Kolonien Weſtindiens in ſteter Gefahr ſchweben. Zugleich wird dadurch die Summe der durch dieſe In- fein ungluͤ cklich gewordenen Europaͤ er betraͤ chtlich erhoͤ het, und dieſe Zahl ſteigt ins unangebliche, wenn man endlich hiezu noch die Menge, welche dort das Klima, oder eigent⸗ * 15 lich ihre dem Klima zuwider laufende Lebensart, jährlich ins Grab wirft. Denn wenn es gleich nicht zu leugnen ſteht, daß in Weſtindien verſchiedene ihm eigene Krankhei— ten herrſchen, welche vorzuͤ glich den noͤ rdlichen Frem— den, den Eurspaͤ ern tödlich find, wie z. B. das Paſino, das ſchwarze Erbrechen, der Tetanus der Kinder, u. a., fo trägt doch die Lebensart der Pflanzer unendlich viel bei, ihre Schaͤ dlichkeit zu erhöhen und fie allgemeiner zu machen. Der Pflanzer, vorzuͤ glich aber der neuange— kommene Europaͤ er, uͤ berlaͤ ßt ſich gewoͤ hnlich der ausſchwei— fendſten Lebensart, und ſetzt durch ſtarke Getraͤ nke, große Schmauſereien, Tanz und Frauenzimmer, die Maſſe, der in dieſer heiſſen Sonne ohnedies zum Erhitzen und Gaͤ hren geneigten Saͤ fte in toͤ dtliche Bewegung. So waren denn hundertjaͤ hrige, nur pauſenweiſe unter— brochene Kriege, ſteter innerer Kampf des Pflanzers gegen ſeine Sklaven, wolluͤ ſtige, peſtartige Krankheiten erzeu— gende Lebensart, das Loos der Kolonien von ihrem erſten Daſeyn. Bleibt es hiebei doch faſt unbegreiflich, wie ſie dieſen unendlichen Calamitaͤ ten dauernd Preis gegeben, dennoch zu ihrem heutigen Flor emporſtiegen? Wie ſie viele Millionen Menſchen naͤ hrten, ungeheure Schaͤ tze er— zielten, einen ſehr großen Theil von Europa erhielten, und der ganzen Menſchheit durch ihre heilenden, nahrhaften und reizenden Produkte ſtets unentbehrlicher wurden. Sie ſind abermals ein erſtaunliches Beiſpiel, wie ſelbſt der anhaltende Wahnſinn des Menſchen ihn nicht zuruͤ cktreiben kann, den ſtets aufwärts draͤ ngenden Keim unſerer Natur zur hoͤ hern Entwikkelung, ja wie oftmals gerade dann, wann die geſtaͤ hlteſte Bosheit alles dage— gen aufbietet, ſie wider ihren Willen dem Feinde die 16 Waffen in die Haͤ nde giebt. Wer duͤ rfte es daher wagen, ſelbſt die ungeheure, verwuͤ ſtende Umwaͤ lzung der ſchoͤ n— ſten, und bisher fruchtbarſten aller Antillen, den Um⸗ ſturz von St. Domingo, als gaͤ nzlich fuͤ r die Zukunft verloren anzuſehen? Moͤ gen doch eben unter dieſer heu— tigen Anarchie der Schwarzen viele tauſend Morgen zu— vor unbebautes Land in Bewegung geſetzt, dereinſt neue reiche Ernaͤ hrungsquellen darbieten. | | Mögen ſelbſt dieſe Schwarzen, ſeit Jahrhunderten der Gegenſtand der Grauſamkeit und der Verachtung, hie⸗ durch Gelegenheit finden, ſich als Geſchoͤ pfe hoͤ herer Art zu zeigen, welche gleich ihrem weiſſen Mitbruder in der Weltordnung nach und nach eine größere Vollkommenheit erreichen, und dem Ganzen nuͤ tzlicher werden. Kehren ſie, wie es wahrſcheinlich iſt, zur bürgerlichen Ruhe nach tauſendfachen Leiden wiederum zuruͤ ck, dann tritt wohl eine neue Ordnung der Dinge dort auf. Der Weiſſe und der Schwarze ſind auf die furchtbarſte Weiſe belehrt, wie jede Ueberſpannung zum Verderben fuͤ hrt, und ſo koͤ nnten dereinſt vernuͤ nftige Geſetze und billige Nachgiebigkeit dieſen trefflichen Archipel dem ganzen Men- ſchengeſchlechte ſich darſtellen, wie ihn bereits Columbus an⸗ kuͤ ndigte, nämlich als den reizendſten Garten der Erde, zu herrlich, wie er ſich ſelbſt ausdruͤ ckt, als daß ſeine Feder es vermoͤ gte, eine ihm wuͤ rdige Schilderung davon zu entwerfen. Dieſen Sitz der Schoͤ nheit und des unerſchoͤ pflichen Reichthums, einigermaßen kennen zu lernen, zu ſehen, wie viel er der geſammten Menſchheit werth iſt, hiezu moͤ gen folgende Grundzuͤ ge dienen. gi 1. Bere und Eintbeilung. Nicht ohne Grund nennen die Englaͤ nder Weſtindien das ungeheure Becken, oder vielmehr den Archipel, wel⸗ cher vom Golf von Paria in Suͤ damerika gegen den | 10ten Grad nordlicher Breite anhebt, und uͤ ber Florida bis zu 27 Gr. der Br. mit den Matotillen der Ba⸗ hama Inſeln endigt, in Weſten aber durch das feſte Land von Panama, Alt- und Neu-Mexico eingefaßt wird. | Es war ja das in Weſten gelegene Indien, wel⸗ ches Columbus in dieſer Richtung vorzufinden, hoffte und wann man Amerika ſelbſt damals nur fuͤ r eine ſehr große Inſel anſah, ſo erhielten die Inſeln unſers Archipels mit Recht den Namen der kleineren Vor-Inſeln, welche von Europa her vor der groͤ ßern gelegen waren. (Ante majo- res Insulas sitae) oder der Antillen. Bleibe es unentſchieden, ob in der graueſten Vorzeit, das große Becken, welches jetzt von dieſen Inſeln und dem duͤ nnen Gebirgslande des Continents gebildet iſt, eine einzige Maſſe feſten Landes ausgemacht habe, welche durch einen maͤ chtigen Meeresſtrom, verbunden mit dem ſtarken Umſchwung der Erde unweit des Aequators, zer— truͤ mmert worden ſei; genug dieſe Zertruͤ mmerung iſt jetzt wirklich vorhanden, und ihre groͤ ßeren und kleineren Bruchſtuͤ cke liegen, unter der mannigfaltigſten Geſtalt vie⸗ ler hundert Inſeln, vor unſern Augen. Sie bilden einen großen Bogen, mit der Hoͤ hlung nach Weſten gekehrt, und ſind von der Natur ſelbſt in verſchiedene Abſchnitte getheilt. Von Suͤ den an gerechnet hebt die erſte Abtheilung nordwaͤ rts der großen Inſel Teinidad, mit der kleinen ene an, und laͤ uft 2 18 bis gegen Porto Rico nach Norden hinauf. Die hierun⸗ ter begriffenen Inſeln heiſſen noch jetzt von ihren fruͤ heren Bewohnern, die Caraibiſchen Eilande, obgleich die nordweſtlichſten von der Inſel Virgin Gorda an, die Jungfern-⸗Inſeln (Los Virgines) benannt werden, ein Name, den ſie bereits bei ihrer Entdeckung von Co⸗ lumbus zu Ehren der eilftauſend Jungfrauen erhielten. Eine Unterabtheilung darf hier nicht uͤ bergangen wer⸗ den, da fie häufig vorkoͤ mmt, naͤ mlich die Eintheilung in die Inſeln im Winde (Windward Isles. Isles du Vent) d. i., welche dem ſtarken Oſtwind ausgeſetzt ſind; ſie ſind die ſuͤ dlichſten der Caraiben und ſtehen am weite⸗ ſten gegen Oſten hinaus; da hingegen die zweite Abthei⸗ lung, die Inſeln unter dem Winde (Leeward Isles. Is- les sous le Vent) die nordlichſten gleich uͤ ber Martini⸗ que weniger hievon leiden. Gleich hierauf folgt nordlich, und noch mehr nord— weſtlich die zweite Hauptabtheilung, die der vier großen Antillen, Porto Rico, St. Domingo jetzt nach ihrem urfprünglichen Namen Hayti genannt, dann die groͤ ßte Inſel des ganzen Archipels, Cuba, und ihr in Suͤ den endlich Jamaica. Dieſe 4 großen Antillen machen gleichſam einen innern, 5 gegen das Continent hin geſtreckten Laͤ nderſtrich aus, waͤ h— rend daß nordlich die Reihe der kleineren Inſeln, der Bahama -Inſeln als ein ſie gegen Oſten ſchuͤ tzender Wall von Trümmern des ehemaligen Landes nach Norden, bis über den arten Breiten-Grad laͤ ngſt Florida hinauf⸗ laͤ uft. Zwiſchen dieſer nordlichen dritten Abtheilung und dem feſten Lande iſt denn jener beruͤ hmte Kanal, in wel⸗ chem der Golf-Strom von Florida die Gewaͤ ſſer ſo heftig 19 treibt, daß man ſelbſt auf 400 Meilen weit feine Wir- kung ſpuͤ rt, und die von Europa kommenden Schiffe oft um 15 deutſche Meilen in einem Tage zuruͤ ckhaͤ lt. Es waͤ re eine unnuͤ tze Arbeit, die Summe dieſer In— ſeln und einzelnen Felſen angeben zu wollen, woraus die | obenangefuͤ hrte Anzahl dieſer drei Abtheilungen der An— ttillen beſteht; fie betragen wenigſtens einige Hundert. Wir zeichnen hier nur diejenigen mit wenigen Worten aus, welche der Europaͤ er vorzuͤ glich benutzt. In Suͤ den verdient zuerſt die große Inſel Trinidad, ſeit 1801 unter engliſcher Botmaͤ ßigkeit, erwähnt zu werden. Sie wird nicht eigentlich zu den hier aufgefuͤ hrten An— tillen gerechnet, fie ſchließt aber wirklich ihren ganzen Bo⸗ gen, und tritt in dem Golf von Paria ſehr nahe an das feſte Land von Amerika an. Trinidad haͤ lt uͤ ber 66 deut— ſche Meilen im Umfange, die Gebirge, welche unterein— ander parallel von Weſten nach Oſten uͤ ber ſie hinlaufen, liefern gutes Schiffholz. Beruͤ hmt iſt dieſe, wahrſchein— lich volkaniſche Inſel, vorzüglich wegen eines großen As— phalt-Sees am Cap la Brea, von drei engliſchen Meilen im Umfange. Der Asphalt wird als Schiffspech ſtark be⸗ nutzt, auch zeigen ſich an andern Orten Quellen von fluͤ ſſigem Erdpech. Ebenfalls findet ſich im Innern eine anſehnliche Salz-Lagune. Im Jahre 1801 war der Ertrag von Trinidad 69,551 Centner Zucker; 19,557 Gallon Rum; 3327 Cent. Caffee, und „239000 Pfund Baum— wolle. Die Bevölkerung iſt im Wachſen; von 16553 See⸗ len, worunter 10000 Negerſelaven, war ſie ſchon auf 38000 geſtiegen. | Von hier aus liegt in einem Abſtande von 9 Meilen (lieues) die ſuͤ dlichſte der Antillen, der Inſeln unter 2 * 2 75 20 dem Winde, Tabago, durch den heutigen Krieg von Neuem Frankreich entriſſen. Sie haͤ lt nur 10 Meilen (lieues) in die Laͤ nge, und gab dem Mutterlande 3 Mil⸗ lionen Liv. an Colonial-Waaren. Sodann folgen nordweſtlich, den Britten gehoͤ rend, Grenada und die kleineren Grenadillen, der letztern rechnet man 30. Grenada iſt etwa n 5 deutſche Meilen lang, aber nur halb ſo breit. Der Betrag iſt an Zucker und Caffee etwa 600000 Pf. Sterling werth. Die gut er⸗ bauete Hauptſtadt heißt St. George. In gerader Linie kommt man nordwärts zu der Inſel St. Vincent. Sie iſt beſonders deßhalb merkwuͤ rdig, weil ein Mittelſchlag Menſchen, von Negern und den rothen Caraiben erzeugt, daher unter dem Namen der ſchwarzen Caraiben bekannt, einen großen Theil die⸗ ſer fruchtbaren Inſel beſitzt. Von den 84000 Morgen Lan⸗ des der ganzen Inſelflaͤ che, ſind den Britten nur etwas über 23000 eigen, eben fo viel den ſchwarzen Caraiben, und der Reſt liegt unangebauet. Die ausgefuͤ hrten Kolo- nialwaaren betragen 200000 Pf. Sterling. Gegen 25 Seemeilen nach Oſten liegt hier gegenuͤ ber die brittiſche, bedeutende Inſel Barbaddes (30° 10° n. Br. 59° w. von London. Auf ihrer Flache, von etwas über 106000 Morgen Landes, werden für 550000 Pf. Ster⸗ ling an Zucker, Rum, Baumwolle, Ingwer und Aloe, von 60000 Negern gebauet; denn Caffee liefert ſie nicht. Die uͤ brigen Einwohner betragen nur noch J. Die Haupt⸗ ſtadt Bridgetomn führt einen fehr lebhaften Handel. Von St. Vincent gerade nach Norden in einem Ab⸗ ſtand von 6 Seemeilen finden wir die franzoͤ ſiſche Inſel St. Lucie. Sie hat zwei gute Haͤ fen, hält über 20000 21 Menfihen, und giebt für 4 Millionen Liv. an Kolonial⸗ waaren. | Zehn Seemeilen oli C Breite) folgt die trreffliche franzoͤ ſiſche Inſel Martinique. Deutlicher als auf andern Inſeln ſieht man ihren Gebirgen uud ſchwarzen Felſen den vulkaniſchen Urſprung, oder wenig— ſtens die vom Feuer erlittenen Zerſtoͤ rungen an. Ihre ovale Figur von 16 Lieues Laͤ nge, iſt vom Meere ſtark eingeſchnitten. Fort Royal und St. Pierre ſind die beiden wichtigſten Orte. Vor der Revolution hatte ſie eine Bevoͤ lkerung von 90000 Menſchen; hierunter 73400 Neger und 4850 Mulatten. Der ganze Ausfuhrwerth in Kolonialwaaren, worunter beſonders der Kaffee berühmt iſt, betrug jaͤ hrlich 24 Millionen 640000 Livres. Pflan⸗ zungen hielt fie 1515. Dominica, vom Columbus fo anne weil er fie an einem Sonntage entdeckte, 7 Meilen nordlicher, iſt eine ſchoͤ ne engliſche Beſttzung von 29 engl. Meilen Laͤ nge, etwa 16 breit, liefert auf einer Arealfläche von 186430 Morgen Landes, durch die Arme von 15000 N egerſklaven, über 300000 Pf. Sterling an Kolonialwaaren aller Art, vorzuͤ glich Cacao, Zucker, Kaffee und Baumwolle. Ro⸗ ſeau iſt die Hauptſtadt. } Ä Gleich nordlich von hier beginnen die Refonfeh der Franzoſen, z. B. Defiderade, les Saintes, und Marie Galante, ſehr kleine Inſeln, welche nur wenige Meilen (Lieues) von der Hauptinſel Guadelupe ent⸗ fernt ſind. Jene letztere kleine ſuͤ dliche Inſel bauet mit etwa 7000 Neger und nur 1 Weiſſer, hauptſächlich | Zucker. Guadelupe ſelbſt iſt aber dem Mutterlande von großer Wichtigkeit. Dieſe groͤ ßte der ſogenannten Caraibi⸗ 22 ſchen Inſeln unter 161 n. Br. hält gegen 10 deutſche Meilen in die Laͤ nge, und uͤ ber 6 in die Breite. Sie be— ſteht aus zwei Theilen, welche aber durch einen ſehr ſchmalen Meeresarm, 19 bis 20 Toiſen breit, getrennt ſind, den nur kleine Fahrzeuge benutzen koͤ nnen. Der kleinere Theil (Basse Terre) mit dem Hauptorte gleiches Namens, iſt fruchtbarer als der groͤ ßere (Grande Terre). Auf letzterer iſt die Ortſchaft Point de Pitre wichtig. | Die Inſel hat hohe furchtbare Gebirge, wahrſcheinlich groͤ ßtentheils volkaniſch. Dieß bezeugt beſonders der be⸗ ruͤ hmte Schwefelberg la Soukxiere. Im Jahre 1787 be: trugen die Exporten, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Cacao, Leder, Caſſia und Schildpatt, 5100 14 Pf. Sterling. Unter den kleinen, gleich in Norden folgenden Inſeln verdienen, von denen, welche England gehören, hier nur beſonders bemerkt zu werden, Antigoa als der Sitz des Gouverneurs aller Inſeln unter dem Winde, daher hier auch eine Garniſon von zwei engliſchen Regimentern. Die Inſel haͤ lt 59858 Morgen Landes, und der Werth der darauf gebaueten Kolonialwaaren, vorzuͤ glich Zucker, betraͤ gt gegen 600000 Pf. Sterling. Die Anzahl der Ne⸗ ger iſt gegen 38000, die der Weiſſen nur etwas uͤ ber drittehalb Tauſend. Auch hier haben die Maͤ hriſchen Bruͤ — der eine Miſſion, welcher die Englaͤ nder ſehr ehrenvoll erwaͤ hnen. | Zwei kleine, aber nicht unfruchtbare, brittiſche Inſeln folgen gleich darauf in Nordweſt, Montſerat und Nevis. Erſtere gegen drei Seemeilen lang, bauet auf 30000 Morgen Oberfläche, wovon ein großer Theil gebir⸗ gig iſt, gegen 3000 Drhoft Zucker, außer 1107 Puncheon's Rum und 275 Ballen Baumwolle. Nevis, ſichtlich vol: 9 —— — — 23 kaniſch, liefert nur allein Zucker jährlich 4000 Oxhoft. Der Ertrag dieſer beiden kleinen Inſeln war im Jahre 2568 etwas über 214000 Pf. Sterling. Zwanzig Seemeilen von Antigoa nach Weſten, liegt St. Chriſtopher, unter 172° n. Br., gewöhnlich abge⸗ kuͤ rzt, St. Kitts genannt. Sie hat die Geſtalt einer Keule mit einem duͤ nnen Handgriff in Süden, und iſt be: ſonders beruͤ hmt, wegen des außerordentlich zutraͤ glichen Bodens für den Zuckerbau. Man weiß, daß oftmals ein einzelner Morgen Landes 8000 Pfund Muſcovade geliefert hat. Die ganze Inſel haͤ lt nur 43726 Morgen Landes. Hievon werden etwa 17000 mit Zuckerrohr bepflanzt, 4000 bleiben fuͤ r Weiden und nur ſehr wenig fuͤ r Baum— wolle; das uͤ brige Land beſteht aus oͤ den Gebirgen, vol— kaniſcher Natur. 26000 Neger und 4000 Weiſſe erzielen hier für 1 Million Pf. Sterling Werth, groͤ ßtentheils an Zucker. Ein Lagun an jener ſchmalen ſuͤ dlichen Erdzunge gewaͤ hrt ihr Salz. Faſt einen Laͤ ngengrad weſtlicher unter 160 40“ n. Br. liegt Barbuda, eine unbedeutende Inſel, die der Familie des General Codrington gehoͤ rt. Das Hauptgeſchaͤ ft der dortigen Kolonie beſteht in der vorzuͤ glichen Gewin— nung von Lebensmitteln fuͤ r die Seefahrer. Ein Paar ſehr kleine Inſeln der Nachbarſchaft von St. Chriſtopher gewaͤ hren dagegen groͤ ßere Vortheile. Dieß find die hollaͤ ndiſchen Inſeln St. Euſt ach und Saba. Man ſchaͤ tzt die von ihnen dem Mutterlande zugefuͤ hrten Kolonialwaaren weit uͤ ber 6 Millionen hollaͤ nd. Gulden. Die kleinere Inſel St. Barthelemi ward 1801 von Frankreich an Schweden abgetreten, und St. Martin gehoͤ rte Holland und Frankreich gemeinſchaftlich. 24 St. Croix, bald den Holländern, Englaͤ ndern und Franzoſen gehoͤ rend, ward zuletzt ein Eigenthum Daͤ nne⸗ marks. Es liegt weſtlich etwa 15 Seemeilen von Por— torico, der erſten der großen Antillen, und hat in der Länge von Weſten nach Oſten gegen 7 deutſche Meilen, ſeine Erſtreckung nach Süden beträgt nur 2 Meilen. Den⸗ noch liefert es 150000 Centner Zucker, über ı Million Thaler an Werth; die Berichte der maͤ hriſchen Brüder, welche hier eine bedeutende Miſſion haben, geben 24 bis 30000 Drhofte an, welche von 22244 Negern gewonnen werden. Die zuvor im Allgemeinen angefuͤ hrten Jungfern- Inſ eln, einige 100 an der Zahl, enthalten nur viere, welche unſere Aufmerkſamkeit verdienen: naͤ mlich Spa⸗ niſhtown, Tortola, St. Jan und St. Thomas. Die beiden der Jungfern-Inſeln, welche England ge— hoͤ ren, Tortola und Virgin Gorda liefern an Kolo⸗ nialwaaren, vorzuͤ glich an Zucker, den Werth beinahe von 14 Million Pf. Sterling. Von beiden daͤ niſchen Inſeln St. Jan und St. Thomas gewinnt man aber etwa halb ſo viel Zucker als von St. Croix. Die Haͤ fen ſind Freihaͤ fen. Wir duͤ rfen mehrere kleine, der Jungfern-Inſeln und. der zwiſchen ihnen und den großen Antillen gelegenen In⸗ ſeln übergehen, da ihr Werth unbedeutend iſt. | Unter den vier großen Antillen ſtoßen wir hier zuerſt auf die ſpaniſche, auf Portorico. Da dies Werk des Hrn. le Dru umſtaͤ ndlich davon handelt, fo Dürfen wir ſogleich zu der naͤ chſten, zu St. Domingo uͤ bergehen. Dieſe reichſte Inſel liegt, das kleine benachbarte In⸗ ſelchen de la Sabre mitgerechnet, der Breite nach vom 18ten Grade bis faſt zum a0ten, die oͤ ſtlichſte Spitze wird auf 25 68° 40° weſtlich von Greenwich angegeben, und ſo er⸗ ſtreckt ſich die Inſel nach Weſten beinahe durch ſechs Laͤ n⸗ gengrade, ihre Erſtreckung waͤ re in dieſer Richtung faſt das Dreifache von der von Norden nach Suͤ den. Im Nordoſten findet ſich die kleine Halbinſel Sama— na, nur durch einen ſehr ſchmalen ſeichten Arm mit der Hauptinſel verbunden, nach einigen Karten iſt ſie eine wirkliche Inſel. Sie diente den Flibuſtiers anfangs zum Sitze, und gewaͤ hrt noch jetzt den Schiffen einen BR Landungspunkt. St. Domingo iſt ſonderbar gebildet. Das Meer hat es in Weſten tief ausgehoͤ hlt, und dadurch laͤ uft von hier, durch mehr als zwei Grade, eine breite Erdzunge, wie ein Handgriff hervor. Dieſer ſchmale Arm war vor⸗ mals ganz franzoͤ ſtſchen Antheils, der breitere, faſt paral— lelogrammenartig geformte Theil, groͤ ßtentheils ſpaniſch. Auch betrug bekanntlich Frankreichs Antheil nur etwas über 1 des ſpaniſchen. Die ganze Inſel ward auf 4900 Aitidrarmöifen (Lieues) berechnet. Das Innere hat beträchtliche Gebirge, hierunter ele kuͤ hnaufgethuͤ rmte romantiſche Felſen, und wenn auch bie: von mehrere ein volkaniſches Anſehen haben, ſo deuten dennoch die Bergketten auf aͤ ltern Urſprung. Sie ſenden mehrere nicht unbedeutende Fluͤ ſſe in die großen Ebenen (los Llanos), die dadurch, von hoͤ chſter Fruchtbarkeit, faſt alle tropiſche a in Se Vollkommenheit dar bieten. Vormals ſuchte und fand man in biefen Bergketten Goldminen; fie gaben bis auf 100000 Pf. Sterling Aus- beute. Dennoch hat man nachmals dieſen Gewinn gegen den groͤ ßern und ſicherern des Anbaues der fruchtbaren 26 Erde, aufgegeben. Dieſe Fruchtbarkeit if fo groß, daß die Franzoſen ihre Kolonialwaaren um 15 pr. Ct. wohlfei⸗ ler geben konnten, als ſelbſt die fleißigen Englaͤ nder. Die erſte Stadt, St. Domingo, blieb auch wegen der von dem großen Entdecker ſo trefflich gewaͤ hlten Lage, ſelbſt nachmals ſtets die Hauptſtadt des ſpaniſchen An⸗ theils. Sie iſt romantiſch auf einer Felſenbank an der Suͤ dkuͤ ſte in einem Halbkreis am Hafen gelegen, den der Fluß Ozama bildet, und wird auf beiden Seiten von Felſengruͤ nden geſchuͤ tzet. Neben ihr die treffliche, reichſte Ebene (los Llanos) go Meilen lang und 30 breit. Uep⸗ pige Weiden voll des ſchoͤ nſten Hornviehs, Waldungen von Mahagony, Orangen- Cacao > und Kaffeebaͤ umen machen die Umgebungen. Dabei der ſchoͤ ne Fluß, und durch die hohe Lage faſt ſtets ein erquickender Wind, wie laut ſpricht dieſer treffliche Fleck der Erde zum Lobe des Erbauers! Der Hauptort des kleinen franzoͤ ſiſchen Antheils, war Cap Frangoıs. Auch er lag an einem vorzuͤ glichen Hafen, und die von den Gebirgen herabſtroͤ menden Gewaͤ ſſer gaben Erfriſchung und Fruchtbarkeit. Die ſchoͤ n gebauete Stadt hat 30 gerade Straßen un—⸗ ter rechten Winkeln, und 900 bequeme, ſteinerne Haͤ uſer. Dieſer bei weitem kleinſte franzoͤ ſiſche Theil der Inſel lieferte im Jahre 1791, uͤ ber 163 Millionen Pfund Zucker außer 29000 Pfund Syrup und 303 Bariquen Zucker⸗ branntwein; 68 Millionen Pfund Kaffee, © Millionen Pfund Baumwolle, 930000 Pf. Indigo, und 130000 Pf. Cacao nebſt Specereien, u. dgl. Dieſe Waaren zuſam— mengenommen wurden für mehr als 32 Millionen Thaler in Frankreich verkauft. Eine neuere Angabe von 1802 27 fest den Werth der Erportation auf 4,765129 Pf. Ster⸗ ling, alfo hatte es ſchon damals abgenommen. Dieß alles war der Erwerb von 455000 dortiger Neger, unterſtuͤ tzt durch 16000 Pferde und Maulthiere und 12000 Stuͤ ck Hornvieh. Daneben fanden ſich 6 Gerbereien, 370 Kalchoͤ fen, 29 Topfbrennereien und 36 Ziegeloͤ fen. Das Grundkapital jenes bewunderungswuͤ rdigen Er— trags ſchaͤ tzte man im Jahre 1791 auf 1487 Millionen Livres oder auf 372 Mill. Thaler. Und wo iſt er jetzt, dieſer erſtaunliche Schatz, der da Millionen Menſchen im Mutterlande ernaͤ hrte und be gluͤ ckte? Denn hier war nicht bloß die Rede von dem Pflanzer und von deſſen Theilhabern im Mutterlande; nicht bloß von dem Groß⸗ und Detailhaͤ ndler, der dadurch lebte, hier kommt die weit groͤ ßere Menſchenmaſſe in Anſchlag, die zum Verfuͤ hren der Kolonialwaaren, zum Tranſport der Waaren des Auslandes, alſo der viel hunderttauſend Fa— brikanten aller Art, welche der Inſel jaͤ hrlich fuͤ r einige dreißig Millionen franzöfifche Waaren lieferten; die viel Tauſend Matroſen, Schiffbauer und dahineinſchlagender Arbeiter. Dann uͤ berſehe man, wo möglich ohne Seuf— zen, den kaum zu ſchaͤ tzenden Verluſt! In Nordweſten liegt zunaͤ chſt an dieſer, jetzt feine vor— malige Negerſklaven als Oberherrn anerkennende Inſel, die größte aller Antillen, Cuba, zwiſchen dem 2oten und »3ten Gr. der Breite. Dagegen nimmt fie von Oſten nach Weſten die große Strecke von mehr als 11 Laͤ ngengraden ein, denn das oͤ ſtlichſte Cap Mayzi, liegt unter 73° 250 das weſtlichſte St. Antonio hingegen unter 84° 40“ von Greenwich, ja andere Karten legen letzteres noch weiter 28 nach Weſten. Templemann berechnet ihre Oberflache auf 2400 deutſche Quadratmeilen. Die ſpaniſchen Nach: richten geben ihr einen Umfang von 600 Seemeilen. Die Geſtalt zeigt einem ſich von Oſten nach Weſten hinuͤ berbiegenden Aſt, auf einer ſehr breiten Grundflaͤ che, welche fat gänzlich auf dem aoten Breitengrade ruhet. Cuba bei ſeiner ausnehmenden Groͤ ße als Hauptland angeſehen, iſt von einer außerordentlichen Menge kleiner Inſeln, Felſen und Riefen, wie von Hundert Satelliten umgeben. In Suͤ den liegen beſonders jene reizenden In⸗ ſelchen, welche Colombus die Gärten der Koͤ niginn nannte; und ihnen queer uͤ ber in Norden am Kanal von Bahama, die Gaͤ rten des Koͤ nigs. Von groͤ ßern Nebeninſeln verdient hoͤ chſtens die in Suͤ dweſten gelegene Fichteninſel (Isla de Pinos) angeführt zu le Das Innere hat beträchtliche Gebirge; eine Kette der⸗ ſelben läuft aͤ ltern Karten zufolge der ganzen Länge der nz ſel nach daruͤ ber hin. Auch zeigen ſich einzelne Gebirgs— zweige. Dieſe Gebirge ſind nicht arm an Mineralen. Sie lie: ferten in ältern Zeiten 2000 Centner Kupfer; es wurden die Kanonen des Hauptforts der Havana, El moro, Das raus gegoſſen. Die erſten Spanier ließen auch die angfäiftihen In⸗ dianer, welche fie noch übrig gelaſſen hatten, in den dorti⸗ ö gen Goldminen arbeiten. Dennoch muß der Metallwerth überhaupt nicht hinreichend groß geweſen ſeyn, denn jetzt beſteht der Werth dieſer Inſel wie bei allen Antillen, in den Pflanzungen. Dieſe Gebirge geben indeß keine bedeutende Fluͤ ſſe: vielleicht da das Land nur ſchmal iſt, erreichen ſie das 29 Meer zu früh, um durch Zuſammenfließen mehrerer klei⸗ nen Fluͤ ſſe beträchtliche Stroͤ me bilden zu koͤ nnen. Uebrigens fehlt es dennoch der Inſel nicht an Bewaͤ ſſe⸗ rung, man zaͤ hlt der Fluͤ ſſe und ene Gewaͤ ſſer aller Art zuſammen 148. Cuba iſt in zwei Gouvernements getheilt. Die ei— gentliche Hauptſtadt die Havana, iſt aber nicht für die Inſel ſelbſt, ſondern fuͤ r das große ſpaniſche Amerika, und daher fuͤ r Europa von der hoͤ chſten Wichtigkeit; denn fie iſt einer der erſten Stapelorte der ganzen Erde. Hier muͤ ſſen alle Waaren beider Welten, welche naͤ m— lich für das ſpaniſche Amerika verpackt, niedergelegt, regiſtrirt, und von hier aus verſandt werden. Der Hafen iſt einer der ſicherſten, wenn gleich nicht gaͤ nzlich gegen Orkane geſchuͤ tzt; er iſt dabei ſo groß, daß er 1000 Fahrzeuge aller Art beherbergen kann. Zwei Forts, das Castel EI Moro, und das nur erſt 1763 er- baute D. Carlos, auſſer einer Anzahl kleinerer Schloͤ ſſer der benachbarten Huͤ gel ſchuͤ tzen ihn. Die Stadt liegt an der Weſtſeite, und wird von den beiden Armen des Fluſſes Lagida benetzt; dennoch iſt Mangel an gutem Trinkwaſſer. Sie hat 2000 niedrige Haͤ uſer, und haͤ lt auf 36000 Einwohner. ü Das wichtigſte Gebaͤ ude iſt die beruͤ hmte Tabaksfabrik, welche 200000 Piaſter zu erbauen gekoſtet hat. Auſſer dem Pallaſt des General- Capitains und einer Men⸗ ge praͤ chtiger Kirchen und Kloͤ ſter, ſind hier noch zu bemerken: die Univerſitaͤ t; das See-Arſenal; die Schiffs ⸗ Magazine, und ein großes Hoſpital. Die Miſchung ſo vieler Nationen und Menſchenracen erregt Bewunderung. Weiſſe ſieht man indeß ſelten zu 0 30 Fuße, und Frauenzimmer von Stande bei Tage gar nicht. 1 Alles, was Aufklärung heißt, ſteht hier noch weit zuruͤ ck. j Selbſt die Vergnügungen find nur Hahnen- und Gtier- kaͤ mpfe, Gaukler und herumirrende Comoͤ dianten, da das h eigentliche Theater nach Mexico gewandert iſt. Allein der Handel bringt alles in die größte Bewe— gung, denn von hier aus erhalten die 500000 Menſchen, welche die Inſel bevoͤ lkern, alle europaͤ iſche Beduͤ rfniſſe, und da es mehrere anſehnliche Städte, z. B. St. Jago, gewoͤ hnlich die Hauptſtadt genannt, Buracoa und Puerto del Principe, jede von 30000 Einwohner giebt, ſo iſt der Luxus groß. Cuba, gehoͤ rig angebauet, waͤ re im Stande, den il Handel der meiften übrigen Inſeln zu übermältigen. Ni Gluͤ cklicherweiſe für England und Frankreich war dieß bis jetzt nicht der Fall. Das Innere des großen Landes iſt kaum bekannt. Daher dort noch viel wildes Hornvieh; die Häute warfen über 130000 Livres ab. Der Tabak, ſonſt ein Regal, brachte in den früheren Jahren 18750 Centner. Nachmals nahmen ſich aber die Zuckerplantagen, | fo wie einige der übrigen Kolonialwaaren fehr auf. Von | 17604 bis 70 war der Ertrag des Zuckers auf 240000 | | Centner. Während des letzten Krieges und des Falles \ von St. Domingo ftieg dieſer Anbau bis zu ı Million Centner, welcher, der Centner Rohzucker nur zu drei | Piaſter gerechnet, bereits 4 Millionen Thaler abwarf. Hinzu ſetze man den Cacao, und ſelbſt das Wachs. Es iſt naͤ mlich ſehr merkwuͤ rdig, daß die von Florida 1-64 hieher verpflanzte europaͤ iſche Biene ſich fo guſſer⸗ ordentlich vermehrt hat, daß bereits 1794 gegen 20000 Aroben (jede zu 25 bh) Wachs ausgeführt ward. Zuletzt kommen wir zu einer zwar weit kleinern, aber dem Werth des Anbaues nach hoͤ chſtwichtigen, in Suͤ den von Cuba gelegenen Inſel; dieß iſt Englands Jamaica. Sie iſt unter 18912“ n. Br. und 7750“ weſtl. v. Gr. gelegen, und hält etwas über 2 Millionen (2,080000 ) Morgen Landes. Hievon iſt beinahe dritthalb hundert tau— ſend oͤ des Gebirgsland. Die ſogenannten blauen Berge, welche von Oſten nach Weſten uͤ ber die Inſel hinlaufen, haben eine Hoͤ he von 8000 Fuß; und auf der Haͤ lfte die— ſer Hoͤ he hoͤ ren die tropiſchen Fruͤ chte bereits auf. Das Thermometer ſonſt in Weſtindien gewoͤ hnlich auf 8o Grad Fahrenh., ſinkt hier bis auf 44; hier iſt ein europaͤ iſches Klima. Wenn gleich „00000 Morgen Landes von der Krone zum Anbaue vertheilt worden ſind, ſo waren im Jahre 1789 dennoch nur 1,740000 wirklich bebauet. Allein wie wußte der anhaltende Fleiß der Britten dieſe zu nu— gen, obgleich der Boden bei weitem dem von St. Do: mingo an Fruchtbarkeit nachſteht! Selbſt die flachen Hoͤ hen, wo ſogar das Klima den Anbau der Kolonialwaaren verbietet, geben reichen Ge— winn. So ſtrotzt die hohe Peters -Ebene (Pedro Plain) mit kurzem Graſe uͤ berwachſen, von dem trefflichſten Wollen- vieh, deſſen Fleiſch ſelbſt dem Hammelfleiſch des Mutter— landes gleich kommt, und von wild gewordenen Pferden, welche mit Schlauheit eingefangen, von großem Nutzen ſind. Auch gedeihen hier viele europaͤ iſche Fruͤ chte auf das Vollkommenſte. | 32 Das untere, für Kolonialwaare brauchbare Land ge⸗ waͤ hrt aber den guͤ ltigſten Beweis von dem hohen Werthe ausdauernden Fleißes und vernunftvollen Berechnens. Im Jahre 1791, wurden von den erzielten Fruͤ chten ausgeführt, an Kaffee 18 Millionen Pfund, an Zucker, den Syrup ungerechnet, 840584 Centner, und an Baum⸗ wolle 2 Millionen Pfund. Der Geſammtwerth der ausge⸗ fuͤ hrten Waaren betrug 2,1306440 Pf. Sterling, alſo auf 12 Millionen Thaler. | Die Anzahl der Schiffe, welche dieſer Handel in Be— wegung ſetzt, war 400, zuſammen von 78805 Tonnen, und 8829 Matroſen. Doch nicht genug. Man hat ſelbſt mehrere der vor— züglichſten Gewuͤ rze Oſtindiens hieher verpflanzt. Der Ad⸗ miral Rodney brachte 1782 den Zimmtbaum ein, und er iſt über mehrere Theile verbreitet. Der Patriotismus des berühmten Banks führte hier die nahrhafte Frucht des Brodbaums ein, und ſelbſt das Zuckerrohr von Ta⸗ heite, da es das weſtindiſche an Ergiebigkeit übertrifft, iſt nebſt mehreren ſchaͤ tzbaren Fruͤ chten Aſiens, z. B. des Sago's, der Mango, der Pompelnuß, hier, ſo wie auf andern brittiſchen Inſeln dieſes Archipels einheimisch gemacht. | | Freilich gedeihen folche denn nur durch ſtrenge Ord⸗ nung, gute Behandlung der Arbeiter und ununterbrochene Thaͤ tigkeit. a Und hierin geben die Einrichtungen auf Jamaika allen Nationen ein preiswuͤ rdiges Beiſpiel; beſonders die Be— handlung der Neger ſelbſt. Seit 1787 ſind ſtrenge Verordnungen gegen die harte Behandlung der Neger dort erlaſſen, und Edwards a EN I “ | 33 führte ſchon 1793 mehrere Beifpiele an, wie einige Her— ren, welche ſich gegen ihre Neger Grauſamkeiten erlaubt hatten, ſchwer beſtraft, ja ſelbſt hingerichtet waren. Die Neger haben ihre Freiſtunden, um fuͤ r ſich ſelbſt gewinnen zu koͤ nnen; und auf einigen andern Inſeln Eng— lands find eigene Gerichte zum Schutz der Sklaven errich— | tet. Rechnet man hiezu, daß hier die Neger gut gekleidet und gut ernaͤ hrt werden, ſo ergiebt ſich abermals, daß, je menſchlicher, je beſſer der Herr ſeinen Diener behandelt 5 deſto nutzbarer er ihm wird. | Jetzt iſt uns nur noch ein ſchmaler Scheig der Antillen uͤ brig, welcher höher in 8 dieſen ganzen Archipel be— ſchließt. Dieß ſind die Bahama-Inſeln, auch die Lu⸗ caien genannt. Die große Reihe dieſer aus mehreren 5 Hundert (Einige rechnen 500) kleinen Inſeln und Felſen 1 beſtehende Eilande hebt gleich noͤ rdlich über St. Domingo 8 an, und erſtreckt ſich bis hoch nach Florida hinauf. Sie ſind fuͤ r die Geſchichte der Entdeckungen merkwuͤ rdig, denn eine derſelben, die kleine Inſel Guahani, die Katzen ⸗ | Inſel genannt, war das erſte Land, welches Columbus von Weſtindien erblickte; er nannte ſie St. Salvador, guch war ſie wahrlich ſein Retter. Sie iſt eine der weſt— lichſten dieſer Inſelkette, gegen den 24ten Breitengrad | gelegen. | / Durch Corall-Riefe und Baͤ nke find die Bahamas Ignſeln in mehrere Gruppen vertheilt. Die noͤ rdlichſte endigt über dem a7ten Breitengrade mit den fubmarinen 9 Felſen, die Matotillos genannt. Bewohnt ſind etwa 7 unter ihnen, ſelbſt die große Ba— hama⸗Inſel iſt ohne Menſchen, und die Bevoͤ lkerung bes 34 ſtand im Jahre 1701 nur aus 2000 Weiſſen und 2241 Negern. Auf der Hauptinſel New Providence, iſt in der Stadt Naſſau der Sitz der engliſchen Regierung, welche ſelbſt wiederum unter Jamaica ſteht. Die Produkte kommen denen des übrigen Weſtindiens gleich, und gewaͤ hren beſonders in Ruͤ ckſicht der Voͤ gel eine reiche Abwechflung. Ä Die ganze Ausfuhr iſt indeß befihränft auf 1500 Saͤ cke Baumwolle. Hiermit waͤ re nun die kurze Ueberſicht des geſammten Archipels von Weſtindien beendigt, denn die weit öftlicher liegenden Bermuden gehoͤ ren nicht dazu, koͤ nnen auch eis nen deſto mindern Bezug auf unſere Abſichten haben, da ſie faſt gar keine Kolonialwaaren bauen. Wir werfen jetzt einen Ruͤ ckblick auf das Ganze, vor⸗ zuͤ glich in Hinſicht ſeines Werthes, und der flatt der Ko— lonialwaaren in Europa anzubauenden Surrogate. Der Werth wird aber beſtimmt durch die Lage, den Boden des Landes, und durch deſſen Klima. Zuvor zeigte es ſich, daß unſer Archipel zwiſchen den joten und 27ten Graden n. Br. gelegen, die ſchoͤ nſten Tropenlaͤ nder umfaßt. Das Klima entſpricht dieſer Lage. So wie bei allen Landern der Wendekreiſe, finden ſich hier nur zwei ſehr von einander abweichende Jahrszeiten; die naſſe und die trockene, der Sommer und der Winter. Die Heftigkeit des dort lothrechten Sonnenſtrahls in unſerm Sommer, erhebt gleichſam ein Meer von Feuch⸗ tigkeit in die Luft, und fo muͤ ſſen fortdauernde Waſſerſtroͤ ⸗ me in dieſen Monaten die Erde traͤ nken. Dieſe naſſe Jahrszeit vom April bis zum November, der wirkliche Sommer, der den Koͤ rper ununterbrochen in einen widri⸗ gen kaͤ ltenden Dunſt einhuͤ llt, heißt daher der Winter. Aber eben dieſe anhaltenden Regen ſchuͤ tten neue, ver— juͤ ngende Kraͤ fte uͤ ber die Erde herab. Die Pflanzen kei— men von Neuem auf; die Bluͤ then brechen maͤ chtig und wohlriechend hervor; Thiere und Pflanzen werden ver— juͤ ngt; die Schaalthiere (Erdkrebſe) ſteigen in ungeheu— ren Schaaren vom Gebirge herab; die Fiſche, welche ſich zuvor ins Meer zuruͤ ckgezogen hatten, kehren in die Muͤ n— dungen der Fluͤ ſſe zuruͤ ck, und die ganze organiſche Natur feiert das große Werk der Vermehrung Die Summe des in dieſer Zeit herabſtuͤ rzenden Waſ— ſers iſt erſtaunlich; man giebt auf einigen Inſeln die Hoͤ he des gefallenen Regens zu 65, auf andern ſogar zu 80 Zoll an, und in den hoͤ chſten Sommermonaten, wie im Julius und Auguſt zeigt gewoͤ hnlich das Thermometer uͤ ber go Gr. Fahrnh. In dieſen Monaten wuͤ then oftmals die ſchrecklichſten Orkane, zuweilen ſelbſt mit Erdbeben begleitet. Sie reiſſen Waldungen aus, verheeren Häuſer und Pflanzungen, allein der Schade, wenn gleich mehr— mals ſehr betraͤ chtlich, wird im Ganzen von ihrem wohl— thaͤ tigen Einfluß uͤ berwogen. Sie reinigen die mit unge— heuern Ausduͤ nſtungen geſchwaͤ ngerte Atmosphere, und ges ben ihr die nothwendige Elaſticitaͤ t und Geſundheit. Der wirkliche Winter, der hieſige Sommer oder die trockne Jahrszeit, gewähret das hertlichſte Klima des Pa— radieſes. Die Atmosphere iſt heiter und klar, und die nordlichen Winde verbreiten eine hoͤ chſt angenehme Kuͤ h— 3 * 36 lung, denn bei der Lage der Inſeln kann ſelbſt der ſchie— feſte Sonnenſtrahl im Wendekreiſe des Steinbocks, nie unangenehme Kaͤ lte zulaſſen. i Setzt man zu dieſer kurzen Anzeige der Witterung den reichſten Boden, der zum Theil durch die Aufloͤ ſung alter Volkane aus fetter fruchtbarer Thonerde beſteht, dann ſieht man hieraus freiwillig den Reichthum, die Mannig⸗ faltigkeit, und die Natur der dort zu erzielenden Erzeug⸗ niſſe. Es muß das Land der Schoͤ nheit und Fuͤ lle ſeyn, es muß das Land ſeyn, woſelbſt die ſaftreichſten und die aro⸗ matiſchſten Pflanzen gedeihen, wo die Sonne ſelbſt den Zucker und die gewuͤ rzhafteſten Saͤ fte auskocht. Wir wollen jetzt ſehen, wie weit dieß Bild der Wirk⸗ lichkeit entfpricht. Der Zucker, das Hauptprodukt dieſes Archipels, iſt die Würze des Lebens. Er enthaͤ lt nicht nur eins der treff⸗ lichſten Widerſtandsmittel gegen die Faͤ ulniß, er iſt zus gleich das nahrhafteſte Salz der Natur; er iſt der wich⸗ tigſte Stoff aller gaͤ hrenden Subſtanzen, aller Weine und ahnlicher Fluͤ ſſigkeiten; ja er erhaͤ lt der menſchlichen Fiber die Geſchmeidigkeit der Jugend; er ſcheucht die traurige Unbiegſamkeit der alternden Faſern lange zuruͤ ck. Der Wilde von Nordamerika genießt auf ſeinen lang⸗ dauernden Jagdexpeditionen oftmals nur Ahornzucker und Waſſer, und vielfache Beiſpiele beweiſen bei uns in Eu⸗ ropa, daß derjenige, der vorzüglich viel Zucker genießt, ein hohes, minder unbequemes Alter erreicht. Selbſt das Thier fuͤ hlt den wohlthaͤ tigen Einfluß des Zuckers. Bei den haͤ rteſten Arbeiten der Zuckermuͤ hlen reicht man den Pferden und Ochſen die gruͤ nen Spitzen des Zucker⸗ 37 rohrs, und hiedurch 14 fie ſelbſt bei der ben Arbeitszeit ſichtlich ſtark. Es lohnt hiernach der Muͤ he, den Zucker genauer zu betrachten, und bei Gelegenheit unſers Weſtindiens, als deſſen Hauptmagazin, uͤ berhaupt einmal zu uͤ berſehen, was dieſes ſchaͤ tzbarſte Material für die geſammte kulti⸗ virte Menſchheit fuͤ r einen Werth hat, und wie ſtark es verbraucht wird. Der Schöpfer ſahe alſo mit Wohlthätig- keit auf den Menſchen, ja zum Theil ſelbſt auf das Thier herab, als er dieſen unſchaͤ tzbaren Erhalter des Lebens, dieſe trefflichſte Wuͤ rze der Natur uͤ ber die ganze Erde ver— breitete, ſie faſt allen Pflanzen einverleibte, und ſie hier— durch dem geſammten Thierreiche darbot, ja mehreren den Inſtinkt, dem Menſchen aber die Vernunft gab, ſie bald | aus den Bluͤ then, bald aus dem ee hervor zu holen. In der That ſucht und findet ihn faſt jedes Inſekt in den Nektarien der Blumen. Aber daß auch ſelbſt die Bluͤ then unſers Archipels an Zauckerreichthum die europaͤ iſchen überwiegen, dieß ſchei⸗ Se nen ja die zuvor beigebrachten Angaben von dem auf Cuba ausgeführten Wachſe deutlich zu ergeben.“ Unter dieſem, dem heiſſen Himmelsſtriche muͤ ßten ſie alſo wohl zu Hauſe gehoͤ ren diejenigen Pflanzen, deren Saft vorzugsweiſe von der Sonne bis zu einem aufgeloͤ ß⸗ ten Zucker ausgekocht waͤ re, wenn anders irgendwo der— gleichen zu finden ſind. Solche Pflanzen darf man a unter 1955 Rohrarten vorzuͤ glich ſuchen, da felbft das lockere innere Gewebe un- ſers gemeinen europäifchen Schilfs zerkauet, einen aro— matiſchen Zucker auf der Zunge äußert, * K 7 * N E 2 e 38 Hauptſaͤ chlich unter der heißen Zone bildete, wie faſt bei allen Gewaͤ chſen die Natur rieſenfoͤ rmige Pflanzen und Rohrarten, und kochte dort zugleich den Zucker reiner aus. In beiden Indien findet ſich daher der Zuckerſaft der hohen Palmen, des maͤ chtigen Bambus und des großen eigentlichen Zuckerrohrs. | Laßt uns jetzt ſehen, was durch letzteres der davon erzielt und benutzt hat. In Afrika und dem eigentlichen Oſtindien, ſo wie in dem unter gleichen Breiten mit ihm gelegenen Auſtra— lien war auch, von ältefter Zeit, fo weit unſere Nautik ſie uns bekannt gemacht hat, das Zucker-Rieht (Sacharum Oficinarum) nicht bloß einheimiſch, ſondern einige der dortigen Inſeln erzeugen, unſern heutigen Erfahrungen zufolge, ſogar ein weit reichhaltigeres Zuckerrohr als das von Weſtindien. Deßhalb hat man es ſogar dorthin ge= führt, es gewaͤ hrt nämlich mehr Zucker, und das ſtäͤ rkere holzreichere Rohr giebt beſſere Feuerung. Menſch Indeß fand ſich das Zuckerrohr auch ſchon in der neuen. Welt bei ihrer Entdeckung, obgleich es einzelne Inſeln des weſtindiſchen Archipels gegeben hat, wohin es nur erſt durch die Hand des Europaͤ ers verpflanzt ward. Jetzt ein Verſuch von einem ungefähren Ueberſchlag der geſammten Maſſe des Zuckers, welchen wir Europaͤ er aus der waͤ rmern Zone wir bis jetzt von dort aus zu tauſendfachen Gebrauch be⸗ duͤ rfen, ſei es als nothwendiges Material der Arznei, oder fuͤ r unſere Koͤ che, fuͤ r unſere Conditorei, Brannt— weine, Liqueure, oder in unſerer Scheidekunſt und in mehreren Fabriken. der Erde herbei holen, alſo deſſen | Ich ſage vorſaͤ tzlich, eines unge führen Ueberſchlags; denn wie waͤ re es moͤ glich, etwas Genaues anzugeben, da man die Erporten-Bücher Oſtindiens, beſonders in der heutigen Lage Europens, nicht einmal bei uns vermu⸗ then darf. | | | Auch ſteht es nicht bei mir „ dieſe Liſten gerade von einem und demſelben Jahre geben zu koͤ nnen. Weſtindiens Archipel nimmt mit Recht die erſte Stelle ein; er liefert bei weitem die groͤ ßte Maſſe von Zucker, ſo wie von allen Kolonialwaaren, auch ſind uns die Liſten daruͤ ber am genaueſten bekannt. I. Zucker des engliſchen Weſtindiens uͤ berhaupt jedoch ohne Trinidad vom Jahre 1787. (Edwards.) Gallons zu 1 Quart Centner Syrop Rum 1) 2,0027058 | 68052 | 5,270496 Werth in Pf. Sterling. 3, 267545 3687 | 493553. >») Im Jahre 1801 lieferte uͤ berdem Trinidad 69559 Centner. II. Franzoͤ ſiſche Inſeln vor oder Anfangs der Revolution (1791). | Zucker⸗ 5 | Syrop | branntwein 1) St. Domingo r, 630000 Cent.] 290 Cent.] 303 Bariquen 2) Martinique 244438 = |Rapnal. 3) Quadeloupe 188386 - und nebſt den dazu gehoͤ ⸗ renden Inſeln les Saintes und Marie Galante ge⸗ gen 300000 Centner. | 0 St. Lucie giebt man am Werth für 15 Millionen Liv. Zucker. Dieß ſcheint zu hoch gegen die Groͤ ße der 40 Inſel, ſchwerlich wird man uͤ ber 200000 Centner an⸗ nehmen koͤ nnen. Raynal rechnet aber nur fuͤ r die franzoͤ ſtſchen Kolo⸗ nien Weſtindiens im Jahre 1775, wozu er Cayenne mitzählt 166,353834 üb oder 1,6353878 Centner, da die obige Rechnung nach neuern Jahren uͤ ber 2 Mill. Centn. gaͤ ben. | III. Spanifche Inſeln. 1) Cuba vor dem Verfall von St. Domingo nur 240000 Centner; nachmals auf 800000 ja bis zu 1 Mill. Cent. zu 3 Piaſter auf 4 Millionen Thaler. 2) Porto Rico, im Jahre 1778, nur 2737 Centner, da dieß ſeitdem um die Hälfte geſtiegen iſt, ſo darf zan uͤ ber 4000 Centner rechnen. IV. Daͤ n ſche Inſeln. 1) St. Croix 150000 Centner. 2) St. Jean und Thomas über 4000 Centner. (Le Dru.) | V. Holländiſche Inſeln. 1) St. Euſtache 17900 Faͤ ſſer (Luzac) das Faß haͤ lt oft nur 500 bh, auch 1000; das engl. Oxhoft gar 1600 tb; nach der kleinſten Angabe alſo 89900 Centner. 2) Die tiefer in dem Meerbuſen gelegene J. Curagao 4 gab (1779) über 1900 Faß oder 9500 Centner, Wir bringen, um nicht die hollaͤ ndiſchen Beſitzungen zu trennen, die des feſten Landes hier ſofort bei. Da iſt denn zuerſt die betraͤ chtlichſte 3) Suriname, mit 101275 Centner. ) Berbice und Eſſequebo, jene mit 2000, dieſe mit 9000 Centner. I 41 Groß iſt nun freilich dieſe Summe Zucker nur allein des weſtindiſchen Archipels, dennoch find uns in dieſer Ruͤ ckſicht noch fehr reichhaltige Länder von Amerika übrig. Vorzuͤ glich zeigt ſich hier Braſtlien. Raynal ſetzt fuͤ r ein Durchſchnittsjahr von 1770 bis 1775 die ganze Sum⸗ me der dortigen Zuckerausfuhr auf 276000 Centner wei— ßen, und 167000 Centner rohen Zucker, alſo zuſammen 443000 Centner. Da indeß dieſe Angabe nur bis zum Jahre 1775 reicht, dort aber ſeitdem der Anbau ſich be⸗ trächtlich gehoben hat, und das Land ſelbſt in den neue: ſten Zeiten ſo bedeutend vortheilhafte Veraͤ nderungen er⸗ litten hat, ſo darf man ohne Uebertreibung annehmen, daß nachmals die ganze Ausfuhr wenigſtens bis uͤ ber eine halbe Million Centner geſtiegen ſei. | Ob die tiefer als Braſilien nach Suͤ den, oder die gro⸗ ßen ihm im Weſten gelegenen Laͤ nder von Suͤ damerika z. B. Paraguai oder Peru, Zucker bauen und ausfuͤ hren iſt mir unbewußt; bei Peru fuͤ hrt indeß Skinner den Zucker unter die Ausfuhrartikel mit auf. Etwas Beſtimmteres geben uns N die nordli⸗ chern Gegenden. | Terrafirma, überhaupt fo uͤ bermaͤ ßig reich an Kolonial⸗ waaren, erzielt eine erſtaunliche Quantitaͤ t Zucker. De⸗ pons nimmt an, daß nur allein Venezuela, die einzige der ſechs Provinzen der Kapitainerie Caraccas, 40000 Centner Kakao verbrauche, und, ſagt er, wenigſtens drei— mal ſo viel Zucker; die Ausfuhr des Zuckers ſei indeß, eben wegen des großen Selbſtberbrauchs, nur geringe. Da Venezuela nur eine einzige, wenn gleich die groͤ ßte Pro— vinz von Caraccas iſt, und man naͤ hme auch von den mehr als 100000 Centner dort erzielten Zucker nur 5000 Cents 1 - 2 991 > BR, A ’ 8 gs n n „ r P ET EEE RE N ee ee ! ER Pi 42 ner für die Ausfuhr an, ſollte denn für alle Provinzen wohl 10000 Centner zu viel ſeyn? Das große fruchtbare Mexiko kann begreiflich Zucker bauen, mir iſt indeß hieruͤ ber nichts Beſtimmtes bekannt. Dagegen lieferte Louſiana 1801, Duvallons Angaben zufolge, 5 Millionen tb oder 50000 Centner. Bei der geringen Bevoͤ lkerung des Landes dürften wohl 10000 Centner zu eigenen Verbrauch mehr als zu viel gerechnet ſeyn; es blieben mithin 40000 Centner zur Ausfuhr uͤ brig. J Ohne alſo weder die ſehr betraͤ chtliche Quantitaͤ t des Syrops und des Rums hier in Anſchlag zu bringen, noch auch auf die Laͤ nder von dem warmen Amerika Ruͤ ckſicht zu nehmen, welche wegen mangelnder Angaben über ihre Erzeugniſſe fuͤ r uns nicht beſtimmbar ſind, erhielten wir dennoch eine Summe von mehr als 5 Millionen Cent— ner Zucker nur allein aus der neuen Welt. Was moͤ gen nun wohl die Inſeln und Länder der heiſſen Zone der alten Welt dieſem hinzuſetzen? Die wenigen Theile des großen Aſiens, aus welchen Europa Zucker erhaͤ lt, ſind etwa folgende: . 1) Java. Stavorinus beweißt, daß die dortigen 77 Zuckermuͤ hlen jährlich 10,000000 tb oder 100000 Centner liefern, welche das Picol zu 125 Rthlr., 320000 Rthlr. 5 abwarfen, ohne jedoch den Syrop und den Zuckerbrannt— wein zu rechnen, obgleich er 80000 Rthlr einbringt. Von dieſem Zucker wird indeß nur ein Theil, und zwar der beſſere zu uns nach Europa gefuͤ hrt, der uͤ brige geht in das weſtliche Oſtindien, der braunſte aber nach Japan. — „ — 5 EEE NEN EEE Oro) RETTET EN N pr ne en a ah a ae N re) RK > a N Sr Be Br DE ee ER an N 43 2), Cachinchina erzielt eine fo unermeßliche Menge Zucker, daß der Pecul von 133 db nur 3 Thaler, alſo das Pfund gegen 7 Pfennig koſtet; und die Chineſen, welche hiemit den ſtaͤ rkſten Handel fuͤ r ihr Vaterland trei— ben, gewinnen darauf 400 pro Cent. Hievon mag uͤ bri⸗ gens kein bedeutender Theil nach Europa gebracht werden. 3) Dagegen muͤ ſſen viele Theile des eigentlich ſoge⸗ nannten Oſtindiens, beſonders Bengalen, wichtige Zu— ckerpflanzungen haben. Die engliſch-oſtindiſche Compagnie führte im Jahre 1792 die große Maſſe von 1,9000000 Centner nach Europa. | 4) Ebenfalls iſt Aſſam, jetzt zum Theil von den Bir— manen abhaͤ ngig, ſehr zuckerreich. Der dortige Zucker hat eine vorzuͤ gliche Suͤ ßigkeit, man rechnet davon drei ver— ſchiedene Sorten, den weiſſen, rothen und ſchwarzen, wahrſcheinlich je nach den verſchiedenen Graden der Rein— heit. Ob und wie viel hievon nach Europa kommt, iſt mir nicht bekannt. 0 5) Von den Philippinen erhielt Spanien ſtets 1 eine ſehr beträchtliche Quantität Zucker. Ste Croix be- . zeugt jetzt, dieſer Zucker gehoͤ re zu den vorzuͤ glichſten; das 1 Picol (zu 132 75) habe im Jahre 1785 über 36 Livre (oder uͤ ber 9 Rthlr.) gekoſtet. Es iſt zu bedauern, daß Ste Croix uns von der zu uns gefuͤ hrten Quantitaͤ t nichts * Beſtimmtes angiebt. Da indeß jaͤ hrlich 4 bis 5 Schiffe | 1 mit Zucker, Indigo und Faͤ rbeholz nach Spanien abgien— 1 gen, fo dürfte man doch wohl hiebei einige 1000 Faß | Zucker rechnen, fo daß, ſelbſt nur zu 2 bis 3000 Faß an⸗ genommen, 10 und mehr tauſend Centner Zucker nach Eu— ropa kamen. | > HERE 7 22 N a uk EEE a EEE er 3 ee ß e EEE RE Re u a 44 Wenn man auch allen übrigen uns zugefuͤ hrten Zucker Aſiens, ſo wie auch den einiger afrikaniſchen Inſeln als unbedeutend annaͤ hme, wenn man ſelbſt verſchiedene zucker— reiche Länder der neuen Welt hier aus Unkunde uͤ berſehen, ebenfalls nicht in Anſchlag bringt, ja wenn ſogar aller Syrop bei den hier aufgefuͤ hrten Rechnungen mangelt, ſo ergiebt ſich dennoch aus obigen Angaben, daß die Summe ſtets uͤ ber 7 Millionen Centner anlaͤ uft, und dieſe Summe wuͤ rde vielleicht durch Zuſammenrechnen der großen Quantität Syrop bis gegen 74 Million Centner gehoben werden. Jetzt denke man ſich, wie viel die erſtaunliche Auantität des Rums und ſonſtigen Zuckerbranntweins, der gleich⸗ falls zu uns gefuͤ hrt, und hier benutzt wird, betraͤ gt; ſollte der nicht einige 100 tauſend Centner Zucker ers fordern? Um die Kolonialwaaren hier nicht zu trennen, moͤ gen die weiteren nicht unbedeutenden Bemerkungen uͤ ber den Zucker und deſſen Einfluß auf unſer jetziges Europa bis nach der Anzeige aller uͤ brigen Waaren verſpart bleiben. Das nach dem Zucker fuͤ r den menſchlichen Haushalt wichtigſte Product Weſtindiens iſt wohl die Baumwolle. Sie waͤ rmt und bedeckt den Menſchen von Kopf zu den Fuͤ ⸗ ßen, ſie bekleidet auf das bequemſte und feinſte, und ſie erleuchtet uns. | Die engliſchen Inſeln, Trinidad ungerechnet, lieferten im Jahre 1787 überhaupt 9,544 Pf., an Werth 795301 Pf. Sterl. Im Jahre 1801 erzielten die Eng— länder auf Trinidad 1, 239573, alſo uͤ berhaupt von ihren Inſeln beinahe eilf Millionen Pf. Baumwolle. z z EEE AN BR EEE . e 8 Raynal giebt für das Jahr 1775 den Betrag der Baumwolle der weſtindiſchen Etabliſſements Frankreichs folgendermaßen an: von St. Domingo . 2,689282 Pfund, Martinique .. 1,101240 Guadeloupe 319375 Cayenne . 97200 5 47407157 Porto Rico lieferte im Jahre 1778 nur 487100 55 Baumwolle. Le Dru behauptet, dieſer Anbau habe ſich, ſo wie uͤ berhaupt der aller uͤ brigen Kolonialwaaren um die Haͤ lfte vermehrt, man Dürfte daher anjetzt über 190000 tb annehmen, Ob und wie viel Cuba erzeugt, iſt mir unbekannt. Die daͤ niſche Inſel St. Croix lieferte im Mittel nur ges gen 300 Sack Baumwolle. Es iſt zu bedauern, daß uns Depons keine iet Angabe der von Caraccas gelieferten Baumwolle gegeben hat. By | Von Surinam ergeben die Luͤ ca s'ſchen Angaben im Durchſchnitt etwa 200000 5, von Berbice aber gegen 220000 Ph. N Braſilien liefert aber 450000 fh. Auch wird Baum⸗ wolle in mehreren Theilen von Amerika ſelbſt in den ſuͤ d⸗ lichen Vereinigten Staaten zur Ausfuhr gezogen. Da in— deß die Maſſe der Baumwolle, welche in Europa ver— braucht wird, nicht bloß aus den uns entlegenen Welt— theilen in Welten und Oſten zugeführt wird, ſondern eine ſehr große Quantitaͤ t ſelbſt auf europaͤ iſchen Boden waͤ chſt, ſo darf ich mich der Muͤ he uͤ berhoben glauben, A 1 a 4; n 2 2 2 9 re 2 * n We 4 . « 5 D 8 N . . 1 n x y EEE REED LE VER EEE rear NEE ATI EI 4 40 6 hier die ganze Maſſe aller bei uns verbrauchten Baum⸗ wolle zuſammenzurechnen, wie dieß zuvor bei dem Zucker geſchehen iſt. Es kam uns nur hier vorzuͤ glich auf das eigentliche Weſtindien an. | Einigermaßen findet ein aͤ hnlicher Fall mit dem In⸗ * digo ſtatt. Dieſer iſt einmal bei weitem kein ſo nothwen⸗ + diges Beduͤ rfniß, er liefert ja nur eine Farbe, einen Augenreiz, und auch er wird, wenn gleich bis jetzt nicht in Europa zu einer bedeutenden Guͤ te gebracht, doch in beiden Indien gezogen. In unſerm Weſtindien lieferten die engliſchen Pflan- zungen im Jahre 1787 nur für 13802 Pf. Sterling - 41033 Pfund; 1 Die franzoͤ ſiſchen weſtindiſchen Beſitzungen gaben im 0 Jahre 1775, Raynal zufolge, N von St. Domingo . 1,808629 \ „Martinique. 114708 4 „Guadeloupe 1438237 | 9 „Cayenne nur 354 tb. a 900 b. \ N Unter den Angaben der Erzeugniſſe von Porto Rico 1 und Cuba finde ich des Indigo's eben ſo wenig erwaͤ hnt 1 als bei Surinam und Berbice, und der Quantitaͤ t, wel— J che Braſilien in den Jahren 1770 bis 1775 im Durch⸗ ſchnitt geliefert, verdient kaum gedacht zu werden; fie beträgt nur 44 Centner. | Zu einem weit wichtigern Artikel des Handels aber fürwahr nicht des Nutzens, hat unſer verwoͤ hnte Ge— ſchmack den voͤ llig ee Kaffee zu erheben ge— wußt. 47 Von Arabien nach Java (im Jahr 1690), und von dort durch Hansbach, einen Deutſchen (1718) nach dem feſten Lande von Suͤ damerika, nach Surinam verpflanzt, ward er vier Jahre darauf von einem patriotiſchen Fran— zoſen, la Mothe Aigron, nach Cayenne gebracht, und bald darauf (1722) verpflanzte fein Landsmann Clieur mit großer Schwierigkeit und Sorgfalt ein kleines Baͤ um— chen nach Martinique. Dieſer erſte Kaffeebaum, der den weſtindiſchen Inſeln zu Theil ward, gedeihete fo vorzuͤ g— lich, daß Martinique bereits bis 1756 18 Millionen Pfund Kaffee ausgefuͤ hrt hatte. Den Ertrag des engliſchen Weſtindiens giebt Ed— wards für unſere neuern Zeiten an jährlich zu 34447 Centner, an Werth 146405 Pf. Sterling. Hiezu mag jetzt der Kaffee von Trinidad, da dieſe Inſel an England förmlich abgetreten iſt, hinzugefuͤ gt werden; er betrug 3327 Centner. | Raynals Tafel fort, als Durchſchnittsjahr für St. Domingo (fr. Antheil) und fuͤ r Martinique, Guadeloupe und Cayenne, den in das Mutterland gefuͤ hrten Kaffee auf 619917 Centner; St. Domingo hatte hievon bei wei- tem den groͤ ßten Antheil, naͤ mlich uͤ ber 459000 Centner; Martinique 96890; Guadeloupe über 63000; der von Cayenne betrug nur etwas uͤ ber ſiebenthalbhundert Centner. In Porto Rico giebt le Dru, 11163 Centner Kaffee an. Ob Cuba Kaffee, und wie viel es bauet, iſt mir nicht bekannt. Surinam lieferte 1772, 21 Millionen Pb oder 210000 Centner. Berbice gegen 15000 Cent., Eſſequebo und Demerary aber im Jahr 1779 über 17700 Cent. Die Inſeln Curaſſao und St. Euſtache liefern, Lugaes Liſten nach, ſehr abwechſelnd. Vom Jahre 1778 geben ſie nur * 48 1566130 tb oder 15661 Centner, hingegen im folgenden Jahre gar uͤ ber 9 Millionen Pfund oder 90000 Gentner 5 da ließe ſich kaum ein Mittel annehmen; indeß ſcheint das fruͤ here Jahr 1777, die kleinere Zahl zu beguͤ nſtigen, denn für dieſes Jahr werden nur 17308 Cent. angegeben. In den Nachrichten von Caraccas finde ich des Kaffees nicht gedacht; allein in den Liſten von Braſtlien fuͤ hrt ihn Raynal mit 1500 Centner auf. 5 Viel ſcheinen die daͤ niſchen Inſeln nicht zu liefern, da die Berichte der maͤ hriſchen Bruͤ der ſagen, jeder Pflanzer baue nur zu eigenem Verbrauch, doch ſei der Kaffee ſchmackhafter als ſelbſt der von Martinique. Le Dru erwaͤ hnt auch des Kaffees bei dieſen Inſeln nicht. Da ich nicht weiß, ob Mexiko Kaffee bauet und aus— f führt, fo mögen hier nun Angaben von dem Kaffee der alten Welt folgen. Von dem vorzuͤ glichen Bourbon-Kaffee, dieſer afri⸗ kaniſchen Inſel erhielt Frankreich, Arnoulds Tafel zu⸗ folge, vor dem Ausbruche der Revolution für 273000 Livres. Der Kuͤ rze wegen mehme man nur den Werth des Pfundes zu 2 Livre an, und dieß erlaubt Ray— nalds Berechnung ſelbſt, fo gäbe dieß über 5 Millio⸗ nen Pfund oder 50000 Centner. Java liefert dann ebenfalls eine ſehr bedeutende Quan— titaͤ t Kaffee. Stavorinus zeigt, daß die Kaffeepflanzun⸗ gen auf Java ſo ſehr zugenommen haben, daß ſie bereits im Jahre 1768 über 4,00 db, alſo 44600 a Ausbeute. lieferten, Ob und wie viel die oſtindiſche Compagnie Englands von ihren reichen Beſitzungen Kaffee einfuͤ hrt, iſt mir nicht bekannt. | e ae r u e Der weſtindiſche Kaffee betrug hienach über 930000 Centner, und die geſammte Einfuhr aus beiden Indien betruͤ ge etwas uͤ ber eine Million Centner. Sonderbar genug wird der weit nͤͤ tzlichere, nahrhafte ſtaͤ rkende Cacab nur in beiden Indien, aber nicht in Europa weit mehr benutzt, als jene groͤ ßtentheils unnuͤ tze Kaffee bohne. Das engliſe En Weſtindien IR davon für Europa nur 4234 Centner. Nach Raynal lieferten vormals das franzoͤ ſiſche Weſt⸗ indien | 1) St. Domingo 578764 db: 2) Martinique 865663 = 3) Guadeloupe 102359 = 4) Cayenne ad = 1562027 Pb oder 1562055 Centner. Cuba bauete von feinem Cacao nicht fo die als ihm zum eigenen Verbrauch noͤ thig war, es mußte uͤ ber 2000 Centner von der gegenuͤ berſtehenden Kuͤ ſte einhandeln. I Portorico ſcheint in ähnlicher Lage geweſen zu ſeyn, denn le Dru erwähnt des Cacaos eben fo wenig als Ray— nal unter den Produkten dieſer Inſel; da doch bekannt⸗ lich die Shpanſertee einen erſtaunlichen Ahead von Cacao machen. Von dem hodaͤ ndiſchen Weſtindien führte man im Jahre 1770 St. Euſtath 393240 ft oder 3932242; Centner Cacao aus, von Curaſſao damals aber nur 2021788 Centner, lletzteres hingegen gab 2 Jahr früher 1989045, da⸗ mals aber St. Euſtath nur etwa die Haͤ lfte von dem des Jahrs 1779. | 44 — 0 Im Jahre 177 gab Surinam 7333508 Centner; Ber⸗ bice im Jahre 1778 aber nur 129175 Centner; dennoch ſcheint dieſes kein ſchlechtes Jahr gegen die uͤ brigen zu ſeyn. Unter den Angaben fuͤ r Demerary und Eſſequebo finde ich des Cacao's nicht erwaͤ hnt. Das Hauptland fuͤ r den Anbau dieſes trefflichen Rah⸗ rungsmittels bleibt wohl Caraecas; ſowohl in Ruͤ ckſicht der vorzüglichen Güte, als der Quantitaͤ t. ö Von hier aus gingen, jenes großen innern Verbrauchs von 40000 Centner jährlich ungeachtet, bereits 1763 nur allein nach Spanien 110000 Centner. In dieſem Lande hat aber der Cacao noch einen beſondern Nutzen. Man bedient ſich der Bohnen ſtatt kleiner Muͤ nze; 150 Cacao⸗ bohnen gelten ı Real; etwas uͤ ber 3 Gg. | Der Cacao, welchen Mexiko erzielt, dient, Raynal zu⸗ | folge, lediglich zum Landes verbrauch; dagegen fuͤ hrte Bra⸗ ſilien im Durchſchnittsjahr ſchon 8000 Centner aus; und Skinner ſagt ausdruͤ cklich, daß jährlich a bis 3 Schiffe von Calao nach Cadix auslaufen, welche hauptſächlich mit China und Gacao beladen waren. Auf die Weiſe muͤ ßte ſicher einige tauſend Centner Peru zur Ausfuhr liefern. So dürfte man alſo von der Neuen Welt fuͤ r Europa wenigſtens über 144000 Centner rechnen, ſelbſt fuͤ r Peru nur ein Paar Tauſend Centner angenommen. In Aſien erzielen die Philippinen Cacao. St. Croix nennet ihn ausdruͤ cklich unter den dortigen Landesfruͤ chten, und ſetzt den Picot (133 /h) zu 45 Pia⸗ ſter, er gibt aber nicht an, ob und wieviel davon nach Eu⸗ ropa gefuͤ hrt wird. Außer dem Tabak ſind jetzt nur noch zwei Erzeugniſſe von Weſtindien uͤ brig, welche in großen Quantitaͤ ten uns von 1 I 1 N) | 1 51 dort zugefuͤ hrt werden; naͤ mlich der Bimento- Pfeffer, und der Ingwer. i Der Tabak iſt jetzt ſo allgemein faſt uͤ ber alle ſüdliche Theile von Europa verbreitet, und wird hier in fo er- ſtaunlicher Menge gebauet, daß es noch zu bewundern bleibt, wie wir dennoch von Weſtindien aus dauernd fort eines fo großen Zuſchuſſes bedurft haben. Es iſt dieß zu— gleich ein wichtiger Beweis, daß der menſchliche Fleiß zwar ein Erzeugniß einer Zone in eine andere verpflanzen kann, aber faſt nie zu der Guͤ te zu erheben vermag, wel⸗ che ſie in ihrem vaͤ terlichen Boden erlangte. Denn waͤ re der Tabak von Cuba, Caraccas und Weſtindien uͤ berhaupt, ſo wie auch von Virginien nicht von ſo vorzuͤ glicher Guͤ te und Staͤ rke, ſo wuͤ rde wahrſcheinlich anjetzt der Europaͤ er ſich mit dem in unſerm Welttheile erzielten begnügen. Zugleich zeigt ſich wohl ſchwerlich die Macht der Mode ſtaͤ rker als bei dem Tabak. Wie ſollte es ſonſt dieſer ſtin— kenden, Geſchmack und Geruch zuruͤ ckſcheuchenden, den Verſtand ſelbſt benebelnden Pflanze gelungen ſeyn, ſich einem vernuͤ nftigen Weſen fo aufzudraͤ ngen, daß Millionen Menſchen dadurch in Bewegung geſetzt, ungeheure Geld- ſummen und erſtaunliche Strecken des trefflichſten Bodens dafuͤ r aufgewandt wurden? Freilich ward der Tabak, als er une zuerſt bekannt wurde, den pomphaften Angaben ſeiner Bewunderer zu— folge, gleichſam wie der Theriae, eine Univerſalmediein. Sogar das herbe ſtinkende Oel, wie ſein heftiges Salz, heilte die Gicht, erhellte die kranken Augen, verſcheuchte das Kopfweh, verbeſſerte alle Saͤ fte des menſchlichen Koͤ r— pers, und erweckte ſelbſt die vom Schlage geruͤ hrten aus dem Todesſchlaf. Dieſe Wunderkraͤ fte verſchwanden nun | 4* 8 zwar bald; allein ſeine, die Fiber und die Druͤ ſen rei: zende, ja aͤ tzende Kraft entledigt von uͤ bermaͤ ßigem Schleim, macht ſtets lebendig; feuert die Lebensgeiſter an; erheis tert, maͤ ßig benutzt, den Kopf; ward hiedurch ein maͤ ch⸗ tiges Mittel, um ſich lebhaft zu erhalten, und verjagt dem Nichtsthuer auf eine pikante Weiſe die Langeweile. Wel allgemeinere Verbreitung des Tabaks beweiſet indeß, daß dieſer, wenn gleich urſpruͤ nglich dem waͤ rmeren Amerika angehoͤ rend, dennoch nicht gerade des Bodens von Weſtindien beduͤ rfe, obgleich er freilich dort in einer vorzuͤ glichen Guͤ te gedeihet. Er wird auch nur auf einzel⸗ nen Inſeln des dortigen Archipels im Großen gebauet. Englands und Frankreichs weſtindiſche Inſeln ſparen ihren Boden fuͤ r die eigentlichen Kolonialwaaren auf. Hollands pflanzungen. Im Jahre 1777 gab erſtere 1870, letztere 135 Faß außer 6390 Packen und 828 Rollen Tabak. Da gegen iſt Cuba eins der Hauptlaͤ nder des vorzuͤ glichſten Spaniols der Havana? Es fuͤ hrt auf 120000 Aroben (zu 25 Uh) Tabak, oder 30000 Centner aus. Der vormalige ſpaniſche, groͤ ßte Antheil von St. Domingo bauete zwar Tabak, jedoch kur zum eigenen Verbrauch. Portorico fuͤ hrte aber im Jahre 1778 nach Spanien 753 Centner Tabak. 6 Wir beduͤ rfen daher hier der Erwaͤ hnung dieſes wichti⸗ gen Handelsmaterials nicht weiter, da es fuͤ r die uͤ brigen Lander unſers Archipels nicht von Bedeutung if. Der Tabak gehoͤ rt mehr dem gegenuͤ ber gelegenen feſten Lande der neuen Welt. R St. Euſtath und Curaſſao haben aber anſehnliche Tabaks⸗ Tabaks; denn welche Kennernaſe freuet ſich nicht des 53 Der Anbau des Pimento⸗Pfeffers beſchaͤ ftiget da⸗ gegen die meiſten Inſeln Weſtindiens. Im Jahre 1787 war Englands Ausfuhr von daher, ohne Trinidad, davon 10544 Centner; an Werth 22148 Pf. Sterling. | unter den von Frankreichs Inſeln ausgefuͤ hrten Waaren findet er ſich beim Raynal nicht; und eben ſo wenig wird deſſen bei den Waaren der hollaͤ ndiſchen und übrigen Beſi— gungen gedacht; vielleicht mag er bei einigen Waaren— liſten unter die Medicinalwaaren und kleineren Produkte (menues denrees) mitbegriffen ſeyn. So nimmt auch der Ingwer nur bei einigen dieſer Liſten einen eigenen Artikel ein, z. B. bei denen des eng⸗ liſchen Weſtindiens. Von hier ward im Jahre 1787 die große Quantität von 10547 Centner, an Werth 41033 Pf. Sterling nach Europa gefuͤ hrt. Daß aber das franzoͤ ſiſche Weſtindien ebenfalls eine aͤ hnſehnliche Maſſe Ingwer einführt, ergibt ſich aus Sava- rys Dict. de Commerce. Hier werden für das Jahr 1750 ausdrücklich 312000 h oder 3120 Centner Ingwer, als von den franzoͤ ſiſchen Inſeln eingeführt angegeben; der Preis war damals von 32 bis 40 Livres fuͤ r den Centner. Auch das feſte Land des heißen Amerikas bauet Ing— wer. Braſilien führte in einem Jahre fir 22000 Livr., alfo wenigſtens 550 Centn. aus. Ehe wir zu den eigentlichen Medicinalwaaren uͤ berge⸗ hen, wollen wir einen Ruͤ ckblick auf den Geſammtwerth aller bisher genannten Waaren Weſtindiens werfen. Denn dieſe Waaren des engliſchen Weſtindiens gibt man e gendermaßen an. 54 An Zucker fuͤ r 3,2607545 Pf. Sterling *) Syrop : 230687 — — „Rum 2 493553 — — Kaffee s 146405 — er Baumwolle = 795301 — — Indigo = 13802 — . „ Simento > 41033 — — „Ingwer z ; 22143 — Cacao - ; 10585 — — 14,794059 ya 8 Die übrigen, weniger eintraͤ gliche Waaren, z. B. Tabak, verſchiedene Holzarten, rohe Haͤ ute, und be— ſonders Medicinalwaaren erhoͤ heten dieſe Summe zu 5,389054, alſo bis über 32 Millionen Thaler. Im Jahre 1788 war dieſer Geſammtwerth, dem Ed⸗ wards zufolge, geſtiegen auf 6,4883 1) oder über 37 Mil⸗ lionen Thaler. Matroſen bemannt. Vor Ausbruch der Revolution erhielt Frankreich im Jahre 1787, Arnolds Tafeln zufolge, von ſeinen weſtin⸗ diſchen Inſeln an Waaren, für 185 Millionen Liv., oder über 46 Millionen Thaler. Frankreich uͤ bertraf mithin England im Jahre 1787 um 14 Mill. Thaler. Freilich erhielt nachmals England auch die anſehnliche bedeutende Quantitaͤ ten der wichtigſten Kolonialwaaren lie⸗ 2) Schillinge und Dr. find als unbedeutend weggelaſſen. Der hiezu gebrauchten Schiffe waren 1815, mit 21114 Inſel Trinidad, welche, wie wir zuvor bemerkten, ſehr ferte, deren Werth über 200000 Pf. Sterling einbringt. 55 Dennoch reichte auch dieß zuſammen noch nicht an den Totalwerth von dem franzöfifchen Weſtindien. Und dieſer hätte ſich nun, nach der ſpaniſchen Abtretung des bei weis tem groͤ ßern Theils von St. Domingo bei fortdauernder Ruhe vielleicht zu dem doppelten Ausfuhrwerth erhoben. Spanien kann man hauptſaͤ chlich nur nach Cuba und Portorico ſchaͤ tzen. Der Zucker von Cuba allein, brachte, den Zentner rohen Zucker nur zu 3 Piaſter gerechnet, auf Millionen Thaler. Portorico hat, le Dru zufolge, ſeit 1778 an Zucker, Kaffee und Baumwolle um die Haͤ lfte mehr gewonnen. Hienach mußte es zuletzt wenigſtens erzielt haben 4000 Centner Zucker; 3000 Centner Baumwolle, und 16000 Centner Kaffee, ſelbſt wenn man nur nach runden Zahlen rechnen will. | Da gäbe, nach dem beim Raynal für Frankreich ange— gebenen Preiſen der Kolonialwaaren, die Summe fuͤ r den Zucker 120000 Liv., nur zu 30 Liv. gerechnet, fuͤ r Kaffee (zu 84 Liv.) 1,3440003 für Baumwolle (zu 250 Liv.) 750000 Liv. | Hiezu kamen noch 7458 Cent. Tabak zu 40 L. gegen 300000 L. außer dem Reis und der Melaſſe, ſo daß die Ausfuhr ſich wohl uͤ ber dritthalb Millionen Liv. beliefe; vielleicht duͤ rfte man alle übrigen Kolonialwaaren mitge— rechnet, wohl 1 Million Thaler fuͤ r Portorico uͤ berhaupt | rechnen, wahrlich ein fehr unbedeutender Werth fuͤ r eine ſo große treffliche Inſel! Wenn uͤ berhaupt Spanien die Aus— fuhr aus ſeinen weſtindiſchen Inſeln wohl nur gegen 5 Millionen Thaler gebracht haͤ tte, ſo liegt dieß offenbar da— ran, daß dieſer Staat zu viele, und zu goldreiche indiſche 56 Beſitzungen hatte, und daher feine trefflichen Inſeln Weſt⸗ indiens zu ſehr vernachlaͤ ßigte. Daͤ nnemarks Inſeln, ſo klein und unbedeutend ſie auch ſcheinen, gaben dennoch bloß an Zucker eine Million Thaler. Man würde vielleicht nicht übertreiben, die übrigen Haaren, z. B. Rum, Baumwolle, Kaffee, Cacao, übers haupt zu ein Paar Hundert Tauſend Thaler anzufchlagen , fo daß Daͤ nnemarks Ausfuhr wohl kaum auf 13 Million Thaler hinanliefe. f Hollands infulare weſtindiſche Beſitzungen find reicher. Ricard berechnet den jaͤ hrlichen Werth von St. Euſtath lion Thaler. Die Exporte aus Surinam, Berbice, Demerary und Eſſequebo dürfen hier, ſobald nur von dem eigentlich ſoge— nannten Weſtindien und nicht von dem feſten Lande die Rede ſeyn ſoll, eigentlich nicht mit aufgefuͤ hrt werden. Dieß iſt indeß bei Cayenne geſchehen, und dieſe hollaͤ ndi— ſchen Beſitzungen ſind eben ſo nahe mit Weſtindien ver— bunden als jenes. ö Stedmann nimmt fuͤ r den Zucker und Rum, der nur allein nach Amſterdam geladen ward, auf 200000 Pf. Ster⸗ ling an, alſo ſtets über ı Million Thaler, den Kaffee rech— net er ſogar auf das Gedoppelte. Nun erhielten aber die Kammern von Seeland und Rotterdam ebenfalls beträcht- liche, wenn gleich mindere Ladungen. Jetzt ſetze man hiezu, die Baumwolle, den Tabak, den Sacas, nebſt mehreren Holz- und auch wohl einigen Mes dicinalwaaren. Nur von der Baumwolle ward in einzel— Cacao aber gar für 900000 Gulden. Sonach würde hoͤ chft und Curaſſao auf 5 Millionen Gulden, alſo über 23 Mil⸗ nen Jahren (z. B. 1771) ausgeführt für 400000, von wahrſcheinlich Surinam allein alehieieht über 3 Millionen Thaler abwerfen. Ob die drei kleineren Beſitzungen geringern oder groͤ — Bern Gewinn geben, bleibt mir freilich unbeſtimmt. Indeß waren ſie dennoch ſehr wichtig. Ricard gibt fuͤ r die Jahre 1777 und 1778 doch gegen 1 Million Pfund oder 15000 Centner Kaffee an, welche nur allein Amſterdam erhielt, ohne die Baumwolle, den Zucker und Cacao zu rechnen, Artikel, die freilich unverhaͤ ltnißmaͤ ßig geringer ſind, als der Kaffee. Die beiden Niederlaſſungen „Demerary und Eſſequebo, ſcheinen aber noch eintraͤ glicher zu ſeyn, da Ricard fuͤ r das Jahr 1778 an Zucker 2073 Faß, oder zum mindeſten über 10000 Cent., vom Kaffee aber uͤ ber 40000 Centner an— gibt, ohne hiebei der Baumwolle, 2308 Centn., noch we⸗ niger der 20 Faͤ ſſer Tabak zu gedenken. Auf die Weiſe faͤ nde man wohl eine groͤ ßere Summe als faſt fuͤ r Surinam. Wir haben hier Caracas nicht mit aufgefuͤ hrt, ih dieß der Nähe und Lage wegen ſchon hinzuzufuͤ gen waͤ re und viele Millionen Ertrag liefert. - | Wir werden aber bald ſehen, daß die eigentlichen Me⸗ dieinalwaaren, wenn gleich ſie begreiflich nicht in ſehr gro— ßen Quantitaͤ ten eingefuͤ hrt werden, dennoch ſtets, ſowohl ihrer Vielartigkeit als ihres hohen Preiſes wegen, einen bedeutenden Geldwerth betragen; dennoch ſind ſowohl dieſe als die ausgefuͤ hrten Farbehoͤ lzer, noch weniger aber die Ochſenhaͤ ute, weder bei den ſpaniſchen als bei den hollaͤ n— diſchen oder daͤ niſchen Etabliſſements mit in Betracht gekommen. Nimmt man auf dieß alles Ruͤ ckſicht, dann ſcheint es keine Uebertreibung, den ganzen Werth aller Waaren, 58 welche Europa von jenen Niederlaſfungen erhält, völlig auf 110 Millionen Thaler ſchaͤ tzen zu wollen. Dieſer wenn gleich hohe Werth iſt indeſſen bei weitem nicht der einzige. Man bedenke nur zuerſt, wie Weſtindien ſelbſt mehrere Millionen Menſchen durch dieſen Anbau er naͤ hrt, hierunter allein gegen 12 hundert Tauſend Neger; ferner was fuͤ r einen erſtaunlichen Umſchwung der Verkehr mit Weſtindien in unſerer Marine, und in unſern Manu⸗ fakturen und Fabriken hervorbringt. Schon zuvor iſt die Anzahl und Bemannung von Englands Schiffen, welche zum Dienſte dieſer Kolonien gebraucht wurden, erwaͤ hnt; die von Frankreich aber waren ebenfalls ſehr groß. Es ſetzte nämlich 600 Fahrzeuge und uͤ ber 15000 Matroſen in Bewegung und Unterhalt. Holland bedurfte hiezu 300 Fahrzeuge, und Daͤ nemark auf 50. N Die Exporten Englands dahin betrugen im Jahre 1787 auf 1 Million und 900000 Pf. Sterling; und den Madera⸗ wein und die Fracht hinzugeſetzt, ſtieg dies auf 18 Millio⸗ nen Thaler (3 Mill. Pf. Sterl.). Frankreichs aͤ hnlicher Verkehr betrug eben ſo viel, naͤ mlich 72 Millionen Liv. Wenn aber in der heutigen Lage der Dinge dieß fuͤ r letz⸗ teres Reich der Fall nicht iſt, ſo kann dieß nie auf immer dauern, und jeder, dem die Menſchheit warm am Herzen liegt, muß eifrig wuͤ nſchen und hoffen, eine fo auf fie druͤ ⸗ ckende Lage baldigſt beendigt, und dieſe großen Vortheile, welche jetzt faſt ausſchließlich England gehoͤ ren, von neuem unter mehrere Maͤ chte getheilt zu ſehen. Wir kommen nun zu dem andern uns eben ſo wich— tigen Theil dieſer Unterſuchung, naͤ mlich auf die mindere oder größere Rothwendigkeit des Bedarfs dieſer Waaren, | 2 NN ya a 1 Lr Fin . 39 und auf die Frage, in wie weit wir Europäer es in unfern Kraͤ ften haben, im Fall unſere heutige Societaͤ t mehrere der Kolonialwaaren durchaus nicht entbehren koͤ nnte, uns entweder wirkſame Surrogate, Stellvertreter, aus unſe— rem eigenen Welttheile an ihre Stelle zu ſchaffen, oder gar eben daſſelbe nothwendige Material, welches uns Indien liefert, aus andern Pflanzen zu erzielen. | Dieß führt uns zu neuen, für dieſe Hinſicht paſſenden Eintheilungen der Kolonialwaaren uͤ berhaupt. | Hier zeigen ſich zuerſt ſolche, welche nur dem Luxus, | fei es dem der Zunge oder des Auges fröhnen, andere hin- gegen, welche wahre Beduͤ rfniſſe des Lebens fuͤ r uns ge— worden ſind; alſo entbehrliche und unentbehrliche. Fuͤ r die erſten gaͤ be der Zucker, fuͤ r die zweiten die Farbenpflan⸗ zen ein ſchickliches Beiſpiel. | Eine anderweitige Abtheilung wäre die der Kolonial- waaren, in ſolche, die der geſunde, und in ſolche, die nur der kranke Menſch bedarf. Freilich koͤ nnen von der erſten Klaſſe mehrere auch zur zweiten gerechnet werden, 9 wie z. B. abermals der Zucker, als ſowohl dem Kranken | 0 wie dem Geſunden nothwendig. Dieß iſt aber nicht der Fall bei denen der zweiten Klaſſe; Guajac oder die China 3. B. bedarf der geſunde Menſch, als ſolcher, nicht. So haͤ tten denn bei dieſer Anſicht die erſtern eine groͤ ßere Wichtigkeit für uns, weil ihr Verbrauch faſt nach der An— zahl der Köpfe zu berechnen wäre, letztere aber nur für eine geringe Zahl, fuͤ r die Kranken. 2 Auch koͤ nnen manche der letztern mehr oder minder Il nothwendig werden, je nach der Art und der Summe der mi Krankheiten, denen fie entgegen wirken. 8 | zu. rr 60 Es iſt aber nicht bloß möglich, fondern bei den, we— nigſtens epokenweiſe, ſich veraͤ ndernden und vermehrenden Krankheiten, die unſer ſtets an Luxus und Abweichung von der einfachen Natur zunehmendes Europa in ſich erzeugt, daß verſchiedene Medieinalwaaren des Auslandes einer weit groͤ ßeren Zufuhr bedürfen, ja daß eine Menge frem⸗ der, bis jetzt nicht benutzter Pflanzen in unſere Apotheken. dereinſt aufgenommen werden muͤ ſſen, und durchaus noth⸗ wendig werden. Stehe es indeß hiemit wie es wolle, in jeder von die⸗ ſen Hinſichten bleibt denn für den Europäer die wichtige Frage die: ns „Auf welche Art koͤ nnen wir uns gegen den großen „Geldverluſt ſchuͤ tzen, welchen uns dieſe Beduͤ rfniſſe zu⸗ „ziehen? Wie vermeiden wir die harte Abhaͤ ngigkeit von „den Produkten des Auslandes, und in ſo fern von den „Nationen, welche davon Herren find?“ Daß dieſe Frage den Zucker am genaueſten angeht, er— gibt ſich ſowohl aus der ſo eben beigebrachten Bemerkung über deſſen allgemeinen Verbrauch, vorzüglich aber aus den zuvor angegebenen Berechnungen uͤ ber die ungeheure Quantität, welche von Weſt- und Oſtindien eingefuͤ hrt wurde. Selbſt nur zu 7 Millionen Centner, und der Cent⸗ ner zu 10 Rthaler gerechnet, welch ein erſtaunlicher Werth! Freilich ward bei weitem dieſe Summe nicht in baarem Gelde, ſondern in Manufaktur» oder Fabrikwaaren und Naturalien aller Art gezahlt; allein Europa blieb doch ein tiefer Schuldner. | Rechne man aber nun die übrigen, wenn gleich einzeln dem Geldwerthe nach minder wichtigen Kolonialwaaren 61 hinzu, welche unermeßliche Schuldenlaſt brachten dieſe zu— ſammengenommen nicht ebenfalls auf die Europaͤ er! Dieſer Druck fiel hauptſaͤ chlich auf ſolche Laͤ nder, denen das Meer und die großen Fluͤ ſſe verſagt waren, und Das durch ihr aktiver Handel beſchraͤ nkt. Das geſammte Mit⸗ telland Europens war mithin in großer Abhaͤ ngigkeit von den Seeſtaaten. | Begreiflich kann diefer Druck, den die Mittelländer Europens fühlen, deſto härter werden, je kleiner die An— zahl der Maͤ chte iſt, welche von den Kolonien und ihrem Handel Herren ſind. Monopol und Deſpotismus ſind bei— nahe gleichgeltende Ausdruͤ cke, und wenn fie es auch ihrer Natur nach nicht ſind, ſo werden ſie's dennoch leicht in ihrer Wirkung. So lange es mehr Kaufleute gibt, welche ein und dieſelbe Waare feil haben, fo lange alſo Concur— renz unter den Verkaͤ ufern vorhanden iſt, ſo lange kann der Käufer auf einen billigen, mittleren Preis hoffen. Und dieſe Wahrheit wird deſto wichtiger, je nothwendiger die Waare ſelbſt iſt, je genauer ſie in das gute Daſeyn oder Nichtdaſeyn des Lebens eingreift, deſto dringender wird der Wunſch fuͤ r Concurrenz der Verkaͤ ufer. So wie es aber ſchwer hält, daß die Vernunft und die Gefuͤ hle der Menſchlichkeit der Obermacht eines Staats oder eines Einzelnen in politiſcher Hinſicht Graͤ nzen ſetzen, eben ſo ſchwer wird es dem, der ſich im Stande fuͤ hlt, durch den Alleinhandel mit einem der ganzen Menſchheit nothwendigem Beduͤ rfniß nach Gefallen zu ſchalten, ſeinem Geiſt des Gewinns Schranken abzuſtecken. Daß dieſe Grundſaͤ tze ſelbſt bei den erſten Beduͤ rfniſſen des Lebens, beim Handel mit Korn, Reis und Salz, leider auf Unkoſten von Millionen bewaͤ hrt gefunden find, 928 * 1 BL 9 N rr u Ger Fe) 62 bedarf wohl keines Beweiſes, da die in mehr als einem Lande Europens ſelbſt kuͤ nſtlich erzeugte Hungersepoquen, ſchloſſenen Reismagazine, und endlich die traurigen Zeiten der Gabelle noch im friſchen Andenken ſtehen. Wehe der Menſchheit unter einer unbeſchraͤ nkten Herr⸗ ſchaft, ſey es der Regier- oder der Wucherſucht! | Wer mit ächtem Gefühl für das Wohl der Menſchheit auf dieß traurige Spiel der Abhaͤ ngigkeit vieler hundert Millionen von der Laune oder Gewinnſucht einzelner Maͤ chte heilig werden. Und wenn es die menſchlichen Kräfte übers ſteigt, dieß durch Gewalt zu bewerkſtelligen, dann treten mittel zu dieſem Endzwecke vor Augen. In dieſer Ruͤ ck⸗ ſicht bieten ſich aber hauptſaͤ chlich zwei Wege dar. jetzt unerlaͤ ßliche Beduͤ rfniſſe geworden find, in unſerm Eu⸗ ropa ſelbſt zu erzeugen, oder ſtatt ihrer Stellvertreter auf⸗ zufinden, und dieſe im Großen zu gewinnen. 5 Allerdings iſt der Menſch faͤ hig das Klima ſeines Lan⸗ ſten, durch Ableiten ſtockender Gewaͤ ſſer, durch Umhauen mere Atmoſphaͤ re ſchaffen; er kann bei wachſender Volks⸗ menge, eine größere Laͤ ndermaſſe in Anbau ſetzen, ihre im verdunſten laſſen; er kann den duͤ rren Boden in einen frucht⸗ baren umwandeln, hiedurch ein Land gleichſam der mildern ſo wie die ſchaudererregenden Scenen der in Bengalen vers hinblickt, dem muß der Gedanke dieß widernatuͤ rliche Joch abzuwerfen, oder wenigſtens ſeinen Druck zu mindern, ihr bald die Talente des Menſchen, die Induſtrie als Huͤ lfs⸗ Entweder die Waaren jenes Auslandes, welche uns des zu verbeſſern, er kann durch Austrocknen von Moraͤ ⸗ oder Luͤ ften dichter Waldungen eine reinere, heiterere, waͤ r⸗ Innern ſchlafenden Kraͤ fte wecken, die kaͤ ltenden im Salze Zone naͤ her ruͤ cken, und auf die Weiſe Erzeugniſſe erzielen, 63 welchen das vormalige Klima aus Kälte, Naͤ ſſe, und der Boden aus Unkultur zuwider waren. So iſt unleugbar unſer Deutſchland nicht das ſtarre, grauſenerregende, unfruchtbare Land, wovon Tacitus ſagte: Wer wird Deutſchland beſuchen? Das Land des rauhen Himmels und traurigen Anblicks, das nur von Waͤ ldern fiarret und durch Suͤ mpfe ſcheußlich iſt! (Quis germa- niampeteret? informem terris, asperam coelo, tristem cultu, aspectuque. In universum silvis horrida, aut paludibus foeda.) Deutſchland zeigt jetzt ein voͤ llig verſchiedenes Bild. Faſt alle Früchte des mildern Europa's gedeihen bei uns, ſelbſt der Wein, ſo wie das ſchoͤ nſte Kernobſt, ja ſogar der Mais und Tabak. | Dieſe Veränderung des Klima's „und die dadurch ar lich gewordene Erzielung neuer nuͤ tzlicher Vegetabilien des milderen Himmels, hat indeß ſeine Grenzen. Es bleibt den Kraͤ ften des Menſchen und ſeiner Kunſt unmoͤ glich Deutſchland, ja nicht einmal dem eigentlichen Suͤ d⸗Europa das Klima der Wendekreiſe oder des Aequa⸗ tors zu ertheilen, mithin unmoͤ glich die Erzeugniſſe, welche nur durch die hohe Waͤ rme jener heißeſten Regionen gedei— hen, bei uns zu erzeugen, oder wenigſtens nie von eben der Güte im Großen hervorzubringen, denn von Treibhäus ſern, ſieht man leicht, kann hier nicht die Rede ſeyn. Der Europaͤ er bleibt alſo auf einzelne Naturalien be— ſchraͤ nkt, er muß die der eigentlich heißen Zone ſtets nur von dieſer ſelbſt erwarten und herbeiholen. So giebt es dann auch in dieſer Hinſicht verſchiedene Arten von Kolonialwaaren; ſolche, die wenigſtens in eini— 64 gen Theilen Europens gedeien, und andere, die wir ſtets dem heißen Auslande abzuborgen genoͤ thigt ſind. Ungluͤ cklicherweiſe gehoͤ ren einige der kraͤ ftigſten Arznei⸗ mittel zur letztern Klaſſe. Fuͤ r dieſe ſind dann hoͤ chſtens Surrogate, Stellvertreter, bei uns aufzuſuchen. Indeß ſei man auch gegen das Menſchengeſchlecht nicht zu miß⸗ trauiſch. Es gibt naͤ mlich ſicher kein Volk der Erde von ſo ſtaͤ hlernen Herzen, das ſelbſt aus Geiz oder aus Haß gegen ſeine Feinde ihnen die erſten Medikamente wider Hauptkrankheiten verſagen ſollte. So eigenſuͤ chtig und ſtolz auch der Britte koͤ nnte gedacht werden, ſo wuͤ rde er doch die China, den Saſſaparille, die Hypecacuanha, den Guajac oder ahnliche große Retter vom Tode, wie auch mehrere Gewuͤ rzarten, wenn er je gänzlich Darüber Herr waͤ re, den Kranken des Feindes ſchwerlich verſagen. Aber die Ausſicht bleibt ſtets dem aͤ chten Menſchen⸗ freunde niederſchlagend das ganze uͤ brige Europa von einer einzigen Nation auf den Knien ſeine Rettung erbitten zu ſehen! | | Da iſt es denn Pflicht, alle rechtliche Mittel aufzubie⸗ ten, dieſem Uebel auf irgend eine Weiſe zu ſteuern, wo “möglich zuvor zu kommen, oder es wenigſtens zu mildern. Schon empoͤ rt es, das geſamte Mittelland in dieſer Hin⸗ ſicht von den ſeehandelnden Maͤ chten abhaͤ ngig zu wiſſen, wie viel mehr von einer einzigen, gebieteriſchen Nation? Hoͤ chſt ſchaͤ tbar find daher die Bemuͤ hungen jeder Pri⸗ vatperſon, welche Mittel an die Hand giebt, den Zucker in Europa auf eine ſolche Weiſe zu gewinnen „daß man dadurch, ohne den uͤ brigen Staatshaushalt zu befaͤ hrden, wenigſtens eines Theils des indiſchen Rohrzuckers entuͤ brigt ſeyn kann; und hoͤ chſt verehrungswerth ſind die Aufmun⸗ Bi RR e > a ea ET 65 terungen, wodurch die Regierungen unſers Welttheils hie— Zꝛ!u anfeuern. Hierunter zeichnen ſich anjetzt 58 vornemlich die kai⸗ ferlichen Ruſſiſchen, Franzoͤ ſiſchen und Oeſtreichiſchen, ſo wie beſonders die großherzoglich Frankfurtiſchen, und die koͤ niglich Preußiſchen Regierungen auf das ehrenvolleſte aus. Europa's ſüdlichſten Theile können allerdings vermoͤ ge ihres Klimas das Zuckerrohr ſelbſt erzeugen, wie z. B. Sicilien und Spanien; ob es gleich ſtets die Frage bleibt, in wie weit das Zuckerrohr dieſer Laͤ nder an Reichhaltigkeit und Suͤ ße jenem der waͤ rmeren Zone ſich naͤ hert, und in wie fern dieſen europaͤ iſchen Laͤ ndern durch den Anbau des Zuckers kein Land für nothwendigere Bedüuͤ rfniſſe des Le— bens entzogen würde? Faſt alle übrigen Lande unſers Welttheils fähen fich ges zwungen, aus andern Vegetabilien, welche ihrem Klima entſpraͤ chen, ihren Zucker zu erzielen. Die Vegetabilien, welche ſich hiezu als Surrogate dar— bieten, zerfallen in 1) Baumarten, 2) kleinere Pflanzen. Von Baumarten gibt es nun ſolche 1) deren Saft ſelbſt zuckerreich iſt, und zu gehoͤ riger Zeit abgezapft und verdickt, wirklichen Zucker gibt; 2) deren Fruͤ chte vielen Zucker enthalten. Zu erſtern gehoͤ ren beſonders die Ahornarten, wie auch die Birke; zu den letzlern beſonders das Kernobſt, vorzuͤ glich die Pflaume; und unter den groͤ ßern Ranken⸗ gewaͤ chſen, der Wein. Zu Gunſten der erſtern ſpricht aber nicht bloß die langjaͤ hrige Erfahrung der Nordamerikaner, da ſogar in dem kalten Canada Jahr aus Jahr ein ein Baum von dem daraus zu erzielenden Zucker faſt beſtaͤ ndig | 5 66 dieſelbe Quantiaͤ t gibt, ſondern auch die Leichtigkeit des Gewinns. Ep Hingegen bedarf der Pflaumenzucker einen großen Auf— wand von Fruͤ chten, ſo wie eine weit umſtaͤ ndlichere Zube⸗ reitung, und uͤ berdem haͤ ngt das Gerathen dieſer Fruͤ chte ſehr von der Witterung ab, mithin wuͤ rde ſchwerlich auf ein und dieſelbe Quantität Zucker fuͤ r jedes Jahr zu rech⸗ nen ſeyn. i Der Wein oder vielmehr die Traube hat aber bis jetzt nach betraͤ chtlichen Bemuͤ hungen groͤ ßtentheils nur einen vorzuͤ glichen Syrop gegeben. Auch gedeihet der Wein kaum in dem noͤ rdlichen Deutſchlande. Bei der weiten Verbreitung des Ahornzuckerbaums in Nordamerika uͤ ber die meiſten Laͤ nder der dortigen verei— nigten Staaten, läßt ſich ſicher vermuthen, daß ſehr viele Lander Europens, ſelbſt des nordlichen, zu dieſem Anbau wuͤ rden paßlich befunden werden. Hieher gehoͤ rt dann aller⸗ dings auch unſer Vaterland; nur iſt hiebei ſtets zu beden— ken, ob und wie viel Laͤ ndereien man zu einem ſolchen An— baue entbehren koͤ nne, ohne den erſten Beduͤ rfniſſen des Lebens, hauptfächlich jeder Kornart, den ihnen noͤ thigen Boden zu entziehen. Vielleicht ließen ſich ſelbſt zwiſchen und um die Korn- oder ſonſtigen Fruchtfelder dieſe Baͤ ume anziehen? Dieß ſchiene auch deßhalb vortheilhafter zu ſeyn, da dieſe Baume einzeln, oder wenigſtens weit auseinander ſtehend, faſt noch einmal fo viel Zuckerſaft geben, als dicht neben einander gepflanzt. Im erſten Fall erhaͤ lt man ſelbſt über 6 db Zucker, im letztern nur drei. | Den Ertrag eines Baums rechnet man indeß im Durch= ſchnitt doch auf 4 ttz Zucker. Hiezu muß er freilich gegen 10 Jahre alt ſeyn; von dieſer Zeit an kann er aber viele Jahre hindurch auf Zucker benutzt werden, ſobald das Ab— zapfen mit Vorſicht geſchieht, nämlich der Einſchnitt nicht zu tief und die Wunde nicht zu weit offenſtehend bleibt. Dieſe Baumart gewaͤ hrt daneben noch den wichtigen Vortheil eines vorzuͤ glichen Bauholzes, fo daß ſie, ſelbſt wenn die Benutzung auf Zucker nach mehreren Jahren ſollte abgenommen haben, dennoch fuͤ r den Staatshaushalt ein brauchbares Produkt liefert. Ein fo ſchaͤ tbares Mittel nun auch der Anbau dieſes Ahornbaums an die Hand gibt, die Abhaͤ ngigkeit der kaͤ l— teren Gegenden, von Indien zu mindern, ſo muß man den— noch ſtets hiebei folgendes erwaͤ gen. Selbſt angenommen, daß man nicht bloße Reiſſer, fon- dern bereits anſehnliche Schoͤ ßlinge anpflanzte, ſo erfordert ein ſolcher Baum zum mindeſten noch fuͤ nf Jahr Zeit, be— vor er zu benutzen ſtaͤ nde. Da man ferner aus einem Baum ſelbſt in feinem Vaterlande nur 4 db Zucker jährlich ge— winnt, ſo wird begreiflich eine ſehr große Maſſe ſolcher Baͤ ume fuͤ r ein Paar tauſend Cent. Zucker erfordert. Die amerikaniſchen Freiſtaaten haben ungeheure Landes— ſtriche, welche fi ſie dieſem Anbau aufopfern koͤ nnen; nur allein der Staat von Penſylvanien bot noch um das Jahr 1790 in dem Kanton Northumberland über 250000 Mor— gen (Acres) Landes für Zuckerahorn-Anbau dar; und die Berechnung ergab, daß dieſe, gut angebauet, hinrei— chend ſeyn wuͤ rden, den ganzen Bedarf des Zuckers, wel— chen die Staaten aus Weſtindien ziehen, zu erſetzen. Dieſe Quantitaͤ t ward aber noch damals auf 18 Millionen Pfund oder auf 180000 Centner angegeben. | Es bleibt daher ſtets merkwuͤ rdig, daß Diefe Heifige, induſtrioͤ ſe Menſchen, die dabei für alles, was zum Bedarf 5 2 68 des Menſchen und zu ſeiner Kultur noͤ thig iſt, fo aufmerk⸗ ſam ſind, ſich nicht laͤ ngſt von jener ſchweren koſtbaren Buͤ rde der Einfuhr des Rohrzuckers, durch den in ihrem Vater⸗ lande einheimiſchen, und dort ſo trefflich gedeihenden Ahornbaum befreiet haben, wenn anders die Naͤ he der Antillen, und daher die Leichtigkeit des Transportes nicht eine Nebenurſache hievon ſeyn moͤ chte. Dieſen ſelbſt noch jetzt ſo holzreichen Laͤ ndern kann es aber begreiflich daneben nicht an Brennmaterialien fehlen, um den Ahornſaft durch mehrmaliges Sieden in Zucker umzuſchaffen; und dennoch verkauft man ſelbſt den dorti⸗ gen Zucker im Lande zu 9 Pence, alſo etwa zu 5 Ger. das Pfund; dieſer Zucker war aber nicht rafinirt, denn nur erſt nach dem Rafiniren, welches abermalige Feuerung ers fordert, brachten Dr. Ruſh, Pennington u. A. daraus gu⸗ ten Brodzucker hervor, der der geringeren Sorte des Rohr⸗ zuckers gleich kam. Aus dieſem viel ſagenden Beiſpiele ſcheint ſich denn zu ergeben, daß, ſo vortheilhaft es auch allerdings fuͤ r unſere Laͤ nder ſeyn mag, den Ahornzucker anzubauen, man doch nie die Hoffnung davon zu hoch ſpannen duͤ rfe, um ſich ſchnell, und zu einem ſehr niedrigen Preiſe des Rohr⸗ zuckers uͤ berhoben zu duͤ nken. Der Anbau dieſes Zuckerbaums koͤ nnte hauptfächlich ſolchen Laͤ ndern bekommen, denen 8 1) hinreichender, zum Theil wenigſtens leerer, unbenutzter Boden uͤ brig iſt, und 2) in welchen das Brennmaterial nicht ſehr koſtbar iſt. Hier kommen wir nämlich zu einem der großen, uͤ ber⸗ wiegenden Vortheile des Rohrzuckers uͤ ber die uͤ brigen ihn erſetzenden Arten von Zucker. 60 Der Rohrzucker bietet zugleich ſein eigenes Brenn-, Siedematerial dar. | Dias ausgepreßte Zuckerrohr, in Weſtindien Macas ge⸗ nannt, iſt das alleinige Feuerungsmaterial, wodurch alle uͤ brigen Siedungsproceduren zum Verdicken und Rafiniren des Zuckers in Weſtindien, und ſonach in allen eigentli— chen Zuckerlaͤ ndern betrieben werden. Uebrigens iſt hier noch beilaͤ ufig zu erwaͤ hnen, daß man aus dem Ahornzucker eben ſowohl als aus dem Rohrzucker ſchmackhafte und geiſtige Getraͤ nke gewinnen kann, und daß uͤ berdem der Saft nur lediglich der offenen Sonne ausge— ſetzt einen ſehr brauchbaren Eſſig gewaͤ hrt. Aus dem oben Angegebenen ergibt ſich von ſelbſt, welche Laͤ nder der gemäßigten Zone der alten Welt zum Anbau des Zuckerahorns im Großen am paßlichſten ſchei— nen. Hoͤ chſtwahrſcheinlich Rußland, Polen, ſo wie ein unkultivirter Theil zwiſchen dieſen und der Tuͤ rkei gelegenen bewaldeten Gegenden. Dieß waren die Urſachen, bt ich, gedrungen von aͤ chtem Gefuͤ hl fuͤ r alles, was dem Menſchen ſein Daſein erleichtert, und jeder Art der Bedruͤ ckung uͤ berhebt, bereits vor mehreren Jahren (1797) veranlaßt ward, einen der richtig ſehenden und energiſchen Souveraͤ ne Europens, Kaiſer Paul dem Erſten auf die Zuckerkultur überhaupt im ruſſiſchen Reiche aufmerkſam zu machen. Und da der Zuckergewinn durch Ahornbaͤ ume nur erſt nach mehreren Jahren dort zu bewerkſtelligen war, ſo ward hiebei der Anbau der Runkelruͤ ben als noch ſchneller zum Zweck fuͤ h⸗ rend erwaͤ hnt. Lebhaft ergriff der wohlwollende h dieſe Gele— genheit, ſein Reich hierin unabhaͤ ngiger zu machen, befahl CH Di 1 N 8 n 70 mir Zuckerahornbaͤ ume ſofort zur Probe nach Petersburg zu ſenden. Kaum war dieſer Befehl vollzogen, ſo ließ der Kaiſer einen Contract mit den Amerikanern ſchließen, wo— nach ihm dieſe fuͤ r 100000 Rubel junge Ahornbaͤ ume lie⸗ fer ſollten; in wie fern dieſer groͤ ßere Plan nachmals in Ausführung gebracht worden iſt, blieb mir unbekannt. Die damals dorthin geſandten Baume haben vielleicht einige Privatperſonen zu aͤ hnlichem Anbau beſtimmt, ſo wie auch der Anbau der Runkelruͤ ben ſeit dem dort betraͤ cht⸗ lich zugenommen hat. Ohne Anmaßung darf ich indeß vermuthen, wo nicht gar der erſte, doch einer der erſten geweſen zu ſeyn, der dem großen Reiche, das jahrlich gegen 6 Millionen Rubel fuͤ r weſtindiſchen Zucker anzulegen genoͤ thigt iſt, Mittel an die Hand gab, dieſen Verluſt zu mindern. 92 Die Runkelruͤ be iſt nämlich unter den Pflanzenarten, welche man bis dahin zur Gewinnung des Zuckers bei uns erprobt hat, bei weitem die vorzuͤ glichſte. Sie gibt den meiſten Zucker, ſie gibt ihn am leichteſten, und ſie bekommt unſerm Klima und Erdreich am beſten. Bei den vielen Abhandlungen uͤ ber den Runkelruͤ ben— zucker, welche in Jedermanns Haͤ nden ſind, hieße es, die Leſer mißbrauchen ihnen hier weiter Darüber reden zu wol⸗ len, und es fuͤ hrte mich zugleich zu weit von meinem Zweck. Genug, wir haben allerdings durch dieſe beiden Vegeta— bilien unſers Klima's, durch den Ahornzuckerbaum und ſchule bei London. — Noch fetzt bewahre ich die eigenhaͤ n— digen Briefe ſo wie die Correſpondenz, nach welcher zwei Miniſtern des Junern aufgetragen war, das Weitere deß⸗ halb auf das Beſte zu beſorgen. 4) Die Bäume kaufte ich aus Loddiges berühmter Baum- * 1 4 die leichter und ſchneller zu ziehende Runkelruͤ be Mittel entdeckt, um keines unbedeutenden Theils des eigentlichen Rohrzuckers der warmen Zone überhoben ſeyn zu koͤ nnen. Aber auch hiebei ſei man billig, und laſſe ſich nicht von uͤ bertriebenen Hoffnungen fortreißen. Es iſt bereits viel gewonnen, wenn die beiden wichtigſten und leichteſten Mit— tel bei uns Zucker zu erzielen, unſere Abhaͤ ngigkeit von jenen Kolonien betraͤ chtlich vermindern; warlich ein wichtiges Fortſchreiten der kultivirten Societaͤ t zur ächten Freiheit. Folgende Angaben von einzelnen Staaten mögen jener Warnung mehr Gewicht geben. \ Preußen führte vor der heutigen Kataſtrophe jährlich ein für 3,6000000 Thaler Zucker *). Duͤ rfte man zu einer leichten und nicht unbilligen Rechnung den Centner rohen Zucker zu 10 Rth. ſetzen, fo gäbe dieß 360000 Centner. Nun rechnete man damals etwas über 9 Millionen Men— ſchen in der ganzen Monarchie. Wenn man die duͤ rftige Lage der Bauern in den zuletzt von Polen neuerworbenen Ländern kennt, ſo darf man nicht ohne Grund annehmen, daß wenigſtens 1 Million keinen Zucker genoſſen, und ſich mit Honig behalfen. So wuͤ rden alſo jene 360000 Centner oder 30,0 000 fh Zucker nur auf 8 Millionen Menſchen vertheilt bleiben, im Durchſchnitt alſo 44 k Zucker auf den Mann. Begreiflich iſt dieſe Vertheilung außerordent— lich verſchieden, indem ſicher mehrere Einzelne vielleicht einen halben Centner genießen, waͤ hrend daß andere mit einigen Pfunden ſich begnuͤ gen, und noch andere gar leer ausgehen. Uebrigens ſcheint es hiebei nicht unwahrſchein— *) M. ſ. Ockhardts treffliches Wers: Europaͤ iſche Staaten. zte Lieferung 1804. Fol. Preußen. 52 J lich, daß ſelbſt von dieſem Zucker viele Centner wiederum aus dem Lande gehen, da Berlin Zuckerrafinerien hatte, und ſonach von dem hier rafinirten Zucker ein Theil in die benachbarten Staaten zum Handel kam. Wahrſcheinlich iſt es, daß die bedraͤ ngte Lage von Euro⸗ pa, oder vielleicht bereits der Laͤ nderverluſt in den Jahren 1806 u. f. dieſe Einfuhr vermindert hat, vielleicht trug auch bereits die nicht ganz unbedeutende Quantität des aus Run⸗ kelruͤ ben von Achard, Koppy und wohl auch andern erzeugten Zuckers hiezu bei: genug einige Angaben ſetzen den Werth der ganzen Maſſe Zucker nachmals nur auf a5 Million Thaler. Dieß gäbe dann nach obiger Annahme hundert tauſend. Centner weniger. Indeß waͤ re es hiebei gar nicht unmoͤ g⸗ lich, daß eben wegen dieſer Laͤ nder-alſo Menſchenvermin⸗ derung dennoch eine gleiche Quantitaͤ t Zucker auf jeden Kopf zu rechnen ſtaͤ nde, beſonders ſobald man vielleicht ſchon mehrere tauſend Centner im Lande aus den Rüben erzielten Zucker annehmen duͤ rfte. N Das ruſſiſche Reich führte jährlich (von 1793 bis 1796) ein 341356 Pud Gu 40 Dh) Zucker. | Da es hier nur auf eine große Ueberſicht und daher nur auf die Hauptmaſſen angeſehen iſt, ſo duͤ rfen wir 341000 Pud, oder 13640000 b ſetzen; das ruſſiſche Pfund iſt zu dem Pariſer wie 835 zu 1003 nahme man weiter keine Ruͤ ckſicht auf das ötel, fo gäbe dieß 11321200 Pariſ. Ib, oder 113212 Centner. Die Bevölkerung des europaiſchen Rußlands ſetzt man nach Storchs vorzuͤ glichem Werke auf 30 Millionen. | Schwerlich genießt aber die Hälfte, ja wohl kaum 12 Mil⸗ lionen von dieſen Menſchen den Rohrzucker; denn die Gewin— nung des Honigs iſt ſehr leicht, und der Verbrauch deſſelben 73 unglaublich groß. Ganze Nationen des Reichs, z. B. die Baſchkiren, Metſcheraͤ ken, Tſchermiſſen, Tſchuwaſſen ma— chen daraus ein eigenes wichtiges Geſchaͤ ft. Es gibt ein— zelne Bafchfiren, welche aus den Stoͤ cken der wilden Bie— nen jaͤ hrlich gegen 4000 Pfund Honig gewinnen. Und der Honig wird nicht nur im eigentlichen Rußland, ſondern ſelbſt in den deutſchen, und am baltiſchen Meere gelegenen Provin- zen nicht bloß zum Meth, ſondern der reinſte weiße faſt zu allen Confituren und aͤ hnlichen Artikeln des Luxus verbraucht. Ferner iſt es bei der Bildung der Volksklaſſen dieſes Reichs kaum möglich, daß die bei weitem größere Volks menge, Leibeigene ſich des theuren Rohrzuckers bedienen koͤ nnen, da ſie ihren ſehr guten Honig ſo wohlfeil haben. Die aſtatiſchen Provinzen, deren Bewohner man nur uͤ ber zwei Millionen ſchaͤ tzt, ſcheinen aber noch beſtimmter auf den Honig beſchraͤ nkt zu ſeyn, man moͤ chte etwa die Gouverneure und ihre Umgebungen, ſo wie einzelne ange— ſehene Familien der Hauptſtaͤ dte, z. B. Irkuzk ausnehmen. Rechnete man nun 12 bis 14 Millionen, welche an dem eingefuͤ hrten Rohrzucker Antheil nähmen, ſo waͤ re, die Maſſe zu 11221200 db geſetzt, dennoch noch kein ganzes Pfund im Durchſchnitt fuͤ r den Einzelnen zu rechnen. Es iſt auffallend, wie nach dieſen Angaben, ſelbſt wenn man nur fuͤ r Preußen die letzte geringe Zahl ſetzte, dennoch die Conſumtion des Zuckers bei feiner weit geringern Volks⸗ menge uͤ berzeugend gegen die Conſumtion von Rußland iſt. Ein neuer Beweiß, daß im ruſſiſchen Reiche der Honig ein ſehr wichtiges Surrogat des Zuckers iſt. Von Oeſtreich kenne ich keine beſtimmte Angaben, da man aber noch im Jahre 1804 die Population dieſer gro— ßen Monarchie auf 24 Millionen Menſchen feste, da be- 74 ſonders in Wien, Prag und andern bedeutenden Staͤ dten Oeſtreichs ein erſtaunlicher Luxus, vorzuͤ glich in Ruͤ ckſtcht des Gaumens herrſchte, ſo duͤ rfte die Maſſe des hier jahr- lich verbrauchten Zuckers ſicher größer ausfallen, als es lediglich aus dem Verhaͤ ltniß der Bevoͤ lkerung der beiden Staaten, Preußens und Oeſtreichs zu ſchließen waͤ re. Vielleicht waͤ re hier das dreifache des Zuckerverbrauchs von Preußen noch nicht hinreichend. 93 Von den uͤ brigen Staaten Deutſchlands ſind wohl die Liſten der Zuckereinfuhr nicht betimmt vorhanden, doch ließe ſich vieles aus der Einfuhr in die vormaligen groͤ — fern drei Hauptſtadte ſchließen. 5 Ganz Frankreich ſoll, nach dem Berichte eines neuern öffentlichen Blattes überhaupt 300000 Centner Zucker ver⸗ brauchen. Gegen das duͤ rftigere und um mehr als die Hälfte an Menſchen ärmere Preußen ſcheint dieß ſehr merk⸗ würdig. Naͤ hme man auch nur 25 Millionen Menſchen fuͤ r das eigentliche vormalige Frankreich an, ſo betruͤ ge dieß weit weniger Zucker fuͤ r jeden Einzelnen als in Preußen. Freilich iſt hiebei beſtimmt geſagt, daß dieſe ganze Maſſe in Frankreich ſelbſt verbraucht werde, welches man vielleicht nicht von Preußen behaupten koͤ nnte. Allein man bedenke nun auch, daß einmal die Volks— menge hier weit uͤ ber das Doppelte beträgt; daß ſich fer⸗ ner in Frankreich, dem Sitz der verfeinerten Kochkunſt und Tafelverſchwendung eine unverhaͤ ltnißmaͤ ßig große Anzahl reicher, luxurioͤ ſer Staͤ dte findet, daß endlich vielleicht das einzige Paris + der geſammten Zuckermaſſe oder 50000 Centner, ja wahrſcheinlich wohl mehr bei ſeinem ungeheuren apiciſchen Aufwande aller Art, und erſtaunlichen Condito— rien verbraucht. Rechnete man auch nur 50000 Centner, » 73 und feste Paris zu einer Million Menſchen, welche es freilich kaum bei der außerordentlichen Coneurrenz von Fremden enthalten wuͤ rde, ſo daß man fuͤ r das uͤ brige (alte) Frankreich 24 Millionen Menſchen annaͤ hme, ſo gäbe dieß im Durchſchnitt von den übrigen 250000 Cent— nern oder 25, 00 db, nur etwas über 1 kb auf den Kopf; alfo etwa 4 von dem, was auf den einzelnen weit ’ haushaͤ lteriſcheren Preußen fiel. Dieſe Angabe weicht uͤ brigens außerordentlich von der fruͤ heren des A. Raynal ab. Seine Tabelle uͤ ber die Ko— lonialwaaren von 1775 ſetzt für Frankreich die ganze Summe des eingeführten Zuckers auf 166354354 bh oder 1,0635434 Centner; hievon wurden ihm zufolge 622545 Centner in Frankreich ſelbſt verbaucht, die uͤ brige groͤ ßere Quantitaͤ t aber ausgefuͤ hrt. Bei allem dem waͤ re es nicht unmoͤ glich, daß eine Million oder noch eine groͤ ßere Anzahl der Gebirgsbewoh— ner und benachbarten Gegenden, beſonders des ſuͤ dlichen Frankreichs, ſich ebenfalls mit ihrem vorzuͤ glichen Honig begnuͤ gten, ein Fall, den ich nicht zu entſcheiden wage. Selbſt aber dieß angenommen, ſo bliebe ſtets die Haupt— maſſe des verbrauchten Zuckers nicht ſehr groß. Uebrigens ſcheint es gar nicht unmoͤ glich, daß, da Frankreich noch eine ſehr anſehnliche Quantitaͤ t Morgen Landes zum Anbau der Runkelruͤ be offen hat, da die Chemie und Technologie dort fo hoch geſtiegen iſt, da es dabei an Wein fo reich iſt, daß viele tauſend Centner von einheimiſchen Zucker dort koͤ nnten erzielt werden. Es fuͤ hrte zu weit, und liegt zugleich groͤ ßtentheils aus meiner Kunde, die uͤ brigen Reiche Europens auf aͤ hn— liche Weiſe durchzugehen. Stets muͤ ſſen Italien, Portu— — „5 gall und Spanien, beſonders bei dem erſtaunlichen Ver— brauch der Chokolate, der Eis- und Zuckerwaſſer und aͤ hn⸗ licher Erfriſchungen viele hundert tauſend Centner Zucker gleich der dort ſeit vielen Jahrhunderten ſo beruͤ hmte Ho⸗ nig manches erſetzt haͤ tte. Fu Holland und vorzüglich England muß aber ſtets eine ſehr große Menge Zucker bedürfen. Hiefür birgt einmal der vormalige allgemein verbreitete Wohlſtand und Reich⸗ thum der vielen großen und kleinen Städte und Ortſchaf— ten Hollands, und ſodann die erſtaunliche Quantität des dort überall getrunkenen Kaffees und Thees. Roch mehr iſt dieß ſicher der Fall bei Großbritannien. Wenn auch der arme Bergſchotte, und ein Theil der duͤ rf⸗ tigen Irrländer vielleicht in Anſehung des Zuckers gaͤ nzlich leer ausgehen mag. Lagen die neueren Ein- und Ausfuhrliſten Englands von und nach jedem der einzelnen Laͤ nder Europens oder nur von der Hauptſtadt vor mir, dann ließe ſich ziemlicher⸗ maßen uͤ ber den heimiſchen oder Landesverbrauch des Zus ckers von Großbritannien ſchließen, wenn gleich ſtets der eingeſchwaͤ rzte nicht leicht zu beſtimmen waͤ re. Allein außer dem halben Jahre vom Winter 1776 bis zum Julius nach Whitwort's Register of the Trade of the Port of London, iſt mir anjetzt gar nicht zur Hand. Aus dieſen ſechsmonatlichen Liſten ergibt ſich, daß damals etwas über 34000 Centner (34092 Cent.) aus London faſt nach allen Landern, beſonders aber nach unſern Hanſeeſtaͤ dten ausge⸗ führt wurde. Naͤ hme man nun aber auch eben ſo viel fuͤ r die zweite Haͤ lfte dieſes Jahres an, ſo ſtiege doch die ges derbraucht haben, und noch verbrauchen, wenn auch hier ſammte Ausfuhr nur gegen 70000 Centner. Allein erftlich- E BE 7 iſt dieß nur allein die Ausfuhr von London; mithin wenn gleich ſehr bedeutend, dennoch ſtets nur ein Theil des Ganzen. Daneben iſt dieß ein ſehr fruͤ hes Jahr, ſeit wel— chem die Zuckerconſumtion überall Fark zunahm. Beſtimm⸗ ter geben uns Bryon Edwards Tabellen hierüber Aus'unft. Zuerſt lernt man aus T. II., wie betraͤ chtlich der Ver— brauch des Zuckers mit den Jahren zugenommen hat. So war im Jahre 1760 die ganze Maſſe des in England ein— geführten Zuckers nur 1,3374720 Centner; im Jahre 1775 hingegen bereits uͤ ber 2 Millionen Centner. Hiebei ſcheint es ſich indeß ziemlich gehalten zu haben, denn die Tabelle Nro. III. gibt für 1790 nur als Mittelzahl an 552262 Centner. Hievon wurden dennoch nur ausgefuͤ hrt 296096 Centner, alſo gegen 300000 Centner. Der einheimiſche Verbrauch Großbritanniens belief ſich auf die erſtaunliche Quantität von 1655266 Centner! dieſes Reich verzehrt daher nach dieſen authentiſchen Quellen bei einer Volks— menge von noch nicht 15 Millionen Menſchen uͤ ber das Fuͤ nffache des Zuckers von Frankreich fuͤ r 26 Millionen! ſtets bleibt das Factum in mehrerer Hinſicht merkwuͤ rdig. Und hiebei war dennoch ſtets nur von dem Zucker Weſt⸗ indiens die Rede, da wir doch zuvor ſahen, daß die oſtin⸗ diſche Compagnie ebenfalls im Jahre 1792 gegen ® Mil⸗ lionen Centner einfuͤ hrte; wahrſcheinlich iſt es, daß viel— leicht dieſes Jahr eine ſehr reiche Einfuhr gegeben hat. 5 Unter die Staaten, woſelbſt der Verbrauch von Zucker ebenfalls bedeutend ſein muß, gehoͤ rt wahrſcheinlich auch die Tuͤ rkei und Levante uͤ berhaupt. In vorigen Zeiten hat wohl Frankreich hier einen bedeutenden Theil ſeiner Zucker abgeſetzt, denn in jenen Whitwort'ſchen Liſten finde ich nur fuͤ r die Ausfuhr von Zucker nach der Tuͤ rkei die aͤ ußerſt 78 7 unbedeutende Zahl von 650 Centner außer 150 Centner fuͤ r Smirna, wenn man dieß auch fuͤ r die zweite Haͤ lfte des Jahrs 1776 verdoppeln wollte, ſo gaͤ be dieß ſtaͤ ts nur 1300 Centner. Da die Tuͤ rken fo viele Suͤ ßigkeiten und »erfriſchende Getraͤ nke genießen, und der Aufwand in den Harems in dieſer Ruͤ ckſicht groß iſt, fo erhalten fie außer dem Zucker der franz. Inſeln vielleicht ebenfalls Zucker aus Afien. Aus den hier beigebrachten Thatſachen, fo duͤ rftig fie auch, beſonders wegen der uͤ berall gehemmten Mittheilung ausfallen mußten, ergibt ſich ſtaͤ ts, daß das Continent von Europa eine erſtaunliche Quantität von Zucker mehr ver⸗ braucht, als die gewoͤ hnlichen Zollliſten uns angeben. Da dieſe Zuckerconſumtion mit dem letzten Jahrhun⸗ derte außerordentlich geſtiegen iſt, und die Maſſe des geringen Buͤ rgers mehr und mehr an den feineren Beduͤ rf— niſſen des Lebens Antheil zu nehmen anfaͤ ngt, ſo muß der Verbrauch des Zuckers in aͤ hnlichen Verhaͤ ltniſſen ſtets wuchfen. | Auf der andern Seite ſcheint ſich aber folgendes zu ergeben. | Die Anſtrengungen, welche ſowohl die Regierungen als auch patriotiſche Privatmaͤ nner bisher gemacht haben, und noch jetzt machen, das Continent durch einheimiſch erzeug— ten Zucker der Abhangigkeit von den Beſitzern des Kolo— nialzuckers zu entziehen, find lobens- ja verehrungswerth. Allein ſollten ſie wohl jetzt, ja jemals hinreichen, dieſen edlen Zweck voͤ llig zu erreichen? Wie bedeutend ſcheint es uns nicht ſchon, wenn Preu⸗ ßen oder überhaupt irgend ein europaͤ iſcher Staat bo oder 100 tauſend Centner Ruͤ benzucker erzielt, und was fuͤ r Anſtrengung hat es nicht gekoſtet, um eine ahnliche, ja 79 noch weit geringere Maſſe Zucker, ja ſelbſt nur Syrop in andern Laͤ ndern zu Stande zu bringen! Es iſt alſo wohl noch nicht ſo leicht, eine Million Centner Zucker durch unſere Ruͤ ben zu gewinnen; der aus den Ahornbaͤ umen be— darf aber zu einer ähnlichen Quantitä! ſicher noch wohl 8 bis 10 Jahr, ſelbſt wenn die weiten, bisher unbenutzten Lander in Oſten von Europa hierzu aufs fleißigſte angebauet wuͤ rden. Zwei Millionen Centner wäre indeß ſtaͤ ts kaum noch ein Drittel des von den Kolonien eingefuͤ hrten Zuckers, ſelbſt wenn man fuͤ r Großbritannien und ſeine noͤ rdlichſten Beſitzungen in Amerika die große Quantität von 12 Mil⸗ lion Centner rechnen muß. Und hiebei bedenke man jeder— zeit, daß dieſer einheimiſche Zucker unſer, ſtets mit jedem Jahrhundert tiefer ſchwindendes Brennmaterial koſtet, ge— rade das Gegentheil des Rohrzuckers. ö Bei dieſer Lage der Dinge ſcheint eine innere Erſpa— rung des Aufwandes desjenigen Theils des Zuckers, der nur allein die Zunge kitzelt, gar kein unrechter Vorſchlag. Die Menge Zucker, welche die Conditoreien, beſonders der großeren Staͤ dte hinwegnehmen, iſt ungeheuer und iſt durchaus kein eigentlicher Lebensbedarf. Sollten nicht durch Erſparung deſſelben, ſobald dieſe in allen kultivirten Staaten ſtatt fände, einige 100 tauſend Centner Zucker weniger verbraucht werden? Wie in allem, was gerecht und loͤ blich iſt, iſt es Pflicht, daß auch hier der Landesfuͤ rſt, der wahre Regent, der ſich ihm anvertrauenden Nation das Beiſpiel gebe. Er genießt nur allein durch ſie, er entbehre daher auch, wenn ſie ſelbſt entbehrt. Der Große und Reiche irgend einer Kategorie folge dieſem Beiſpiel nach, und eigene Luxus— geſetze moͤ gen dieſe Schwelgereien wenigſtens ſo lange ein— — 30 ſchraͤ nken, bis ein allgemeiner Friede endlich den Natio⸗ nen die Feſſeln wieder abnimmt, und ſie jedes nuͤ tzliche Produkt aller Zonen frei einander mittheilen koͤ nnen. Dieß ſei genug vom Zucker. Er war und bleibt ſtets das Hauptprodukt der Kolo— nien, welches wir am meifien bedürfen und ſtets beduͤ r⸗ fen werden. | Auch diene dieß als Beiſpiel, wie man ſich die uͤ bri— gen Kolonialprodukte für einen großen Geſichtskreis den— ken koͤ nne, um dieſe mit einem allgemeinen Blick in Ruͤ ck⸗ ſicht unſers Bedarfs zu uͤ berſehen. Es erlauben weder meine Lage, noch die jetzt ſo beſchraͤ nkten Mittheilungen, jedes Einzelne derſelben auf aͤ hnliche Weiſe durchzugehen. Alſo nur ein Paar Bemerkungen uͤ ber einige derſelben uberhaupt genommen. a Die Baumwolle, nach dem Zucker eins der nuͤ tzlichſten Produkte Weſtindiens, findet in Europa vielartigen Erſatz. Einmal erzeugen die ſuͤ dlichſten Theile Italiens aller⸗ dings Baumwolle, ſelbſt eine von Natur braͤ unlich gefärbte, ſehr ſchoͤ ne Sorte iſt mir dort mitgetheilt worden. Es lei— det auch kaum einigen Zweifel, daß Spanien, und das an ihm graͤ nzende Frankreich Baumwolle zu erzeugen faͤ hig ſei. Das Stapelland fuͤ r dieſe Produkte bleibt aber in unſerer Naͤ he ſtets die Levante, und wir finden uns im Stande, die Einfuhr derſelben zum Theil wenigſtens zu Lande zu bewerkſtelligen. Aber auch das noͤ rdliche Europa hat mehrere Pflanzen, welche, wenn ſie gleich die indiſche Baumwolle bei weitem nicht überflüffig machen, dennoch einen Theil derſelben erſparen lehren. | 81 Hieher gehoͤ ren beſonders ein Paar Grasarten, naͤ m— lich das Eriphorum polystachion, vieljaͤ hriges Dunn: gras, oftmals auch Wollkraut genannt; und Eriph. vagi- nans. Sie bedecken oft unſere Wieſen ſo, daß man, wenn ſie ihre weiße Saamenkrone tragen, das Feld mit Schnee bedeckt glaubt. Dieſe Wolle der Saamenkrone iſt zwar dem Viehe ſehr ſchaͤ dlich, allein ſie dient ſehr gut, um Betten und Bettdecken ſtatt der Wolle und Baumwolle zu füllen, und es waͤ re ſehr die Frage, ob eine genauere Be— arbeitung nicht zu einer beſſern Benutzung führen könnte, Dr. Liungquiſt hat daher in der Schwediſchen Akademie der Wiſſenſchaften (VII. B. der d. Ueberſ. S. 51. u. f.) eigene Maſchinen angegeben, wodurch man dieſe ſchwedi⸗ ſche Baumwolle, ſo wie auch die von einer Weide mit elliptiſch lancettfoͤ rmigen Blättern, genau abſondern, und zu einer Art ſeidener Watten verarbeiten koͤ nnte. „Außer den drei hier angegebenen einheimiſchen Pflanzen, duͤ rfte man auch noch diejenige als eine Art von Surrogat der Baumwolle anſehen, welche die Franzoſen Quatte nennen, da ſie obgleich urſpruͤ nglich aus Virginien, dennoch bei uns (wenigſtens in Frankreich und England) in freier Luft gedeihet. Dieß iſt das Apocynum Androsaemi folium, und auch das Apocyn, cannabinum. Uebrigens iſt beſon— ders das erſtere eine giftige, milchichte Pflanze von aͤ tzen— den Saͤ ften, welche die Haut entzuͤ nden, allein die ſeiden⸗ artigen Haarkronen dienen in Frankreich bei der geringen Klaſſe, um Polſter damit auszuſtopfen. Und wer weiß, ob nicht, worauf ſchon Guettard acht— ſam machte, manche Wolle der Diſteln, geſchickt behan— delt, ähnlichen Nutzen bringen koͤ nnte? Es begabte alſo die Natur Europa ſowohl mit Baumwolle als auch mit x 6 ö a * e 82 andern Stoffen, welche dereinſt, geſchickt verarbeitet, ver— ſchiedene Stellvertreter dieſes trefflichen Materials ſelbſt in Norden darbieten. Ohne hier die Vorzuͤ ge und Nachtheile des Kaffees aufzaͤ hlen zu wollen, genug der Verbrauch dieſer unſern Voraͤ ltern unbekannten Bohne hat nun einmal ſo weit um ſich gegriffen, daß England aus Weſtindien nur allein jahrlich über 146000 (146405), Frankeeich aber (im Jahre 1775) 619917 Seniner einfuͤ hrten. Hievon war der eigene Verbrauch in Frankreich 119334 Cent., der groͤ ßte Theil von 500000 Cent. gieng ins Ausland. | Mag wer da will die Quantität des Kaffees aufſuchen, welche in jedem Staate verbraucht wird. Hier nur etwas über feine Surrogate. | Zuoberſt ſteht darunter anjetzt die traurige Cichorie, welche ohne jene erheiternde Kraft des Kaffees dennoch einen unbeſchreiblichen Abſatz hat. Daß fuͤ r die Handwer— ker, deren Arbeit den Körper ſtark bewegt, und Daher Kraͤ fte erfordert, Bier oder Milch wegen ihrer Nahrhaf- tigkeit weit nuͤ tzlicher ſei, als jenes widerſtehende, nichts— ſagende Getraͤ nk, räumt man wohl leicht ein. Allein der ungeheure Anbau der Eichorien trocknet das Land aus, und benimmt ihm daher ſeine Kraft, nahrhaftes Getreide hervorzubringen. Indeß erſpart ſie allerdings das Geld für den weſtindiſchen Kaffee. Noch andere, vielleicht beſſere Surrogate ſind dann die Erdmantel, die Eichel, die Erbſe, die Lupine, und ſelbſt das geroͤ ſtete Korn. Mehrere Kompoſitionen ſind uͤ berdieß noch überall als Kaffeeſurrogate feil, und es ſcheint mit⸗ hin, daß Europa wenigſtens einen ſehr großen Theil des Verluſtes an die Seefianten durch dieſelben erſparen koͤ nne. — BEE — — Auch der Indigo mag durch die beſſere Zubereitung des Paſtels oder Waids zum Theil uͤ berfluͤ ſſig werden; hiezu geben, dem Zeitungsblatte (J. de l' Empire) zufolge, die Pariſer Chemiker bedeutende Hoffnung. Uebrigens kann es uͤ berhaupt der Societaͤ t nicht außer— ordentlich wichtig ſeyn, ob das Auge ſich an einem hoͤ hern oder ſchlechtern Blau und ſeinen vielfachen Nuanzen belu— ſtigt oder nicht; man wird dadurch weder beſſer und reich— licher genaͤ hrt, noch gekleidet. Dieſen Beduͤ rfniſſen, welche uns Weſtindien liefert, ſchiene wenigſtens zum Theil ziemlich abzuhelfen. Ganz anders ſaͤ he es aber mit den Gewuͤ rzen und meh— reren wichtigen Medieinalpflanzen der heißen Zone aus. Fuͤ r eine der wirkſamſten und unentbehrlichſten Arz— neien, fuͤ r die China (Cinchona) hat man bei uns mehrere Stellvertreter auszumitteln geſucht. Dieß ſcheint auch nicht völlig unzulaͤ nglich geweſen zu ſeyn. Das Hypericum perforatum (Johannisblut), wie auch der Gentian (Gentiana lutea), ferner die Rinden des Kaſtanienbaumes und einiger Weidenarten haben wirklich ſtaͤ rkende Kraͤ fte gezeigt, die ſich der peruvianiſchen Rinde naͤ herten. Allein ſtets nur in der Ferne, und ſo— bald es auf ſchnelle, wichtige Huͤ lfe bei Fiebern und den eigentlich boͤ sartigen Krankheiten ankommt, dann waͤ ren wir ohne die China oftmals ohne Rettung. Mit vielen andern Arzneimitteln beider Indien iſt dieß ſicher derſelbe Fall, ſo wie ebenfalls mit den eigentlich jetzt - ung unumgaͤ nglich nothwendig gewordenen Gewuͤ rzen, und es ſchiene nicht uͤ berflüͤ ßig, wenn irgend ein Sachkundiger die einzelnen Naturprodukte nach der hier angegebenen Methode auseinander zu ſetzen die Muſe hätte: 84 Jener Satz, „der Menſch koͤ nne weder die gemaͤ ßigte Zone in die heiße, noch auch ihre Produkte wechſelſeitig umſchaffen,“ bleibt unveränderlich, und da die vielartigen Beduͤ rfniſſe, ſo wie die Schwaͤ che und Krankheiten der kul— tivirten Voͤ lker zunehmen, ſo fordert Schuldigkeit, Ge— wiſſen und Religion die Machthaber auf, fuͤ r die Nation, um derentwillen ſie ihr Amt verwalten, alles fuͤ r deren Huͤ lfe aufzubieten, und auf irgend eine Weiſe die au: ſchließlichen Beſitzer dieſer Produkte dahin zu beſtimmen, daß fie dieſe Nothwendigkeiten des civiliſirten Lebens der Menſchheit nicht gaͤ nzlich vorenthalten. In \ Reiſe nach den Inſeln Teneriffa, Trinidad, St. Thomas, St. Crux und Porto⸗Rico. * Le Dru Reiſe. I. Bd. Erftes Kapitel, Abfahrt von Havre — Anblick 115 Küſten Englands — Pracht— volles Schauſpiel — Schrecklicher Sturm — Weg nach den kanariſchen Inſeln — Wir gehen bei St. Crux auf Teneriffa vor Anker. Seit einem Monat beſchleunigte der Kapitain Baudin- in Havre, die zu unſerer Reiſe nothwendigen Anſtalten. Nachdem er die Bemannung der Belle-Angelique zu Stande gebracht, nahm er den Zeitpunkt der Fluth des Vollmondes wahr, um Befehl zur Abfahrt zu ertheilen. Den 30. September 1706 lichteten wir um zehn Uhr des Morgens die Anker. Als wir den Hafen verlaſſen hatten, legte der Kapitain bei, um die Namen derjenigen verleſen zu laſſen, welche auf der Liſte der Mannſchaft ſtanden. Hierauf ſegelten wir gegen N. O. 4 N. Den folgenden Tag nahmen wir ungefaͤ hr in der Ent— fernung einer Meile (Lieue) deutlich die engliſchen Kuͤ ſten wahr; fie ſtelleten ſich uns an den Ufern des Meeres zwi— ſchen Plymouth und dem Kap Lezard angenehm Dar. A 2 a „ 5 EN A EFT ar 4 Ein Delphin ), vier bis fuͤ nf Metres lang, ſchien uns zu folgen, und zeigte ſich haufig dreißig Schritte vom Steuerruder. Das Waſſer ſprudelt aus ſeinen Luftroͤ hren jedesmal wenn er den Kopf uͤ ber die Wellen hebt; als⸗ dann laͤ ßt er ein ſehr empfindliches Geraͤ uſch hören, wo⸗ durch dieſe Art Saͤ ugthiere bei uns den Namen Blaſer (les souflleurs) erhalten hat. Die Sonnen rahlen, die | auf den Körper des Delphins durch die gruͤ nliche Welle zurückfallen, bringen darauf die glaͤ nzendſten goldenen, violetten, gruͤ nen Farben hervor, und ihr Wiederſchein wechſelt bei jeder Bewegung des Fiſches. Unſer ſchnelles Segeln (den 14. October) und die heitere Luft gewaͤ hrten mir den Anblick eines erhabenen Schauspiels, welches man nur auf der hohen See beobach⸗ ten kann; naͤ mlich das ſcheinbare Hin⸗ und Herſchwanken der Himmel, das durch die Bewegung des Schiffes von hinten nach vorn bewirkt wird. Waͤ hrend der durch ſehr hohe Wellen gehobene Vordertheil des Fahrzeuges, ſich mit ihm erhebt, hat es das Anſehen als ſtuͤ rzte ſich ein Theil des Himmels in den Abgrund; iſt er bis an die Spitze der Wellen gelangt, ſo gleitet der Bug mit Schnel⸗ ligkeit auf die entgegengeſetzte Seite; dann glaubt der See⸗ fahrer in ein halb offenes Meer zu fallen; der Horizont ſcheint aus dem Innern der Wellen hervorzuſchießen und ſich mit aͤ ußerſter Schnelligkeit zu erheben. Dieſe Schwin⸗ gung wird deſto majeſtaͤ tiſcher, ſobald das Hin- und Her⸗ ſchwanken des Schiffes der Laͤ nge nach ſich mit dem von einer Seite zur andern vereinigt; zumal die Nacht ſcheinen *) Delphinus, delphis Linn. der Tummler oder Springer. M. f. die Noten am Ende dieſes Kapitels. 5 die Geſtirne, der Mond, die Wolken um das Schiff eine ſchiefe Elipſe zu beſchreiben; der ganze Himmel hat das Anſehen in Bewegung zu ſeyn. Gerade dann erhebt der fuͤ r die Schoͤ nheiten der Natur gefuͤ hlvolle Menſch ſeine Seele bis zur Gottheit. Dieſe ſchwebende Bewegung der Himmel erinnert ihn an den periodiſchen Umlauf der Welten. ‚ Bis zum achtzehnten Oktober hatte uns gar fein unan— genehmes Ereigniß betroffen . . der am Tauwerk erlittene Schaden ward bald wieder hergeſtellt. Der ziemlich leichte Gang des Fahrzeugs und die Nachbarſchaft des Wende— kreiſes verſprachen eine gluͤ ckliche Fahrt; indeß waren wir dem Augenblick nahe, wo wir einen der ſchrecklichſten Stürme ausſtehen ſollten. Wie befanden uns zwiſchen den azoriſchen Inſeln und Madera ); der nordoͤ ſtliche Wind, der uns ſeit drei Tagen guͤ nſtig geweſen war, dre— hete ſich plöglich, und zwar mit ſolcher Heftigkeit ganz nach Oſten, wie wir ihn noch nicht empfunden hatten. Auf ein— mal ſchlug das außerordentlich angeſchwollne Meer gegen den Hintertheil und gegen die Seiten des Schiffes. Die Bewegung der ſtark angeſpannten Segel und das Toben der Wellen brachten ein dem aͤ hnliches Pfeiffen hervor, welches man beim Nordwinde in unſern Waͤ ldern hoͤ rt. Die Sonne ſtand noch unter dem Horizont, und der mit Regen und Hagel begleitete Orkan, nahm nach und nach fo ſehr zu, daß faſt alles an Maſten, Segeln und das Steuerruder verloren ging. *) Unterm 3420 N. Br. und 27° w. Laͤ nge; wir ſteuerten segen S. W. 1 W. r P 6 Er brachte ung tauſendmal an die Pforten des Todes. In dieſer traurigen Lage zeigten alle Officiere einen Muth und eine Thaͤ tigkeit, die das größte Lob verdienten. Nichts glich indeß dem Eifer Baudin's. Mitten unter den Gefahren belebte ſein Beiſpiel die Mannſchaft, ſeine Kaltblütigkeit floͤ ßte Vertrauen ein, und die von ihm mit größter Genauigkeit erlaſſenen Befehle waren ſtets die, welche der kritiſche Augenblick erheiſchte. Obſchon ſchwer am Kopfe verwundet, obgleich der Nahrung und des Schlafes beraubt, zeigte er ſich gegen ſeine eigenen Be⸗ duͤ rfniſſe gefuͤ hllos, und beſchäftigte ſich nur mit den unſri⸗ gen. Seine Erfahrung und ſeine Talente haben uns den Schre kniſſen des Schiffbruches entriſſen. Endlich um vier Uhr des Nachmittags nahm der Wind ſehr ab, drehete ſich gegen Norden, und, ob nun zwar das Meer noch in großer Bewegung war, ſo benutzten wir dennoch die gluͤ ck— liche Veränderung um einige Ausbeſſerungen vorzunehmen. Die Belle-Angelique, ohne Maſten, ohne große Se— gel, ohne Steuerruder unfaͤ hig, einem neuen Windſtoß zu widerſtehen, war außer Stande uns nach Amerika zu fuͤ h⸗ ren: dieſe Betrachtung brachte den Kapitain zu dem Ent⸗ ſchluß, gegen Suͤ doſten nach den kanariſchen Inſeln zu ſteuern, um das Schiff dort auszubeſſern. ä Eine allgemeine Beſichtigung des Fahrzeuges legte die Gefahren deutlich an den Tag, die uns bedroheten, wenn wir nicht in irgend einen Hafen einliefen. Das Reſultat dieſer Unterſuchung fiel dahin aus, daß wir unvermeidlich umgekommen ſeyn wuͤ rden, haͤ tte der Sturm noch zwoͤ lf Stunden angehalten. Am a4. Oktober befanden wir uns um Mittag unterm 8 50° Breite und 21 45° Länge, die des Morgens 7 durch einen Abſtand der Sonne vom Monde beſtimmt waren. Seit zweien Tagen war der Lauf des Schiffes nicht mehr ſo ſchnell, durch die Stroͤ me im Meere, die man zu Zeiten ſüdweſtlich von Madera antrifft, und die uns ruͤ ck— waͤ rts trieben. Endlich entdeckten wir des Morgens den 25. Oktober in der Entfernung von zwei Seemeilen die Inſel Palma, ſtatt der kanariſchen Inſeln. Die Nebel, mit dem ſchoͤ nſten Hochroth gefaͤ rbt, welche ſie bekraͤ nz— ten, verſchwanden nach und nach bei den erſten Sonnen— ſtrahlen. Bald enthuͤ llete ſich uns die Lage des Ganzen. Hier ſetzt die, mittelſt eines ſenkrechten Abſchnittes ſich endigende Kuͤ ſte, den Meereswellen eine lange ſchnurgrade herunterlaufende Felſenwand entgegen; dort nimmt man Huͤ gel wahr, die ſich in einer ſanften Abdachung von den Spitzen der Berge bis an das Ufer des Oceans hinunter— ſchlaͤ ngeln. Eine breite Zone von ſchneeweiſſen Wolken umgab die Inſel und ſchien ſie in zwei Maſſen zu theilen, wovon die untere die Waſſerflaͤ che zur Grundlage hatte; und die andere, welche ſich auf das Gewoͤ lk ſtuͤ tzte, endigte ſich in zweien Bergen von gleicher Hoͤ he. Dies Phaͤ nomen dauerte bis zum Abend. 6 a Unmoͤ glich vermag ichs, die Freude zu ſchildern, die wir beim Anblick der Kanariſchen Inſeln empfanden. Es war halb ſechs Uhr des Morgens. Zwei Drittheile der durch die Strapazen ganz ermatteten Mannſchaft ſchliefen noch. Auf einmal erſcholl der Ruf „Land, Land!“ ſo— gleich ſprang jeder von ſeinem Lager, flog auf das Kaſtell, und zitterte vor Freude, als er eine Inſel gewahr wurde, die ſich uns als, das Rettungsmittel nach dem Schiff— bruche zeigte. Man ſtelle ſich hundert acht Seeleute vor, 4 K Me 5 e * Deine Tr 8 wovon der groͤ ßte Theil jung und unerfahren war, fuͤ nf hundert Meilen weit von ihrem Vaterlande entfernt, kaum der Wuth eines ſchrecklichen Sturms entgangen; hiezu noch die Gewißheit, daß ihr vom Vorder- bis zum Hintertheil zerbrochenes Schiff beim erſten Stoß in den Wellen unterſinken wuͤ rde; man denke ſich eine ſolche Lage recht lebhaft, dann fuͤ hlt man leicht das Entzuͤ cken, welches wir beim Anblick eines in zwei Stunden erreich⸗ baren Landes empfinden mußten. Ob indeß zwar Palma nicht das Ziel unſerer Reiſe war, ſo preßten uns dennoch die Nachbarſchaft dieſer Inſel, und die Hoffnung bald auf Teneriffa, der an Producten und Handel vorzüglichften unter den kanariſchen Inſeln, anzulanden, Freudenthraͤ nen aus. Den 206ten erkannte man öftlich die Inſel Gomera mit vielfachen Einſchnitten, und weſtlich die Inſel Ferro. Den 27ten bemerkten wir die Inſel Canaria, deren weſtliche von einem ſpitzen Gebirge beherrſchte Kuͤ ſte, das Anſehen einer langen Mauer mit einem Glockenthurm hatte. ö Am 28ten des Abends konnte ich wegen des heitern Himmels nordoͤ ſtlich den Pie von Teneriffa ſehen, ſeine Spitze mit Schnee bedeckt, der die Sonnenſtrahlen zu— ruͤ ckwarf “). \ *) Man hat die Behauptung der Reiſenden für eine Ueber⸗ treibung gehalten, daß man den Pie von Teneriffa auf vierzig und noch mehr Meilen weit ſehen konnte; dieß Phaͤ nomen gründet ſich indeß auf die Geſetze der Phyſik und der Trigonometrie, wonach ein über 3710 Metres uͤ ber dem Horizont erhabener Körper (dieſe Höhe hat naͤ m⸗ lich der Pic nach der. Bordaiſchen Berechnung) ſichtbar 9 Den 2gten lavirte man bald rechts bald links in den Kanal zwiſchen Gomera und Teneriffa, und die ganze Kunſt des Lootſen vermochte es nicht zu hindern, daß das N ö iſt, unter einem Winkel von fuͤ nf Graden, fuͤ r einen zwei und zwanzig Meilen weit entfernten Beobachter, oder genauer 22708“ eines Erdgrades; und unter einem Win— kel von 30 /, wenn der Beobachter 97/ 52“ (ungefaͤ hr 98 Meilen) entfernt iſt. Bekanntlich kommt eine Minute eines Erdgrades einer und einem Drittheil einer Seemeile gleich. „Man kann den Pie nicht mehr wahrnehmen, ſagt Borda, in einer Entfernung von 129 Meilen oder 43 Lieus; allein man nimmt dann das Auge des Beobach— ters mit der Meeresfläche gleich ſtehend an; befindet ſich das Auge zwanzig Toiſen über dieſer Höhe, fo hört es nur erſt in der Entfernung von 47 Meilen (Lieues) auf, den Pic zu ſehen; in einer Entfernung von 482 Meilen; wenn es vierzig Toiſen höher ſtehet; von 50 Meilen, wenn das Hoͤ herſtehen ſechzig Toiſen beträgt, von 57, wenn es 80 Toiſen beträgt; ſtehet endlich das Auge 100 Toiſen hoͤ her, ſo wird der Pie nur in der Entfernung von 52 Meilen nicht mehr ſichtbar. (Voyage 1. 1380.) Nach der Verſicherung des Geographen Thomas Lo— pez iſt er nur in der Entfernung von ungefähr 41 Meilen zu entdecken, deren zwanzig auf einen Grad gehen. Der Reiſende Le Marchand bezeigt nicht weniger, der Pic ſei in einer Entfernung von 42 Meilen von dem Ver— deck eines Schiffes zu ſehen, und auf 35, wenn man ſich in den Horizont ſtellte. \ Der Pater Feuillée behauptet, er habe ihn aus dem Kanal geſehen, der Lancerote von Fortaventura ſcheidet; nach Borda's Behauptung iſt dieß aber nicht möglich. Gbid.) Herr Malte-Brun nimmt in den gelehrten Noten, wo— mit er die Ueberſetzung von Barrou's Reiſe nach Cochin— 10 von den Stroͤ men fortgeriſſene Schiff nach S. W. ab⸗ wich. ) | Um den Schreckniſſen des Scheiterns zu entgehen, ließ der Kapitaͤ n den Aten November ein Boot ins Meer. Ein Offizier, ein Lootſe nebſt vier Ruderern ſtiegen hinein mit dem Befehl, ſich ſo viel moͤ glich dem Lande zu naͤ ⸗ hern, und dann dort die Tiefe des Waſſers zu beſtimmen. Er ließ hierauf die dreifarbige Flagge aufziehen, und zeigte ſich an durch einen Kanonenſchuß. Wir waren da⸗ mals nur noch zwei Meilen vom Hafen Oratave entfernt. Die ganze Kuͤ ſte von Teneriffa von Garachico bis Tegine entfaltete ſich unſern Augen, und bot einen maleriſchen Anblick von Weinbergen, von Waldungen, von Felſen und Dörfern dar. Nachdem unſere Leute drei Stunden abweſend geweſen, kamen ſie mit dem Hafenkommandanten von Oro⸗ tave zurück, der bei dem Kanonenſchuß abgefahren war, uns Hilfe zu leiſten. Als er an Bord trat, benachrichtigte er den Kapitaͤ n: der Sturm, welcher uns beinahe auch verſchlungen, habe den naͤ mlichen Tag die ſchrecklichſten Verwuͤ ſtungen auf der Inſel angerichtet, Haͤ uſer umge— worfen, Baͤ ume ausgewurzelt, und mehrere Pflanzungen verheert. Er fuhr wieder ab, nachdem er auf der Belle Angelique einen Kuͤ ſten⸗Lootſen mit dem Auftrag zurück gelaſſen, das Fahrzeug in den Hafen von St. Crux zu china bereichert hat, (Thl. 1. S. 47) die Meinung an, der Pic ſei in einer Entfernung von hundert Meilen oder von 41 Lieues, wovon 25 auf einen Grad gehen, ſicht— bar. „) Es gibt zwiſchrn Madera und Teneriffa Stroͤ mungen, deren Richtung beftändig nach Suden geht. (Borda Aca- demie des Sciences.) 11 führen, wo wir dann auch endlich des Morgens den öten November vor Anker gingen. Beim Anblick der franzöfifchen Flagge ſtattete uns der Hafenkapitaͤ n einen Beſuch ab. Er bezeigte uns ſeine Theilnahme an den erlittenen Ungluͤ cksfaͤ llen, und ver— ſprach alle von ihm abhaͤ ngende Huͤ lfe. Auf der Rheede von St. Crux zaͤ hlte ich eilf Kauffahrer, worunter ſich vier amerikaniſche, drei ſpaniſche, ein daͤ niſches und drei engliſche befanden. Letztere waren auf Befehl des Ma— driter Hofes ſeit der Kriegserklaͤ rung konfiszirt. Um zwei Uhr gingen der Kapitaͤ n, meine Gefaͤ hrten und ich ans Land, und beſuchten den Kommiſſaͤ r der Handelsverhaͤ lt— niſſe Frankreichs, Clerget. Baudin begab ſich hierauf zu dem Generalgouverneur der kanariſchen Inſeln D. An— tonio Guttieres, welcher in St. Crux reſidirt, dem Platz— kommandanten, dem Hafenkapitan, den Gliedern des Generalſtabes u. ſ. w., und ward durchgehends mit der einem Agenten einer befreundeten und alliirten Nation ſchuldigen Achtung aufgenommen. Einige Tage darauf miethete er fuͤ r ſich und fuͤ r die Mitglieder der Expedi⸗ tion um 45 Franken monatlich eine bequeme und geraͤ u⸗ mige Wohnung, wohin wir unſere Sachen bringen ließen. Kaum waren wir hier eingerichtet, als die Nachbaren uns auf eine edle Weiſe die verſchiedenen Beduͤ rfniſſe an— boten, die wir noch nicht Zeit zu kaufen gehabt hatten. Unter den Bewohnern dieſer Stadt, die uns große Dienſte leiſteten, muß ich befonderg die bereits erwähnten Kauf leute Caſalon und Cambrelong anführen. Es ae währt mir Vergnügen ihnen hier meine gerechte Erkennt— lichkeit zu bezeigen. 12 Die Werke, welche uͤ ber die kanariſchen Inſeln Aus⸗ kunft gewaͤ hren, ſind die von Viana, 1604 — von Nunez de la Pena, 1676 — von Perez del Chriſto, 1779 — von Clavijo, 1772 und die folgen⸗ den Jahre — von Raynal, 1780 — ferner von Bons tier und Le Vernier, den Almoſeniers des Eroberers Bethencourt, die ihn auf ſeiner Expedition von 1402 bis 1425 begleiteten (in 8. Paris 1630). Von Cada Moſto — Hawkins — Scory — Prats u. ſ. w. welche Prevoſt und La Harpe in der allgemeinen Ge— ſchichte der Reiſen angefuͤ hrt haben — von Le Maire und Dancourt, 1695 — Adanſon, 1749 — Glats, 1704 ) — Fleurieu, 1769 — Borda, 1771 — Cd, le are Kinderley, 177 * — La Perouſe, 1785 — Van Couver, 1790 — La Bil⸗ lardisre, 02 — Macartney und Barrou, 1793 — Bory Saint-Vincent, 1801. Die beßten Karten von dieſem Archipel ſind die von Fleurieu ß), 17725 von Jefferys, 1779 5 *) History of the discovery, and conquest of the Canary Is- lands. London 1764 in 4. Dieß Werk iſt nicht ins Stans zoͤ ſiſche überſetzt. M. ſ. Journal des Savans, Monat Fe: bruar 1765. 3 **) Diefer berühmte Reiſende landete den 1. Auguſt 1776 auf Teneriffa, und hielt ſich hier vier Tage auf. *) Letters from the Island of Teneriffa &c. 1777. 8. K) Hr. v. Fleurieu reiſete auf Befehl des Königs, um mit den See-Uhren von Berthoud auf dem Meere Ver⸗ ſuche anzuſtellen. KN) The westindlan atlas. Seine Karte von den kanari⸗ ſchen Inſeln iſt nach den Memoiren von Glaſſ entworfen; 13 von Borda, 17765 von Thomas Lopez in vier Blaͤ t⸗ tern „Madrid 17795 von Bonne, für die Encyclopedie Methodique, 1787; die des atlantiſchen Oceans, in der Niederlage der Marine, 17925 die von Bory Saint— Vincent ). Aber die Karten von Mercator, 1623; von Sam⸗ fon, 1656 **); von Dapper, 1686; Van Keulen, ee und die folgenden Jahre; von Feuillse, 17243 von La Caille, 740 ); in Bellin's Neptune frangois, 1753 und dem petit Atlas maxi⸗ time, ı764 ); von Glaſſ, 1764 *,; von a d'après de Mannevilette, 1775 gbd Bonne zu dem Atlas von Raynal 1780, find nicht genau. ſie iſt indeß genauer als die, welche dieſer Reiſende 1764 davon geliefert hat; auch kann man ihm den Vorwurf machen, die nordoͤ ſtliche Spitze der Inſel Canaria zu ſehr verlaͤ ngert zu haben Die Lage von St. Crux und Lagung iſt nicht genau, u. ſ. w. *) Essais sur les iles fortundes, in 4. ches Baudouin, an II. ) Er ſetzt die Laguna füdlih von St. Crux, und dieſe Stadt am Fuß des Pie. *%%) Atlas, in fol. Amsterdam. No. 8. 3%) Die nach der Karte von Feuillée kopirt iſt. Academie des Sciences, ibid. „ Dieſer Geograph gibt der Lagung eine zu ſuͤ dliche Lade im Innern des Landes, und dem Pie eine zu ſehr noͤ rdliche. Werber) Von Clavijo kopirt, Tom 1. 1772. ER) Nach einem zu kleinen Maaßſtab entworfen in ſei— nem Neptune Oriental, 1775. No. 4. 14 Bemerkungen uͤ ber den Delphin, von Sonnini. Die Gattung des Delphins, wovon Hr. Le Dru hier redet, iſt der gewoͤ hnliche Delphin oder der Tumler, von den Griechen Delphis oder Delphin genannt; dieſen Na⸗ men haben die gegenwaͤ rtigen Bewohner Griechenlands ohne große Abaͤ nderung in den von Delphinas beibehalten. Die meiſten europaͤ iſchen Nationen haben die naͤ mliche Benennung mit mehr oder weniger geringen Abweichun⸗ gen angenommen; kurz, es iſt der delphinus delphis von Linnaeus und der delphinus corpore oblongo sub- tereti, rostro longo cuto des Artedi. Man wuͤ rde uͤ ber die Formen des Delphins unrichtig urtheilen, wenn man denen Glauben beimaͤ ße, welche die Maler dieſer Gattung des Wallfiſches auf ihren Gemaͤ l⸗ den und in ihren Verzierungen verleihen. Nur die Ein⸗ bildung hat dieſe Formen gezeichnet, welche die Natur nicht kennt. Der Delphin iſt in Anſehung des Aeußern von den meiſten Fiſchen nicht ſehr verſchieden; er weicht von den ubrigen Wallſiſchen durch ſeine glatte und ſpitzige Schnauze, die eine Art langer Schnabel endigt, durch ſeine ſcharfen, Cylindern aͤ hnlichen Zaͤ hne, durch ſeine ſehr hohen, nach hinten gebogenen Ruͤ ckenfloſſen, endlich durch die Geſtalt ſeines Koͤ rpers, welche ſich einem Oval nähert, ab. Uebrigens hat dieſes Thier auf der Stirne eine halbmondfoͤ rmige Oeffnung, worin die beiden Blaſe— loͤ cher, woraus es das Waſſer ſpritzt, ſich endigen; eine eingekerbte Zunge, einen horizontalen Schwanz, mit einer in 15 zwei Zweigen getheilten Floßfeder, ) eine glatte dicke Haut. Gewoͤ hnlich haͤ lt er zehn Fuß Laͤ nge und zwei in der Dicke in der Mitte des Koͤ rpers, d. h. da wo er am ſtaͤ rkſten iſt. Den Delphin trifft man faſt in allen Meeren bald allein, bald in zahlreichen Haufen. Durch eine Art von wechſelſeitiger Zuneigung nnd Anhaͤ nglichkeit vereinigt, ge— hen ſie gemeinſchaftlich zu Werke, ſowohl beim Angriffe als bei der Vertheidigung, und leiſten ſich in Gefahren und Zufaͤ llen wechſelſeitig Huͤ lfe “). Ob ſie gleich ſehr gefraͤ — ) Ovid hat dieſe Form der Floßfedern des Schwanzes des Delphins ſehr gut beſchrieben: | Falcata novissima cauda est. und noch weiter: ’ Qualia dimidiae sinuantur cornua lunae. *) Peron hat uns ein erſtaunliches Beiſpiel hievon angezeigt. An der Suͤ dſeite von Neuholland gegen 369 1/10% Breite und 137° 7/ 40% L. von Paris erblickten nämlich die Fran— zoſen unweit dem Cap Villars eine ſo ungeheure Reihe von Delphinen, daß ſie dieſelben anfaͤ nglich für eine un— ermeßliche Kette von Korallenriefen anſahen. Sobald ſie ihren Irrthum bemerkten, machten ſie Jagd auf dieſe Thiere, und mehrere Abtheilungen derſelben machten nun um das Schiff Evolutionen, die ſowohl durch ihre Schnelligkeit als durch Groͤ ße ihrer Spruͤ nge in Erſtau— nen ſetzten. Es war wunderlich, wie fo viele Tauſende dieſer Wallfiſcharten ſo dicht neben einander dergleichen Bewegungen machen konnten, ohne ſich einander zu be— ſchaͤ digen. Wenn aber Peron es ebenfalls bewundert, wie eine ſo erſtaunliche Anzahl großer Seethiere in einem Meere, das ſich den Franzoſen fo arm an Fiſchen zeigte, | innerhalb eines fo kleinen Raumes für ſich hinreichende N Nahrung habe finden koͤ nnen, ſo hat er wohl nur an die I Kuͤ ſtenfiſche, und nicht an die unermeßliche Menge See- N thiere gedacht, welche die Tiefe des Meeres bewohnen, zu denen auch die Delphine wenigſtens auf einige Zeit hin— abfahren. Anmerkung d. Herausgeb. 1 6 ; $ ßig find, fo iſt ihr Charakter doch nicht wild, ſie zeigen ſelbſt Hang zur Vertraulichkeit, ohne Mißtrauen ſieht man ſie ſich den Schiffen nähern, fo wie auch den Mens ſchen, die ſich vereinigt haben, um Jagd auf ſie zu machen. Von allen den Thieren, woraus die Klaſſe der Wall⸗ fifche beſteht, und vielleicht von allen denen, die in den Tiefen des Ozeans wohnen, iſt der Delphin das ge ſchick⸗ teſte; auch hat er, wenn man auf das Verhaͤ ltniß Ruͤ ck⸗ ſicht nimmt, das groͤ ßte Gehirn. Die Schriften der ©e- ſchichtſchreiber und Naturforſcher des Alterthums ſind voll von aͤ ußerſt merkwuͤ rdigen, beinahe wunderbaren dieſem Thiere zugeſchriebenen Eigenſchaften; und vielleicht ha⸗ ben die neuern Naturkundiger Unrecht, ſie als die Frucht einer ungezuͤ gelten Einbildungskraft zu verwerfen. Man kann den Alten den Beobachtungsgeiſt nicht abſprechen; ſie beſchaͤ ftigten ſich mehr damit, Thatſachen zu ſammeln, als über theoretiſche Punkte zu ſtreiten; faſt unmoͤ glich kann man annehmen, daß ſo viele von fo manchem Phi— loſophen und ſo achtbarem Schriftſteller uͤ ber den Delphin angefuͤ hrte Anekdoten gaͤ nzlich ohne Grund ſeyn, und daß noch ſo fabelhaft ſcheinende Erzählungen nicht oft Wahr⸗ heiten enthalten ſollten. Die Neugriechen haben die Sage ihrer Vorfahren in Betreff der liebenswuͤ rdigen Cigen- ſchaften des Delphins erhalten; ſie erzaͤ hlen eben ſo außer⸗ ordentliche als ruͤ hrende Zuͤ ge davon; und man muß ge⸗ ſtehen, daß, wenn dieß auch nur Träume waͤ ren, ſie den⸗ noch angenehm und anziehend, und, nach Buffons Aus⸗ druck, wohl ſo viel werth ſind, als traurige Wahrheiten. . — — ann Zweites Kapitel. Ueber die kanariſchen Inſeln im allgemeinen — Temperatur — Bevoͤ lkerung — Regierung. Der kanariſchen Inſeln, welche die Alten unter dem Na- men der glücklichen Inſeln kannten, giebt es ſieben: naͤ mlich Palma „Ferro, Gomera, Teneriffa, Canaria, Fortaven⸗ tura und Lancerota 9. Die Phoͤ nieier beſuchten fie, ſo wie auch die Karthaginenſer, welche ſich dort niederließen. Als aber die Römer die Macht ihrer Nebenbuhler zer» truͤ mmerten, hielten fie dadurch die Schifffarth der Weſt⸗ kuͤ ſte von Afrika auf, und die kanariſchen Inſeln blieben der uͤ brigen Welt bis 1344 unbekannt, wo La Corda, Graf von Clermont, eine Flotte unter dem Schutze von Alphons IV, Koͤ nig von Aragonien, ce um dieſe ) Hierin ud fuͤ nf kleine Inſeln von geringer Bedeutung nicht begriffen, nämlich Lobos nördlid von Fortaventura- Roquete, Allgranza, Montana Clara und Grazioſa noͤ rd⸗ lich von Lancerota. Le Dru Reife. I. Bd. B — . Ser, == 18 Inſeln zu erobern und zu bekehren, womit ihn der Pabſt Clemens VI. belehnt hatte ). Die Ehre war indeß dem berühmten Johann von Bethencourt, einem Edelmann der Normandie vorbehalten, welcher von Rochelle den 1. Mai 1402 auf einer, auf ſeine Koſten ausgeruͤ ſteten, Flotte abfuhr und ſich drei Monate nachher, der Inſel Lancerota bemaͤ chtigte. Er unterwarf ſich nach und nach Fortaven⸗ ) Ob die kanariſchen Inſeln in dieſer ganzen Zwiſchenzeit wirklich unbekannt geblieben ſind, dieß ließe ſich doch ſchwerlich mit Beſtimmtheit entſcheiden, denn die Stelle des Edrisi (Edrisii Africa edit. Hartmann 1796. P. 319 u. f.) woſelbſt einer Geſellſchaft von acht Männern (Abendtheu— rern) erwähnt wird, welche aus Aschbona (Liſſabon) zu einer Entdeckungsreiſe in dem Meere der Finſterniß aus⸗ liefen, ſcheint hiezu zu unbeſtimmt. Er ſagt/ daß nachdem ſie beinahe eilf Tage mit gutem Oſtwinde geſegelt, ſie in ein felſenreiches, uͤ belriechendes, duſteres Meer ges langet ſeyen. Da ſie hier Schiffbruch zu leiden fuͤ rchteten, ſo liefen ſie nach Süden. Sie ſetzten in dieſer Richtung ihre Reiſe fort, und landeten nach 12 Tagen auf der In⸗ ſel Ganam, auf welcher ſie zwar Schaafe antrafen, von welchen ſie auch einige ſchlachteten, allein ſie fanden das Fleiſch vor Bitterkeit uneßbar. 5 Hier wurden ſie von Leuten gefangen genommen, die wenigſtens durch einen Dollmetſcher arabiſch verſtanden, ſodann aber gebunden in einen Kahn gebracht und nun dem Weſtwinde uͤ berlaſſen, det ſie auf das feſte Land fuhrte. Dem Hafen haben ſie wegen ihrer traurigen Lage den Namen Assi (proh dolor!) gegeben; hier wurden ſie belehrt, daß ſie von ihrem Vaterlande auf einen Abſtand von einer zwei monatlichen Reiſe entfernt ſeyen. Da ſcheint es freilich nicht unmöglich, daß dieſe Reiſenden auf eine der kanariſchen Inſeln koͤ nnen geſtoßen ſeyn, allein 10 ir 19 tura, Gomera, Ferro, und kehrte 1425 nach Frankreich zuruͤ ck. Canaria, Palma, Teneriffa vertheidigten lange ihre Unabhaͤ ngigkeit, und unterwarfen ſich endlich 1483, 1492 und 1496. Dieſe an Spanien gehoͤ rigen Inſeln liegen zwiſchen 27% 397 und 29° 267 30“ der Breite, und in Anſehung der Länge zwiſchen 15° 40° 30, und 20° 30° weſtlich. Sie bieten eine ungefaͤ hr 105 Meilen lange und 64 Mei⸗ len breite Oberfläche dar, deren Umfang auf 280 ange⸗ ſchlagen werden kann. Zwanzig Meilen von den afrikani⸗ ſchen Kuͤ ſten, und hundert neunzig Meilen von den euro— paͤ iſchen entfernt, nehmen die kanariſchen Inſeln der Länge nach einen Raum von 4° 49“ 30“ und der Breite nach von 1° 47“ 30“ ein. Man rechnet dort vierzehn Städte und 552 Dörfer und Weiler , 72 Pfarrkirchen, 92 Pfruͤ nden, 11 Kollegien, 10 Hospitaͤ ler und 36 Feſtungen. Ihre reſpectiven Entfernungen und Dimenſtonen in nicht gaͤ nzlich ohne Grund ließe ſich auf die Capverdiſchen Inſeln rathen, obgleich die Diſtanz beſſer fuͤ r eine der ka— nariſchen paſſen dürfte, wie Tyohſen dieſe Meynung mit, Recht paßlicher findet als die des De Guignes, der ſogar vermuthet, es ſey von Amerika die Rede, da doch auf die— ſer Inſel Ganan das Arabiſche verſtanden wird; fie alfo unſtreitig zu den Inſeln der aftikaniſchen Inſeln gehoͤ rte. v. 3. ) Naͤ mlich 192 auf Teneriffa, 172 auf Canatia, so auf Palma, 49 auf Gomera, 38 auf Lancerota, 33 auf Forta— ventura und 31 auf Ferro. B 2 20 i Seemeilen, nach den Karten von Thomas Lopez und Borda berechnet, bieten folgende Reſultate dar: ”) Dimenſionen. Entfernungen. Sober Be] Els. Caf ne. . 8 144 1345 126 | Fortaventura V A | 66 | 20 66 Fete | 6 19 A 5 | | 7% | 1670 55 8 | Gomera 145 44 8571 Lancerota 2 0 29 651220 80 Palma | 12 \ — —ä— — —ſI ) . 8 1411153 5411 Teneriffa . | 24 15 .... —.. — DD o 2 * 0 G » Clavijo gibt den kanariſchen Inſeln go Meilen Laͤ nge, 32 in die Breite, 250 an Cirkumferenz und 697 an Ober⸗ flache; er ſetzt fie zwiſchen den 28. und 29. Breitengrad, und den 1. und 5. Grad öftlicher Laͤ nge von Ferro. ! Auf den kanariſchen Inſeln iſt die Temperatur der Atmosphere haͤ ufig verſchieden; ploͤ tzlich gehet man dort von der ſtaͤ rkeſten Hitze zur heftigſten Kälte über. Im allgemeinen iſt die Luft auf den etwas hoch gelegenen Or- ten angenehm gemaͤ ßigt; an den Kuͤ ſten hingegen ſehr heiß. Wenn die Oſt- und Südoſt⸗Winde zu lange anhalten, ſo haben dieſe Inſeln eine außerordentliche Trockniß. i Die Hitze war am 2b. Julius 1704 ſo groß, daß das Harz aus dem zu Thuͤ ren und Fenſtern gebrauchten Tan⸗ nenholze floß, und alle Quellen austrockneten. | ) Die Lagen find nur mit dem Cirkel beſtimmt; folglich ge⸗ währen ſie eine Ueberſicht die keinen Anſpruch auf beſondere Genauigkeit macht. 232 Die heftigen Winde führen dann fuͤ rchterliche Stürme herbei. Der vom 25. Oktober veranlaßte die größten Ver— wuͤ ſtungen, ſtuͤ rzte Haͤ uſer um, riß Baͤ ume aus der Erde. Dieſe Ungluͤ cksfaͤ lle hatten den 13. Mai 1763 und den 27. April 1768 von neuem Statt. Die Nordwinde, welche gewoͤ hnlich im Anfange des Winters herrſchen, ſind mit ſehr feuchten Nebeln begleitet. Das gewoͤ hnliche Jahr ſchaͤ tzt man die Erndten dieſer Inſeln an Getreide, Gerſten und Hafer auf 523,790 Fanegas, und dasjenige, was dort verbraucht wird, auf 519,607; alſo betruͤ ge der Ueberſchuß 4,183 Fa— negas. Der mittlere Preiß des Weitzens iſt dort ge— woͤ hnlich vierzig Realen de Vellon die Fanega. Steigt er hoͤ her, ſo leidet der Archipel ein der Vermehrung des Prkeiſes angemeſſenes Deficit; ſinkt er tiefer, fo uͤ ber— treffen die Aerndten das Beduͤ rfniß. 5 Im Jahre 1678 rechneten die kanariſchen Inſeln 105,03) Bewohner; 1745 136,192; 1768 nach Ray: nal's Berechnung betrug dieſe Bevoͤ lkerung 197,342 See— len, worunter 508 chriſtliche, 922 Moͤ nche und 746 Non⸗ nen mitbegriffen waren. 29,800 von dieſen Mitbuͤ rgern waren in die Nationalmiliz eingeſchrieben, nämlich 16000 in Teneriffa, 4,400 in Canaria, 3,200 in Palma, 2000 in Fortaventura, 1,900 in Lancerota, 1,00 in Gomera und 700 in Ferro, außer den Linientruppen, welche die Regierung dort in Kriegszeiten hält. ö | Die Bevölkerung der kanariſchen Inſeln betrug nach der von Clavijo im Jahre 1768 angeſtellten Berechnung: 3 2 | auf Teneriffa „Ferro - FJortaventura = Gomera = Lancerota „Palma „Teneriffa auf Canaria „Ferro „ Fortaventura Gomera „ Lancerota 7 Palma „Teneriffa [3 + 2 © * * 41,082 Seelen, 4,022 = 8,863 a 6,645 2 9% 55 10,105 = 66,554 — — — Summa 155,866 8 © 2 % Dieß Reſultat mit s 2 % dem von Raynal verglichen (157,342) giebt einen Unterſchied von 1476 weniger. Im Jahre 1790 belief ſich ihre Bevoͤ lkerung auf 174,026 Menſchen, naͤ mlich | | 50,000 2 5,000 : 9,000 . 7,426 x 10,0 22,600 x 70, 00 — Summa 174,026 *) 4) Die jetzige Bevölkerung dieſer Inſeln betraͤ gt nach Macartney nach Bory Saint Vincent guf Canaria 40/000 . 41 ſ/082 „Ferro . 1,500 ® 40022 „ Fortaventurg . 10,000 x 8600 Gomera „ 77000 5 7/000 5 Lancerota . 8,000 . 9500 „ Palma 7307000 i 20,096 „Teneriffa «100,000 Ä 67/399 f — u Summa 196,500 157,699 23 Dieſe Bevoͤ lkerung wuͤ rde weit ſchneller zunehmen, fuͤ hrte nicht die obgleich zu oft getaͤ uſchte Hoffnung eines glaͤ nzenden Gluͤ ckes jedes Jahr mehrere Bewohner der tanariſchen Inſeln nach den ſpaniſchen Kolonien der neuen Welt, von wo dann die meiſten nicht wieder zuruͤ ckkommen. Die Eingebornen bilden keine neue Menſchenrace, nämlich frei von Vermiſchung mit fremden Nationen: mauriſches Blut hat oft in ihren Adern gefloſſen. Vor der Eroberung ſtanden dieſe Afrikaner mit den Guanches in Freundſchaftsverbindungen; allein ſeit der Zerſtoͤ rung dieſer friedlichen Inſulaner, die auf eine unmenſchliche Weiſe von den Europäern *) ermordet worden ſind, haben ſie es oft verſucht, ſich auf den canariſchen Inſeln nieder— zulaſſen, in der Ueberzeugung, dieſe Inſeln gehoͤ rten ihnen eben ſo rechtmaͤ ßig als den Unterdruͤ ckern ihrer ehe— mahligen Freunde. In den Jahren 1569, 1586, 1618 und 1749 landeten ſie auf Lancerota, 1593 auf Fortaven— tura, 1618 auf Gomera und Palma, 1749 auf den weſt— lichen Küften von Teneriffa. Bald Beſiegte, bald Sieger ſind manche nach Afrika zuruͤ ckgekehrt „ andere haben ſich durch die Bande der Ehe auf den kanariſchen Inſeln nie— dergelaſſen. Indeß ſind dieſe vermiſchten Verbindungen ſtets vom Vorurtheil gering geſchaͤ tzt; und die Bewohner, die ihren Ruhm darin ſetzen, aus einer reinen Race abzu⸗ ſtammen, wurden ſich mit den übrigen nicht verbinden wollen, welche ſie als ausgeartet betrachten. Ich ziehe indeſſen meine Berechnung der dieſer Reiſen⸗ den vor, da ſie ſich auf die authentiſchen mir von Herrn v. Villanueva mitgetheilten Documente gründet. ) Clavijo. Tom. 2. Seite 270. a — — Nee Nen N win Ko | } N EI: lH Hr" Ren 4 i | wi 24 Der Gouverneur dieſer Inſeln führt den Titel eines Generalkommandanten. Gewoͤ hnlich wohnt er in St. Crux auf Teneriffa, und entſcheidet uͤ ber alle Militaͤ rſachen; indeß kann man von hier nach Madrid appelliren. Sein feſtes Gehalt beträgt 9,000 Piaſter. Sein Staab beſteht aus einem Auditeur, einem koͤ niglichen Lieutenant, einem Platzmajor, und einem Kriegskommiſſaͤ r. In den ein wenig wichtigen Gemeinden wird die Gerechtigkeit von einem Alcade verwaltet, der in Cri— minalſachen die Inſtruction des Proceſſes anfaͤ ngt, und ſich der Perſon des Angeklagten verſichert; in Civil⸗ ſachen faͤ llet er das Urtheil in letzter Inſtanz bis zur Summe von 350 Franken. Der oberſte Gerichtshof iſt auf Kanaria eingerichtet. Man richtet auf dieſen In— ſeln nach kaſtiliſchen Geſetzen; als Provinzen gehoͤ ren ſie zu Andaluſten. Canaxia, Teneriffa und Palma haͤ lt man für, koͤ nigliche Inſeln; das nutzbare Eigenthum der vier andern iſt veraͤ ußert (aber nicht das Obereigenthum dar⸗ über). Drittes Kapitel. Blicke auf Canaria — Ferro — Fortaventura — Gomera — Lancerota — Palma. Gua ) genießet dadurch, daß die Inſel fo ſehr hoch uͤ ber dem Waſſer liegt, einer herrlichen faſt immer gleichen Temperatur. Sie bringt Seide, Wein von mittelmaͤ ßiger Guͤ te hervor, wovon ein Theil im Lande ſelbſt getrunken, der andere aber in Branntwein verwandelt wird; weiſſe Bohnen von einem angenehmen Geſchmack, womit ſie mit den uͤ brigen Inſeln und mit Cadix Handel treibt; treff— lichen Zucker, den ſie am Ende von zwei Jahren aͤ rndtet, und der 14 Fabriken beſchaͤ ftigt; Honig, Wachs, Wolle, Baumwolle, Oliven und viel Salz, wovon ein Theil zum Einſalzen der Fiſche angewandt wird, die die Canarier auf der Weſtkuͤ ſte von Afrika fangen. ) Breite der Nordſpitze 280 134 — Breite der Suͤ dſpitze 270 254. — Laͤ nge der oͤ ſtlichen Spitze 179 43/. — Laͤ nge der weſtlichen Spitze 180 117 (Borda, und die General— karte des atlantiſchen Oceans, im Depot der Marine, 1792.) a ; | Bonne zufolge (Eneyelopedie method. Atlas) betraͤ gt die oͤ ſtliche Länge 179 417; die weſtliche 189 9% — 26 | Zufolge der auf Befehl der Obrigkeit im Jahre 1703 angeſtellten Unterſuchung bringt dieſe Inſel ungefahr 39,680 Fimegas Weizen und 30,973 Gerſte, zuſammen alſo 70,653 hervor. Der Verbrauch beträgt 58,950, naͤ mlich: 18,250 an Weizen fuͤ r die Hauptſtadt, 24,20 für den übrigen Theil der Inſel, 16,089 Ausſaat; es bleiben dann alſo noch 11,694 Fanegas Getreide zum Handel übrig. Indeß lebt das Volk im Allgemeinen nur von tuͤ rkiſchem Korn, deſſen Aerndten die vom Weizen und Korn uͤ bertreffen. Ganze Doͤ rfer kennen unſer Brod nur als einen Luxusartikel. Einige durch eine große Fruchtbarkeit beguͤ nſtigte Gegenden erhalten zwei Aerndten Weizen, die eine im Februar, die andere im Junius. Am meiſten wird der trigo- mo- risco *) gebauet. b | Die Bevölkerung von Canaria betrug im Jahre 1678, 20, 68 Menſchen; im Jahr 1733, 30% 10; 1742, 33,864; im Jahre 1768, 41,082 5 und 1790, 50,000. Davon rech⸗ net man 9,440 in der Hauptſtadt Palmas **), dem Sitze des Erzbisthums, eines hohen Gerichtshofes, eines Ober: Alcade, und eines Ingquiſitionstribunals. Dieſe Stadt hat einen Hafen mit einem ſchoͤ nen Ankergrund; durch die unter dem Waſſer verborgenen Felſen wird aber die Einfahrt gefaͤ hrlich. | Die Inſel iſt von einer faſt runden Geſtalt; man ſieht ſie als die fruchtbarſte und die am beſten bewaͤ ſſertſte *) Weizen der Barbarei. Lam., Dictionaire Botanique, art. Froment. No. I. Lett. P. 4 *) Die Breite beträgt 17° 46/, die Laͤ nge 28° 64. (Auf der Karte der cangriſchen Inſeln ein Depot der Marine.) En 2 * N 9 * 1 2 7 EP ae 2 27 unter den kanariſchen an. Ihr Boden hat viele vortreff— liche Erde, der Thon ſcheint den groͤ ßten Theil davon auszumachen. Sie ernaͤ hrt noch mehr Vieh als Tene— riffa, ihre Schafe ſind ſtaͤ rker, und geben eine beſſere Wolle; indeß iſt ſie weder ſo bevoͤ lkert noch ſo angebaut, als fie es ſeyn koͤ nnte ). Im Jahre 1776 machten eine Kompagnie Kavallerie, drei Regimenter Infanterie, und zwei Kompagnien Artillerie, im Ganzen 4640 Mann die Beſatzung derſelben aus; fie waren in eilf Forts oder Re— douten vertheilt. | Die Inſel Ferro), die weſtlichſte des alten Conti— nents, von beinahe dreieckiger Geſtalt, wird von einem maͤ ßigen und fleißigen Volke bewohnt, dem die einfachen Sitten nicht abgegangen ſind, indem es das verderbliche Gemälde der reichen Städte nicht vor Augen hat. Ihr gebirgiger und volkaniſcher Boden iſt der Fluͤ ſſe beraubt und hat wenig Quellen, die zu Zeiten während des Som— mers austrocknen. Die Winde ſind dort faſt ſtets noͤ rd— lich; daher rühren die häufigen Uebel, welche dieſe Inſel *) S. Etat de Pagriculture des Isles Canaries, par Thessies (Memoires de Institut, sciences mathemat. et physig. Tom. I. an 6.) **) Die Breite der Nordſpitze beträgt 279 517/30 — die Breite der Suͤ dſpitze 279 39/ Der oͤ ſtlichſte Punkt hat 209 177 Laͤ nge. Der weſtlichſte 200 30%. (Borda, und die im Depot der Marine befindliche Karte des Oceans.) Das Mittel der Inſel liegt unter 209 21/5“ Länge und 279 44“ 7// 2 Breite (Bonne). Nach der Connoissance des tems, an 15, liegt die weſtliche Spitze unter 279 454 det Breite. 28 bedecken; deshalb nennen ſie die Canarier das ſchwarze Land. | Durch die Natur und durch den Muth ihrer Bewohner vertheidigt, hat ſie weder regulaire Truppen noch Fortifi⸗ kationen. Im Jahr 16738 belief ſich die Bevoͤ lkerung von Ferro auf 5297 Menſchen; 1745 auf 36875 1708 auf 4022; und 1790 auf 5000. Man erhält dort wenig Getraide, hingegen viel Or— ſeille, und bereitet daſelbſt für mehr als 100,000 Realen Branntwein, aus dem Wein und den Feigen. Die Wie⸗ ſen ernähren eine große Menge Vieh; und die Waͤ lder, Hirſche und Rehboͤ cke. Man ſindet auch rothe Rebhuͤ hner, Trappen und Faſanen. Die Hauptſtadt Valverde im In⸗ nern des Landes gegen Nordweſten, liegt auf einem erha— benen Boden, und iſt mit Abgruͤ nden umgeben. Der Ha: fen, wo die Schiffe vor Anker gehen, iſt nur ein unbedeu⸗ tender Flecken ). ö Fortaventura **) hatte im Jahre 1744 eine Bevoͤ lke⸗ rung von 7380 Menſchen; 1768 von 8863, und 1790 von 9000. Die Hauptſtadt Bethencuria iſt arm, und zaͤ hlte 4) Nach Borda und der Connoissance des tems, an 15, if die Breite 270 47 20%. Nach Bonne hingegen 279 47° zit, Laͤ nge 200 10%. n) In Norden iſt die Breite 28 46 — in Suͤ dweſten 280 4%. Die Länge in Oſten 160 12“ 30%. Die Laͤ nge in Weſten 160 51/ zo (Borda, Carte de Ocean im Depot, und Connoissance des tems, an 15.) Nach Bonne wie folgt: Die Fänge in Oſten 160 7“. Die Laͤ nge in Weſten 16° 497 5%. Länge der noͤ rdlichen Spitze 160 10/ ¼%. Laͤ nge der ſüdlichen Spitze 169 37]. Breite in Weſten ago 4/. Breite in Norden 28° 46. Breite in Süden 289 3“ f 1775 nur hundert Haͤ uſer. Auf dieſer Inſel werden jähre lich ungefähr 150,000 Fanegas Korn ) und Gerſte geaͤ rnd⸗ tet. 80,000 werden dort verzehrt, und das Uebrige wird dem Handel zum Beduͤ rfniß der uͤ brigen Inſeln uͤ bergeben. Die wenige dort erzielte Baumwolle, waͤ re einer großen Vermehrung faͤ hig, wenn die Regierung dieſes einheimiſche Produkt beguͤ nſtigte. Die Bewohner ſammeln auf ihren fandigten Kuͤ ſten eine große Quantität Sode, woraus treffliche Aſche gezogen wird. Im Jahr 1708 kaufte Teneriffa allein 49,375 Fanegas davon, die in dem Hafen Naos auf Lancerota geladen wurden. Sobald Fortaventura hinlaͤ nglich durch Regen bewäſert iſt, gewaͤ hrt ſie ſehr reichliche Aerndten, und fuͤ hrt dann den Ueberfluß ihrer Lebensmittel aus; ſobald aber ihr Boden, dem es an Fluͤ ſſen mangelt, und der nur eine geringe An— zahl Quellen hat, zu ſehr ausgetrocknet iſt, dann wird er entſetzlich unfruchtbar; ein Theil der Bewohner, welcher vor Hunger umkommt, iſt alsdann in der Nothwendigkeit auszuwandern. Dieß ereignete ſich von 1768 bis 1771. In dieſer Zeit fiel auf Fortaventura gar kein Regen. Die meiſten Einwohner fluͤ chteten, um dem Tode zu entgehen, nach Canaria, nach Teneriffa, und nach Palma, wo man ſich's angelegen ſeyn ließ, fie mit Gaſtfreundſchaft aufzu⸗ nehmen. Don Lapez de Heredia, der Gouverneur, und Don Juan Servera, der Biſchoff dieſes Archipels, zeichne— ten ſich in dieſer ſchrecklichen Periode durch Wohlthaͤ tigkeit gegen dieſe Ungluͤ cklichen aus. Jener ließ aus Spanien und ) Es iſt diet die unter dem Namen Trigo aris negro, oder der mit violettem Spreu und Bardt bekannte Weizen. Lam. Diet. 2. Encyclopedie method. 30 Marokko eine große Quantität Korn kommen. Täglich vertheilte er mehr als 1500 Rationen Lebensmittel unter die armen Fluͤ chtlinge. Die Inſel Palma ernaͤ hrte unge⸗ fähr 3000 derſelben. Die Stadt Laguna, der Hauptort von Teneriffa, nahm eine große Menge gut auf, und theilte alle ihre Huͤ lfsmittel mit denſelben. Es giebt Weinberge auf Fortaventura, aber ſie werden ſchlecht gebauet; man beſtellet fie jährlich. nur einmal. Der Wein von nicht vorzuͤ glicher Güte wird im Lande ſelbſt verbraucht. Man rechnet dort 1,000 bis 1200 5 5 cke Hornvieh, 7 bis 800 Kameele ), 3 bis 400 Eſel, bis 600 Schaafe, und 8 bis 10,000 Ziegen. Die 1 Schaafe irren durch einander laͤ ngſt der Kuͤ ſten, und in den unangebauten Laͤ ndereien. Jeder Partikulier zeichnet die ſeinigen an den Ohren. Einmal des Jahrs werden ſie in Gegenwart eines Aufſehers, der Vedor heißt, zuſammen⸗ gebracht, um die Zeichen wieder zu erkennen. Die Ei⸗ genthuͤ mer nehmen diejenigen, die ihnen gefaͤ llig ſind, da⸗ von, um fie zu toͤ dten oder fie zu verkaufen, und den uͤ bri— gen geſtattet man bis zum folgenden Jahre wieder umher— zulaufen. Auf Fortaventura wird ein wenig Flachs geſponnen, den die Teneriffer Kaufleute aus Amſterdam oder Ham⸗ burg kommen laſſen; die Wolle der Schaafe des Landes braucht man zu Decken und zu groben Zeugen, wovon ſich die Landleute kleiden. Die Einwohner brennen aus Man⸗ gel an Holz die Stuͤ mpel der Euphorbie. (Teſſier.) ) Auf Fortaventura und Lancerota werden die Kameele zu den Feldarbeiten, und zu den Karren gebraucht. Man ſalzt ihr Fleiſch ein, wie das der Schweine. Gomera *) iſt ſehr gebirgig, und hat viele Waldun— gen, deren Zwiſchenraͤ ume anmuthige Thaͤ ler einſchließen, wo man Lorbeeren-Datteln- und Citronenbaͤ ume antrifft. Sie bringt jährlich ungefähr 2,000 Kilogramme Wolle, eben ſo viel Seide und 3,000 Kilolitre Wein her— vor. Die Wollenmanufacturen befinden ſich in St. Se⸗ baſtian, ihrer Hauptſtadt, einem kleinen auf der oͤ ſtlichen Spitze gelegenen Seeort, der eine angenehme, fruchtbare Lage und einen guten Hafen hat “*). f Auf dieſer Inſel werden ungefaͤ hr 200 Fanegas Mays, 300 Faneg. Bohnen, und 13,770 Weizen und Gerſte, alſo im Ganzen 14,470 erzielt. Die Ausſaat vermindert dieſe Quantitaͤ t um 2,031; es bleiben alſo 11839 Fanegas für eine Bevölkerung uͤ brig, welche die Unterſuchung 1790 auf 7426 Menſchen angegeben hat. Jedweder hat folglich, einer in den andern gerechnet, nur eine halbe Fanega zu verzehren, welches gar nicht hinreicht. Die meiſten Ein- wohner find arm; fie naͤ hren ſich von der Farrnkrautwur— zel *), von Erdaͤ pfeln und Gofio. Der Goſio wird zu— bereitet, indem man auf einer irdenen Schuͤ ſſel, entweder Weizen, oder Gerſte, Hafer oder Mays leicht roͤ ſten laͤ ßt; auf einer kleinen Handmuͤ hle verwandelt man dieſe auf ſolche Weiſe getrockneten Körner in Mehl. Der Canarier genießt *) Die Breite der Nordſpitze beträgt 28° 13“. Breite der Suͤ dſpitze 280 17 30% — Länge in Oſten 199 28/. — Laͤ nge in Weſten 190 44/. (Carte des Canaries im Depot.) *) Breite 289 3/ 40%. Länge 199 28%. (Borda Carte de Ocean im Depot, und Connaissance des tems An 15.) Breite 288 5/ 744, Laͤ nge 199 26° (Bonne). ) Pteris aquilina Lin. n „ „ere 32 den Goſio als Mehl, oder nachdem er ihn in Kugeln geknetek hat, die mit Waſſer, mit Milch, mit Bouillon oder mit Honig angefeuchtet ſind. In einigen fruchtbaren und gut bewaͤ ſſerten Gegenden erhaͤ lt man eine ziemlich große Menge Nuͤ ſſe, Birnen, Feigen, Citronen, Erdaͤ pfel, Maulbeeren, Ignamen, Zwiebeln, Leinſaamen, Honig und Wachs. Die Aerndten ſind dort ſpaͤ ter als auf den uͤ brigen Inſeln; dieß ruͤ hrt von der Hoͤ he der Gebirge und der Tiefe der Thaͤ ler her. Man ſindet auf der Inſel Gaͤ nſe, Tauben, Wachteln, Rebhuͤ hner, Hirſche und Rehe; es gibt dort ungefähr 600 Eſel, 500 Laſtthiere und 6000 Stuͤ ck kleines und gro⸗ ßes Vieh. Im Jahre 1678 betrug die Bevoͤ lkerung von Gomera 4375 Menſchen; 1688, 4661 1745, 62513 1708, 66455 1774, 57535; 17% aber nur 7420. Bekanntlich landete Chriſtoph Columbus, der 1492 aus Spanien abſegelte, um die neue Welt zu entdecken, auf Gomera, und ließ dort ſeine Schiffe ausbeſſern. Lancerota ) hatte 1744 eine Bevoͤ lkerung von 7,210 Menſchen; 1708, von 9705; und 1790 von 10,00. ) Breite des Nordpunkts 290 25 30. Breite des Suͤ d⸗ punkts 289 51/. Laͤ nge in Oſten 15 517. Laͤ nge in Weſten 160 61 30/ . Borda's Karte im Depot. Bonne gibt an Laͤ nge in Oſten 15° 44“ in Weſten 160 10/; in Norden 150 47/; in Süden 160 4, 5% Die Breite in Oſten 290 14“, in Weſten 28° 55“ in Norden 290 15/, in Suͤ ⸗ den 288 510. Die Connaisance des tems vom Jahre 15 ſetzt den Oſtpunkt unter 299 14“ Breite und 150 46/ Länge. Borda beſtimmt auf folgende Weiſe die Lage der Elei- nen Inſeln in Norden von Lancerota: 33 Die Hauptſtadt Teguiſe *) enthielt 1775 zwei hundert Haͤ uſer. Die Anzahl der Doͤ rfer und Weiler belaͤ uft ſich auf 50. Die Häfen Arecife und Naos **) find die ſicher— ſten auf allen kanariſchen Inſeln; die meiſten Schiffe von Orotava und St. Crux bringen dort den Winter zu. Dieſe Inſel erzeugt Wein von mittelmaͤ ßiger Guͤ te, der faſt zuſammen in Branntwein verwandelt, und nach Ame— rika gefuͤ hrt wird; ferner Erdaͤ pfel und alle Arten von gutem Gemuͤ ſe, wovon man eine große Quantität nach Teneriffa verkauft. Im Jahre 1792 aͤ rndtete man 28,440 Fanegas Korn Fuͤ r eigenes Beduͤ rfniß wurden davon 10,000 Fanegas Korn und 50,000 F. Gerſte verzehrt. Die übrigen 93,461, kamen in Handel. Kameele, Maulthiere, Eſel find in Lancerota ſehr gewoͤ hnlich; auch werden dort Pferde gezogen, und die beſten zu 100 bis 150 Piaſter das Stuͤ ck verkauft. und 127,022 Gerſte; im Ganzen 155,461. Breite Allegranza) die Mitte 725 251 3000 Glara ) 290 191, Gracioſa N. O. 29 18 Spitze. S. W. 290 147 | Roquette, in Oſten 290 17/ 304 Lobos, zwiſchen Forta— | ventura und Lancerota, oͤ ſtlich, (Mitte der In— fel) 280 46 / Laͤ nge 159 617 159 524 15. 49. 15. 52. 16. 19. 304 ) Breite 29° 44; Länge 159 53%. Karte der kanariſchen Inſeln im Depot. *) Breite 280 5’. Länge 150 557, Karte der kanariſchen Inſeln im Depot. Le Dru Reife, 1. Bd. C 34 Sie ſtammen urſpruͤ nglich aus der Barbarei her. Das platte Land, der Waldungen beraubt die ſonſt deſſen Schmuck ausmachten, und das dabei Mangel an Fluͤ ſſen hat, wird zu Zeiten von Trockniſſen gequaͤ lt, die es un— fruchtbar machen und die dann die Einwohner dem groͤ ßten Elende Preiß geben. 5 In der Nacht des 1. Septembers 1730 empfand die Inſel in der Folge einer Erderſchuͤ tterung die Wuth eines Volkans, deſſen brennende Lava neun Doͤ rfer zerſtoͤ rte, und das Territorium von dreizehn andern mit Sand be⸗ deckte. Der Laͤ rm der Ausbruͤ che war ſo ſtark, daß man ihn in einer Entfernung von vier und fuͤ nfzig Meilen von Teneriffa vernahm. Die meiſten Einwohner fluͤ chteten nach Fortaventura. „Dieſe Volkane haben einen, an vielen Dr= ten mit Aſche vermiſchten, vier bis fünf Fuß dicken Sand verbreitet. Die Einwohner durchbohren ihn bis ſie Erde antreffen, und pflanzen Weinftoͤ cke darin, die bewunde— rungswuͤ rdig wachſen und ſich verbreiten. Oft hat man einen einzigen Stamm ſo viel Trauben tragen ſehen, um daraus eine halbe Pipe Wein, d. h. zwei hundert vierzig Pariſer Pinten zu erhalten.” (Teſſier.) | Palma *) mit einem fehr bergigen Centrum, iſt nur auf den Kuͤ ſten fruchtbar und bevoͤ lkert. Die Inſel bringt gute Gemuͤ ſe, vielen Wein hervor, wovon ein Theil in Branntwein verwandelt wird; ferner eine große Menge 0 7 „) Breite des Nordpunkts 289 3%, Breite des Suͤ dpunkts 280 29/30%. Länge des Oſtpunkts 209 4“, Laͤ nge in We: ſten 200 22/ 304, (Karte der kanariſchen Inſeln im Depot. Nach Bonne hat die Mitte der Inſel Breite 280 gut gl. Laͤ nge 200 13/5¼%.) 35 Mandeln, ungefaͤ hr 3000 Aroben Zucker, Honig, Wachs und Seide, womit einige Fabriken des Landes im Gange erhalten werden. Sie aͤ rndtet ebenfalls jaͤ hrlich ungefaͤ hr 44,350 Fanegas Weizen, Gerſte und Roggen. Die Aus— faat vermindert dieſe Quantität um 6,652: es bleiben da— her für die Beduͤ rfniſſe des Landes noch 37,098 Fanegas übrig. Die Inſel zählt eine Bevölkerung von 22,600 Menſchen, die, drei Fanegas auf den Kopf gerechnet, deren 67,800 verzehren koͤ nnen; es entſteht alſo ein Deficit an Korn von 30,102 Fanegas. Im Jahre 1678 betrug ihre Bevoͤ lkerung 13,892 Menſchen; 1742, 17,580, und 1768, 19195. Man findet dort weder Rothwild, noch Rebhuͤ ner, noch Hafen. In den Jahren, wo Mangel ein= tritt, naͤ hrt ſich das Volk dort ſo wie in Gomera von Farnkraut⸗Wurzeln. N Die Hauptſtadt St. Crux de la Palmas liegt im Grunde einer Bay, oͤ ſtlich, an den Ufern des Oceans. Der Ha— fen Tazacorte *) weſtlich bietet ziemlich ſichern Ankergrund dar. Von Bergen durchſchnitten, deren Spitzen mit ewigem Schnee bedeckt ſind, iſt Palma zu verſchiedenen Zeiten durch Volkane verwuͤ ſtet worden, wovon ſich die Spuren noch finden. Die Bewohner werden nie die Aus— bruͤ che von 1585 noch die von 1046 und 1677, welche mit Erderſchuͤ tterungen begleitet waren, vergeſſen. ) Breite 280 384 — Länge 209 18/ nach Borda's Karte des Oceans und Connaissanee des tems an 15. — Nach Bonne ift die Laͤ nge 20 167, . Viertes Kapitel. Beſchreibung von Teneriffa. — Gemälde der Stadt St. Crux. — Monumente. — Kirchen. — Moͤ nche. — Theater. — Fortificationen. — Rheede. Teneriffa *) iſt die groͤ ßte und reichſte unter den kanari⸗ ſchen Inſeln. Ihr Hauptproduct, ſagt Clavijo“ ), beſteht in Malvoiſter - und Vidogne- Wein. Sie aͤ rndtet eine „) Breite in Norden oder des Punkts Ridalgo 28° 37/ nach der Karte der kanariſcheu Inſeln im Depot; nach Lopez hingegen 28° 427; nach Bord de St. Vincent 289 36% Breite des Suͤ dpunkts oder von Playa de las Galletas 280 17/; nach der Karte der kanariſchen Inſeln im Depot; nach Lopez 27° 53/. Länge in Oſten oder des Punkts von Nago 18 264 30% nach eben der Karte; nach Lopez aber 180 17/ 20%. Länge in Weſten oder des Punktes Teno nach der Karte 199 17,30%, nach Lopez 19° 18/30. Die größte Erſtreckung in der Länge der Inſel von dem Punkt d'Anaga in Nordoſten bis Playa de. las Galletas in Suden beträgt ungefähr 24 Meilen; die groͤ ßte Erſtre⸗ ckung in der Breite vom Cap Teno in Weſten bis zum Cap Abona in Südoſten beträgt 1s Meilen; der Umkreis beträgt 65 Meilen. **) Historia de las Islas de Canarias. 3. 520. 37 Menge Weizen, Gerſte, Mays und andere Getreideſorten, die indeß zu ihrem Bedarf nicht hinreichen; eben ſo er— zielt ſie Honig, Wachs, Orſeille, und naͤ hrt vieles Vieh. Man findet dort viele ausgeſuchte Fruͤ chte, das Zucker— rohr, Ignamen, Orangen- Zitronenbaͤ ume, Kaſtanien, Mandeln und Datteln. Sie liefert eine Menge Seide, wodurch die Landesfabriken im Gange erhalten werden, und aͤ rndtet auch ein wenig Leinſaamen; den Hanf kennt man aber dort gar nicht. Das Fleiſch iſt geſund, und das vom Hammel ausgeſucht ſchoͤ n. Der am noͤ rdlichen Theile der Inſel gefangene Fiſch iſt gut. Man trifft auf Teneriffa weder Ratten noch giftige kriechende Thiere. Die Berge find mit Fichten, mit Cypreſſen, mit Dra⸗ chenbaͤ umen, mit Cedern, Lorbeerbaͤ umen bedeckt, und ihre ſehr hohen Spitzen waͤ hrend des Winters in Schnee gehuͤ llt. Der berühmte Pie beherrſcht fie zuſammen. Mit Ausnahme des ſuͤ dlichen Theils iſt der Boden durch Quel— len und Stroͤ me bewaͤ ſſert, die ſich in das Meer ergießen. Teneriffa machte gegen die Mitte des ſechszehnten Jahrhunderts großes Aufſehen. Fernandez de Lugo, wel- cher die Inſel gegen das Ende des ſechszehnten Jahrhun— derts den Guanchen abgenommen hatte, verſtand es, dieſe wichtige Eroberung zu benutzen. Er beguͤ nſtigte den Acker⸗ bau, den Handel, die Schifffahrt. Eine gluͤ ckliche Wohl— habenheit war die Folge ſeiner Sorgfalt. Die Portugie— ſen und andere Voͤ lker beſuchten die Haͤ fen der aufbluͤ hen- den Kolonie. Man ſah dort bald Manufakturen von Zeu— gen aufbluͤ hen, die aus der Landeswolle gewebt waren, fo wie auch eine Kanonengießerei und ein Pulverlaborato— rium emporkommen. 38 Unter den Nachfolgern von Fernandez, der 1525 ſtarb, ſetzte man die glücklich begonnenen Arbeiten fort. Die Wege wurden gebahnt, die Straſſen gepflaſtert, die Felder be— pflanzt, die Waldungen wirthſchaftlich benutzt, das Auf- ziehen des Viehes, der Fiſchfang, der Handel mit den Indianern, alles wurde mit Thaͤ tigkeit betrieben. Bald ward das Kirch piel Taganana berühmt wegen feiner Kuͤ ⸗ chengaͤ rten; Garachico wegen ſeines Handels; Tegueſte, Rambla und Glod wegen der Weinberge: Tacoronte, Chaſna und Arico wegen des Getreides; Matanza, Victoria wegen des Ueberfluſſes an Fruͤ chten; Dante, Buenaviſta und Santiago wegen des Viehes. Im Jahre 1678 hatte Teneriffa eine Bevoͤ lkerung von 40,42 Menſchen; 1733 von 58,618; 1745 von 60,218, worunter ſich 215 Geiſtliche befanden; 1753 von 64,00; 1768 von 66,354, und 1790 von 70,600, Kinderley's Berechnung von 96,000 Menſchen iſt uͤ bertrieben. Man zaͤ hlt dort vier Staͤ dte, 192 Doͤ rfer und Weiler, 33 Kirchſpiele, 44 Pfarrpfruͤ nden, 25 Manns⸗ 10 Frauenkloͤ ſter und 6 Hoſpitaͤ ler. Diefe Inſel iſt außer durch die faſt unzugaͤ nglichen fie umgebenden Felſen mittelſt zwanzig Forts, Redouten oder Batterien geſchuͤ tzt, wovon man eine in Candelaria, eine in Adefa, zwei in Gara— chico, drei im Hafen Lorotava, und dreizehn in St. Crux antrifft. Ich will hier eine kurze phyſifche und oͤ konomiſche Schilderung dieſer wichtigen Kolonie beibringen, und die Quellen ihrer Wohlhabenheit, ſo wie auch die Verbeſſe— rungen angeben, welche ihr Ackerbau, ihr Handel und ihre innere Adminiſtration verlangen. e ö 39 Gemaͤ lde von der Stadt St. Crux. . 0 St. Crux liegt faſt in einem Zirkelbogen am Rande des Meeres auf einer ſandigten Erdzunge, und am Fuß einer Kette von Bergen, welche ſich von Nord-Nord-Oſten nach Weſt⸗Suͤ d⸗Weſten erſtrecken. Dieſe ihrer Reichthuͤ mer und Bevoͤ lkerung wegen wichtigſte Stadt von Teneriffa haͤ lt ungefähr 1364 Metres in die Länge und 680 in die Breite. Vier breite, reinliche und weit auseinander gebaute Haupt— ſtraßen laufen von Norden nach Suͤ den quer dadurch, und werden rechtwinklicht von zehn andern kleinen Durchs ſchnitten, welche von Oſten nach Weſten gehen. Gewoͤ hnlich iſt der Himmel dort ſchoͤ n, die Luft fill und trocken; die Hitze indeß im Julius, Auguſt und im September ſehr heftig. Der Boden wird vom Dezember bis zum April vom Regen bewaͤ ſſert. Der Reaumur'ſche Thermometer iſt in St. Crux ſehr veraͤ nderlich, indeß ſieht man ihn doch faſt nie unter 15° noch über 27°. Man zaͤ hlt dort 8 bis 900 Haͤ uſer, wovon die meiſten von Steinen zwei Stockwerke hoch gebaut, und mit Kalch von Muſcheln beworfen ſind. Sie haben nur einen Kamin, naͤ mlich den der Kuͤ che. Die Fenſter haben kein Glas, man ſchließt fie mit Jalouſieen, welche die Frauenzimmer ſehr oft in die Hoͤ he ziehen, wenn Neugierde oder eine andere Urſache ſie veranlaßt, ſich zu zeigen. Gemeiniglich erblickt man auf den Häufern der Reichen einen Myrador oder ein Belvedere, von wo das Auge einen vaſten Hori— zont hat. Schwere, wie Dachrinnen ausgehoͤ hlte Ziegel decken diejenigen, welche kein plattes Dach haben. Ueber haupt ſind die Haͤ uſer auf Teneriffa gebaut und abgetheilt, N * na 3 f Beni ern 7 de au e ̃ A 40 wie die der mitttaͤ gigen Provinzen des Mutterlandes. Das Pflaſter der Straßen iſt eben nicht bequem; es be— ſteht aus kleinen platten Kieſeln von ſchwarzer Lava, die auf der ſcharfen Seite ruhen; die von den Fußwegen ahmen, durch die Mannigfaltigkeit ihrer kuͤ nſtlich einander nahe gebrachten Farben, eine Art Moſaik nach. In eini⸗ gen entfernt liegenden Straßen geht man auf rohen, außerordentlich unebenen Laven, wodurch der Gebrauch der Waͤ gen unmoͤ glich wird. Die Bevoͤ lkerung von St. Crux wird auf 8,390 Men⸗ ſchen geſchaͤ tzt, die in drei Klaſſen zu theilen ſind; die erſtere beſteht aus den Magiſtratsperſonen, aus den reis chen Eigenthuͤ mern und den Kaufleuten; die meiſten hievon ſind fremde; die zweite Klaſſe ſchließt diejenigen in ſich, welche eines mittelmaͤ ßigen Vermoͤ gens genießen, wie die kleineren Kaufleute und die Kuͤ nſtler; die dritte Klaſſe, welche zahlreicher als die beiden übrigen iſt, faßt Die Bett⸗ ler in ſich, deren Muͤ ſſiggang und Zudringlichkeit auf gleiche Weiſe empoͤ ren. | g Die Garniſon und die Geiſtlichkeit ſind in dieſem Ge⸗ maͤ lde nicht mit einbegriffen. Dieſe Stadt iſt der Sitz des Gouverneurs, von zweien Generaladminiſtratoren der offentlichen Einkuͤ nfte dieſes Archipels, der Mitglieder der Hauptcontadorerie, des Handelstribunals von Indien, und eines Unterabgeordne— ten der Generalintendanz der Marine. St. Crux hat zwei huͤ bſche Promenaden; die eine iſt der Platz des Hafendammes ſelbſt, wovon gleich die Rede ſeyn wird; die andere iſt die Almeyda oder Maille⸗ bahn mit Fontainen von weiſſem Marmor und ſchoͤ nen Anpflanzungen geziert. Der große weiter vorn in der 41 Stadt gelegene Platz iſt mit einer Fontaine von ſchwarzer Lava, in Form eines Kelchs, und einem Obelisk von weiſſem Marmor geſchmuͤ ckt, der der heiligen Jungfrau von Candelaria geweihet iſt. Der Urſprung dieſes letzten Monuments gruͤ ndet ſich auf eine Volksſage, welche ſchwerlich die Unterſuchung einer geſunden Kritik aushalten duͤ rfte. Die Moͤ nche haben die Canarier uͤ berredet, daß vor ungefähr vier hundert Jahren die Könige Guanches de Guimar, welche durch die Hirten von der wunderbaren Erſcheinung einer Frau benachrichtigt, deren Glanz und Schoͤ nheit eine vom Himmel herabgeſtiegene Gottheit an— kuͤ ndigten, ſich an dem angegebenen Orte bei Candelaria, einem Teneriffer Dorfe, hinbegaͤ ben. Um zu ſehen, ob dieß eine Sterbliche oder eine Goͤ ttin waͤ re, zog einer die— ſer Koͤ nige ein ſchneidendes Inſtrument aus der Taſche, und ſuchte ihr die Finger abzuſchneiden. Nachdem die Operation voruͤ ber war, erkannte er aber, daß er ſeine eigene Hand verſtuͤ mmelt hatte. Als ein Anderer Steine aufgenommen, um ſie nach ihr zu werfen, verlor er ſofort den Gebrauch ſeines Arms. Um das Andenken dieſes Wunders zu erhalten, haben die Moͤ nche im Jahre 1778 das Monument, wovon hier die Beſchreibung folgt, errichten laſſen. Eine viereckige Pyramide, welche das Bild der Jungfrau traͤ gt, erhebt ſich aus der Mitte eines Socles, deſſen Winkel mit Ge⸗ nien, welche die Jahreszeiten vorſtellen, geſchmuͤ ckt find; vier Statuen der Koͤ nige Guanches, die Augen gegen Ma— rie emporſchlagend, weihen die Aſche ihrer Vorfahren, welche durch die Knochen vorgeſtellt werden, die ſie in der Hand halten. Das Koſtum der Koͤ nige iſt ſonderbar ge— nug; nach roͤ miſcher Sitte iſt das Unterzeug, dabei 42 find fie mit einem kurzen Mantel bedeckt, haben Haare, und ſind mit Lorbeeren gekroͤ nt. Auf jeder Seite der Py⸗ ramide lieſt man eine lange Inſchrift in kaſtilianiſcher Sprache. Dieſes zehn Metres hohe in Genua verfertigte Monument iſt von guter Kompoſition, aber von ſchlechtem Geſchmack. Die Kirchen von St. Crux find geräumig, mit Gemaͤ l⸗ den und Vergoldungen verziert. Dieſer Schmuck wuͤ rde aber huͤ bſcher ſeyn, ware er nicht fo verſchwendet. Die Pfarrkirche iſt mit goldenen, mit Edelgeſteinen beſetzten Gefäßen geſchmuͤ ckt, eben ſo mit einem Altar mit Streifen von ciſelirtem Silber, und mit zwoͤ lf Lampen von dem nämlichen Metall, welche an der Kuppel aufgehaͤ ngt ſind: die Geiſtlichkeit, die dort zahlreich iſt, legt bei Ausuͤ bung ihres Amtes koſtbare Kleider an. Weshalb behielt man den entſetzlichen Gebrauch bei, den der Gottheit geweiheten Tempel in einen Kirchhof zu verwandeln? Das Pflaſter iſt hier eine fortlaufende Reihe von Graͤ bern, wovon einige lediglich mit gebrannten Stei⸗ nen, die andern mit ſtolzem Marmor belegt ſind. Alle Gemaͤ lde dieſer Kirche, mit Ausnahme von zweien, ſind weniger als mittelmaͤ ßig. Das erſte ſtellt Chriſti Geburt vor: es war waͤ hrend der Geburt, daß die Hirten kamen, um den zur Welt gekommenen Jeſus anzubeten. Der Kuͤ nſtler hat dieſen Umſtand benutzt, um den Grund der Krippe zu erleuchten. Das auf die Engel und die Hirten zuruͤ ckſtrahlende Licht bringt die beſte Wirkung her— vor. Dieß Gemaͤ lde ward im Jahre 1773 von Juan de Minanda, einem kanariſchen Maler, verfertigt; das zweite hat das Urtheil der Seelen des Fegfeuers zum Ge— genſtande. Mehrere Verurtheilte, deren Körper gebras 43 ten, mit Ketten beladen, und von Schlangen zerriſſen ſind, heben ihre Haͤ nde gen Himmel, der voller Heiligen iſt, die uͤ ber das Schickſal dieſer Ungluͤ cklichen berath— ſchlagen. Mitten unter den Richtern bemerkt man den heiligen Michael, der eine Waage haͤ lt, deren jedwede un— gleich haͤ ngende Schale ein aufgerolltes Papier traͤ gt. Die Richter, woraus dieſes ſonderbare Tribunal zuſammenge— fest iſt, find Bifchöfe, Prieſter und Moͤ nche; man erblickt unter ihnen keine Familienvater, Arbeiter, noch Arme. Wie dieſem nun auch ſei, ſo wird dieß Gemaͤ lde, dem der Name des Verfertigers und die Jahrszahl mangeln, wegen des Kolorits des Fleiſches und des Ausdrucks der Koͤ pfe geſchaͤ tzt. Die Dominikaner haben hier nicht das naͤ mliche Ueber— gewicht als in Spanien; ſie ſind durch ihre Nebenbuhler die Franziskaner verdunkelt, die, obgleich nicht ſo reich, mehrere Anhaͤ nger haben, und ein Kloſter von ſchoͤ nerem Anſehen beſitzen. Die Kirche von jenen hat nichts Merk— wuͤ rdiges als ein Gemaͤ lde von Jeſus Chriſtus von Dio— nifio Coraz 1776 0 gemalt. Man erblickt noch ein ans deres in den Schlafzimmern des Gebaͤ udes, deſſen Gegen— ſtand auffallend iſt. Es ſtellet ungefähr 70 Köpfe von Heiligen, Gelehrten, Paͤ bſten, Biſchoͤ fen, Koͤ nigen und andern beruͤ hmten Perſonen dar, die das Kleid des heili— gen Dominikus angezogen haben, oder die Schutzpatronen | ſeines Ordens geweſen find. Unter dieſen ſonderbaren Koͤ pfen findet man auch den der 1683 verſtorbenen Maria ) Die Statuen dieſer Kirche ſind mit ſtoffenen Kleidern bedeckt, welche uns an das naͤ rriſche Koſtum der verſchie— denen Jahrhunderte wieder erinnern. 44 Therefia, des 1711 verſtorbenen Dauphins Louis, des 1712 verſtorbenen Herzogs von Burgund, des 1715 vers ſtorbenen Ludwigs des XIV, und das Bildniß des in der Bluͤ the ſeines Alters gemalten Ludwigs XV ). Die aus 4 bis 500 Baͤ nden beſtehende Bibliothek der Dominikaner enthält nur Abhandlungen uͤ ber die ſcolaſti— ſche Theologie, wie z. B. von Thomas Aquinius, mit ſeinen zahlreichen obſcuren Auslegern, Scot, und andern, alten Kanzelrednern u. ſ. w. Die einzigen guten Werke ſind die Kirchengeſchichte des Paters Alexander; die Va- riations von Boſſuet, ins ſpaniſche uͤ berſetzt; die Werke von Bendit XIV; das krittiſche Theater des Paters *) Die Thorheit, die Mönchskutte aufm Todenbette anzule— gen, war im zwölften Jahrhundert ſehr gewöhnlich, ſagt Millot; daher kommt es, daß die Mönde in ihren Jahtr⸗ büchern fo viele Zürften, Herren und berühmte Frauen als Glieder ihres Ordensſtandes anführen. (Klemens de Phist. de France. I. 260.) 3 Der 955 verftorbene Kaiſer Lothatius hatte ſich als Bru⸗ der der Geiſtlichen des St. Martinskloſter nahe bei Metz einſchreiben laſſen, um Theil an ihren Gebeten, an ihren guten Werken zu nehmen, welches um die Zeit ſehr ges woͤ hnlich war. Sein Vater Ludwig der Fromme und ſein Bruder Ludwig der Deutſche hatten ſich eben ſo in dem Kloſter von St. Denis einſchreiben laſſen. Goldaſt und d'Achery haben dergleichen Verzeichniſſe geliefert, worin ſich die Fuͤ rſten mit den Moͤ nchen als ihren Brüdern ein— geſchrieben befinden. (Mon. de la Monar. frane. par Mont - faucon. Seite 301. Tom. 1.) Die Franziskaner haben ebenfalls ein Verzeichniß der Beſchuͤ tzer ihres Inſtituts. S. de Origine Seraphicae reli- gionis Franciscanac. Auto. Francis. de Gonzaque. Romas 1587. Fol. das Publikum bequem fehen zu koͤ nnen. Die meiſten Mus ſechs Stüde auswendig zu ſpielen. Die Weiberrollen wur: 40 Feyoo; eine lateiniſche Abhandlung des Paters Schottin, über die Phyſtk, 2 Vol. 8. Rome 1772; endlich eine ſchoͤ ne Ausgabe der Bibel, ſpaniſch, nebſt dem Text der Vul— gata und gelehrten Noten von Pater Philipp de St. Mi- guel. Valence 1791. 4 Vol. 4to. 5 Die Stadt hat ein ſehr beſuchtes Schauſpiel, wo man zu Zeiten eine intereſſante Geſellſchaft findet. Ich ging dort eines Tages mit dem Kapitain Baudin hin. Wir wählten unſere Platze ſo, um die Schauſpieler und fifanten konnten nicht leſen, und wußten nur fünf oder den von verkleideten Männern übernommen. Nichts fiel mehr ins Lachen, als Geſtalten mit Baͤ rten, oder grobe Baßſtimmen unter dem Koſtum einer verliebten Schau- ſpielerin zu erblicken. a In dieſem Stuͤ cke ſaß ich neben zweien maroccaniſchen Kaufleuten aus Magador, die nach Teneriffa gekommen waren, um beim Gouverneur um die Erlaubniß, ein Han— delshaus auf den kanariſchen Inſeln anzulegen, nachzuſu⸗ chen. Dieſe Afrikaner hatten einen langen Bart, einen kupferfarbigen Teint, nackte Beine, und den Kopf mit einem Turban umwunden; ein weiter von Wolle und Kameelhaaren gewebter Mantel bedeckte INN Körper, und ging bis auf die Ferſen hinunter. Ohne daß gerade die Feſtungswerke von St. Crux regelmaͤ ßig oder zahlreich ſind, haben ſie dennoch eine vor— theilhafte Lage, ſind wohl unterhalten, und mit ſchwerer Artillerie beſetzt. Vergebens moͤ chte ſich ein kuͤ hner Feind einer derſelben bemaͤ chtigen; der Beſitz eines Forts wuͤ rde ihm den der übrigen nicht zuſichern, indem dieſe ihn leb 40 haft necken, und zur Retirade durch das kreuzweiſe Feuer ihrer Batterien zu zwingen vermoͤ chten; fie bilden naͤ m⸗ lich eine furchtbare Linie am Rande des Oceans. Gegen Rorden und Suͤ den wird die Stadt von zweien 27% Metres von einander entfernt liegenden Redouten oder Schloͤ ſſern geſchuͤ tzt; aber dem Paſſo-Alto gegen Norden, welches auf ſehr hohen Felſen erbauet iſt, die an mehre— ren Orten hervortreten, koͤ nnte durch das Herabfallen die⸗ ſer Felſen geſchadet werden, indem die feindlichen Kano— nen ſie leicht zum Herabſtuͤ rzen bringen duͤ rften. Im Jahre 1706 bemuͤ hete ſich der engliſche Admiral Genings vergebens, den Platz mit einer Eskadre von dreizehn Li— nienſchiffen zu beſchießen. Er ward von den verdeckten Batterien ſelbſt zuſammengeſchoſſen, und gezwungen, ſich zuruͤ ckzuziehen. | | | Die im Julius 1797 von Nelſon mit vier Schiffen, drei Fregatten und andern Kriegsfahrzeugen unternom⸗ mene Expedition, um die Gallione der philippiniſchen Ge> ſellſchaft wegzunehmen, die unter dem Schutz der Forts vor Anker lag, iſt eben ſo ungluͤ cklich fuͤ r die engliſche Marine abgelaufen. Drei hundert Mann von den Ge— landeten ſind nebſt den Schaluppen, welche ſie ans Land brachten, untergegangen; und der Admiral verlor den rechten Arm dabei. Te Die Garniſon beſteht aus einem Linien-Infanterie⸗ Regiment von fuͤ nf hundert Mann, und einer Kompagnie von 100 Artilleriſten. Die nordoͤ ſtlich von der Inſel“) gelegene Rhede iſt ger „ Dieſen Artikel über die Rheede von St. Cru hat mir der. Kapitaͤ n Baudin mitgetheilt. 75 gen die nordnordoͤ ſtlichen und weſtnordweſtlichen Winde ge— ſchuͤ tzt; wehen hingegen die Winde aus Norden oder Suͤ — den, ſo befinden ſich die Schiffe in Gefahr, und ihre Verbindung mit dem feſten Lande hat dann ſehr große Schwierigkeiten. Da das Meer durchgehends an die ganze Kuͤ ſte ſchlaͤ gt, ſo haben die Spanier auf einer Ebene von Granitlava einen ziemlich bequemen *) Kay zu Stande gebracht, um das Ausſchiffen zu erleichtern, der durch eine Batterie von ſechs Kanonen von großem Kaliber geſchuͤ tzt wird. Gleich nachdem man von der Rheede auf dem Kay an— gekommen iſt, muͤ ſſen die Kaͤ hne ins offene Meer zurück: geſchickt werden, ſonſt würde das An- und Zuruͤ ckſchlagen der Meereswellen gegen die Stufen, die in dem Winkel des Hafendammes angebracht ſind, um zum Ausſchiffen dienlich zu ſeyn, ſie bald zerbrochen haben. Die Schiffe, welche nach St. Crux kommen, nachdem ſie um die Spitze Anagaͤ nordoͤ ſtlich der Inſel geſegelt find, muͤ ſſen ſich fo viel moͤ glich dicht am Lande halten, um das Laviren zu vermeiden, und zu dem Ankerplatz zu gelangen, weil die Winde gewoͤ hnlich von Nordoſten nach Nordweſten wenig— ſtens waͤ hrend der Winterzeit wehen. Wollte man anders *) Breite 280 28/ 30/. Länge 180 36/. (Borda's Karte des Oceans im Depot der Marine; Connaissances des tems an. 15.) Nach Bonne hingegen, Breite 289 25 51. Laͤ nge 189 344. Nach Voyage de la Perouse autour du monde, redige par Millet. Mureau an 6. tom. 2. S. 20. Breite 289 274 3011, Laͤ nge 189 3641 30/. Nach Relation du Voyage à la recherche de la Perouse, par La Billardiere. An 8. tom. 1. Breite 280 294 35/1. Laͤ nge 189 364. * — du. 9 nnen 1 zu Werke gehen, fo ſetzte man ſich der Gefahr aus, vom Winde umhergetrieben zu werden, und erſt nach mehreren Tagen anlangen zu koͤ nnen ). An einigen Stellen iſt der Grund felſigt; deßhalb duͤ rfen die Schiffe ihren Anker nur dann von Nordweſten werfen, wenn ſie um die am meiſten gegen Oſten gelegene Feſtung geſegelt ſind, und ſie nordoͤ ſtlich vom Kompaß in einiger Entfernung von einer Viertelmeile bleiben. In dieſem Bezirk findet man bei fuͤ nf und zwanzig Klafter Tiefe einen guten Grund von ſchwarzem ſchlammigen Sande, und die Anker wuͤ rden darin gut feſt halten, waͤ re nur der Abhang gegen das hohe Waſſer hin weniger bedeutend. Der zweite ſuͤ doͤ ſtlich ausgeworfene Anker wird bei 30 bis 35 Klafter denſelben Boden finden; indeß muß man wenigſtens ein ganzes Kabeltau herauslaſſen, damit er feſt halten koͤ nne, und damit das Schiff feſt liege. So bald die Winde ſuͤ doͤ ſtlich oder ſuͤ dlich ſind, ſo ſchwillt das Meer ſogleich an, und wird unruhig. Nachdem man mittelſt des Ankers feſt liegt, pflegt man ſeine Taue bis zu zwei Drittheil ihrer Einzwaͤ ngungslinien mittelſt eines Fahrzeuges zu viſitiren, und darüber von Diſtanz zu Dis ſtanz leere gut verſtopfte Tonnen zu legen, welche dann eben ſo viele Ankerbojen bilden, um fie aufrecht zu erhal— ten. Auf dieſe Weiſe befinden ſie ſich nicht auf dem Grunde, und laufen keine Gefahr beſchaͤ digt zu werden. *) Vom Oktober bis zum Maͤ rz ſind die Winde auf St. Crux ſehr unbeſtaͤ ndig, und oft fuͤ r die auf der Rheede vor Anker liegenden Schiffe gefaͤ hrlich, indem fie, gegen die Kuͤ ſte geworfen zu werden, ausgeſetzt ſind. Der Reiſende Glatz führt S. 235 ein ſchreckliches Beiſpiel hievon an. | I | ’ 49 Um drei Uhr an den Tagen des Neu- und Vollmondes iſt hohes Meer; es ſteigt zwoͤ lf Fuß in den Zeiten der Syzigieen, und ſechs in den Vierteln. Fleurieu ) 1. — 288. — Die großen Schiffe koͤ nnen nur mit Schwierigkeit auf St. Crux ausgebeſſert werden, weil es hier kein wohl ver— ſehenes Werft gibt, wo ſte Maſten, Segel oder Tauwerk vorraͤ thig faͤ nden; hingegen koͤ nnen fie dort Waſſer, Wein, Fruͤ chte, Gemuͤ ſe, Ochſen, Haͤ mmel, Schweine, Gefluͤ gel, geſalzene Fiſche, zuſammen gut, antreffen. Die Lebens- mittel findet man auf St. Crux ſo trefflich und ſo wohl— feil, daß nach dem Rath dreier berühmten Reiſenden **) die europäifchen Schiffe, welche lange Reiſen unternehmen, eher auf Teneriffa, als auf Madera anlanden ſollten. ) Abweichung von der Magnetnadel auf der Rheede von St. Crux, 14° 417 20% weſtlich, und die Neigung der noͤ rdlichen Spitze der Magnetnadel 619 52/ 30%. (Cook's dritte Reiſe. Paris 1785. 4ro tom. 1. S. 28.) Borda gibt der Abweichung der Buſſole auf der Rheede von St. Crux 15° 30/ weſtlich. (Voyage 1. 72.) Staun⸗ ton 179 35“ (Voyage de Macartney en Chine, Paris, Ar- thur Bertrand, an 7, t. I.) und Van Couber, 169 384, (Voyage tom. 1: 4to pag. 34. **) Cook's dritte Reife Th. 1. S. 21. Macartney Reife nach China Thl. 1. S. 121. und La Billardiere Voyage à la ré- eherche de la Perouse. T. I. p. 31. | Le Dru Reife, 1. Bd. Fuͤ nftes Kapitel. Reiſe nach Lagung — Nachricht über dieſe Hauptſtadt — Gottesdienſt — Klöſter — Bibliotheken — Berge und Schluchten die ſie umgeben. 5 — une Der Weg, welcher von St. Crux nach Laguna, der Hauptſtadt der Inſel, fuͤ hrt, iſt zwei Meilen lang, voll Kruͤ mmungen, ſteil und beſchwerlich. An der linken Seite dieſes Weges, welcher am meiſten auf Teneriffa beſucht wird, erblickt man einige angebauete Laͤ ndereien, aber die meiſten ſind mit Steinen aͤ ngefuͤ llet, wodurch dann die Be⸗ ſtellung ſehr ſchwer wird. Rechts hoͤ rt die Ausſicht ploͤ tz⸗ lich auf durch Berge, worauf ſich keine Baͤ ume, ſondern Euphorbien befinden; an ihrem Fuße wachſen in Menge die Cactus Opuntia, der Ficus - Carica, der Agave - America, u. ſ. w.; der Blätter dieſer letzten Pflanze, die wie Rinnen ausgehoͤ lt find, bedient man ſich um die Hütten. der Armen damit zu decken. Auf dieſem Weg kommt man bis unter die Kanonen einer auf Felſen neu angelegten Feſtung durch, deren Einnahme ſehr ſchwer halten wuͤ rde. / * \ 51 Vergebens ſuchte ich in Laguna ein Wirthshaus um auszuruhen; die Stadt bietet keines dar. Hierauf beſuchte ich den Marquis de Villanueva „ der mir edler Weiſe fein | Haus anbot ). Im Jahre 1582 ward Laguna vu von der Peſt heim⸗ geſucht, wodurch die Halfte ihrer Einwohner umkam. Der Kapitän Lazaro-Moreno, welcher aus der Levante dort | *) Hr. v. Villanueva, Kammerherr des Königs, aus einer 5 berühmten Familie entſproſſen, die ſich ſeit drei hundert Jahren auf den kanariſchen Inſeln niedergelaſſen hat und - mit den ehemaligen Koͤ nigen von Leon **) verwandt iſt, iſt einer der reichſten und ausgezeichnetſten Landeigenthuͤ mer dieſes Inſeelmeeres. Durch die Reiſen nach Italien, Spa— nien, England und Frankreich hat er ſich trefflich ausge— bildet. Er iſt ein guter Gatte und Vater, und ſein Haus ſtehet den Ungluͤ cklichen offen. — Ohne Pracht, ohne Stolz, haͤ lt es leicht bei ihm Zutritt zu erhalten, und ſeine Sprache | iſt aufrichtig. Er beſitzt eine Bibliothek von 2000 Bänden, | worunter ſich die beften franzöſiſchen Werke befinden, und ſpricht korrekt unſere Sprache. Ich bin mit dieſem treffli⸗ chen Manne in genaue Verbindung getreten; und die Dienſte, welche er mir während meines Aufenthalts auf Teneriffa geleiſtet, haben es mich empfinden laͤ ſſen, wie vortheilhaft es für einen Fremden ift, fern vom Vaterlan— de, jene wohlwollende Hoſpitalitaͤ t zu finden, wodurch die Freundſchaft fo ſehr erhoͤ het wird. * 5 Memorial de los meritos y servicios de los Marqueses de Villa Nueva de Prado, en Canarias. Madrid H. Pacheco 1789. 16 S. in fol. | *) Laͤ nge 180 397 30/ nach Feuillée/ Breite 280 28/ 304 , nach Thomas Lopez. — Zufolge Bonne iſt die Länge 180 29% die Breite 189 37 544 D 2 52 mit verpeſteten Teppichen anlangte, brachte ſie dorthin. Im Jahre 1697 verzehrte eine Feuersbrunſt einen Theil ihrer Haͤ uſer. Die Bevoͤ lkerung dieſer Stadt, mit Inbegriff der Laͤ n⸗ dereien, welche davon abhaͤ ngen, belief ſich im Jahr 1776 auf 8796 Menſchen; heut zu Tage beträgt fie aber nicht mehr als 8000. Dieſe Verminderung ruͤ hrt hauptſaͤ chlich von der häufigen Auswanderung der Stadtbewohner her, wovon die meiſten arm und keine Eigenthuͤ mer find, und die eine Stadt verlaſſen, welche keine Induſtrie gewaͤ hrt, um eine beſſere Exiſtenz in St. Crux oder in Amerika an den Kuͤ ſten von Caracas zu ſuchen. Ihr Handel beſtand ehemals in Wein und in Brandtewein. Laguna war zu der Zeit bevoͤ lkert, reich, bluͤ hend; ihre Wohlhabenheit dauerte bis 17065 um dieſe Zeit ward der am haͤ ufigſten beſuchte Hafen Garachico durch einen volkaniſchen Ausbruch zerſtoͤ rt. St. Crux, zu der Zeit nur eine Bucht fuͤ r die Fiſcher, ward bald ein Ruheplatz fuͤ r die Schiffe, welche vorher auf der Rheede von Garachico vor Anker gegan— gen waren. Laguna konnte die Konkurrenz mit der neuen Stadt nicht aushalten, die den Vortheil einer gluͤ cklichen Lage fuͤ r ſich hatte, und ihr Handel zog ſich gaͤ nzlich dort⸗ hin. Dieſe traurige Hauptſtadt iſt nun die Reſidenz eines Theiles des Adels der Inſel, einiger Kaufleute, die ſich aus dem Handel zuruͤ ckgezogen haben, und der hoͤ hern Ge— richtshoͤ fe. Eine andere Urſache trägt auch dazu bei fie zu entvoͤ lkern; man rechnet dort noch über zwei hundert Or— densgeiſtliche und Weltprieſter, welche ſich im Beſitz der ſchoͤ nſten Ländereien der Inſel befinden, und doch nicht die Hälfte deſſen daraus ziehen, was ſie thaͤ tigern Be⸗ nutzern gewaͤ hren wuͤ rden. a | 5 53 Die Straßen von Laguna ſind ziemlich gerade, breiter als die von St. Crux, und ihre oͤ ffentlichen Plaͤ tze ſiehet man mit Fontainen geſchmuͤ ckt, woraus klare Gewäſſer ſpringen, welche von einem hoͤ lzernen Aquedukt herbeige— führt werden. Dieſe auf der Inſel am meiſten uͤ ber die Meeresflaͤ che hervorragende Stadt hat eine ſehr feuchte Luft; daher dann die ſehr große Menge von Sedun und Farrenkraͤ utern, womit die Mauern derſelben ganz uͤ ber⸗ zogen find. Vom Dezember bis zum März empfindet man eine um ſo heftigere Kaͤ lte, da die Kamine hier nicht üblich find. Es regnet hier oft, aber nicht lange; alsdann fiehet man die Spitze der Berge mit Duͤ nſten bedeckt, die ſich auf die Ebene hinunterziehen „ indem fie der Richtung der Winde folgen; dieſe Duͤ nſte zergehen und verſchwinden in dem Maaß wie fie ſich dem Meere nähern. Die Stadt Laguna iſt neben einem See erbauet, von welchem fie ihren Namen führt. Dieſer See, von ungefähr 30 Hectars ), iſt nur in der Regenzeit voll. Die Ufer ſind Gemeinweiden, worauf ich nur mageres Vieh geſehen, weil das emporkeimende Kraut zu früh von den Heerden Schaafe abgefreſſen wird, die ihm dann keine Zeit zum Wachſen gewähren. Man koͤ nnte, indem mit wenigen Koſten, Abzuͤ ge angelegt würden, dieſe Maſſe Waſſer aus: trocknen, und den Boden in Felder oder in fruchtbare Wie: ſen verwandeln. Laguna hat vier Manns und zwei Frauenkloͤ ſter; in jenen befanden ſich im Jahre 1776, 180 Mönche, in die⸗ ſem im Jahre 1745, ungefaͤ hr 170 Nonnen. Uebrigens war im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts die Zahl *) Ein Hectar betraͤ gt ungefähr zwei Morgen. 54 dieſer Moͤ nche weit bedeutender; den Fortſchritten der Vernunft verdankt man es indeß, daß der Moͤ nchsgeiſt auf den canariſchen Inſeln eben fo wie in Europa erloͤ ſcht. Unter den Geiſtlichen fuͤ hre ich mit Lob die der beiden Pfarrkirchen als aufgeklaͤ rte, tolerante und rechtliche Maͤ n⸗ ner an, welche von den Armen, die fie unterſtuͤ tzen, geliebt werden, und in großer Achtung ſtehen. Die ſchöͤ nſte Kirche dieſer Stadt if die der Notre Dame des Remedes (Liebfrauenkirche). Die 1767 in Genua verfertigte Kanzel iſt ein Meiſterſtuͤ ck von Bild» hauerarbeit; es iſt ein mit allegoriſchen Figuren geſchmuͤ ck⸗ ter Korb, der von einem auf einem Sockel aufrecht befind— lichen Engel getragen wird. Kr Der gefühlvolle Menſch ſeufzt aber in dieſem Tempel beim Anblick von dreien entſetzlichen Gemaͤ lden. Die erſtern beiden zeigen uns ſechszehn Koͤ pfe von Ketzern, welche von der Inquiſttion “) verurtheilt wurden. „) Ums Jahr 1532 ward die Inquiſition auf Teneriffa einge⸗ führt. In den meiſten Kirchen lieſet man das gedruckte Verzeichniß ſolcher Buͤ cher, die von dieſem verhaͤ ßten Tri⸗ bunal verboten, und als ketzeriſch / gotteslaͤ ſterlich und an⸗ ſtößig verdammt wurden. An Ort und Stelle habe ich dieſe merkwürdige Liſte von Werken abgeſchrieben, wovon einige als Werke der Beredſamkeit und des Genies, die wahrhaften Grundſaͤ tze der Moral enthalten: Montesquieu — Esprit des loix. 1756. to. Brissot — Theorie des loix eriminelles. Berlin 1781. Picard — Ceremonies réligieuses. 1783. 4 vol. in fol. Condillae — Cours d'études. 12 vol. in gvo. Filaugieri — Science de la legislation. 1782. 6 vol. 55 Von dieſen Schlachtopfern kamen vier in den Flam— men um, indem man ihnen das Verbrechen, der Zauberei, der mahomedaniſchen oder juͤ diſchen Religion anzuhaͤ ngen, zur Laſt legte; ein Guanche von Teneriffa, 1557; ein Maure 1576; und zwei Portugieſen, der eine im Jahre 1526, der andere 1559; die Inſchrift gibt es an, daß die Ungluͤ cklichen in Palmas, der Hauptſtadt von Canaria, verbrannt worden ſind. Das zweite Gemaͤ lde empoͤ rt eben ſo ſehr; ein Ketzer liegt auf den Knieen, und uͤ berreicht mit dem Ausdruck des lebhafteſten Schmerzens das Buch, welches feine Irrthuͤ mer enthält, einem Heiligen vom Karmelitenorden, der ihn bei den Haaren faßt, und ihm einen Dolch ins Herz ſtoͤ ßt, waͤ hrend ein anderer Moͤ nch mit dem Helm auf dem Kopfe das Zeichen zur Execution gibt. Zu ihren Fuͤ ßen flehet eine Maure dieſe Henker um Gnade an. Im Hintergrunde des Gemaͤ ldes erblickt man einen Dreimaſter, worauf ſich mehrere Mon: che als Zeugen dieſes Blutbades befinden. Racine — Abrege de l'histoire ecelésiastique. Marmontel — ontes moraux. 1756. 2 vol. Lanjuirais — Le Monarque accompli. 1776. 3 vol. Smith — Causes de la grandeur et richesses des nations. 1788. 2 vol. 8vo. Paw — Recherches philosophiques sur les Americains, Londres. 1771. 3 vol. Necker — Importances des opinions religieuses. 8vo. Laport — Voyageur frangois. 28 vol. Burke — Reflexions sur la revolution francoise. Voltaire — Oeuvres completes. Nouveau voyage en Espague. 1777 — 1778. Londres 1762. 2 vol. in gvo. % 1 | 56 In Frankreich habe ich keinen ſo prachtvollen Gottes⸗ dienſt, keine ſo reich gezierten Kirchen geſehen, als in Laguna. Ich befand mich den Sten December in dieſer Stadt; es war dieß ein Feſttag für die Pfarrkirche der Conception; ich war bei der religiöfen Ceremonie gegen⸗ waͤ rtig. Die Mauern waren mit rothem Atlas ausge⸗ ſchlagen; die Stufen des Allerheiligſten, die des Altars, und das acht Meter hohe Tabernakel mit Streifen von ge⸗ triebenem Silber bekleidet, welche das Licht von acht hun⸗ dert auf ſilbernen Armleuchtern befindlichen Wachskerzen zuruͤ ckwarfen. Am Eingange des Allkerheiligſten befand ſich ein mit eben ſo vieler Pracht aufgebauter Altar, wor⸗ auf man die Statue der Maria wahrnimmt, zu ihren Fuͤ ßen eine goldene Kugel, und das Haupt iſt mit einer Krone von Diamanten geſchmuͤ ckt, und fie in dem Coſtum der Madonna von Loretto in einer Robe von Goldſtoff, die ſte vom Halſe an bis auf die Züfe bedeckt; hiezu denke man ſich nun noch vergoldete mit Juwelen beſetzte ſilberne Vaſen, ſechszig in Gold- und Silberſtoff geklei⸗ dete Prieſter, fünf und zwanzig bis dreyßig der erſten Ein⸗ wohner in atlaſſenen Maͤ nteln, die auf ſammtnen Baͤ nken ſaßen, eine ungeheure Menge Menſchen, eine ziemlich gute Muſik, welche die Meiſterſtuͤ cke von Italien vor⸗ trug, und man hat eine Skizze von dem aͤ ußern Gottes⸗ dienſt von Laguna bei großen Feierlichkeiten. Die im An⸗ fange des vorigen Jahrhunderts von Hetz, einem fran⸗ zoͤ ſſchen Kuͤ nſtler, verfertigte Kanzel iſt wegen Eleganz der Zeichnung und Richtigkeit des Schnitzwerks merk⸗ würdig. . | 1 Als ich das Dominikanerkloſter beſuchte, hielt ich mich einen Augenblick vor einem ziemlich ſeltſamen in dem 57 Kreuzgange befindlichen Gemälde auf; dieß ſtellet naͤ m⸗ lich den heiligen Dominikus dar, zu den Fuͤ ßen der Ma— ria, dem die Milch in den Mund fließt, welche die heilige Jungfrau aus ihrer entbloͤ ßten Bruſt ausſpritzen läßt, Nachgehends bat ich, die Bibliothek ſehen zu duͤ rfen, die man mir als die vorzuͤ glichſte von Teneriffa geruͤ hmt hatte. Sie faßt 12,000 Baͤ nde, worunter ich kaum 500 rechne, die da aufbewahrt zu werden verdienen; dieß ſind die Werke von Petau, Ponjot, N. Alexandre, Calmet, Vence, Maſſillon, Bourdaloue, Boſſuet, Millot, Marſy; einige gute von den Benediktinern veranſtaltete Ausgaben der Kirchenvater. Man ſagte mir, es waren noch andere Buͤ cher in dem Hauſe verborgen, und auf die Liſte der verbotenen geſetzt, unter andern Fleury's Kirchengeſchichte, ich durfte ſie aber nicht ſehen. Die Bibliothek der Auguſtiner bot mir nichts anderes Intereſſantes dar, als die Werke des Virgils, Tacitus, Plinius, Sannazad und Calmet; alle uͤ brigen gehen nur dahin, die ſcholaſtiſchen Ideen des 13ten Jahrhunderts zu verewigen. Das eine Viertelmeile von der Stadt gelegene Kloſter von St. Diego del Monte, welches die Franziskaner inne haben, gewaͤ hrt nichts anderes Merkwuͤ rdiges als einen 1648 in die Kirche geſtellten Sarg von weiſſem Mar⸗ mor. Dieß Monument ſtellet Don Juan de Ayala, den Gruͤ nder des Kloſters vor, wie er auf den Knieen auf einem Pult ein offenes Buch haͤ lt. Sein runder, an der einen Seite in die Hoͤ he geſchlagener Hut, ſein Schnurbart, ſein runder krauſer Kragen, ſein kurzer Mantel und ſeine Ruͤ ſtung deuten einen von den tapfern ſpaniſchen Rittern des ſiebenzehnten Jahrhunderts an. N N 3 58 Unter den die Ebene von Laguna umgebenden Bergen unterſcheidet man den Tafelberg, der ſeinen Namen davon fuͤ hrt, daß er einem ungleichſeitigen Wuͤ rfel aͤ hnlich ſiehet. Er liegt noͤ rdlich eine halbe Meile von der Stadt auf dem Wege von Tegine. Auf der Spitze dieſes Berges, der in Ueberfluß Lavendel hervorbringt, hat das Auge einen ſchoͤ nen Horizont. Von dieſem Punkt aus, wo ich gern hinauf kletterte, erblickte ich ſuͤ dweſtlich die reichen Felder von Tacaronte und den Pie von Tes neriffa, deſſen Spitze bis in die Wolken geht. Zu meinen Füßen wurde eine, eine Meile breite und ungefaͤ hr zwei Meilen lange Ebene ſichtbar, derer fruchtbarer bewaͤ ſſerter Boden alle Kornarten Europens trägt; gegen Norden ein Wald von Lorbeerbaͤ umen; weſtlich das mit Wein— bergen und Schaafen bedeckte Thal von Tegueſte; gegen Süden das in einem Halbzirkel am Ufer des Sees er— baute Laguna. Oeſtlich von dieſem Orte dicht bei dem Wege, der nach St. Crux führt, trifft der Naturforſcher merkwuͤ rdige Berge und Schluchten. Der Grund von dieſen iſt ſtei— nig und ſechs Monate des Jahrs trocken; er faßt indeß einige einzelne Plaͤ tze in ſich, die mit vegetabiliſcher Erde bedeckt ſind, und worauf man Fruchtbaͤ ume pflanzen koͤ nnte. Auf den Seiten der Berge waͤ ren fuͤ r ein gewerb⸗ fleißigeres Volk mit Nutzen Wein und Luzerne zu bauen; ihre Gipfel bieten hinreichende Weiden dar, worauf dann die benachbarten Grundeigenthuͤ mer täglich ihr Vieh trei— ben laſſen. Dieſe Gewohnheit fuͤ hrt mehrere Unbequem⸗ lichkeiten herbei; erſtlich freſſen dieſe Thiere, die acht bis zehn Stunden Mangel an Waſſer leiden „wenig, und verdauen ſchlecht, daher ihre außerordentliche Magerkeit; IT 9 ferner zertreten ſte mehr Kraͤ uter als ſie freſſen; drittens trocknet ihr Abgang ſchnell auf, und gibt gar keinen Dauͤ n— ger. Mehr Vortheil würde es gewähren, dieſe Weiden in Wieſen zu verwandeln, und ſie ſo wie in Europa zu maͤ hen; auf die Weiſe wuͤ rden die im Stalle gegen das Feuer einer brennenden Sonne geſchuͤ tzten Pferde und Kuͤ he ſtaͤ rker und fetter werden, und einen fuͤ r die Frucht— barmachung des Bodens trefflichen Duͤ nger geben. Die Schlucht oder der Baronco, welche von Laguna bis zum Ocean laͤ uft, iſt eine der merkwuͤ rdigſten der In— ſel. Tief, winklicht, und von einem immerwaͤ hrenden Strom gefurgt, der hie und da huͤ bſche Waſſerfaͤ lle bildet, laͤ uft ſie zwiſchen zweien hohen krummgaͤ ngigen und unre— gelmaͤ ßig auf einander gehaͤ uften Felſenwaͤ nden. Gegen die Mitte dieſes Baranco findet man die ſchoͤ nſten Casca⸗ den der Welt. Der Strom, welcher ſie bildet, koͤ mmt von dem nach St. Crux laufenden Wege. Iſt er an den Rand der Schlucht gelangt, ſo ſtuͤ rzt er ſich uͤ ber ſechszig Metres tief hinab, bricht ſich an den Felſen, welche den Grund davon bedecken, ſprudelt und ſpringt bis zu einer anſehn⸗ lichen Entfernung. * 60 Sechstes Kapitel. Reiſe nach Tegueſte und nach Tegine — Weg von St. Crux nach Candelaria und nach Guimar — Religionsfeſte. Tegueſte liegt zwei Meilen weſtlich von Laguna am Ufrr des Meeres. Wenn man eine Stunde dem Weg, der nach Tacaronte führt, gefolgt iſt, verlaͤ ßt man ihn um in ein Thal rechter Hand hinunter zu ſteigen. Dieſer neue Weg iſt ſehr haͤ ßlich und bietet zahlreiche, durch Stroͤ me ausgehoͤ hlte Abgruͤ nde dar. Tegueſte, das im Jahr 1776 840 Einwohner zaͤ hlte, hat eine angenehme Temperatur. Ich nahm eine große Menge zerſtreuet auf den Feldern wachſende Drachenbaͤ ume “) wahr. f Ehemals gab das aus dem Drachenbaum gezogene Harz einen wichtigen Gegenſtand des Handels für Tenes riffa ab; die Bewohner haben es verabſaͤ umt durch junge Anpflanzungen die alten durch zu häufigen Ausfluß er⸗ ſchoͤ pften Baͤ ume zu erſetzen, und dieſe Quelle wird daher bald verſiegen. Es gibt vielleicht nicht fuͤ nfzig Drachen⸗ baͤ ume auf der Inſel. 1 Das gegen Norden eine halbe Meile von Tegueſte er⸗ bauete Dorf Tegine, wuͤ rde von groͤ ßerer Bedeutung ſeyn, waͤ ren die Haͤ uſer weniger zerſtreuet; im Jahr 1776 zählte man dort 911 Einwohner. Die Ländereien deſſelben, ſo *) Dracena draco. Linn. : 61 wie die von Tegueſte find fruchtbar, und mit Getraide und Wein bedeckt. Ich habe dort mehr Fruchtbaͤ ume wahrgenommen als an irgend einer andern Stelle der Inſel. Der Weg von Tegine nach Laguna laͤ uft an einer tie— fen Schlucht her, der ſogar an einigen Stellen furchtbar iſt und huͤ bſche Waſſerfaͤ lle darbietet. Die Seiten find mit einer Menge von Vegetabilien beſetzt, welche ſelbſt der | fühnfte Botaniſt nicht abzubrechen verſuchen würde. Das Dorf Candelaria iſt auf der Inſel wegen eines Feſts beruͤ hmt, das dort jaͤ hrlich am 2. Februar gefeiert wird, und eine Menge Andaͤ chtige hin ziehet. Aus Neu— gierde begab ich mich den Abend vorher dorthin, nebſt Herrn Clerget, meinem Collegen und zweien andern Fran⸗ zoſen. Wir nahmen zu unſerm Dienſt waͤ hrend der Reiſe einen Fuͤ hrer und ſechs Mauleſel. Der Weg von St. Crux nach Candelaria iſt einer der beſchwerlichſten, bis man auf den von Laguna ſtoͤ ßt, der jaͤ hrlich mit bedeutenden Koſten auf Befehl des Corregidor dieſer Stadt, welcher der Feyerlichkeit beizuwohnen ver— pflichtet iſt, ausgebeſſert wird. Die Felder, die wir paſſir— ten, waren außerordentlich trocken; man trifft darauf kei— nen Baum, und kaum zwei ſchlechte Hütten an. Unge⸗ | heuere Arbeiten find erforderlich geweſen, um einen Theil dieſes verbrannten Bodens in Kultur zu ſetzen, und um jedes Eigenthum mit einer unfoͤ rmlichen ſteinernen Mauer ohne Verbindung zu umgeben. Wir begegneten zahlreichen Zuͤ gen von Canariern, welche zu dem Feſte eilten; ſie kuͤ n— digten ſich von weitem durch eintoͤ nige Geſaͤ nge an. Dieſe Gruppen von Wallfahrern waren ein wenig von denen in Griechenland verſchieden, die ſich ehemals zu den religioͤ ſen 62 Ceremonien von Delphos und Olymp begaben, wovon Anacharſis redet ). Candelaria **) liegt in dem oͤ ſtlichen Theile der Inſel, am Rande des Meeres, auf einem ſandigen Ufer, vier Meilen und ſuͤ dweſtlich von St. Crux. Ihr Territorium faßte im Jahre 1776, 1895 Menſchen in ſich. Die Mannsperſonen ſind dort groͤ ßtentheils Fiſcher. In die⸗ ſem Dorfe gibt es kein Wirthshaus. Wir mietheten ein mit Moͤ beln verſehenes Zimmer. Den Tag darauf ging. ich nebſt meinen Neiſege che nach Guimar, einem zwei und eine halbe Mejle ſuͤ dlich von Candelaria 1 bedeutenden Dorfe ab. Ein noch muͤ hſeliger Weg als der von St. Crux lauft durch ein ſo nacktes als trocknes Feld, das links vom Ocean, rechts von einer Kette ſehr hoher, an einigen Stellen mit Tannen und Schnee bedeckten Berge, eingefaßt iſt. Als wir eine Stunde gegangen waren, kamen wir uͤ ber ein Bett von grauer ſehr harter Lava, welche aus der Spitze des Berges hervorkommt, deſſen Seiten genau be— zeichnet, und bis ans Meer drei Meilen, zwanzig bis drei— ßig Metres breit, fortlaͤ uft. Dieſe Lava ward 1709 a) von einem Volkan ausgeworfen, wovon ſich der Crater noch auf der Spitze des! Berges, der an dieſer Stelle ſehr geſunken iſt, befindet. Dieſer entſetzliche Ausbruch ver⸗ zehrte das Zuckerrohr, worin der Reichthum von Guimar beſtand. Auf die Aſche fäeten die Einwohner ſofort Korn, 2 1105 age en Grece, tom 2. in 8vo. p. 442; tom 65 p. 412. 40 Nach Lopez war die Breite des Forts 289 19054“ — 280 20%; nach der Carte im Depot und 289 a 40/ nach Bory St. Vincent. ) Vom 25. December 1704 bis zum 27. März 17035. 8 63 erhielten indeß nur geringe Erndten. Seit vierzig Jahren haben fie ftatt deſſen Wein gebauet; und der gluͤ ckliche Er— folg hatte ihre Verſuche ſo ſehr gekroͤ nt, daß das ſonſt arme und wenig bekannte Guimar ſchnell ſeinen Reichthum und ſeine Bevoͤ lkerung hat verdreifachen ſehen. Dieß fuͤ nf viertel Meilen vom Meere erbauete Dorf zaͤ hlt eine große Menge neu erbaueter Haͤ uſer, und nimmt täglich zu. Die Bevoͤ lkerung ſeines ganzen Gebietes ſteigt auf wenig— ſtens 3600 Seelen. Man trifft dort viele Feigenbaͤ ume. Als ich nach Candelaria zuruͤ ckkehrte, ſtattete ich noch nebſt Herrn Clerget dem Corregidor einen Beſuch ab, der uns zu Tiſch behielt. Das Gaſtmahl war koſtbar; es waren dort ſechs und vierzig Perſonen. Des Abends gin— gen wir in dem Dorfe ſpatzieren. Die ehemalige, dem Gottesdienſt der Maria geweihete Kirche war reich ver— ziert; ſie brannte vor mehreren Jahren ab. Es iſt den Dominikanern geſtattet worden, durchgehends auf den canariſchen Inſeln zu ihrer Wiederaufbauung zu ſammeln. Die Koſten hiezu mögen ſich uͤ brigens vielleicht auf 300,000 _ Franken fuͤ r dieſe Inſeln belaufen, welche nur ſchlechte Wege, hoͤ lzerne Waſſerleitungen haben, und deren reichſte Landbauer lediglich zur Hälfte die zur Kultur des Landes | nothwendigen Gebäude beſitzen. 8 | Die ſpaniſche Regierung wendet alle Jahre 500 Piaſter für die Ceremonie de Candelaria auf. Warum nimmt der Carregidor, dem dieſe Summe anvertraut iſt, nicht lieber einen Theil dazu, die Felder mit Fruchtbaͤ umen zu beſetzen, und das zu den ee ee nothwendige Waſ— ſer aufzubewahren? Indeß man nun auf die Wiedererbauung des neuen Tempels wartet, haben die Dominikaner eine Kapelle zu 64 Stände bringen laſſen, die zum Theil in den Felſen ges hauen iſt. In den Umgebungen trafen wir eine Menge Pilgrimme an, die ſich mehr den Vergnuͤ gungen als der Andacht uͤ berließen; manche tanzten und ſangen nach der Guitarre, andere tranken in den Wirthshaͤ uſern; einige Bauern, die andaͤ chtiger als die uͤ brigen waren, rutſchten auf den Knieen, eine Wachskerze und einen Roſenkranz in der Hand von der aͤ uſſeren Thuͤ r des Kloſters bis zum Altar der Heiligen: hier bemaͤ chtigte ſich dann ein Moͤ nch der Kerze, und empfing das Geld, welches aus Gottes— furcht dargeboten wurde auf einer kleinen Schaale. Unter dieſen Gottesfuͤ rchtigen erblickte ich eine junge Frau von einem intereſſanten Geſichte, deren Anzug Wohlhabenheit ankuͤ ndigte, die ebenfalls auf den Knieen fortrutſchte; ſie hielt ein vier- bis fünfjähriges Kind an der Hand, das an ihrer Seite ging. Ich folgte ihr bis an die Stufen des Altars, wo ſie mehrere kleine Wachskerzen anzuͤ ndete. um ſechs Uhr führte uns der franzoͤ ſiſche Kommiſſair zu den Erfriſchungen, die uns der Corregidor vorſetzen ließ; ich traf dort eine obwohl zahlreiche aber auserle⸗ ſene Geſellſchaft. Die Frauenzimmer befanden fi ſich im Hin⸗ tertheile des Saales, die Mannsperſonen beim Eingange⸗ Bald nachher traten die Moͤ nche herein, welche ſich vom Altar an den Tiſch begaben; als ſie hinaus gegan— gen waren, gab der Corregidor das Zeichen zu den Ver⸗ gnügungen. Wir ſahen hierauf einige mit eben ſo vieler Grazie als Leichtigkeit . ſpaniſche und kanariſche Taͤ nze. 81 Ceres und dem Bachus verſchoͤ nerte Ebene. Im Jahre 1776 befanden ſich 1376 Einwohner darin. Die ſuͤ dweſtliche und ſuͤ dliche Gegend iſt am meiſten volkaniſch, bergig, und am unbevoͤ lkertſten. Die von dem Pier ausgeworfenen Laven ſcheinen am meiſten gegen dieſen Theil der Inſel hingefloſſen zu ſeyn. Von der Spitze Te- no noͤ rdlich dieſer Gegend bis zu der Las Galetas gegen Süden, iſt die ganze Kuͤ ſte mit kaleinirten Bergen beſetzt, wovon einige den Anblick einer grauſenvollen Nacktheit darbieten. In dieſem Zwiſchenraum trifft man nur drei Doͤ rfer. Die Lage des erſten gewaͤ hrt ihm gewoͤ hnlich eine kalte Temperatur. Auf ſeinem verbrannten Boden leben 687 Menſchen. Man rechnet deren 975 im zweiten, das der Spuren wegen merkwuͤ rdig iſt, die noch von ehemali— gen Volkanen zu ſehen ſind, welche deſſen Felder verwuͤ — ſtet haben. Adefe ) heut zu Tage zwar von weniger, indeß im ſechszehnten Jahrhundert von großer Bedeutung, ſeiner Bevoͤ lkerung und Zuckerſiedereien wegen, welche 1000 Ars beiter in Bewegung ſetzten. In unſern Tagen traͤ gt ſein ziemlich fruchtbarer Boden ungefähr. 5000 Fanegas Wei: zen, 1200 Arroben Zucker, und ernaͤ hrt einige Kameele. Seine über der Meeresflaͤ che erhabene Lage gewährt ihm eine ſchoͤ ne Ausſicht und eine mittlere Temperatur zwi— ſchen der von Laguna und Orotava. Im Jahre 1776 ſchaͤ tzte man deſſen Bevoͤ lkerung auf 857 Menſchen. Dieſe drei Communen unterhalten einige Handelsverbindungen mit Gomera. Aus dem nicht weit von dem Dorfe dieſes 9 280 91 nördl. Br.; 190 6/ weſtl. L. Nach der Karte im Depot. ri Le Dru Reife, I. Bd. 5 82 Namens gelegenen Hafen Adefe, und dem ſuͤ dlicher gele— genen Los Chriſtianos werden die Produkte dieſes Theiles der Inſel ausgefuͤ hrt. Chaſna, das auch Villaflor heißt, liegt zwei Meilen von Adefe, zwölf von Laguna und drei vom Meere. Dieß iſt der am hoͤ chſten bewohnte und auch der kaͤ lteſte Fleck auf Teneriffa. Der hier oft ſtrenge Winter bedeckt dieß Dorf mit vielem Schnee; indeß iſt der Boden dennoch außerſt fruchtbar, er trägt zu Zeiten hundert- bis hundert zwanzigfaltig. Chafna iſt wegen ſeiner trefflichen Kine⸗ ralwaſſer berühmt. Die Berge, die es umgeben, ſind mit Jichtenwaldungen bedeckt, die ſich bis an den Fuß des Pic hinunterziehen. Im Jahre 1770 belief ſich die Be⸗ voͤ lkerung dieſer Commuͤ ne auf 2586 Menſchen. Granadilla, das an Villaflor graͤ nzt, theilt feine Frucht⸗ barkeit, und genießt einer ſchoͤ nen Temperatur, da es nicht ſo hoch liegt. Man ſchaͤ tzt deſſen Bevölkerung auf 1408 Menſchen; ſein Boden nährt viele Heerden Schaafe. Die oͤ ſtliche Kuͤ ſte von Teneriffa laͤ uft fort, wenn man gegen Norden hinaufgeht, bis ungefaͤ hr neunzehn Meilen, vom rothen Gebirge an bis an die Spitze Anaga. Sie iſt nicht ſo reich und nicht ſo bevoͤ lkert als die des nordweſt— lichen Theiles; man findet dort Arico, Guimar, Cande— laria, St. Crux, und Val de St. André. Obgleich der Boden von Arico *) auf ſeiner Oberflaͤ che volkaniſch iſt, ſo trifft man ihn dennoch an mehreren Stel— len mit Weinbergen bedeckt. Seine Bevoͤ lkerung belief ſich zwar 1776 nur auf 1859 Menſchen; allein ſeit dieſer Zeit hat ſie merklich zugenommen. ) Eine Meile vom Ocean, und neun von Laguna. 1 nn — 8 195 55 . 8 — n 83 Neuntes Kapitel. Ackerbau — Produkte — Weinberge — Aquedukte von Te— neriffa. * + Zeigten die civiliſirteſten Voͤ lker eben fo viel Eifer, wen— deten ſie fo große Thaͤ tigkeit darauf, ihren Boden frucht— bar zu machen, ihre Suͤ mpfe auszutrocknen, als womit ſie ſich zu zerſtoͤ ren ſuchen, fo würde der Ackerbau, dieſer vor— zuͤ glichſte aller Kuͤ nſte, eine fruchtbare Quelle von Wohl⸗ habenheit werden. Er iſts, der dem Menſchen die eee debensbe⸗ duͤ rfniſſe, der Mediein die ſicherſten Heilmittel, den Ma⸗ nufacturen und Kuͤ nſten die meiſten Stoffe, darbietet, welche fie verbrauchen; durch ihn ward ehemals Sicilien die Kornkammer des roͤ miſchen Volkes. China verdankt ihm mehr als 150 Millionen Menſchen, und England eine Vermehrung eines Viertels ſeiner Bevoͤ lkerung ſeit fuͤ nfzig Jahren. Kurz, der Ackerbau macht die innere Kraft der | Staaten aus, und ziehet die Reichthuͤ mer des Auslandes | an ſich. Sein gluͤ cklicher Einfluß beſchraͤ nkt ſich nicht ledig⸗ | lich auf inlaͤ ndiſche Vegetabilien, ſondern alle Gegenden des Erdbodens werden ihm zinsbar; der Bewohner des F 2 84 Nordens fiohet auf feinem Felde Pflanzen wachſen, welche die Natur in die heiſſe Zone verſetzt hatte; dagegen ge» woͤ hnen ſich die Baͤ ume der nördlichen Zone an das Klima ders Tropenländer. Die Geſchichte lehrt uns, die Reich thuͤ mer des Bodens jedes Landes wuͤ rden nicht zahlreich ſeyn, wenn ſie bloß in den bei ihm einheimiſchen Vegeta⸗ bilien beſtaͤ nden. Teneriffa würde ſonſt weder die meiſten Gemuͤ ſe noch die Rüchengemächfe haben, die ihm Europa geliefert, noch einige Fruͤ chte, die es aus Afrika oder aus Indien gezogen hat, noch die Erdaͤ pfel, die urſpruͤ nglich aus Amerika herſtammen. Indeß wird dieſe Inſel den⸗ noch nie den Grad der Wohlhabenheit, der fie fähig iſt, erlangen, ſo lange ihre Bewohner nicht ihre ganze Auf⸗ merkſamkeit auf den Ackerbau wenden. Man wird hier⸗ über durch folgenden Auszug eines bereits angefuͤ hrten Memoirs, des Herrn Teſſier, Mitgliedes des National- inſtitutes, uͤ ber den Ackerbau der kanariſchen Inſeln und beſonders über den von Teneriffa und die von mir zu dem Text dieſes gelehrten Ackerbauverſtaͤ ndigen zu urtheilen im Stande fein. Gegen Ende November hebt auf den kanariſchen In⸗ ſeln der Regen an; indeß nur abſatzweiſe, und die reg⸗ nigte Jahrszeit geht nicht über den Monat März hinaus). ) Dieſe Regen veranlaſſen zu Zeiten große Verwuͤ ſtungen. Das firommeife vom Gipfel der Berge heruntergekom— mene Waſſer durchſchneidet die Seiten derſelben, ent— wurzelt die Baͤ ume, ſtürzt in den Grund der Schluchten ungeheure Felſen, wovon es Stuͤ cke nebſt den Pflanzen und der vegetabiliſchen Erde, die ſie ernaͤ hrte, in das Meer fortreißt. Indeß fuͤ hren dieſe Ueberſchwemmungen neberfluß und Fruchtbarkeit herbei. Der von einer bren⸗ ? 8 ER PR l 8 BES. DER BI 8 Font Fr 85 Dieſe Zeit heißt dort der Winter, ob es gleich nie friert, und man nur auf die Berge zumal auf den Die von Tene— riffa Schnee fallen ſieht. Dort erhält er ſich dann vom November bis zum Mai und Junius, und nur kaum vor dem Julius oder Auguſt kann man uͤ ber das Gebirge reiſen. Zur Nahrung der Menſchen bauet man dort Weizen, ſehr wenig Roggen, viele Gerſte und Mays, Erdaͤ pfel, Bohnen und Erbſen, Garbanſos genannt. Die bedeutend⸗ fie Erndte iſt die des Mays; man ſäet eben fo viel Gerſte als Weizen ) fuͤ rs Vieh, einige Lupinen, Erbſen, nenden und faſt perpendikulaͤ r herabfallenden Sonne ver⸗ brannte Boden wuͤ rde eine entſetzliche Unfruchtbarkeit lei⸗ den, wenn ihn nicht fruchtbare Regen, zumal im Februar und März, bewaͤ ſſerten. *) Unter andern trifft man auf den Felſen den Feigenbaum an; auf den zu den Kulturen beſtimmten Ebenen den Olivenbaum, den Weinſtock, den Dattelbaum; in den Gaͤ rten Citronen- Orangen- Pfirſchen-Mispel- Mandel: Bananen- Papayen- Aepfel-Birn-Kirſchen— Pflaumen⸗ Quitten⸗ Granat- und Aprikoſenbaͤ ume. Indeß iſt der verſchiedenartige Boden von Teneriffa im Stande, eine große Menge anderer Vegetabilien hervorzubringen, wel— che die Nahrungsquellen des Volks vermehren wuͤ rden, unter andern den polniſchen Weizen und den Reis. Letztere mehlichte Pflanze, welche die wohlwollende Hand der Natur in Ueberfluß in mehreren Gegenden des Erdbodens ver— theilt hat, dient den meiſten Bewohnern von Indien, Perſien, China, der Inſeln im Suͤ dmeer, der Nord— küſten von Amerika zur Nahrung, und die Kultur der— ſelben iſt ſeit langer Zeit in den mittägigen Gegenden Eu— 86 Linſen, Sorghoſaamen, Bohnen, und ſehr wenig Hafer. Im Allgemeinen leben die Thiere von gut erhaltenem Weizenſtroh und von Mays- und Kraͤ uterblaͤ ttern, die ſie auf dem Felde nden Run gibt man ihnen Gerſte in Koͤ rnern. Auf dieſen Inſeln fiehet man herrliche Büuical e den, auf welche die Einwohner ſich nicht einmal die Muͤ he geben, Sorgfalt zu wenden. Es iſt daher die Moͤ glichkeit vorhanden, dieſe ſchoͤ ne Art von Kultur dort einzufuͤ hren. Eben dieß kann man auch vom Zuckerrohr ſagen, welches man an einigen Stellen gepflanzt hat ). ropens, wo ſie einen Zweig des Handels ausmachte, ein⸗ heimiſch gemacht. Der Reis, welcher ſieben Monate in der Erde ſteht, muß vier davon trocken, und drei im Waſſer zubringen. Alles laͤ ßt uns daher glauben, dieſe koſtbare Grasart wurde in den Ebenen von Laguna gut fortfommen, wo man die zur periodiſchen Bewaͤ ſſerung der Reisfelder noth— wendige Quantitat Waſſer zuſammenbringen kann; nach— gehends ließe man dann dieß Waſſer leicht ablaufen, wenn das Reifwerden des Reiſſes einen trockenen Boden erfor— derte. Die ſpaniſche Regierung kann übrigens aus Ko— chinchina einen Reis von gewöhnlicher Qualität ausführen, der auf das leichteſte auch ohne Hülfe der e fortkommt. *) Das Zuckerrohr war nur in Aſien und Afrika vor dem zwölften Jahrhundert bekannt. Um dieſe Zeit bereicherte man Sicilien damit, von wo aus es in die mittägigen Provinzen von Spanien hinüber gebracht wurde. Seit⸗ dem wurde es auf Madera und den kanariſchen Inſeln ein⸗ heimiſch. Von dieſen Inſeln kam es dann in 800 neue Welt. (Kaynal Liv. II.) 87 Von undenklichen Zeiten her werden Weizen und Gerſte auf der Inſel gebaut. Man nimmt an, daß ſie dort bereits bekannt waren, als die Spanier ſie erober— ten. In Anſehung des Rockens, des Mays, der Kicher— erbſen und Erdaͤ pfel, ſo ſind ſie erſt ſpaͤ ter und nach und nach dort hingebracht. Man glaubt daß die Erdaͤ pfel, heut zu Tage die Hauptnahrung der Einwohner, ſeit drei⸗ ßig bis vierzig Jahren dort eingefuͤ hrt ſind ). Weizen, Gerſte und Roggen ausgenommen, ſo werden die uͤ brigen oͤ konomiſchen Pflanzen in den Umgebungen der Wohnungen ſelten über zwei eine halbe Meile von den Staͤ dten gezogen. | | ' Außer den in großer Menge erzielten Pflanzen, bauet man in den Gaͤ rten noch Kohläpfel, Blumenkohl, Zwie— / Teneriffa erzielte ehemals in den ſchoͤ nen Tagen ſeiner Wohlhabenheit eine große Menge Zuckerrohr. Jetzt ſind Adefe und Silos die einzigen Commünen der Inſel, wo man es noch antrifft. Der Zucker, den ſie gewinnen, wird von den Einwohnern verzebrt, die ihn dem von den Antillen vorziehen. „) Teneriffa if in Betreff der Verpachtung feiner Zehenten in zwei Diſtricte getheilt, und jeder Diſtrikt in dreißig verſchiedene gerichtliche Zuſprechungen. Laguna und Oro— tava find davon die Centralpunkte. Der Erdaͤ pfelzehent wird gewoͤ hnlich zu 80,000 Livres verpachtet; dieß ſetzte dann voraus, daß der ganze Ertrag an Erdaͤ pfeln 800,000 Livres betruͤ ge; man muß indeß bemerken, daß die Paͤ ch⸗ ter große Gefahr laufen, und bedeutende Erhebungskoſten zu bezahlen haben; daher kann man ſagen, daß dieſer Zehent ein wirkliches Produkt von 1,200000 Livres abwerfe. Jedes Jahr aͤ rndtet man zweimal Erdaͤ pfel. 88 beln, wovon ein Theil nach Amerika verſchifft wird, Kar⸗ toffeln ), vier Arten Calebaſſen und Waſſermelonen *). Da ein großer Theil von Teneriffa bergigtes Land oder. ſteinigter Boden iſt, ſo traͤ gt dort eine ara Strecke gar nichts =) *“) Die beſte Art iſt aus Malaga dort eingefuhrt. Man hat zu Zeiten Wurzeln daran, die ſechs bis neun Kilo⸗ 5 grammen wiegen. %% Unter andern ziehet man in den Garten Spinat, Kir⸗ ſchen, Scorzoneren, Latuke, Zichorien, weiſſe Ruͤ ben, Steckrüben, die gewöhnliche Melone, die Beete Mohrruͤ ⸗ ben, Bohnen, Feldſalat, Kreſſe, Pimpinelle, indianiſche Kreſſe, Artiſchocken, Portulak, Piment, Tomate (Dr Wermuth, Peterſilie, Selleri; vergebens fragt man aber dort nach Spargel, Paſtinaken, Himbeeren, weiſſen und ſchwarzen Johannisbeeren, dem Sporberbaum u. ſ. w. Im Ganzen werden die Gaͤ rten nicht gut gehalten, und tragen nicht die Hälfte von den Gemuͤ ſen, welche ihr Boden ge: ben koͤ nnte. Gewöhnlich fehlt ihnen ein großes tiefes Baſ⸗ ſin, um das zur Bewaͤ ſſerung nöth hige Regenwaſſer zu faſ— ſen. In Orotava werden die Gaͤ rten beſſer beſtellt als in den uͤ brigen großen Staͤ dten der Kolonie, in denen der Herren Franchy, Cologan und Little habe ich einladende Alleen angetroffen, die zum Spazierengehen von gehöri⸗ gem Umfang waren, wie auch ſchoͤ ne Lauben und Bou— quets. 0 Die noͤ rdlichen Provinzen von Ehina find fo wie Tene— riffa von tiefen Schluchten und außerordentlich hohen Bergen durchſchnitten; indeß hat es die Induſtrie einer polkreichen Nation doch dahin gebracht, Herr der Natur zu werden, und dem Boden reſche Erndten abzuzwin- gen; indem fie alle einwaͤ rts laufenden Winkel der Felſen 3 89 Man glaubt, daß die guten und ſchlechten Jahre gegen einander gerechnet, auf der Inſel ſo viel geerndtet wird, um davon leben zu koͤ nnen, und die Lebensmittel dort wohlfeil ) ſeyn wuͤ rden, wenn die Generalkommandanten um zwanzig Sols fuͤ r eine Fanega Weizen zu gewinnen nicht die Erlaubniß zur Ausfuhr ertheilten. Statt, daß dieſe Gewaͤ hrung irgend nachtheilig ſeyn wuͤ rde, ſobald die Kanarier induſtrioͤ s wären, fo müßte fie ein Mittel ab⸗ geben, um ihre Ländereien noch heffer zu benutzen. Man hat bemerkt, daß in dem Augenblick des Mangels die Amerikaner und Kaufleute von Mogador und Cadix Ladun⸗ gen von Mehl und Weizen dorthin gefuͤ hrt haben; nichts mit vegetabiliſcher Erde bedeckt; und dem Waſſer von den Stroͤ men einen leichten Abfluß verſchafft hat. Die Sta: narier muͤ ßten dieß Beiſpiel nachahmen. ) Dieſer Artikel ſcheint mir nicht genau zu ſeyn; Teneriffa erndtet nicht die Hälfte des zu feinem Bedarf nothwendi— gen Getreides. Eine der beſten Weizenerndten von 1777 brachte nur 89,556 Fanegas ein; die Beduͤ rfniſſe der Inſel belaufen ſich jährlich auf 225,000, naͤ mlich 210,0 für die Bewohner, drei Fanegas auf den Kopf gerechnet, und 15,000 zur Ausſaat. Sie kommt alſo alle Jahre um 135,444 Fanegas zu kurz. An den Erdaͤ pfeln haben die Bewohner eine koſtbare Quelle, um die Unzulaͤ nglichkeit der Korn— erndten zu erſetzen; ebenfalls ziehen ſie aus Lancerota und Fortaventura das zu ihrem Verbrauch nothwendige Getreide und Gemuͤ ſe; in Kriegszeiten werden ſie aber mit Hungersnoth bedrohet. Bekanntlich erduldete Tene: - riffa in den Jahren 1748 und 49 alle Schreckniſſe des Mangels, indem eine abe Esecadre die Hafen dieſer Inſel bloquirte. n 90 war auch angemeſſener um den Preis herunterzubringen und das Gleichgewicht herzuſtellen. Im noͤ rdlichen Theile von Teneriffa gibts Gebitge, wo man taͤ glich Kohlen brennt und Holz zum Heitzen ſchlaͤ gt. Es ſcheint, daß gar keine Anordnung zur wirthſchaftlichen Benutzung der Holzungen getroffen iſt, und daß ſie daher ſowohl abnehmen, weil man fie zerſtoͤ rt, ohne fie gehörig nachzupflanzen, als auch wegen des haͤ ufigen Brandes, woran die Kohlenbrenner ſchuld ſind ). ) Man weiß, wie ſehr die Bäume zur Fruchtbarkeit der Laͤ nde⸗ reien nothwendig ſind; ihte Wurzeln verhindern das Einſtür⸗ zen des Bodens, der die Berge wieder bedeckt. Das allmaͤ hli— ge Zerfallen ihrer Blatter vermehrt nach und nach die vegeta— biliſche Erdſchicht, ihre in die Hoͤ he ragenden Gipfel, rei— nigen die Atmosphäre, und halten um ſich her die Wolken feſt, die, indem ſie ſich in Regen aufloͤ ſen, auf unſern Feldern das Grün hervorbringen, und ſie fruchtbar ma- chen. Endlich dient das Holz zu allen unſern Beduͤ rfniſſen. Die Geſchichte des Ackerbaues zeigt, daß die Voͤ lker, wel⸗ che ihre Holzungen zerſtoͤ rten, die ſchrecklichen Folgen einer ſolchen Unbedachtſamkeit wohl empfinden; an dem Flecke, wo man bis dahin fette Weiden oder Erndten in reichem Maaße erblickte, findet man jetzt nur Mooſe und die a Flechte auf einem unfruchtbaren Boden kuͤ mmerlich fort— kommen, der entweder von der Sonne verbrannt, oder von Stroͤ men durchſchnitten iſt. Die Bewohner von Te— neriffa muͤ ſſen ein aͤ hnliches Schickſal fuͤ rchten, wenn ſie ſich nicht anſtrengen, die Felſen der Inſel mit Baͤ umen zu bekleiden, und das Herunterkommen der Waldungen zu verhindern. Warum ſollten die Berge, welche von St. Crux nach St. André und nach Guimar laufen, nicht die⸗ ſelben Baͤ ume als die von Taganana hervorbringen, wo⸗ von das Geſtein vollig daſſelbe iR, 91 Auf der Seite des Pic, im füdlichen Theile der Inſel bringen die Berge ſehr harzreiche Fichten hervor, welche die Einwohner Tea nennen. Man ſchneidet Balken und Bretter daraus, man bedient ſich ihrer, um das Feuer zu den naͤ chtlichen Fiſchereien anzuzuͤ nden, um ſich in den Haͤ uſern zu leuchten, man ziehet Schiffstheer daraus, der nach Cadix verſandt wird. Dieſe Bäume nehmen ebenfalls gänzlich ab, und es ſtehet zu fürchten, daß die Inſel in dreyßig Jahren kein Holz mehr hat. Die Laſtthiere werden im Sommer mit Haͤ ckerling, im Winter mit Kraͤ utern gefuͤ ttert. In Teneriffa ſind die Mauleſel erträglich, und die Eſel klein, indeß von großer Kraft. Die Schaafe ſind dort zuſammen gehoͤ rnt; die ſtaͤ rkſten wiegen fünfzig Pfund; fie find zwei und einen halben Fuß hoch. Die Wolle, welche jahrlich nur einmal geſchoren wird, wiegt vier bis vier und ein halbes Pfund, wenn ſie noch nicht gewaſchen iſt; nach der Waͤ ſche und der Reinigung betraͤ gt ſie nur noch die Haͤ lfte. Teneriffa fehlt es im Sommer an Waſſer; dieß thut dann dem Acker- und Futterbau großen Schaden ). Sollte Die Holzungen der Umgebungen von Laguna werden taͤ glich von einem unwiſſenden Volke verwuͤ ſtet, welches ohne anzupflanzen zerſtoͤ rt, und das ſogar die am meiſten ausdauernden Pflanzen ausreißt. Es iſt Zeit, daß eine weiße Adminiſtration dieſe Mißbräuche unterdrücke, und ſich damit beſchaͤ ftige, die Bäume an den Stellen, die dazu faͤ hig ſind, zu vervielfachen. ) Die Ebene von Laguna iſt vielleicht der einzige Theil der Inſel, der in eine natuͤ rliche Wieſe verwandelt werden koͤ nnte, ſobald man ihren Boden ausgetrocknet, und den 92 man aber nicht mittelſt einer vorſichtigen Einrichtung dort für die Trocknißzeit einen Theil des in der Regenzeit in Uebermaaß gefallenen Waſſers aufbewahren koͤ nnen, wie dieß in Egypten geſchieht, wo man das Austreten des Nils dazu nützt, um fo viel übrig zu behalten, daß die ſo fruchtbaren Bewaͤ ſſerungen damit angeſtellt werden? Der Wein iſt der fruchtbarſte Zweig der Produkte und der Wohlhabenheit von Teneriffa. Die Berge dazu liegen groͤ ßtentheils gegen Nordweſten oder gegen Suͤ den von Tegine bis nach Buenaviſta und in den Umgebungen von Adefe und Guimar. | | Die allgemein angenommene Kulturart iſt folgende: jedes Jahr nimmt man fuͤ nf Arbeiten damit vor; im No⸗ vember und December wird der Boden tief umgegraben, damit er deſto beſſer den befeuchtenden Regen des Januars annimmt, und die Unkraͤ uter ausgehen; das Duͤ ngen iſt dort nicht bekannt. Hierauf ſchneidet man den Weinſtock im Februar um den Saft in den guten Stoͤ cken zu fixiren; dieſe Arbeit geſchieht im Januar, wenn die Suͤ dwinde ſtehenden Waſſern den nothwendigen Abfluß verſchafft ha— ben wird; in den uͤ brigen Diſtrikten werden Ackerbau und Viehzucht zu dem Grad von Hoͤ he, welchen ſie erreichen können, nur mittelſt künſtlicher Wieſen emporkommen, die durchgehends in allen Landbau treibenden Gegenden Eu— ropens angelegt ſind. Die Pflanzen, die man gewohnlich auf ſolchen Wieſen findet, Klee, Luzerne, Eſparcette , Wicken, u. ſ. w. wuͤ r⸗ den ſich um ſo leichter an das Klima von Teneriffa gewoͤ h— nen, da man auf den dortigen Bergen "häufig fünf Arten Kler, welche dort natürlich wachſen, antrifft, namlich repens, pratense, strietum , scabrum , frugiferum. Linn, 93 vorher geherrſcht haben, weil fie das Aufbrechen der Knos⸗ pen befoͤ rdern; drittens gleich nach dieſer Operation wird der Stock an ein einen und einen halben Meter hohes Ge— länder gebunden; man befeſtigt die Reben daran, welche Früchte tragen ſollen, damit fie eine feſte Stuͤ tze gegen den Wind erhalten. Viertens, im Mai wird der eins berg ſorgfaͤ ltig gegaͤ tet, und von allen Schmarotzerpflanzen gereinigt, welche einen Theil des Saftes verzehren, und dem Stock, eine in Frankreich unter der Benennung teigne bekannte Krankheit zuziehen. Die letzte Arbeit beſteht endlich darin, die Reihen zu lichten, die fruchtba⸗ ren Zweige auseinander zu breiten, und ſie ſo zu legen, daß ſie zuſammen die belebende Wirkung der Sonne genie— ßen. Die Weinleſe hat gewöhnlich in den Monaten Ju— lius und Auguſt ſtatt. Die geſammelten Trauben werden dann in den, faſt wie in Frankreich eingerichteten, Kelter gebracht; dort tritt man ſie aus; und wenn der erſte Saft | herausgefloſſen ift, fo umgibt der Winzer die ganze Maſſe mit einer Pinſenftechte; er bedeckt fie mit Bohlen, welche ſtark durch eine Schraube zuſammengedruͤ ckt werden, um allen in der Traube enthaltenen Saft auszudrucken. Die Eigenthümer vermiſchen oft ihren W Bein mit einer Quantitat Branntwein, die hinreichend iſt, um ihn abzu⸗ klaren, feine Staͤ rke zu vermehren, und ihn lange zu er— halten, zu Zeiten auch mit rothem Wein, um ihn zu faͤ r— ben. Auf Teneriffa gewinnt man zweierlei Sorten Wein, Malvoiſter und Vidogne. Jener, urſpruͤ nglich aus Mal— vafia, einer kleinen neben der oͤ ſtlichen Kuͤ ſte von Mo— rea gelegenen Inſel, wird aus einer Traube gezogen, die man noch dann auf dem Stocke gelaſſen hat, wenn ſie reif geworden iſt, um von der Sonne gebraten und aus⸗ 94 5 getrocknet zu werden. Er iſt zuckerſuͤ ß, angenehm zu trin⸗ ken, und haͤ lt ſich lange. Ehemals fuͤ hrten die Englaͤ nder viel davon aus, jetzt bereiten die Beſitzer der Weinberge nur zu ihrem eigenen Gebrauch davon. Er wird zu acht bis neun hundert Franken das Kilolitre verkauft; dieß beträgt für die pariſer Pipe fünf bis ſechs hundert Fran⸗ ken; ſie halt 680 Pinten, jede Pinte kommt daher uns gefaͤ hr auf Bo Centimen zu ſtehen. Der Vidogne, welchen man aus einer dicken Traube ziehet, die einen ſtarken und koͤ pfenden Saft gibt, wird nach der in Europa uͤ blichen Manier bereitet. Er wird um die Haͤ lfte des Preißes des Malvoiſter verkauft. Die Einwohner uͤ berlaſſen ſich dieſe Weine einander wohlfeiler, als ſie ſie an Fremde ver— | kaufen. In reichen Jahren traͤ gt die Inſel bis auf zwanzig tauſend Pipen; in gewoͤ hnlichen zwoͤ lf bis fuͤ nfzehn tau⸗ ſend, wovon der dritte Theil in den Handel kommt; das Uebrige trinkt man auf Teneriffa, oder es wird in Brannt⸗ wein verwandelt. Dieſe Berechnung geht nur auf die auf dem Teneriffer Boden ſelbſt gewachſenen Weine. Die In⸗ ſel iſt außerdem die allgemeine Niederlage von allen den— jenigen, die die kanariſchen Inſeln zum Handel beſtim⸗ mien. Auf die Weiſe iſt die aus den Inſeln ausgefuͤ hrte Menge Weine weit bedeutender, und belaͤ uft ſich auf 10,000 Pipen. Der dem Auslande verkaufte Wein ver— ändert oft den Namen, und wird in Amerika Madera genannt. | | Die öffentlichen Brunnen in den Städten erhalten ihr Waſſer mittelft hoͤ lzerner grob verfertigter und wenig dau⸗ erhafter Waſſerleitungen. Die von St. Crux laͤ uft von einer Quelle an, die ſich auf dem Gipfel von Bergen bes 9⁵ findet, welche mit Holz bewachſen ſind, und den Raum zwiſchen Laguna und St. André einnehmen. Das Waſ— ſer, welches die Quelle liefert, ſtuͤ rzt in die Tiefe einer Schlucht, woraus es in einen ſteinernen Kanal fließt, deſſen Richtung regelmäßiger iſt. Bald darauf trifft man einen hoͤ lzernen Kanal, der das Waſſer von jenem auf— nimmt, und es ohne Unterbrechung bis an die Stadt lei— tet. Der Bau dieſes zweiten Kanals iſt einfach. Man denke ſich eine lange Reihe von tannenen Balken in Form von Dachrinnen ausgehoͤ hlt, die mit ihren Enden auf einan— der ruhen. Sie werden von andern Balken getragen, die lothrecht in den Fugen der Felſen befeſtigt ſind, und deren Hoͤ he ſich nach der ungleichen Tiefe der Schlucht richtet. | Aehnliche Waſſerleitungen habe ich an mehreren Thei⸗ len der Inſel geſehen. Die von Tacoronte faͤ ngt in dem Walde del-Agua-de-Gracias an; die der beiden Oro— tave kommen von dem grünen Berge her am Fuß des Pic. Die Ausbeſſerungen dieſer wenig dauerhaften Kenale haben ungeheuere Summen gekoſtet, womit ſie von Stein hätten erbauet werden koͤ nnen. Der Aquedukt von Laguna, den die Regierung auf ihre Koſten unterhaͤ lt, iſt nach einem energiſchen Landesſprichworte dem Koͤ nige von Spa— nien theuerer zu ſtehen gekommen, als wenn er von Sil— ber gemacht worden wäre. Es gibt hier einen unertraͤ gli— chen Mißbrauch in der Vertheilung dieſes Waſſers; die Mönche, die Reichen, deren Haͤ uſer ſich in der Nachbar— ſchaft einer Waſſerleitung befinden, erlauben es ſich, einen Theil davon abzuleiten, um ſich deſſelben zu ihren ver⸗ ſchiedenen Beduͤ rfniſſen zu bedienen. Aus dieſer Verſpil⸗ lung folgt dann, daß die oͤ ffentlichen Brunnen, zumal im 96 Sommer oft trocken find. Arme Manner und Weiber ſchoͤ ⸗ pfen aus den Brunnen, wohin ſich dieſe Waſſerleitungen ergießen, fuͤ llen kleine hölzerne Gefäße mit Waſſer, und tragen dieſe auf ihren Koͤ pfen in den Straßen zum Ver— kauf umher; manche bringen drei oder vier auf einem Eſel fort. Da dieß Waſſer ziemlich hart und rauh iſt, ſo pflegen es die Einwohner durch einen Stein filtriren zu laſſen, der ſich ſehr häufig in ihren Steinbruͤ chen findet; es iſt eine Art Lava von Rußfarbe, der das Mittel der Dichtigkeit der grauen Lava und der Poroſitaͤ t des Bimm⸗ ſteines haͤ lt ). x *) Adanson Voyage au Senegal pag. 12. Paris 1757. Siebentes Kapitel. Reiſe nach Orotava — Maleriſches Gemaͤ lde dieſer Stadt und ihrer Umgebungen — Dracena, ein auſſerordentlicher Baum — der Hafen Orotava — der botaniſche Garten — Ruͤ ckkunft nach Laguna — Vergnuͤ gen und Feſte des Car— nevals. Den ıaten Februar 1797 reifeten wir, Hr. v. Villa⸗ nueva, der Graf St. André, deſſen Freund Le Gros und ich nebſt ſieben Bedienten nach Orotava ab. Nachdem wir zwei Stunden uͤ ber eine fruchtbare und ſchoͤ n mit Wai— zen beſaͤ ete Ebene gegangen waren, kamen wir in den Wald del Aguade-Gracias, und folgten bis an die Quelle der hoͤ lzernen Waſſerleitung, wodurch das Waſſer nach dem Dorfe Taraconte kommt. Ich bin mehrere Waldun— gen in Frankreich durchſtrichen; aber in keinen habe ich einen angenehmern und friſchern Fleck gefunden, als wo- rauf wir uns hier zum Mittagseſſen niederließen; es war dieß im Grunde einer durch Lorbeerbaͤ ume und baum— artige Heide, deren Stamm und Hoͤ he das Alter dartha— ten, beſchatteten Schlucht?“ an den Stämmen floß das friſche klare Waſſer eines Baches, bald mit ſanftem Ge— murmel, bald indem es ſich von der Spitze der Felſen Le Dru Reiſe. I. Bd. E 8 0. 66 herabſtuͤ rzte. An dem Ufer ſitzend athmeten wir eine lieb⸗ liche Luft ein. Die Lebensmittel, die der Marquis hatte hinbringen laſſen, gewaͤ hrten ein treffliches Mahl. Lange auf dem Boden auseinandergelegte Farrenkrautblätter dien⸗ ten uns zum Tiſchtuch, um welches wir uns lagerten, um den Malvoiſir in langen Zuͤ gen hinunterzuſchluͤ rfen, deſſen Schoͤ nheit der Durſt und das Lokale noch mehr erhoͤ heten. Spät reiſeten wir ab, und trotz der Schnellig— keit unſerer Pferde war es dennoch bereits tief in der Nacht, als wir anlangten, ſo ſehr iſt der Weg beſchwer— lich und voll Kruͤ mmungen. | | Zwiſchen dem Hafen Orotava und der Stadt gleiches Namens beſitzt Herr v. Villanueva ein großes Landhaus, welches Duraſno heißt. Hier ſtiegen wir geſtern ab. Beim Aufgang der Sonne durchſtrich ich heute die Umge— bungen deſſelben, und konnte nicht genug die Schoͤ nheit der Landſchaft bewundern; was für ein Himmel! wel⸗ ches Klima! eine ſanfte Hitze belebte die Felder; hier zeigten in trefflicher Kultur ſtehende Weinberge. die In⸗ duſtrie und den Reichthum der Bewohner; dort verbreite— ten Jasmin, Roſenſtoͤ cke, Granatbaͤ ume, Mandel= Zitros nen⸗ Orangenbaͤ ume in der Bluͤ the und mit Fruͤ chten einen lieblichen Geruch in der Atmosphäre. Die 318 Metres uͤ ber der Meeresflaͤ che liegende Stadt Orotava ) iſt eine Meile vom Hafen und ſechs Meilen von Laguna entfernt. Beim erſten Anblick ſcheint dieſer Ort verlaſſen, ohne Induſtrie, ohne Handel zu ſeyn; das * * 1380 54“ Laͤ nge, 28° 23! 404 Breite — (Feuillee). Thomas Lopez gibt Orotava 280 30% Breite — Bonne 189 53 Länger und 280 25 Breite. 67 Gras waͤ chſt in den meiſten Straßen. Man trifft dort keine andern oͤ ffentlichen Anſtalten, als zwei Schulen fuͤ r die Elemente der Grammatik, die aus dem Ertrag der Guͤ ter der ehemaligen Jeſuiten erhalten werden. Sie hat zwei Pfarrkirchen und zwei Kloͤ ſter. Unter ihren Bewoh— nern, deren Anzahl ſich 177 auf 5711 Seelen belief, findet man auch einige alte Familien der Inſel, die ihre Weine an die Kaufleute des Hafens veraͤ ußern. Ein jeder bleibt zu Hauſe, und beſucht ſeinen Nachbar ſelten; die Frauenzimmer gehen faſt nie aus; ſo ſind ungefaͤ hr die Sitten und der Charakter der Einwohner von Orotava. Und doch hat die Natur alles fuͤ r ſie gethan; es gibt auf der Erde kein ſchoͤ neres Klima, keine ſanftere Tem⸗ peratur. Alle gleich einem Amphitheater auf einem ſchief herunter laufenden Boden erbaueten Haͤ uſer haben eine herrliche Perſpeetive, und beherrſchen eine fruchtbare, mit Wein, mit Gruͤ nwerke und mit Gaͤ rten bedeckte Ebe⸗ ne; nordweſtlich erblickt man die huͤ bſchen Haͤ uſer des Hafens, dann den Ocean, der unaufhoͤ rlich mit ſolchem „Getoͤ ſe an das Ufer ſchlaͤ gt, daß man es zu Zeiten fuͤ r das von einer Kanone halten wuͤ rde. Gegen Suͤ doſten be⸗ ſchränkt eine mit Holz beſetzte Kette hoher Berge den Ho— rizont; ſuͤ dlich erhebt der kaum vier Meilen weit ent= fernte Pie ſeinen mit Schnee bedeckten Gipfel, und bie— tet nach und nach verſchiedene Phaͤ nomene dar; bald glänzt die Spitze von einem Silberlichte, indeß der uͤ brige Theil der Ebene mit Wolken uͤ berzogen iſt, bald iſt dage— gen der Gipfel mit dicken Wolken umhuͤ llet, welche in die Hoͤ he gehen, ſich herabſenken und ſich kreuzen je nach der Richtung der Winde, waͤ hrend daß die naͤ mliche Ebene einer heitern Luft genießt. Ein reines von den Bergen E 2 — m ne .68 herunterkommendes Waſſer, das in einen ſteinernen Ka⸗ nal geleitet wird, bewaͤ ſſert die Hauptſtraßen von Orotava. Dieß Waſſer treibt mehrere Mühlen in der Stadt ſelbſt, und ergießt ſich nachgehends in eine hoͤ lzerne Waſſerlei⸗ tung, die nach dem bei Durasno angelegten botaniſchen Gar— ten das nothwendige Waſſer fuͤ hrt. Ich kenne mehrere ſchoͤ ne Flecke in Frankreich, die mittäglichen Kuͤ ſten von England, ich bin die Ufer des Rheins, Belgien, Holland durchſtri⸗ chen; ich habe ein Jahr auf dem von der Natur beguͤ n⸗ ſtigten Boden der Antillen zugebracht; allein wenn ich meinen Geburtsort verlaſſen, und ein zweites Vaterland aufſuchen follte, fo würde ich auf den gluͤ cklichen Inſeln, in Orotava mein Leben beſchließen ). | Nachmittags beſah ich mit Herrn Joſeph de Bethau⸗ court **) die vorzuͤ glichſten Gaͤ rten der Stadt; zuerſt den *) Unmoͤ glich kann man einen angenehmern romantiſcher ges legenen Ort finden. Die Häufer find niedrig aber von einer ausgezeichneten Reinlichkeit, und zuſammen von wei⸗ ßen Steinen erbauet. In den Straßen fließet auf der einen Seite ein Bach ſuͤ ßen hellen Waſſers, das aus einer hinreichenden Quelle hevorſprudelt, über einen kieſeligten Boden ſanft murmelnd fortlaͤ uft. Berge auf Bergen gethuͤ rmt mit Waldungen bekraͤ nzt, die mit ihrem trefflichen Laube faſt an einen mit tauſend Farben geſchmuͤ ckten Himmel reichen, und der bewunde— rungswuͤ rdige Pic, deſſen Gipfel den letzten Theil dieſes koſtbaren Gemaͤ ldes bildet, bieten dem Auge die ſeltenſte und prachtvollſte Scene dar. S. Voyage A Botany-Bay par Barrington; Paris an 6, ©. 17. 0 Dieſer Spanier, der zu der Familie des berühmten Bethaucourt, des Eroberers der kanariſchen Inſeln zu gehoͤ ren behauptet / iſt einer der unterrichtetſten liebens⸗ | 69 des Herrn Franchy, und darin einen Drachenbaum, den ſchoͤ nſten auf deu kanariſchen Inſeln und vielleicht auf der Erde; die Höhe deſſelbrn betrug zwanzig Metres, er hielt dreizehn in der Mitte und vier und zwanzig an der Bafid; der ſechs Metres hohe Stamm theilt ſich in zwoͤ lf Zweige, wozwiſchen man einen Eßtiſch eingerichtet hat, um welche ſich bequem zwoͤ lf Gaͤ ſte ſetzen koͤ nnen. Dieſer auſſerordent— liche Baum war bereits bei der Eroberung von Teneriffa vor drei Jahrhunderten dort. Als die Spanier die Wal⸗ dungen in dieſem Theile der Inſel niederhieben, um ſich Wohnungen zu bauen, ſchonten fie dieſes Drachenbaums; die alten Stadturkunden fuͤ hren ihn als einen feſten Punkt an, der einigen Grundſtuͤ cken zur Graͤ nze diente; er hat ein ſchoͤ nes Anſehen, ſteht in einem kraftvollen Wachs— thum, und kann noch hundert fünfzig bis zwei hundert Jahre ſo fortdauern. 5 Ich beſah hierauf einen andern Garten, und dati einen Kaſtanienbaum, deſſen Stamm dreizehn Metres im Umkreis hielt, deſſen Krone von groͤ ßerem Umfange und buſchiger war als irgend eine von denen, welche ich ge- ſehen habe, und der jedes Jahr Fruͤ chte im Ueberfluß trägt. An den Mauern der Villa erblickt man Pfarrenkraͤ u— ter und Sedun-Pflanzen, welche einen Monat eher bluͤ ⸗ mwürdigften Leute der Inſel. Als Freund der Kuͤ nſte, zu⸗ mal der Architektur, iſt er in Frankreich, England, Spa— nien gereiſet; er beſitzt eine treffliche Bibliothek, drückt ſich in unſerer Sprache ziemlich richtig aus, und if Mit— glied mehrerer gelehrten Geſellſchaften Europens. Ich habe bei ihm eine koſtbare Sammlung von Gemaͤ lden von Rubens, Wandyk, Espagnolet und Miranda geſehen. Ma 22 3 n 1 ver I n 5 r mr 8 8 x E fr? 7 — * Are 70 J hen als die nämlichen Arten, die man bei Laguna findet. Dieſer Unterſchied der Temperatur zwiſchen den beiden bes nachbarten Staͤ dten ruͤ hrt von ihrer ungleichen Hoͤ he uͤ ber der Meeresflaͤ che her. > In dem Hafen von Orotava *) trifft man die Sitten und den Ton der guten Geſellſchaften von Europa an. Dieſer Ort, worin nach St. Crux der meiſte Handel getrie— ben wird, welcher dabei auf der Inſel am beſten gebaut und am angenehmſten gelegen iſt, zaͤ hlte 1789 eine Be— voͤ lkerung von 4465 Menſchen; jetzt hat er hingegen 5000. Sieben bis acht Kaufleute treiben dort faſt allein Handel, und bringen ſchnell ein bedeutendes Vermoͤ gen zuſammen. Es gibt daſelbſt mehrere Klöfter, aber kein Kollegium, keine Schulanſtalt; nur einige Moͤ nche unterrichten um ein Geringes im Leſen und Schreiben. Der Nordwind herrſcht gemeiniglich im Hafen, und gewaͤ hrt ihm eine angenehme Temperatur; der aus Nord- weſten iſt ihm dagegen ſehr zuwider; ſobald er blaͤ ſet, gehen die Schiffe in die hohe See, um nicht an die Kuͤ ſten geworfen zu werden, die mit Klippen und Felſen einges faßt iſt, gegen welche ſich das Meer mit Gewalt bricht. Ob indeß gleich dieſe Rheede ſchlecht iſt, ſo hat dennoch kein Schiff bis jetzt darauf Ungluͤ ck erlitten, weil alle die, welche daher kommen, ſo vorſichtig ſind, einen Uferloot⸗ ſen zu nehmen, der bis zur Abfahrt am Bord bleibt, und ſie aufs hohe Meer fuͤ hrt, ſobald er einen Anſchein von ſchlechtem Wetter wahrnimmt “). f #) 280 25“ Breite; 189 ss‘ Länge, (Connaissanee des tems. aW 150 | % Die Rheede von Orotava iſt ganz offen, und das hohle Meer ſchießt mit fa vieler Gewalt gegen das Ufer, daß r * N j Br % n 0 IN er * 277 Me ET ar ah N RTL, ER, 3 * VE Die fpanifche Regierung, welche die fihönften Gegen— den des Erdbodens beſitzt, iſt vielleicht die einzige, welche unter einer guͤ nſtigen Breite die koſtbarſten Vegetabilien der Tropen vereinigen koͤ nnte, um fie nach und nach an das Klima der gemaͤ ßigten Zone zu gewoͤ hnen. Die Inſel Teneriffa bot durch ihre Lage, durch die Ver— ſchiedenheit ihres Bodens, und die Temperatur ihres Kli— mas, einen fuͤ r ſolche Verſetzung paßlichen Fleck dar. Der in Durasno ſeit zehn Jahren angelegte koͤ nigliche botani— ſche Garten iſt die nuͤ tzlichſte Anlage der Inſel. Er nimmt einen Raum von ſechs Hectaren ein. Die Ringmauern der Gebaͤ ude, der Baſſins aufzufuͤ hren, den Boden in Kultur zu ſetzen, die Anpflanzungen und das Uebrige, dieß zuſam— men hat bereits fuͤ nf und zwanzig tauſend Piaſter gekoſtet. Der Director dieſer herrlichen Anlage, Herr v. Villanueva, hat ſelbſt einen Theil dieſer Summe hergegeben, und da— mit auf eine edle Art ſeinem Vaterlande ein Geſchenk ge— macht. Auf ſeine Einladung habe ich das Verzeichniß der dort bluͤ henden Pflanzen aufgenommen, und in Verbin— dung mit Herrn Le Gros den Plan der vier und zwanzig Klaſſen des Linneiſchen Sexualſyſtems an Ort und Stelle angegeben. Wenn die vor kurzen neulich ſtatt gehabten Anpflanzungen bedeutend zugenommen haben werden, dann wird Durasno den gemaͤ ßigten Gegenden Europens die koſt— es ein Kahn ſelten wagen darf, daran zu landen. In— | dem ſich die Wogen brechen, bedecken fie zuweilen das Dach der Haͤ uſer, die ſich nicht fern vom Ufer des Mee— res befinden. Gemeiniglich muß man die Wein-Pipen-Faͤ ſ— fer, die man in dieſen Hafen einſchifft, treiben laſſen. (Voyage de Macartney en Chine. Tom. I. p. 149.) 72 baren Vegetabilien zu liefern im Stande ſeyn, welche die Natur ausſchließlich den gluͤ cklichen Klimaten der Tropen länder zugeſtanden zu haben ſcheint. 7 Es wachſen dort bereits der Kokusbaum, der Kohl⸗ palmbaum, der Bananenbaum, der Avogadolorbeer, der Papayenbaum auf freiem Felde. Außer dieſen Baͤ umen bauet man auch dort hundert andere Arten Pflanzen und Stauden, unter welchen ich nur folgende der heißen Zone, dem Vorgebuͤ rge der guten Hoffnung oder Neuholland ganz eigene anfuͤ hren will: Die ſchoͤ nſte Amaryllis — Amaryllis formosissima. L. Oſtindiſches Blumenrohr — Canna Indaca. Ir Wahrer Silberbaum — Protea argentea. L. Kegeltragender Silberbaum — Frotea conifera. L. Unbewehrte Volkamerie — Wolkameria inermis. 12 Peruvianiſcher Nachtſchatten — Solanum peruvia- num. L. f N ; Rieſenfoͤ rmige Aeſculapie — Asclepias 18 L. Curaſſaviſche Aeſculapie — Asclepias Currassavica. L. Groͤ ßter Alpbalſam — Rhododendron maximum. I. Beerartige Heide — Eryca baccans. Andr. | Geranion à fleurs en coeur — Pelargonium corda- tum. Ait. Geranion tachant — Pelargonium inquinans. Ait. Geranion ombiliqu& — Pelargonium pettarum. Ait. Caciſche Malve — Malva Capensis. L. Raudige Sida — Sida frutescens. Cac. Rautenblaͤ tterichte Sida — Sida rhombifolia. L. Mexicaniſcher Eibiſch — Hibiscus malvaviscus. L. Veraͤ nderlicher Eibiſch — Hibiscus mutabilis. L. 53 Netzfoͤ rmiger Flaſchenbaum 5 — Anona reticulata. L. Amerikaniſche Sonnenfrucht — Heliocarpus America- na. L, Kielfoͤ rmige Zaſerblume — Ae e nm calami- forme. L. | Baͤ rtige Zaſerblume — M...... barbatum. L. | Zweifärbige 3. Blume — M. . bicolorum. L. | Apfeltragender Cujavabaum — Peydium pyriferum. L. | Gemeine Jambuſen — Eugenia Jambos. L. | Zeilaniſche Myrten — Myrtus Zeylanica. L. Purpurrothe Sinnpflanze — Mymosa purpurea. L. Keuſche Sinnpflanze — M...... casta. L. Schamhafte S. Pfl. WM pudica. L. Fernambuckiſche S. Pfl. — M...... Fernambuca, L. Farneſiſche S. Pfl. — M...... Farnesiana, E. Schiefe S. Pfl. — M...... obliqua. Smith. Schoͤ nſte Poinciane — Poinciana pulcherrima. 13 Weſtindiſche Caſſie — Cassia occidentalis. L. Flaſchſottige Caſſie — G.... planisiliqua. L. ö Vielglandlichte Caſſie — OG. ... multiglandulosa. Jacꝗ. Sumpfpflanzenartige Caſſie — G.... mimosoides. L. Holzige Faſeln — Dolichos lignosus. L. Einblaͤ tterige Kennedie — Kennedia monophilla. Vent. | Roͤ thliche Kennedie — K..... rubicunda. Vent. Nissole ferrugineuse — Nissolia quinata. Aubb. | Nackender Davieſie — Daviesia denudata. Vent. | Rohrfoͤ rmige Puttenie — Puttenea juncea. Wild. I ) Dieſer urſprünglich aus dem mittaͤ glichen Amerika herftam: | mende Baum waͤ chſt nicht wild auf Teneriffa, wie dieß Hr. Bory unter No. 307 feiner Flora anfuͤ hrt. 74 h Spitzblätterichter Celaſter — Celastrus pyracanthus. 172 Viereckige Paſſionsblume — Passillora quadrangula- F, Wacholcher Cypreſſe — Cupressus juniperoides. L. Der Weg von Orotava nach Laguna iſt bis Tacaronte ſehr beſchwerlich, und bietet häufig durch Stroͤ me ausge— hoͤ hlte Schluchten dar; indeß wird der Reiſende ſehr durch die angenehmen Ausſichten entſchaͤ digt, welche er entdeckt: man kommt dann nach dem Flecken Santa Ur⸗ ſula, deſſen Bezirk eine Bevoͤ lkerung von ungefaͤ hr 1200 Menſchen hat, und hierauf nach Victoria; dieſer Flecken führt feinen Namen davon, daß die Spanier hier einen Sieg über die Guanches im Jahre 1495 davon tru⸗ gen; ſeine Bevoͤ lkerung mit Inbegriff der dazu gehoͤ rigen Laͤ ndereien flieg 1776 auf 1576 Menſchen. Das Dorf de la Matanza oder des Blutbades, wo— hin wir nachgehends kamen, iſt in der Geſchichte von Teneriffa wegen der Niederlage der Spanier beruͤ hmt; dieſe wurden dort von den Guanches 1494 niedergehauen. Man ſchaͤ tzt deſſen Bevölkerung auf 1200 Seelen. Nach einem Weg von fuͤ nf Stunden, langten wir in Tacaronte an. Dieß iſt das reichſte Dorf der Inſel; wuͤ nſchen moͤ chte man wohl, daß deſſen Haͤ uſer dichter neben einander laͤ ſen. Am Ufer des Oceans und am Fuß eines Huͤ gels erbauet, deſſen Weinberge ſich bis nach Orotava hin erſtrecken, haͤ lt es wohl ſchwer eine gluͤ cklichere Lage zu finden. Im Jahre 1776 hielt es 3521 Einwohner. Die fruchtbare Ebene, welche von Tacaronte bis nach La⸗ guna laͤ uft, deren vegetabiliſcher Boden zehn bis fuͤ nfzehn Deeimeter tief iſt, koͤ nnte zugleich treffliche Kornerndten und Fruchtbaͤ ume tragen. Der reiſende Landbauverſtaͤ n⸗ R DE NE ir. r Be 8 C | 73 dige bedauert es, wenn er durch dieſe ſchoͤ ne Gegend kommt, keine Cyder- oder Aepfelbaͤ ume darauf anzutreffen. Das Vergnuͤ gen fuͤ hrt nur dann zum Gluͤ ck, wenn die Tugend ihm der Wegweiſer iſt. Das nur zu oft mit Kummer und Schmerz überhaͤ ufte Leben wäre unerträglich, wenn das Spiel und Lachen einer angenehmen Geſellſchaft nicht zu Zeiten unſre Exiſtenz verfüßte. Der Gott Comus hat ſeine Anhaͤ nger in allen Thei— len der Erde, ſowohl in der tiefen Kaͤ lte des Nordens, als unter der brennenden Hitze des Suͤ dens; und die durch die Gewohnheit dazu geweiheten Augenblicke die Klapper der Thorheit in Bewegung zu ſeßen, „werden da mit allgemeinem Eifer gefeyert. 4 Dir, herrliches Geſchlecht, verdankt der Mann ſein Gluck. Du theilſt mit ihm das Mühfelige dieſes Lebens, und traͤ gſt dazu bei das Süße desſelben zu vermehren. Grazie und Schoͤ nheit ſind dein Schmuck, und das außer— | ordentlich Gefuͤ hlvolle, welches dich charakteriſirt, verbreitet eeine Wonne uͤ ber alles was dich umgibt. | Meine Freunde in Orotava hatten mich eingeladen, bei | ihnen die Tage des Carnevals hinzubringen. Ich verließ den 25. Februar zu Fuß St. Crux, um nach Gefallen botaniſiren zu koͤ nnen; unterwegs ſprach ich bei dem Pfar— rer von Matanga vor, der mich auf eine edle Weiſe empfing; den Tag darauf begab ich mich fruͤ h nach dem Hafen zu Herrn Little, einem engliſchen Kaufmann, der mir fein Haus angeboten hatte. Des Abends fuͤ hrte mich wein Wirth in eine glänzende Geſellſchaft bei dem. ei— diſchen Kaufmann Sir Burry. Um acht Uhr en | wir einen Beſuch von dreißig jungen reich ang en Clanariern, welche die Ankunft Sancho's auf Der Inſel 76 Baratraria gaben. Dieſe aus dem Cervantes genommene Scene ward mit groͤ ßter Wahrheit, ſowohl in Hinſicht des Coſtuͤ ms, als in Ruͤ ckſicht des Tons und der Sprache der tapfern Ritter des ſechszehnten Jahrhunderts vorgeſtellet. Nach mehreren, mit ſchoͤ ner Muſik begleiteten Ballets, ward das Eſſen aufgetragen. Das Mahl war ſo fröhlich, als es nur in einer Verbindung von fünfzig Perſonen ſeyn konnte, die durch ſehr ſchmackhaftes Eſſen, Malvoiſter, durch Lachen und Scherz aufgeweckt waren. a Den Tag darauf verſammelte ſich die Geſellſchaft bei dem franzöfichen Kaufmann Cologan; und unfere liebens⸗ würdigen Dom Quichotes des Abends vorher, nun in Agas, Paſchas und Viſirs verwandelt, ſtellten uns ganz die Pracht dar, welche man am Hofe des Großherrn glänzen ſiehet. Bi Der dritte Akt einer Komödie iſt gewöhnlich der luſtig— ſte. Am dritten Tage uͤ berließ ſich die beim ſonſtigen eng⸗ liſchen Conſul Sir Fraveus verſammelte Geſellſchaft allen Ausbrüchen einer liebenswuͤ rdigen Thorheit, die noch auf— geweckter und färmender durch die Ankunft der Götter wurde, welche Theil an unſern Spielen und Vergnuͤ gungen nehmen wollten. Jeden ſah man mit den Attributen der Kounſt geſchmuͤ ckt, deren Erfinder er war. Der Schlan— genſtab des Merkurs bezeichnete den Gott des Handels; der mit einem Aehrenkranz umwundene Ceres, eine Si⸗ chel in der Hand kuͤ ndigte die nuͤ tzlichſte und ſuͤ ßeſte Kunſt an; an Apollo's Leier erkannte man den Gott des Parnaſ— ſus; ein goldener Helm, ein Schild von Stahl, blitzende Waffen bezeichneten den ſchrecklichen Gott des Krieges. Alle dieſe Gottheiten vergaſſen bald den Olymp bei den ſterblichen Schoͤ nen, welche das Feſt verſchoͤ nerten; und 77 dieſe glückliche Vereinigung des Himmels und der Erde rief das goldene Zeitalter wieder zurück, welches Jupiter und Venus von dem Aufenthalt der Unſterblichen herab— ſteigen ſah. Man fuͤ hlt leicht, was fuͤ r Vergnuͤ gen dieſe erfinderiſche Feerei unter der Geſellſchaft hervorbringen mußte. Wir trennten uns tief in der Nacht, nachdem wir den Gottesdienſt der Terpſichore gefeiert, und mit Enthuſiasmus einige von jenen beruͤ hmten Hymnen geſun— gen hatten, die ſo oft die Franzoſen zum Sieg gefuͤ hrt haben. | Liebenswuͤ rdige Säfte von Orotava; in meinem Vater— lande erinnere ich mich der hier mit euch genoſſenen Feſte; und wann ich im Schooße meiner Familie jedes Jahr den Jahreswechſel jener Tage der Freude feiere, ſo verſetzt mich die ſuͤ ße Einbildung mitten unter die Freunde Little, Barry, Cologan, Favence und Bethaucourt. Achtes Kapitel. Blick auf die übrigen Staͤ dte und Dörfer von Teneriffa; un⸗ ter andern auf Taganana, Realejo, Garrachico, Bueng Viſta, Adere, Villaflor. | Der nördliche Theil von Teneriffa iſt mit Felſen und Waͤ ldern bedeckt, und in allen Richtungen mit tauſenden von mehr oder minder tiefen Schluchten durchſchnitten. Nordoͤ ſtlich befinden ſich zwei unbedeutende Doͤ rfer, le Val de Saint André und Taganana. Jenes *) zaͤ hlt 420 Einwohner, welche von eingeſalzenen Fiſchen „ von Goſio leben und einigen Wein bauen. Der Bezirk des letztern von 716 Canariern ei 5 iſt wegen ſeiner Kuͤ chengaͤ rten beruͤ hmt. Die vielfachen Krümmungen des Weges, der von Taganana nach Lagu⸗ na *), mitten durch Waldungen und um Berge herum führt, die treppenfoͤ rmig ausgeſchnitten ſind, machen ſie aut einer der maleriſchſten der Inte. | *) Zwei Meilen von St. hh | *) Sie liegen vier Meilen von einander. x \ Seeg * ** 79 Die Nordweſt-Kuͤ ſte von Teneriffa, von Tegina bis Buena-Viſta iſt der reichſte und angenehmſte Theil der Inſel. Die Natur ſcheint ein Vergnügen gehabt zu haben, dieſe ungefaͤ hr zwoͤ lf Meilen lange Erdzunge zu beguͤ nſtigen. Bereits iſt von Tegueſte, Tacaronte und den beiden Orotava's die Rede geweſen; jetzt noch einige Worte von den uͤ brigen auf dieſer Kuͤ ſte befindlichen Comuͤ nen. Unter Realejo *) liegt am Ufer des Meeres auf dem Abhang eines Huͤ gels. Eine ſchoͤ ne Temperatur, ein rei— ner Himmel, geſundes und uͤ berfluͤ ſſiges Waſſer, reiche Weinberge, huͤ bſche Landhaͤ uſer, alles trägt dazu bei, den Aufenthalt in dieſer Comuͤ ne, die 1776, 2151 Einwohner hatte, angenehm zu machen. | Ober Realejo, das nicht weit vom Untern liegt, ge— nießt die naͤ mlichen Vortheile. Der Bezirk desſelben, wor— auf 1776 2441 Menſchen lebten, tragt Gemuͤ ſe, Fruͤ chte und Wein in Menge. St. Jean de la Rembla, ſieben Viertelmeilen von Realejo, iſt wegen ſeiner Malvoiſirweine beruͤ hmt; man ſchaͤ tzt deſſen Bevoͤ lkerung auf 1482 Seelen. Die auf einer Anhoͤ he, welche Rembla beherrſcht, er— baute Fontaine de la Guanche, hat eine kaͤ ltere Tempera— tur, als man ſie in den umgebenden Ebenen antrifft. Veod * liegt in einem, an Weinbergen reichen und gut bewaͤ ſſerten Thale. Man gewinnt dort etwas Seide, wo— durch einige Manufacturen von Struͤ mpfen und Handſchu— hen, die nach dem ſuͤ dlichen Amerika gehen, in Gang er- „) Eine Meile vom Hafen Orotava, und ſieben von Lagung. =) Eilf Meilen von Laguna und eine halbe Meile vom Ocean. | | 80 halten werden. Seine auf 4468 Seelen geſchaͤ tzte Bevoͤ l⸗ kerung iſt eine Pflanzſchule fuͤ r Seeleute. Garachico *) war im ſiebenzehnten Jahrbundert einer der reichſten und am meiſten beſuchteſten Haͤ fen der kana⸗ riſchen Inſeln. Zahlreiche Bevoͤ lkerung nebſt bluͤ hendem 9 Handel belebten dieſe jetzt faſt ganz öde Stadt. Den ııten December 1645 erlitt fie eine außerordent⸗ liche Ueberſchwemmung, welche ſechszig Haͤ uſer niederriß. Vierzig Schiffsladungen gingen unter, und mehrere Ein— ak kamen in den Wellen um; indeß iſt die unmittels bare Urſache des Herabſinkens von Garachico der Ausbruch eines Volkans, der im Jahre 1706 deren Felder verwuͤ ſtete, ihre Haͤ uſer anzuͤ ndete, und den Hafen *) verſchuͤ ttete. Heut zu Tage rechnet man dort kaum 1600 Einwohner. | Dante und Tanque, dichte bei Garachico, find zwei elende Doͤ rfer, die der Volkan unfruchtbar gemacht hat. Die Bevölkerung von jenem beträgt 395 Menſchen, und die von letzterem 850. | | Das Dorf Silos bietet einen angenehmen Contraſt dar gegen die trockenen Wuͤ ſten, welche gegen Oſten daran ſtoßen. Sein ziemlich gut bewaͤ ſſerter Boden trägt Wein, Früchte, etwas Zuckerrohr, enthaͤ lt ä „ und naͤ hrt 965 Menſchen. N . Buena Viſta begraͤ nzt die rd Kuͤ ſte von Te⸗ neriffa, und hat eine prachtvolle Ausſicht auf eine von der *) 190 7/ w. L. von Paris; 289 21/ n. Br. nach Bory St. Vincent; und 28° 18/40, nach T. Lopez. *) Der Ingenieur der Miene, Hr. Cordier, fuͤ hrt an, die vom Volkan ausgeworfene Lava haͤ tte in ſechszehn Stun: den eine Laͤ nge von fünf Meilen durchſloſſen. Journal de physique. Messid. an 12.) 97 Zehntes Kapitel. Preis der Lebensmittel — e und Kuͤ nſte — Handel — Abgaben. Der Werth der Lebensmittel wird von dem Gouverneur der kanariſchen Inſeln, dem Alcade, vier Commiſſarien, und dem Procurator der Gemeinde, welchen das Volk zur Aufrechthaltung ſeines Intereſſe waͤ hlt, feſtgeſetzt. Dieſe vereinigten Magiſtratsperſonen beſtimmen den Preiß ein- oder mehreremale jaͤ hrlich, je nachdem die Erndten reich ausgefallen ſind, oder nach andern Umſtaͤ nden. Folgender Tarif von Eßwäaren ward im Januar 1794 in St. Crux bekannt. Ich habe die ſpaniſchen Gewichte und Muͤ nzen in franzöfif ſche verwandelt. Fr. Ct. 4, Nivensl — die Pinte 2 4 2. Flanderiſche Talglichte, drei große fuͤ r — 457 3. Kleineres Licht des Landes, eins für — 9 4. Fadennudeln, das Pfund. 8 „ 5 5. Reiß s . N — 31 6. Vidognewein, beſte Sorte, die Pinte — 50 7. Die übrigen Weine von geringerer Gattung — 44 Le Dru Reiſe. I. Bd. G — 98 10. Weineſſig * 12 20. Roſinen Unzen 27, Weißbrod 31. Kleine 3. 8. Malvoiſter, 9. Branntwein 28. Schwarzbrod 20. Trockner Stockfiſch 30. Die dickſten eingeſalzenen Haͤ ringe, vier fuͤ r die Pinte 1, EZ * rm h 1 2. — aus Canaria, 13. — von Teneriffa, 14. Kichern, ein Zwoͤ lftel eines Fanega 35. Trockne Erbſen, daſſelbe Maaß 16. Weiſſe Bohnen 7. Kleines Gemuͤ ſe, 0 — — 32. Geraͤ ucherte, vier für 33. Eingeſalzene Sardellen, blegrögen 5 d. Stück Kleine, drei * 11. Kaͤ ſe aus Flandern, das Pfund — — >6. Marinirtes Schweinefleiſch. * + * — S wa 21. Butter von der beſten Sorte „Schlechtere Sorte von Canaria 23. Fremder Schinken, das Pfund zu 28 Unzen, 24. Geſalzenes Ochſenfleiſch, das Pfund zu 28 m ® wie Flaſchenkuͤ rbiſſe, Erdaͤ pfel, Kohl, Zwiebeln, das Pfund 18. Schwarze getrocknete Feigen, 19. ditto weiſſe * + das Pfund 2 ua men wre * + * * 2 * * > «+ * * 25. Geſalzenes imländiſches Schweineſteiſh, ‚ 8 * * 5 * — das Stuͤ ck * * + 99 | Fr. Ct. 35. Oliven von Majorka, der zehnte Theil ei⸗ . 2 36. Dieſelben von Canaria. ; 2 37. Saffran, die Unze . 5 az 2 38. Schwarzer Pfeffer, — A a 39. Rother inländifcher Piment . 5 5 , e, , 41. Nuͤ ſſe, acht fuͤ r - . RT ren ee a u nn ee, e en,, le 44. Steckruͤ ben — 5 ; 5 ..— Jeder, der überführt wird, mehr als dieſe feſtgeſetzten Preiſe genommen zu haben, ſoll das erſtemal zwei Duka— ten, zum zweitenmal vier Dukaten bezahlen, und acht Tage Gefaͤ ngnißſtrafe erleiden. St. Crux auf Teneriffa d. 8. Jan. 1794 Commiſſaire für die Lebensmittel, welche jedes Jahr im Monat De⸗ cember ernannt werden. Der Vergleichung wegen fuͤ ge ich hier noch die Angabe des Preiſes einiger Waaren und Lebensmittel auf der In⸗ ſel Teneriffa vom Jahre 1525, die aus Viera, tom. 2 p. 302 gezogen iſt, hinzu. | Fr. Ct. Hammelfleiſch, das Pfund 8 Maravedis — 12 Kalbfleiſch nn 8 — „%% i Kuhfleiſch 8 e Schweinefleich — 7 — ee dl Schaaffleiſch — 6 — : — 9 Ziegenfleiſch — 6 I % = Fleiſch einer jungen Ziege | von dreißig Tagen 1 Real — 885 Milch, zwei Pinten 20 Maravedis — 15 Friſche Fiſche, das Pfund 4-10 . — 715 1 Oel, die Pinte 20 — * — 31 Tauben, ein Paar 6 eee Be Turteltauben 6 — a 9 Ein Dutzend Gaͤ nſe 55•⁵b - 9 Eine Henne 20 Quartos — 31 Ein Kapaun % Reäles 0 Ein junges Huhn 4 Real — 42 Ein Kaninchen 12 Maravedis. — 18 Verarbeitetes Wachs 1 Real 2 Quart. — 91 Kaͤ ſe, die Fanega | 3Hi88Realen 2-6 — Kohlen, ein Sack 30 Maravedis — 47 Dachſteine, das Tauſend 1000 Maravedis 5 80 Leinwand, ungebleichte, das Vare 8 Maravedis — 12 Fries, inlaͤ ndiſches Produkt 2 Real. 4 Mar. 1 76 Schuhe, das Paar 178 Maravedis — 13 „Der Preis des Pfundes von 28 Unzen Ochſen⸗ und Kuhfleiſch koſtet beim Schlaͤ chter 16 bis 20 und 22 Quar⸗ tos, oder nach unſerm Gelde 10 bis 13 Sous 9 Deniers, oder 7 Sous 4 Deniers bis 9 Sous drei Deniers das Pfund von 10 Unzen. Teſſier.“ Rur wenige wohlhabende Leute Kabel von Korn in der Geſtalt von Broden. Im Allgemeinen naͤ hrt ſich das Volk von Erdaͤ pfeln, von Flaſchenkuͤ rbiſſen, Zwiebeln ö Ge⸗ muͤ ſen, Goſio, und geſalzenen Fiſchen. Dieſer Fiſch kommt von den weſtlichen Kuͤ ſten von Afrika, gegen den 29ten Breitengrad hin. Fuͤ nf und zwan⸗ 2 N 9 2 1 * N .. * rr Leg 2 ET NEN AR EN 1402 zig bis dreißig Brigantinen, von ungefaͤ hr dreißig Tonnen, wovon die meiſten von der Inſel Canaria abgeſandt und zu dieſem Fang gebraucht werden, wiederholen die Reiſe ſteben bis achtmal jaͤ hrlich: jedesmal bringen fie achtzehn bis zwanzig tauſend Fiſche zuruͤ ck, welche dann zu 6 Quartos das Pfund von 28 Unzen, oder drei Sous vier Deniers das Pfund von 16 Unzen, ungefähr 1000 Piaſter courant eintragen. Dieſe ungeſunde Eßwaare, die man nur vier Monate aufbewahren kann, iſt die naͤ chſte Urſache der in St. Crux und Laguna ſo haͤ ufigen Hautkrankheiten. Denen, welche daran leiden, wird der Koͤ rper mit ſchuppigten Eiterbeulen bedeckt, die ein ſolches Anſehen haben, als waren fie von den Blattern hervorgebracht. Die Koͤ che bedienen ſich haͤ uſig des Korianders, um ihre Speiſen zu wuͤ rzen, und des Saffrans, damit ſie eine gelbe Farbe erhalten. Man macht dort faſt gar keine But⸗ ter; die, welche verbraucht wird, kommt aus Irland, Holland oder aus den vereinigten Staaten. Außer dem Fleiſche, welches das Land hervorbringt, erhaͤ lt die Inſel es ebenfalls von Lancerota, Ferro, Fortaventura und Ca⸗ narig. Von der letzten Inſel und aus Spanien ziehet fie auch ihr Salz; die Schiffe bringen es von dort als Bal- laſt mit. Der gewöhnliche Lohn für einen Tag Arbeit bes traͤ gt zwei Realen de Plata; ein Zimmermann oder Mau⸗ rer erhalt fünf. In Candelaria verfertigen die Frauen eine grobe Toͤ ⸗ pferwaare aus einem eiſenhaltigen Thon, welchen ihr Bo— den darbietet. Dieſe Arbeiterinnen ſind nicht in einer ge— meinſchaftlichen Werkſtatt vereinigt, ſondern jede verfertigt dergleichen in ihrer Wohnung, und hat zu ihrem Werk— 102 zeuge nur ein einfaches hoͤ lzernes Brett, worauf dieſerſhart gewordene Thon eine wenig elegante Form erhaͤ lt; die Kunſt iſt hier in ihrer Kindheit. Der Gebrauch des Ra: des iſt dort nicht bekannt, ſie haben ſelbſt nicht einmal die Vorſicht, den Thon zu waſchen, und die ſandigen Theile davon zu trennen; durch dieſe Nachlaßigkeit entſteht dann eine zerbrechliche und oͤ fters loͤ cheriche Toͤ pferwaare. Oro⸗ tava beſitzt einige Seidenmanufakturen; auch wird dort Leinwand gewebt, die man nach Cadix ausfuͤ hrt. Die Orſeille (Lichen roccella. L.), welche beim Vio⸗ letfaͤ rben gebraucht, und auf den Felſen geſammelt wird, gab ehemals fuͤ r Teneriffa einen ziemlich ergiebigen Han⸗ delszweig ab, weil man fie mehr als die der Übrigen Inſeln ſchaͤ tzt. Ein Sammler kauft fe im Namen des Koͤ nigs von Spanien um acht Franken den Myriagramme, und verkauft ſie zu Zeiten zu 75, wenn ſie beſſer verleſen und getrocknet iſt. Allein diefe Waare hat ſehr an Werth ab⸗ genommen, ſeitdem die Englaͤ nder und Italiener, welche ſie ausfuͤ hrten, ſie bei ihren Arbeiten durch andere nicht ſo theuere Farbematerialien erſetzt haben; im Jahre 1787 galt die Orſeille kaum 38 bis 40 Franken *). *) Man hat mir in Laguna ein 1731 von Don Antonio por⸗ lier, der franzoͤ ſiſchen Urſprungs und Konful auf den kangriſchen Inſeln war, entworfenes Memoir mitgetheilt welches darthut, daß zu der Zeit die ſpaniſche Regierung jaͤ hrlich aus dieſem Archipel 2,600 Centner Färberflechte ausführte; namlich soo aus Teneriffa, 400 aus Canaria / 300 aus Gomera, 600 aus Fortaventurg und Lanterotg, 800 aus . Sie verkaufte den Centnet davon für 88 Livres 103 Die Engländer, die Dänen, die Spanier und die Ame⸗ rikaner landen am gewoͤ hnlichſten auf Orotava und St. Crux. Lange iſt die Balanz zu Gunſten der erſteren aus— gefallen, deren Handels verbindungen der Inſel mehrere Vortheile gewaͤ hrten; ſie zog naͤ mlich von jenen reichen Schifffahrern die meiſten der Waaren, deren ſie bedurfte, und bezahlte ſie gewoͤ hnlich mit Weinen. Die Englaͤ nder bringen nach Teneriffa dasjenige, was ſie fuͤ r die kanariſchen Inſeln beſtimmen. Im Allgemeinen beſteht dieß in Tuͤ chern, kurzen Waaren, Huͤ ten, Leder, gemalten Leinwanden und Mouſelinen; fie kommen dort— hin von der Zeit der Weinerndte bis zum April. Vor dem Jahre 1777 konnte man nur in St. Crux die Regiſter der Kauffahrer ausruͤ ſten, welche die kanariſchen Inſeln ») die Erlaubniß hatten, nach der neuen Welt zu ſenden. Nur zu lange war dieſer Zweig der Induſtrie durch die Hinderniſſe des Alleinhandels, und die Eifer— ſucht von Cadix faſt von gar keiner Bedeutung. Das Mas rimum der Ausfuhr hatte man auf 1000 Tonnen an Wein, Branntwein, Fruͤ chten, und andern Landeserzeugniſſen feſtgeſetzt; naͤ mlich 200 fuͤ r Caracas, 300 fuͤ r Campeche, eben fo viel für die Havana , 100 für Portorico, Jo für Cumana und 50 für Maracaybo. Allein im Jahre 1778 kuͤ ndigte der Miniſter Golvez die Freiheit des Handels zwiſchen den kanariſchen Inſeln und den Häfen des ſpa— niſchen Amerika an. Eine gluͤ ckliche Wohlhabenheit war bald die Folge dieſer weiſen Geſetzgebung. Man wird da— ) Naͤ mlich Canaria, Palma und. Teneriffa, die unmittel— bar dem Gerichtshofe von Madrid unterworfen find. > 8 ER REN 1 oh rüber durch folgende; aus Peuchet“) und Bourgoing 9 genommene Schilderungen urtheilen. 25 Seit 1778 ſandte Teneriffa nach dem ſpaniſchen? Ame⸗ rika neun Fahrzeuge, deren Ladung 1,206,625 Realen de Vell. werth war. Die Inſel erhielt dagegen von dort her wieder ſechs mit Waaren beladene, auf eine Million 726,568 Realen geſchaͤ tzte, Schiffe; der Unterſchied betrug folglich 519,943. ' Im Jahre 1785 belief ſich die Ausfuhr der gang e Inſeln nach den beiden Indien auf 2,623,361 an Natio⸗ nalprodukten, und auf 314,552 an fremden Waaren; und ihre Einfuhr auf 4,023,218 Realen; die Differenz alſo 1,085,125. Im Jahre 1788 ſandten dieſe Inſeln 15 dem ſpani⸗ ſchen Amerika Nationalwaaren, die man auf 2,210,576 Realen ſchaͤ tzte, und fremde Producte, 1 ‚319,624 Realen an Werth; um dieſe Zeit betrugen die Waaren, welche wieder zurückgeführt wurden 2,883,437 Realen. Folglich hatte die Freiheit des Handels in einem Zeitraume von zehn Jahren die Produkte der RUN mehr als ver⸗ doppelt. Teneriffa ziehet auf dem Wege von Hamburg, aus Deutſchland und dem Norden, Leinwand, Eiſen und zum Tauwerk gehörige Sachen; aus Holland Flachs; aus Neu⸗England Korn, zu duͤ nnen Brettern geſchnittenes Eis chenholz, Wachs, geſalzenes Ochſen fleiſch und Pferde; aus dem ſpaniſchen Amerika Kolonialwaaren, unter andern *) Dictionaire de la Geographie commercante an 7. Article Espagne. | **) Tableau de Espagne Moderne. Paris 1803. tom. 2. 105 Cacao und Zucker; aus Ireland Leinwand, Lichter und Seife; aus Genua Papier; aus Frankreich Etamine, Linees, Seidenzeuge, gewoͤ hnliche Leinwand und Weine; aus Schweden Haͤ ringe, Eiſen, Tran; aus Spanien Huͤ te, einige Tuͤ cher, Oel und rothe Weine, um damit die des Landes zu faͤ rben. | Vor 1789 haben die Franzoſen nie mehr als fünf bis ſechs hundert Faß Wein jährlich aus den kanariſchen Ins ſeln ausgeführt. Seit dieſer Zeit iſt ihre Flagge ſelten in dieſen Archipel gekommen; indeß ſollte ſie ein hoͤ heres Intereſſe veranlaffen, dieſe Handelsverbindungen wieder anzuknuͤ pfen. Die Canarier lieben unfere Tücher, Gei- denſtoffe, Linnen, Spitzen, Hüte, unſere Geſchmeide, unſere Claincallerie, Waffen ungemein; kurz alle Meublen des Luxus, welche unter den Handen unſerer Kuͤ nſtler fo einnehmende Formen erhalten, und wovon der Geſchmack in beiden Hemisphaͤ ren ſehr verbreitet iſt. Sie ſuchen auch eben fo die Werke unferer guten Schriftſteller auf, und ziehen ſie ſelbſt denen der Englaͤ nder und Italiener vor. Der Geſchmack der Canarier an der franzoͤ ſiſchen Litte⸗ ratur muͤ ßte unſere Reiſenden und Seefahrer veranlaſſen, nach dieſem Archipel nur ſolche Werke zu fuͤ hren, welche unſerer Nation zur Ehre gereichen, und von ihren Ladun⸗ gen jene Menge dummer und ſchmutziger Romane auszu⸗ ſchließen, die man zu oft dort mit Vergnuͤ gen hinbringt. Der auf den canariſchen Inſeln verbrauchte Tabak kommt aus der Havannah. Die Regierung hat ſich den ausſchließlichen Verkauf deſſelben um fuͤ nfzehn Livres das Pfund vorbehalten. Es iſt dieß ein Hauptzweig der Ein⸗ nahme des Koͤ nigs, der daraus jahrlich 350 his 400000 Franken ziehet. Dieſe Einnahme ſtiege vielleicht auf 6 bis 106 00000 Franken, wenn nicht die Hälfte des auf dieſem Archipel verbrauchten Tabaks durch Schleichhandel hinein⸗ gebracht wuͤ rde. Der Gebrauch, ſich mittelſt dieſes heim— lichen Handels zu bereichern, iſt ſo allgemein geworden 9 daß die Agenten des Fiskus ihn nicht zu verhindern ver- moͤ gen. Man hat ſelbſt einige unter ihnen in Verdacht, ihn auf eigene Rechnung zu treiben, und binnen Kurzem ein ziemlich bedeutendes Vermoͤ gen zu gewinnen. Die uͤ brigen Abgaben liegen auf den Gegenſtaͤ nden, welche der Handel einfuͤ hrt; und zwar in folgendem Ver⸗ hältniſſe: alle fremde Waaren entrichten ſieben Procent an die Zollhaͤ uſer, namlich ſechs für den Koͤ nig und eins zur Unterhaltung der Feſtungen; die von Spanien gelie⸗ ferten auf fremden Schiffen angekommenen Lebensmittel zahlen die naͤ mlichen Steuern; langen fie aber auf Natio⸗ nalſchiffen an, fo wird nur ein halbes Procent davon ent> richtet. Die dem Handel uͤ berlaſſenen Weine bezahlen ſechs vom hundert, wenn ſie auf fremden Schiffen ver⸗ ſandt werden: auf ſpaniſchen Schiffen ſind ſie dagegen gänzlich Abgaben frei. | Alle dieſe Inſeln genießen nicht der nämlichen Freiheiz | ten. Das Recht, mit Amerika zu handeln, ſtehet, wie wir bereits wiſſen, nur Teneriffa, Palma und Canaria zu. Dieſe Hinderniſſe haben bis jetzt die Entwickelung der In⸗ duſtrie in den uͤ brigen Kolonien dieſes Archipels gelaͤ hmt, welche mit eiferfüchtigen Augen auf die Vortheile hinſehen, die aus einem, in den Haͤ nden einer kleinen Anzahl pri⸗ vilegirter Kaufleute, eingeſchraͤ nkten Handel floſſen. Die Laͤ ndereien ſind mit einem Zehenten belaſtet, der vom Weizen, Mais, von der Gerſte, dem Flachs, den Erdaͤ pfeln, den Schweinen und der Wolle allem uͤ brigen 107 zuvor erhoben wird. Zwei Neuntel des Erzeugniſſes flie- ßen dem Koͤ nige zu, die uͤ brigen ſieben werden in drei Theile getheilt. Der erſte gehoͤ rt dem Biſchof, deſſen Ein— fünfte auf 50,000 Piaſter angeſchlagen werden; der zweite iſt für die Canonicos ſeines Doms, und jede Praͤ bende derſelben traͤ gt 1400 Piaſter; der dritte wird zum Unter— halt der Pfarrer ſowohl als zur Erhaltung der Kirchen verwandt. € Eilftes Kapitel. Nachricht von den auf den canariſchen Inſeln gebornen Ge⸗ lehrten — Oekonomiſche Societaͤ t auf Teneriffa. Spanien hat beruͤ hmte Schriftſteller uͤ ber die Wiſſen⸗ ſchaften, die Künſte und die Litteratur hervorgehen laſſen. Das Jahrhundert von Karl dem Fuͤ nften war fuͤ r dieß Land was fuͤ r Frankreich das von Ludwig dem Vierzehnten ge⸗ weſen iſt. Waͤ hrend in dieſer glaͤ nzenden Periode ſeiner Geſchichte das Geld von beiden Indien in ſeinen Schooß floß, und ſeine Helden ihm den Waffenruhm in Europa ſicherten, zeichneten ſich Vivös, Arias-Montanus, Ki- ments, Solis, Zamora, Lope de Vega, Garcilaso, Morales, Quevedo, Cervantes, Nicolas-Antonio , Medina, Delgado, Mariana, Rivaltas, Calderon, Villegas und viele andere durch ihre Fortſchritte in den Wiſſenſchaften und Kuͤ nſten aus. Dieſe zu wenig gekannte, zu oft verlaͤ umdete Nation iſt ihres alten Rufes wuͤ rdig, und hat in unſern Tagen eine große Menge ausgezeichneter Schriftſteller aufzuwei⸗ ſen gehabt. Es genügt ſchon Trigneros Ayala, Gus- — A DR * einm Er. ET; ee A 109 man, Feijoo, Carpio, Capmani, Isla, Sanchez, Campomanez, Lampillas Andres, Azara, Castro, Masden, Ulloa, Bayer, Mendoza, Juan, Ortega, Palau, Ruiz, Pavon, Cavanilles, Piquer u. f. w. an⸗ zuführen, um fich zu überzeugen, wie weit fie in der Dichts kunſt, in der Beredfamfeit, in der Mathematik, in der Naturgeſchichte u. ſ. w. gekommen iſt. Dieſer Geſchmack der Spanier an Kuͤ nſten und Wiſſenſchaften hat ſich bis auf ſeine Kolonien ausgedehnt. Mehrere derſelben treiben ‘fie mit glücklichem Erfolg ). | Auf den kanariſchen Inſeln, die durch ein treffliches Klima, eine vaͤ terliche Regierung und die Nachbarſchaft von Europa begünſtigt werden, haben ſich mehrere Schrift— g ſteller gebildet, die es mit denen des Mutterlandes auf nehmen duͤ rften. Folgende Notiz von den in dieſem Archipel gebornen Gelehrten iſt zum Theil aus Clavijo entlehnt; ich habe die Verfaſſer von nicht herausgegebenen Werken oder die über ſcholaſtiſche Theologie nicht hinzugefügt. In den No⸗ ten ſind von mir die ſpaniſchen Titel der intereſſanteſten, und unſern Bibliographen wenig bekannten, Werke ange— führt. Clavijo citirt fünf hundert auf den kanariſchen In— „) Der Madriter Hof trifft alle Maaßregeln, um feine außeror— dentlich großen koſtbaren Kolonien zu eiviliſiren „und aufzu⸗ klaͤ ren, welche die uͤ brigen Mutterftaaten beſonders anwenden ſollten. Auf Teneriffa, auf Portorico, in der Havannah u. ſ. w. gibts naͤ mlich Sammlungen von guten ſpaniſchen Wer— ken, die auf Koſten der Regierung gedruckt, und für ihre Rechnung verkauft werden; und da halten es dann faſt alle Koloniſten für ihre Pflicht, ſich von dieſen anzuſchaffen. 110 ſeln geborne Schriftſteller; mir genügt, hievon ſechs und 1 zwanzig hier anzugeben. Augustin Betancour, ein Franziskaner⸗ Mönch, der im ſiebenzehnten Jahrhundert auf Canaria geboren wurde, hat eine Grammatik und eine Kirchengeſchichte von Me⸗ riko ) herausgegeben. Er verſah eine Pfarre in der Hauptſtadt. a Don Juan Ceverio de Vera, ee aus Cana⸗ ria und Kanonikus daſelbſt, ſtarb 1606 in Liſſabon; er unternahm Reiſen in Amerika, in Spanien, in Italien, in Paleſtina, und in Portugall. Wir beſitzen von ihm eine Reiſe nach dem heiligen Lande “), fo wie eine Beſchrei⸗ bung von Jeruſalem und des Berges Libanon; ein Itine⸗ rarium fuͤ r die Pilger u. ſ. w. Don Thomas Cano, auf den kanariſchen Inſeln gebo⸗ ren; er diente vier und fuͤ nfzig Jahre als Offizier auf der Flotte, und gab 1611 eine Abhandlung uͤ ber den Schiffbau heraus *). a 1 Die Inſel Fortaventura hat die Ehre, daß hier Don Joseph de Viera y Clavijo, Kanonikus von Canaria, — 4) Arte maxicano, ajustado A los rudimentos de Nebrija. Me- xico 1673. — Cronica de la Provincia del Santo Evangelio de Mexico in fol. 1697. ) Viage de la Tierra santa : Descripeion de Jerusalem y del santo monte Libano, con relacion de Cosas marabillosas, asi de las provincias del Levante, como de las Indias de oceidente, con un itinerario; para los peregrinos etc. en Madrid, per Luis Sanchez 1797. in 8vo. Ä **) Arte para fabricar y aparejar naos de Guerra y Mer- chantes. Sevilla 1611. to. a AR ˙ AAA 5 TE RE u REN n . x N Pr 8 3 Aa a K wi 195 u RE SE Namen Sn IR . 3 rc EN 111 Mitglied der Akademie der Geſchichte von Madrid, der ökonomiſchen Geſellſchaft von Teneriffa u, ſ. w. geboren iſt. Dieſer ausgezeichnete Schriftſteller hat ein ſpaniſches G.edicht uͤ ber die Zerlegung der verſchiedenen Luftarten von Prieſtley herausgegeben; ein anderes uͤ ber die Aeroſtaten; das Elogium von Philipp V; das von Alphonſe Toſtat, beruͤ hmten Arzt von Salamaur im fuͤ nfzehnten Jahrhun⸗ dert; ſein Ruf iſt aber beſonders durch ſeine Geſchichte der kanariſchen Inſeln gegruͤ ndet ). Das Journal de Pa- xis vom Jun. 1778 redet ſehr vortheilhaft davon. Don Francois Oregon, auf Gomera geboren, Gou⸗ verneur von Gibraltar 1658, der Havannah 1602, hierauf Feldmarſchall in Flandern, hat eine Abhandlung uͤ ber mi⸗ litaͤ riſche Politik und Mechanik publicirt“ ), die von Kunſt⸗ verſtaͤ ndigen geſchaͤ tzt wird. Er ſtarb in Cuba, wo er Gou— verneur war. Don Joseph Clavijo y Faxardo, aus Lancerota 1726 gebuͤ rtig, begleitete nach und nach die Stellen als Kriegs— | Schatzmeiſter in Ceuta, als Secretaͤ r des Generalſtabes *) Noticias de la historia general de las Islas de Canaria, con- tienen la desceripeion geografica de Todas; una idea del origen, caracter, usos y costumbres de sus antiguos habi- tantes; de los descubrimientes, y conquistas que sobre ellas kicieron los Europeos: de su gubierno ecclesiastico politico y militar; dall essa blicimiento, Yy succession de su primera nobleza; de sus varones ilustres por dignidades, empleos, armas, letras, y santitad, de sus fabricas, pro- duceiones naturales y commercio, con los principales sus esos de los ultimos siglos; 4 vol. in to. Madrid 1772. 1783. *) Politica y mecanica militar. Madrid 1669 y Bruselas 1684. | in gvo. | 119 bei der Armee des Lagers von St. Roch, als Gouverne⸗ mentsarchivar und Sekretaͤ r des allgemeinen Kabinets der Naturgeſchichte in Madrid. Sein Vaterland und die Wif- ſenſchaften verdanken ihm den Denker ), ein mit eben ſo vieler Eleganz als Gruͤ ndlichkeit abgefaßtes Werk, das mit | Addiſſon's Spectator zu vergleichen ſteht; die Ueberſetzung mehrerer franzoͤ ſiſchen Komoͤ dien, der conferences syno- dales von Maſſilon, des Lepicons der Ketzereien von Plu⸗ quet, der Naturgeſchichte von Buffon, die Herausgabe des hiſtoriſchen und politiſchen Merkurs von Madrid von 1775 bis 1783. Eben fo hat er nebſt Davila an der Anferti⸗ gung des gedruckten Verzeichniſſes der mineralogiſchen Reichthuͤ mer Theil, welche das Kabinet des Koͤ nigs von Spanien in ſich faßt. Palma it das Vaterland an Gelehrten. \ Don Ant. Jos. Avarez de Abreu, Statthalter 855 | Provinz Caracas, und der Vorgeſetzte Dogen) des hohen Rathes von Indien, 1685 geboren, gab im Jahre 1726 ein Werk über die Autoritaͤ t und die regelmäßigen Rechte auf die Vacanzen aller Kirchen von Weſtindien heraus!“). Philipp V. war von dieſem Buche ſo erbauet, das ſeine Einnahme um mehr als eine Million Realen vermehrte, daß er dem SEEN er den Titel eines Mass de la 0 Pensador Matritense. Madrid. Ibarra 7 Vol. 8vo. La Andrö- maca de J. Racine. El heredro universal, y el vana glorioso. *) Discurso juridico-historico politico sobre que las vaeantes mayores y menores de las iglesias Indias occidentales per- tenecem A la Corona de Castilla y Leon, con pleno y ab- soluto dominio. Madrid A Marin, 1726 in fol.; ibid. die zweite Ausgabe 1769. = 113 Regale verlieh, und ihn großmuͤ thig belohnte. Don Abreu hat ebenfalls zwei Denkſchriften uͤ ber den Handel und die Verwaltung der Philippinen herausgegeben. Eiferſuͤ chtig darauf, die Vorrechte der kaſtiliſchen Krone aufrecht zu erhal— ten, publicirte er 1735 eine Abhandlung, um darzuthun, 8 daß die Inſel St. Crux, eine der Antillen, Spanien gehöre, 1 und von Frankreich nicht an Daͤ nnemark haͤ tte verkauft ö werden koͤ nnen. Er ftarb im Jahre 1756. Don Felix Abreu, des Vorigen Sohn, Ritter des Ordens von St. Jakob, Mitglied der Akademie der Wiſ— ſenſchaften von Madrid, Ambaſſade-Sekretaͤ r in London; ö er ward 1722 geboren, und ſtarb in Madrid 1766. Von | IN | ihm rührt eine Abhandlung über die auf der See gemach— Il ten Priſen, und über die erforderlichen Bedingungen, um in Kriegszeiten das Kreuzen zu rechtfertigen, her ). Don Abreu Bertodano, Ritter des Ordens von St. | 1 Jakob, Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften zu Ma— 1 drid, Ehrenvorſteher des Raths der Hacienda, Bruder des vorhergehenden, ward 1715 geboren, und ſtarb 17755 er hat ins Spaniſche uͤ berſetzt Mably's droit public de J Europe; l'art de negocier avec les Souverains I | par Pecquet, Auch hat er eine treffliche Sammlung von I) Friedens- Handeld- und Schifffahrtstraktaten, welche || } | zwiſchen Spanien und andern Maͤ chten von der Gruͤ ndung I der Monarchie an bis zur Regierung Ferdinands VI. ge— ſchloſſen wurden, in Madrid von 1740 — 51, 12 Baͤ nde, | *) Tratado juridico-politico sobre presas de mar, y calidades | que deben concurir para exercer legitimamente el orso; dedicado al E. S. D. Ensenada, Cadex en la imprenta real | de marina, 1746, in 4to: Le Dru Reiſe. I. Bd. 9 \ 11K in Fol., herausgegeben ). Dieß dem Verfaſſer und ſeiner Nation zur Ehre gereichende Werk ſtehet nur mit den Actis von Rymer und der Collection des ordonnances unſerer Könige zu vergleichen. | | 4 Don Francisco Pimienta, einer Der erſten Admirale Philipps des Zweiten, zeichneten ſich bei der Schlacht von Lepante aus, und vertrieb 1641 die Englaͤ nder von der In— ſel St. Catharine nach Paraguay. Er hat die Geſchichte dieſer Expedition drucken laſſen !“). 1 Don Joseph Fernandez Romero reiſete im achtzehn⸗ ten Jahrhundert im mittaͤ glichen Amerika, und erwarb ) Coleccion de tratados de paz, alianza neutralidad, garan- tia, protecion, tregua mediacion, accesion, reglamento, comercio, navegacion, etc. hechos par los pueblos reyes y principes de Espana, con los pueblos, reyes, principes, republicas y demas potencias de Europa y otras partes del mundo ete. desde antes del establecimiento de la monarquia gotica, hasta el feliz del rey don Fernando VI. en laqual se comprehenden otros muchos astos publicos y reales concer- nientes al mismo asunto , coMO declaraciones de guerra ete. | „ asimismo ventas, donaciones, permutas, empenos, trans- acelones, investiduras, concordatos, Y las bulas y breves | pontifieios que conceden algun derecho, privilegio o pre- eminencia A la corona de Espana etc. fielmente sacados de los originales, o copias autenticas de la secretaria de estado, Uibrerias reales y particulares etc. dis puestos em orden cro- nologica. Todo de orden y à expensas de S. M. Madrid à Marin 1740. hasta 1751, 12 tom. in fol. *) Relacion del sue eso que tuvo, en la Isla de Santa Catalina, el almirante Don Fr. de Pimienta, en que se dä cuenta de como la tomo à los enemigos, echandolos de ella; y de la estimacion de los despojos y numero de prisioneros. Madrid 1642. in fol. 115 fih große Kenntniſſe in der Schifffahrtskunde. Wir befi- Ben von ihm eine Inſtruktion über den Weg von Kadir nach der Muͤ ndung des Laplata-Fluſſes ). Don Christophe Hayo Sorlozano, Marquis de St. Andre, kam 1677 zur Welt. Er durchreiſete ganz Europa, und machte ſich durch ſeine auffallende Originalitaͤ t und durch ſeine Abentheuer einen Ruf. Er hat ſein Leben be— ſchrieben, das nebſt andern kleinen Werken in Madrid in zwei Bänden in 4to erſchienen iſt; fein Tod erfolgte 1762. Die jetzt folgenden Schriftſteller ſind von Teneriffa gebuͤ rtig. Joseph Anchieta, in Lagung 1536 geboren; er ſtu— dirte, und trat 1551 in den Jeſuitenorden, und ward als Miſſionaͤ r nach Braſilien geſandt; im Jahr 1597 ſtarb er. Wir beſitzen von ihm eine Grammatik und ein Woͤ rterbuch der braſiliſchen Sprache; mehrere lateiniſche, ſpaniſche, portugieſiſche, braſiliſche Reden, und einige Memoirs uͤ ber das Braſiliſche. Louis Anchieta, Verwandter des vorigen, Stifter der Jeſuiten auf den kanariſchen Inſeln, ward 1648 in Laguna geboren, und ſtarb 1685; er iſt der Verfaſſer *) Instruccion exacta y util de las derrotas y navcgaciones de ida y vuelta, desde la gran vahia de Cadiz hasta la boca del gran Rio de la plata. Se hallan tambien las derrotas y navegaciones de dicha boca hasta Montevideo, y de este à la boca del mencionado rio, costas, islas, baxos fondos, variedad de corrientes con las advertencias y precaueiones que en sus navegaciones se deben praticas, y asimismo las islas, y baxos peligrosos que hay al norte y sur de la equi- noccial, latitud 5 longitud de sus situaciones, Cadix G. Peralta 1730. H 2 110 vortheilhaft. conguista de Tenerife, y 4 delaria en verso suelto, Y einer Lobſchrift auf die kanariſchen Inſeln. In dieſem ziem⸗ lich gut geſchriebenen gelehrten Werke *) behauptet er, die kanariſchen ſeyen die gluͤ cklichen Inſeln, die elyſaͤ iſchen Felder, der Garten der Heſperiden, und der Pic von Te⸗ neriffa ſey der Atlas der Dichter. (Man kann uͤ ber dieſe Fragen das erſte Buch der Geſchichte der kanariſchen In⸗ ſeln von Viera zu Rathe ziehen.) | Um die nämliche Zeit behauptete beck, ſein Vaterland waͤ re der Sitz der alten heidniſchen Gottheiten, und unſerer Urvater geweſen, daß es Plato's wahre Atlantide ſey, und daß die Dänen, Engländer, Griechen und Römer ihren Urſprung von dort aus genom⸗ men haͤ tten. Auf die Weiſe misbraucht man die Gelehr⸗ ſamkeit, um die ſeltſamſten Paradoxen zu behaupten. 5 Don Antonio Viana, Staabschyrurgus der Flott⸗ armee und Arzt des Hoſpitals in Sevilla, ward 1578 in Laguna geboren, und verfertigte im vier und zwanzigſten Jahre ein Gedicht uͤ ber die kanariſchen Inſeln *), das wegen der Eleganz der Verſe und der Wahrheit mehrerer Charactere empfehlungswerth i colas Antonio reden von dieſem Werke außerordentlich der Schwede Rud⸗ ft. Lope de Vega und Ni- Don Juan Franchy-Alfaro, in der Stadt Orotava geboren, ward von ſeinen Mitbuͤ rgern nach Madrid ges ſandt, um darum anzuhalten, daß Orotava von Laguna unabhaͤ ngig werden moͤ chte, ſo wie auch um die Freiheit * Excelencias de las islas de Canaria ete. Xerez, 1679. **) Antiguedades de las Islas afortunadas de la Gran-Canaria, parecimiento de la imagen de Can- octaya rima. Sevilla 1604. in 8vO. Ni 117 des Handels der kanariſchen Inſeln mit Indien, welcher durch einen im Jahr 1649 erlaſſenen Befehl unterbrochen worden war. Er ließ voll Eifer in Madrid mehrere Me— moiren über beide Gegenſtaͤ nde drucken, und erlangte es auch von der Regierung, daß ſie ſeinen Vorſtellungen nach— gab. Sein Tod erfolgte 1051. Nunez de la Pena iſt in Laguna im Jahre 1641 ge— boren, und wegen ſeiner Geſchichte von den kanariſchen Inſeln, beſonders aber wegen der von Teneriffa bekannt ). Durch dieſes Werk erhielt er eine Penſton und den Titel eines Generalarchivars der Koͤ nigreiche Kaſtilien und Leon. Nunez arbeitete mit ſo großem Eifer an ſeiner Geſchichte, daß er daruͤ ber das Geſicht einbuͤ ßte. Dieſer Schriftſteller hatte, nach Viera, wenig Geſchmack; indeß gewaͤ hren ſeine Unterſuchungen treffliche Auskunft über die Antiqui⸗ täten der kanariſchen Inſeln. Er ſtarb im Jahre 1721. Ynterian de Ayala von dem Orden der barmherzigen Bruͤ der, Hofprediger des Koͤ nigs u. ſ. w., aus Teneriffa gebürtig, ſtarb 1730. Er war Redner, Poet, Hiſtoriker, und ein geſchaͤ tzter Kritiker, und hat eine ſpaniſche Ueber— ſetzung des hiſtoriſchen Katechisme von Fleury, lateiniſche kleine poetiſche Werke, mehrere Kritiken von Buͤ chern, hauptſaͤ chlich vom zweiten Bande des kritiſchen Theaters des Paters Feyjoo herausgegeben. 8 Don Joseph Gonzalez Cabreva Baeno aus Tene— riffa gebuͤ rtig, ward als Admiral nach den Philippinen *) Conquista y antiguedades de las islas de la Gran Cana- ria, y su descripeion, con muchas advertencias de sus pri- vilegios, conquistadores, pobladores y otras particularida- des en la muy poderosa isle de Teneriffe, Madrid in gto 1676. 7 118 gegen das Jahr 171 geſandt. Durch ſeine Erfahrung und ſeine langen Dienſte hatte er ſich treffliche Kenntniſſe in der Beſchiffung der Meere von Indien erworben. Wir beſitzen von ihm ein Werk uͤ ber die Navigation mit einer Beſchreibung einiger den Seeleuten nothwendigen Maſchi— nen und einer Tafel der Sonnenabweichungen u. f. w. Die⸗ ſem Werke ſind logarithmiſche Berechnungen und Kupfer angehängt ). a Ä Don Laurent de la Torre Barrio, in Laguna gebo: ren, ward Vorſteher des Conſeils der Minen von St. Jean de Lucdne in Peru; es erſchien 1738 ein Werk uͤ ber den Ertrag der peruaniſchen Bergwerke, welches ſehr gut aufgenommen wurde; der Pater Feyjoo redet ſehr vortheil⸗ haft davon, und es iſt in Madrid 1743 wieder aufgelegt *). Von Don Francisco Machado y Fiesco, Ritter des St. Karls Ordens, dem Vorſteher und General-Schatz⸗ meiſter des Rathes von Indien u. ſ. w., der. in Laguna geboren war, kam 1758 ein Memoir uͤ ber die Wichtigkeit der kanariſchen Inſeln, und uͤ ber den Verfall ihres Han⸗ dels durch die aus dem Monopol fließenden Hinderniſſe ans 10 Navegacion especulativa y practica, con la explicacion de algunos instrumentos que estan mas en uso entre los nave- gantes, con las reglas necessarias para su verdadero uso: tabla de las declinaciones del sol, computados al meridiana de san Bernardino: el modo de navegar por la geometria por el quadrante de reduecion, por los senos logarithmicos y communes; con las estampas y figuras pertinecientes à lo dicho: y otros tratados curiosos. En Manilla 1734. in fol. / **) Arte, o cantilla del nuevo beneficia della plata etc, en Lima 1738. 119 Licht. Im Jahre 1762 überreichte er dem König ein ſta— tiſtiſches Gemaͤ lde von dieſen Inſeln. Don Antonio Porlier wurde 1722 in Laguna gebo— ren, ſein Vater, ein Franzoſe, war Konſul auf den kana— riſchen Inſeln; er ward nach und nach Ritter des St. Karls Ordens, erſter Fiskal des Rathes von Indien und 170 Ehrenmitglied der koͤ niglichen Akademie des heiligen Ferdinand; es wurden ihm bedeutende Auftraͤ ge fuͤ r Peru und die übrigen ſpaniſchen Kolonien ertheilt. Von dieſem rechtlichen und gelehrten Mann exiſtiren mehrere Werke von eben ſo vielem Geſchmack als großer Gelehrſamkeit, uͤ ber die Geſchichte und Statiſtik der kanariſchen Inſeln. Don Juan Yriarte, Bibliothekar des Koͤ nigs, Dol- metſcher des erſten Staatsſeeretariats, Mitglied der Aka— demie der Wiſſenſchaften, ward 1702 in Orotava geboren, und fruͤ hzeitig nach Frankreich geſandt; hier ſtudirte er in Paris und Rouen. Er hat lateinifch einen Catalog von griechiſchen Handſchriften, und einen andern von den geo— graphiſchen und mathematiſchen Werken, welche ſich in der Bibliothek von Madrid befinden, (1736 — 1769. 5 Vol. in fol.) angefertigt. Auf eine nuͤ tzliche Art arbeitete er an dem neuen Woͤ r— terbuche der ſpaniſchen Sprache ). Seine lateiniſche Gram— matik, eine vierzigjaͤ hrige Arbeit, iſt eins ſeiner beſten Werke. Er ſtarb im Jahre 1771. Don Bernardo de Yriarte, Neffe des vorigen, in Orotava geboren; er war Mitglied der ſpaniſchen Aka— * Gramatica latina, eserito con nuevo metodo y nuevas ob- servaciones, en veeso castillano con sa explicacion en prosa. Madrid 1771. in gvo. ibid. zweite Edition 1782. 1a demie, Vorſteher des Rathes von Indien, Ritter des St. Karls Ordens, Ambaſſade-Sekretär, und hat ſich in der politiſchen Laufbahn ausgezeichnet; von ihm ruͤ hrt Vol⸗ tair's Tancrede in kaſtiliſche Verſe uͤ berſetzt her; auch hat er die lateiniſchen Gedichte ſeines Onkels in Proſe uͤ bertragen, und 17/4 die auserwählten Werke des letztern nebſt einer Nachricht uͤ ber ſein Leben in 2 vol. in Ato herausgegeben. Don Thomas Yriarte, Bruder des letzteren, in Oro⸗ tava 1750 geboren, iſt einer der jetzigen beruͤ hmteſten Schriftſteller Spaniens. Nachdem er die litterariſche Lauf— bahn mit lateiniſchen Gedichten eroͤ ffnet, uͤ berſetzte er einige unſerer beſten Theaterſtuͤ cke; und 1777 die Artem poeti- cam des Horaz in ſpaniſche Verſe, wo der lateiniſche Text hinzugefügt war. Im Jahre 1782 gab er eine Sammlung von Fabeln heraus, die ſehr gut aufgenommen wurde. Die gelungenſte ſeiner Arbeiten iſt ſein Gedicht uͤ ber die Muſik vom Jahre 1779, welches in die meiſten europaͤ i⸗ ſchen Sprachen uͤ berſetzt iſt. Durch feine. Talente hat er den Titel als Staatsſekretaͤ r und Generalarchivar des Kriegsconſeils erhalten. Jetzt arbeitet er an einer Ueber— ſetzung der Aeneide. | Don Augustin de Betancourt, Lieutenant in dem Regiment von Orotava ſeiner Vaterſtadt, Mitglied von einigen gelehrten Geſellſchaften. Von ihm ruͤ hren mehrere in ganz Europa geſchaͤ tzte Memoirs uͤ ber die Phyſik, die Chemie und die mathematiſchen Wiſſenſchaften her. Don Bernardo Cologan Fallon aus Orotava gebuͤ r— tig, ungefaͤ hr ſechs und dreißig Jahre alt, iſt in Spa⸗ nien, in England, in Holland und in Frankreich zur Aus⸗ bildung ſeiner Erziehung gereiſet. Bei ſeiner Ruͤ ckkehr nach Teneriffa gab er 1705 ein in Laguna gedrucktes | 121 lateiniſches Gedicht in 212 Verſen heraus, und richtete es an Don Antonio de Tavira, Biſchof der kanariſchen Inſeln, um dieſen Geiſtlichen, dieſen aufgeklaͤ rten Freund der Wiſſenſchaften zu vermoͤ gen, die von der Regierung neulich in dieſem Archipel errichteten oͤ ffentlichen Schulen mit ſeinem ganzen Anſehen zu unterſtuͤ tzen. Man trifft hierin ) eine große Menge von Verſen, die ein Dichter— genie verrathen. Ich bin mit dieſem ſchaͤ tzbaren Mann in genaue Verbindung gekommen, und verdanke ſeiner Freundſchaft wichtige Nachrichten uͤ ber Teneriffa. Teneriffa beſitzt eine im Jahre 1778 unter der Benen— nung „Real- Sociedad economica de amigos del pays“ geſtiftete litterariſche Geſellſchaft, die aus den wegen ihres Eifers und ihrer Einſichten empfehlungswuͤ rdigſten Leuten auf den kanariſchen Inſeln beſteht. Der Zweck derſelben geht da— hin, auf den Unterricht des Volkes hinzuwirken, die Er— richtung oͤ ffentlicher Schulen in den dazu paßlichen Kirch— ſpielen zu befoͤ rdern, und dem Ackerbau, dem Handel und den Wiſſenſchaften einen Schwung zu geben. Jedes Jahr gibt ſie einen Band von ihren Aktis heraus, und ſetzt die Preiſe feſt, die unter diejenigen vertheilt werden ſollen, von welchen die aufgeworfenen Fragen am beſten beantwortet worden ſind. Folgende in den Programmen von 1788 und 1790 ein: geruͤ ckte Ankuͤ ndigung der Preiſe wird die Wichtigkeit der * IIIustri. ac dileetis. Don Antonio de Tavira et Almazan Canariensi episcopo ..... hoc carmen humilissime affert HBernardus Cologan Fallow, ut studia litteraria jam regio concessa decreto, his in insulis promoveat, foveatque. La- euna Nivariensi, apud Mich. Aug. Bazzanti reg. soclet, rypograpxhum. in 4to. 1795, | Gegenſtaͤ nde, womit ſich dieſe nuͤ tzliche gelehrte Societaͤ t be⸗ ſchaͤ ftigt, darthun. Eritlich ſetzt fie eine Medaille von 200 Realen aus fuͤ r den Verfaſſer des beſten Memoirs uͤ ber die Mittel, die Eigenthüͤ mer und Arbeiter zu veranlaſſen, die Anpflanzungen auf ihren Laͤ ndereien zu vervielfachen. Zweitens, ſechzig Realen fuͤ r die Lehrerin, deren Stunden von einer groͤ ßeren Anzahl Eleven beſucht worden ſind. Drittens, 200 fuͤ r denjenigen, der die beſte Methode ange— geben haben wird, um den Fiſchfang auf den kanariſchen Inſeln aufzumuntern. Viertens, 60 fuͤ r den, welcher eine bebeutendere Quantitat Ruͤ bſaamenoͤ l ausgedrückt hat. Fuͤ nf⸗ tens 75 für den, der im Jahre 1789 zweihundert Baum⸗ wollenſtſauden in dem Arrondiſſement Taganana gepflanzt hat. Sechstens, eine goldene Medaille von vier Unzen fuͤ r den Verfaſſer des beſten Memoirs über die Ausfuhr der Weine aus Teneriffa, und den Handel der kanariſchen In⸗ ſeln mit Preußen. Dieſe Inſel hat auch eine Druckerei in Laguna; aber es fehlt ihr eine Univerfität, wo die jungen Canarier Ge— ſchmack an den Wiſſenſchaften gewinnen koͤ nnten, ſtatt mit bedeutenden Koſten die Principen derſelben auf den euro⸗ päifchen hohen Schulen zu erlernen. Die Wuͤ nſche aller guten Einwohner gehen auf dieſe neue Wohlthat der Re— gierung hin, und bezeichnen Laguna als den paßlichen Haupt⸗ ort dazu. Es iſt nicht in Vergeſſenheit gekommen, daß eine von Benedikt XIV. vom arten März 174 erlaſſene, von Philipp V. den 18ten darauf folgenden Jun. ſanktio— nirte Bulle die Errichtung einer Univerfität in dem Kloſter der Auguſtinermoͤ nche dieſer Stadt geſtattete. Es ſollten hier Grammatik, Logik, Philoſophie, Mathematik, Theo— logie, Medicin, das eivil> und kanariſche Recht vorgetra— e N ee 123 gen werden. Allein durch die Intriquen und die Eiferfucht der Dominikaner der naͤ mlichen Stadt und der Geiſtlich— keit von Canaria ward der Wiederruf der Anlage dieſes koſtbaren Inſtituts bei Ferdinand VI. im Jahr 1747 aus⸗ gewirkt. M. ſ. Clavijo 4. 417. „En el orbe literario, drückt ſich dieſer gefcheidte Hiſtoriker aus, un pueblo civilizado sin universidad, es como un pueblo reli- gioso sin templo. * * — 4 Fb > . ä —— — Zwoͤ lftes Kapitel. Mineralogie. | Das durch das Feuer der Vulkane umgeſtuaͤ rzte Teneriffa bietet beim erſten Anblick nur eine unregelmaͤ ßige geborſtene Maſſe von Lava, von Schlacken, von durcheinander aufge⸗ haͤ uften und gleichſam wie zufällig hingeworfenen Felſen dar; auf den angebaueten Feldern ſind dieſe volkaniſchen Materien durch die haufigen Beſtellungen und die beſtaͤ ndige Wirkung der Meteore zermalmt; indeß findet man doch die meiſten Ebenen duͤ rre und wenig vegetabiliſche Erde darauf. Im Grunde der Schluchten, welche die Flanken der Berge durchfurchen, trifft man Ueberbleibſel von Fel— ſen von jeder Dicke. Es ſind dieß im Allgemeinen Laven von eiſenhaltigen Thon, mehr oder minder mit ſchwarzem Schoͤ rl, Kalkſpath u. ſ. w. gemiſcht, aus Feldſpath, Guarz, Glinimer u. ſ. w. beſtehender Granit; aus Mu⸗ ſcheln und volkaniſchen Materien durch Kalkmoͤ rtel u. ſ. w. verbunden, gebildete Puddinge u. ſ. w.; Breccien von Bimſteinen und eiſenhaltigem Thon. i Die Umgebungen von St. Crux beſtehen nur in kahlen Bergen, worauf nichts als einige Kraͤ uter zur Nahrung SE 8 125 120 * der Ziegen und viele Euphorbien wachſen. An den am mes nigſten ſteilen Orten findet man ein wenig Erde mit vielen Steinen; dieſe traͤ gt dann ſehr wenig. Hoch auf dem Berge um Laguna iſt der Boden beſſer und gut angebauet. Er iſt thonicht, und ruhet auf Schich— ten von verkalkten Steinen, die man durchgehends in ver— ſchiedenen Tiefen antrifft. Das Erdreich der Ebene, welche ſich von Laguna an bis Taceronte erſtreckt, beſteht aus einer Miſchung von Thon und ſehr fruchtbarem Lande. Von dort auf dem Wege nach dem Hafen Orotava findet man guten Boden, ſo wie man ſich aber dem Meere naͤ hert, nur Steine und Felſen. Auch trifft man in einem Barranco nahe bei Candelaria Lagen von Kalkerde und Foſſilmuſcheln. In den Umgebungen des pie gibt es der volkaniſchen Subſtanzen weit mehr. Dieſer berühmte dreitauſend fieben- hundert und zehn Metres uͤ ber der Oberflaͤ che des Meeres er⸗ habene Berg liegt unter dem ıgten Grade der Laͤ nge und 28° 17“ der Breite ). Er wird an der Baſis von mehreren klei— neren Bergen eingeſchloſſen, die amphitheatermaͤ ßig hinter einander liegen, und, indem fie die Form von concentri— ſchen Ringen haben, von einem Zwiſchenraume zum andern tauſende von Abgruͤ nden und Schluchten in ſich faſſen, die ſich in allen Richtungen hin erſtrecken. Die nicht mit Laven und kalcinirten Steinen bedeckten Strecken haben eine außerordentlich fruchtbare Erde. Wird Getreide ſehr duͤ nn *) Nach Borda's Karte im Depot — und der Connaissance des tems an 15. M. f. ebenfalls Observaciones de las altu- ras del barometro y de los grados del termometro, hechas en el viage al pico 1776. Annales de historia natural. Madrid 1779. 5 8 8 126 darauf geſaͤ et, ſo aͤ rndtet man achtzig bis hundertfaͤ ltig; man hat ſelbſt ein Korn vierzig Aehren tragen ſehen, und dieſe haben dreitauſend fuͤ nfhundert Körner gegeben *). Die Magnetnadel weicht auf dem Pic 16“ nach Weſten ab, und Cordier **) zufolge iſt ihre Neigung gegen den Suͤ dpol 50° n Ich werde unſere nach den fuͤ r den Naturforſcher wich— tigſten Gegenden der Kolonie unternommenen Streifereien nicht einzeln beſchreiben. Die Nachricht von einigen der⸗ ſelben genügen, um eine Idee von denen zu geben, die wir in den Barrackos, in den Waldungen und auf den Bergen, welche Guimar, Candelaria, Laguna, Orotava und St. Crux einſchließen, unternommen haben. Alls wir in letzterem Ort anlangten, brannte jedweder von uns vor Begierde, die Berge zu durchſtreifen, die ihn umgeben. Wir begaben uns den ıdten November Mor⸗ gens um 6 Uhr, mit Lebensmitteln und allem Uebrigen verſehen, auf den Weg. Der Kapitaͤ n befand ſich an der Spitze. So gelangten wir dann, nachdem mehrere Schluch— ten und manche kleine Berge paſſirt waren, um 9 Uhr an den Fuß eines Gebirges, das bis auf zwei Drittel feiner Hoͤ he angebaut war. Beim Weggehen ſchien uns die Ent⸗ ) Die Theile der Inſel, die man in Kultur hat bringen koͤ nnen, ſind ganz ungemein fruchtbar; dieß iſt das Ei—⸗ genthümliche der volkaniſchen Inſeln. Die innere Hitze dieſer Art Erden hebt bis zu ihrer Oberflache einen Theil des Waſſers, wovon ſie durch Regengüſſe durchdrungen ſind, und verleihet den Vegetabilien eine ungewoͤ hnliche Kraft. Voyage de La Billardière, tom. I. S. 31. **) Journal de physique, Messidor an 12. 127 fernung nur eine halbe Meile zu ſeyn; dennoch brauchten wir drei Stunden, um dahin zu kommen. Hier ging nun jeder ſeinen beſonderen Unterſuchungen nach. Ich nahm den Weg laͤ ngſt dem bereits erwaͤ hnten, das Waſſer nach St. Crux führenden Aqueduct. Neben dieſer Waſſerlei— tung her lauft ein ſechs bis zehn Decimeter breiter Fuß⸗ ſteig. Ich zog ihn den übrigen Wegen vor; er gewaͤ hrte mir den Vortheil, mehrere Pflanzen zu finden, und nach Gefallen die Bildung und ſonderbare Richtung dieſer vol— kaniſchen Berge zu unterſuchen. Alle die harten und ſchwaͤ rz— lichen Laven, woraus ſie beſtehen, liegen ohne Ordnung über einander in horizontalen oder ſchiefen Lagen. Die namliche Unregelmaͤ ßigkeit zeigt ſich ebenfalls in den da⸗ durch laufenden Ritzen. Von weitem bieten dieſe wenig— ſtens zwei hundert Metres über der Oberflache des Mee- res gelegenen Berge einen Anblick einer traurigen Nackt— heit dar; ſiehet man ſie in der Naͤ he, ſo findet der Bo— taniker Euphorbien, Farnkraut, Ranunkele, Pflanzen, woran einige Kennzeichen der Faͤ rberroͤ the angetroffen wer— den (rubiacees), Graͤ ſer u. ſ. w. Wir ſetzten unſere Na⸗ turforſchungen bis zum Abend fort, und haͤ tte der Mond nicht geſchienen, ſo waͤ ren wir oͤ fters auf den hoͤ ckerigen Fiouſteigen der Berge gefallen. Einige Tage darauf ging ich allein fort, und durchſtrich bis am Abend einen Theil der Berge nordweſtlich von St. Crux. Nach vierſtuͤ ndigem Gehen erreichte ich den Gipfel eines der hoͤ chſten. Hier entdeckte ich einen neuen Horizont. Eine Ebene von mehreren Hestaren im Quadrat mit Kulturen und Schaafheerden bedeckt, war mir deſto auffallender, da ich die ſchroffen Seiten des Berges kaum mit einigen Euphorbien bedeckt fand. Aus der Mitte die— 128 ſer Ebene erhoben ſich hier und dort andere Berge, die man aus St. Crux wahrnehmen kann. Dieſe Excurſion gab mir genauere Begriffe von dem Innern der Inſel, und von der Thaͤ tigkeit dieſer unermuͤ dlichen Anbauer. Ziehet man die erſtaunlichen Arbeiten in Erwaͤ gung, die ſie darauf haben verwenden muͤ ſſen, um dieſe Berge von Lava fruchtbar zu machen, um auf ihre ſieben bis acht hundert Metres hohen Gipfel Heerden zu bringen, um Wohnungen darduf anzulegen, an den Seiten derſel— ben Wege zu Stande zu bringen, den Steinen ein wenig vegetabiliſche Erde abzugewinnen — dann fuͤ hlt man, wie große Hinderniſſe die durch das Beduͤ rfniß angeſpornte Induſtrie zu uͤ berſteigen vermag. 1 Oft bin ich nach einem eine Viertelmeile von St. Grup entfernten Waſſerfall gegangen. Der Strom, der dieſe Caskade bildet, ſtuͤ rzt ſich in den Grund einer Schlucht, die ihren Weg ins Meer nimmt. Noͤ rdlich von Laguna dehnt ſich ein großer Wald bis Tagana am Ufer des Oceans aus, und bedeckt mehrere Berge, deren Kruͤ m⸗ mungen er aber genau umfaßt. Bereits mehreremale hatte ich dieſe für einen Naturforſcher fruchtbare Mine beſucht, als mehrere meiner Freunde, le Gros, der Abbé Porlier, der Doktor Savignon den Wunſch aͤ ußerten, mich zu be— gleiten. Wie Villanueva, in deſſen Hauſe ich ein Zimmer hatte, unſern Plan erfuhr, war er ſo zuvorkommend, uns einen Fuͤ hrer mitzugeben, und mit Huͤ hnern, Malvoiſir, Gebacknen, Brod u. ſ. w. zu verſehen. Ich nahm die zu ſolch einer Tour nothwendigen Meſſer, Ausheber, Loupen u. ſ. w. mit. ö Den zweiten December 1796 traten wir unſern Weg laͤ ngſt dem hoͤ lzernen Aquedukt an. Von Laguna bis an nm RRR FFC 8 * W f EEE 5 — 8 129 den Fuß des Waldes iſt das Land trefflich mit Korn, Erd- aͤ pfeln, mit Flachs, mit Lupinen u. ſ. w. angebauet. Hie und da bemerkt man auch Weiden, deren Gruͤ n den Augen ſehr behagt. Als wir den Fuß des Waldes erreicht hat— ten, ließen wir uns zu einem Fruͤ hſtuͤ ck nieder, das nicht vergnuͤ gter ſeyn konnte. Ein Teppich von Grün diente uns zum Tiſchtuch, der Raſen zu Stuͤ hlen, an unſern Seiten gewaͤ hrte uns die Waſſerleitung einen friſchen Trank, und das Gemurmel des Waſſers, welches unter einer Woͤ l— bung von zuſammengeſchlungenen Stauden hinfloß, und I; von da die verſchiedenen Cascaden paſſirte, floͤ ßte unfern I Herzen das Vergnügen einer füßen Harmonie ein. Wir brachten mehrere Geſundheiten auf die unveraͤ nderliche Freundſchaft von Spanien und Frankreich aus, welche ihr gemeinſchaftliches Intereſſe nie von einander trennen folltenz auf den Ruhm unſerer furchtloſen Vertheidiger, deren Heldenmuth ſo oft die Lorbeeren des Sieges errun- gen. Dieſe Toaſts wurden mit Geſaͤ ngen beendigt, und ich bemerkte mit Vergnuͤ gen, daß unſere guten Spanier, die ſich zwar mit uns nicht in franzoͤ ſiſcher Sprache unter— halten konnten, unſere beſten Kriegslieder kannten, indem fie fie richtig fangen. Nie hatte dieſer Wald von aͤ hnlichen | Tönen wiedergehallet. Wir brachten einen herrlichen Tag hin, der durch Botaniſiren, Bachus und die Freundſchaft verſchoͤ nert ward. Des Abends kehrte ich mit einer bedeu— tenden Menge Pflanzen zuruͤ ck. Einige Tage darauf ging ich nach dem Wald zuruͤ ck, allein ſtatt dem gewoͤ hnlichen FJFiubßſteig am Aquedukt zu folgen, wählte ich einen an Ve— getabilien reicheren, der aber auch zugleich maleriſcher und gefaͤ hrlicher als jener war. Der Abhang der Berge iſt ſo plotzlich da, und man entdeckt haufig fo tiefe Abgruͤ nde, | Le Dru Reife. I. Bd. J — .. 130 | daß man ohne Aufhoͤ ren das Auge auf die Fuͤ ße richten muß, um nicht hundert fuͤ nfzig bis zweihundert Metres hinunterzuſtuͤ rzen. Ich ſchaudere noch, wenn ich daran denke, welcher außerordentlichen Gefahr ich bei dieſem Kräuterſuchen aus— geſetzt geweſen bin. Ein bluͤ hendes Staudengewaͤ chs “) das ſchief in einem Felſen gepflanzt war, ließ ſein rothes und gruͤ nes Haupt uͤ ber die Seiten einer Schlucht haͤ ngen, in deren Grunde ich kaum eine Heerde Ziegen wahrnahm. Um zu dieſem Staudengewaͤ chs zu kommen, mußte ich herunterſteigen, und mich auf feinen Stamm ſtuͤ tzen. Ich ſtand nicht an, aber indeß ich mit der Hand nach einem in der Blüthe ſtehenden Zweige faßte, brach die ſchwache Stütze, worauf ich Fand, unter meinen Fuͤ ßen; es war um mich geſchehen, haͤ tte ich nicht in demſelben Augenblick, wo ich das Brechen hoͤ rte, eine Lorbeerwurzel an meiner Seite gefaßt. Die Gefahr machte mich ſchnell, ich ſchwang mich auf den Felſen, wo ich wenigſtens drei Minuten vor Schrecken verweilte. Als ich wieder zu mir gekommen war, ſchnitt ich einen Zweig ab, mittelſt deſſen ich mit Leichtig⸗ keit die Parietaria, die nur eine einzige Wurzel an dem Felſen in die Hoͤ he hielt, erreichte. Den ıgten December 1706 unternahmen Baudin von Advenier, Gonzales Mauger, Riedlé und Bonnefas, Marian-Eleven, die Reiſe nach dem Pie. Ungeachtet der Unebenheit der Fußſteige, der Kälte, des Windes und des Schmutzes, den fie in der Hoͤ he von zweitauſend Metres auszuſtehen hatten, kamen dieſe furchtloſen Reiſenden an ) Parietaria arborea. L'herit. (Glaskraut. d. 2.) ( 131 den Fuß des abgerundeten hervorragenden Geſteins, wel— ches dieſen Berg bekraͤ nzt; alle ihre Anſtrengungen reich— ten aber nicht hin, um den Gipfel zu erklimmen, noch das Hinderniß zu beſiegen, welches ihnen eine erſtaunliche Platte von unüberſteiglichem Eiſe in den Weg legte. Sie liefen bei dieſer etwas verwegenen Unternehmung die größten Gefahren. Bei unſerer erſten Tour nach Orotava gingen le Gros und ich von Durasno den 15ten Februar 1797 um ſteben Uhr mit Lebensmitteln auf den ganzen Tag, und nahmen unsern Weg nach dem grünen Gebirge, welches eine lange ſehr hohe Kette zwiſchen dem Pie und Orotava bildet. Un⸗ ſere Abſicht ging dahin, deſſen Gipfel zu erreichen. Wir waren ſo unvorſichtig, die Fußſteige zu waͤ hlen, die uns am direkte— ſten zum Zweck zu fuͤ hren ſchienen, und den gewoͤ hnlichern und krummen Weg zu verlaſſen. Nachdem wir durch meh— rere Weinberge, uͤ ber beſaͤ ete Felder, und mit Muͤ he durch eine Menge tiefer Schluchten gekommen waren, verirrten wir uns in einem Schlage von Lorbeerbaͤ umen und Hei— deſtraͤ uchern. Einige Hirten, die uns gewahr wurden, er— ſtaunten, Fremde in dieſen Wuͤ ſteneien zu ſehen, und liefen auf uns zu, um uns zu benachrichtigen, dieſer Weg ſey nicht gangbar, und daß wir uns der Gefahr ausſetzten, die Nacht darauf hinzubringen. Als wir endlich an den Fuß des Berges kamen, ſuchten wir den Gipfel zu erklimmen; allein um drei Uhr hatten wir erſt zwei Drittel der Höhe - erreicht; der uͤ brige Theil iſt ein ſenkrechter faſt nackter Felſen, von welchem rechts und links Abſchuͤ ſſe von mehr als hundert Metres Tiefe herunterlaufen. Da uns die Vorſicht nicht geſtattete weiter zu gehen, ſo ſtiegen wir wie— der hinab, und kamen nach Durasno auf dem gewoͤ hnlichen J 2 1 f Wege, der nach dem Hafen Orotava führt, quer über ange- baute Felder. | | Verzeichniß der mineraliſchen Subſtanzen, Die ich auf Teneriffa, auf den Bergen, in den Schluch— ten und am Ufer des Oceans gefammelt habe ). Thonigte Okerlava, faſt verkalcht und zerſetzt, welche Criſtalle von ſchwarzem Schoͤ rl enthaͤ lt. | Holzartiger Baſalt. — Ein anderer von ſchwarzer Farbe. — Eine ſehr ſchwer wiegende Lava von ſchwarzer Farbe mit großen, holen, unregelmäßigen Cellen. Schwarzer Augit mit einer thonichten, rothen, harten Lava gemiſcht. an 1 8 Grauſchwarze dichte Lava, worin man ſehr kleine graͤ u⸗ lichgelbe Chriſolitkügelchen wahrnimmt. un Gerundeter Sandſtein, mit einer weißen durchſichtigen vulkaniſchen Glaskruſte bedeckt. f Schwarzer Trapp. ) Als wir von den kanariſchen Inſeln abſegelten, uͤ bergab ich dem Herrn Cambrelang, deſſen bereits erwähnt iſt / zwei Kiſten mit den Mineralen, die in dieſem Kapitel aufgeführt ſind. Seit meiner Rückkehr nach Frankreich hat fie mir der ſchaͤ tzbare Mann auf einem neutralen Schiffe überſandt. Mein Kollege Advenier, dem die Mineralogie beſonders aufgetragen war, hat ebenfalls uͤ ber die von Teneriffa ein Memoir voll trefflicher Bemerkungen entwor— fen, welches ſich unter den Papieren der Adminiſtration des Muſeums der Naturgeſchichte befindet Haͤ tte nicht ein fruͤ hzeitiger Tod dieſen ſchaͤ tzbaren Mann auf St. Domingo N weggerafft, fo waͤ re fiber von ihm ſelbſt das Reſultat ſei— ner Arbeiten über die Genealogie von Teneriffa erſchienen. nm np — — n 8 8 8 9 BR 133 Vulkaniſche Breccie, aus Fragmenten von weißlichtem Bimſtein, die durch eine erdigte, zerreibliche, gräuliche Lava miteinander verbunden ſind. Dichte Lava mit Muſchelkalkſtein uͤ berzogen. Roͤ thliche Granaten in eine dichte ſchwaͤ rzliche Lava gehuͤ llet. Loͤ cheriche ſchwaͤ rzliche Lava. Das Innere von einigen der Cellen enthaͤ lt kleine Kuͤ gelchen von weißem Spath, andere ſind von einem eiſenhaltigen gelben zerreiblichen Oker voll. Gruͤ ner glanduloͤ ſer Trapp, 5 Cryſtallen von Feld⸗ ſpath enthält. N Schwarze Schlacke mit einer fehr dünnen Lage einer Art glasartigen Lava von braͤ unlicher Farbe bedeckt. Eine blaͤ ulicht graue, thonichte, nicht harte, zellige Lava, mit freien und dicht neben einander liegenden Po⸗ ren, zum Theil mit weißem Spath angefuͤ lt. Schwammartige ſchwarze leichte Lava. Zellige braͤ unliche ſchwere Lava, die Hoͤ hlungen mit einer grün gelblichen Subſtanz überzogen, die große Aehn— lichkeit mit dem erbigien Chlorit hat. Bimmſtein. Dichte Lava, die Criſtallen von gemeiner Hornblende enthaͤ lt. Dichte ſchwarze Lava mit gruͤ ngelblichen Chryſolitkoͤ r⸗ nern und Cryſtallen von gemeiner Hornblende. Leichte thonichte Lava. Zellige ſchwaͤ rzlich graue und thonigte Lava, die Hoͤ h— lungen ſind zum Theil mit Zeolite überzogen. Eine ähnliche noch feſterk. 134 Zellige thonigte Lava, von einem eh violetichten Braun, deren Hoͤ hlungen Kuͤ gelchen von weiſſem Kalk⸗ ſpath enthalten. Aus Feldſpath, Quarz, Granaten und gemeiner Horn⸗ blende beſtehender Granit. Thonigter Felsſtein mit Cryſtallen von Feldſpath und gemeiner Hornblende. Dichter gelblicher zum Theil decompenirter Baſalt. Graulicher porphyriſcher Felsſtein. Mit Glimmer geſchichteter Sandſtein. Dreizehntes Kapitel. Zoologie. Teneriffa verdankt der Naͤ he von Europa und den haͤ u— figen Verbindungen mit dem Mutterſtaat einen Theil feiner Hausthiere; das Pferd, den Eſel, den Mauleſel, den Ochſen, das Schwein, das Schaaf, die Ziege, den Hund, die Katze, den Truthahn, den gewoͤ hnlichen Hahn, die Gans, die Ente, die Taube u. ſ. w.; aber dieſe Thiere haben ſich wenig auf einem Boden vermehrt, deſſen Frucht— barkeit der Temperatur des Klimas nicht entſpricht. Der Eſel, die Ziege und das Schwein ſind dort am zahlreichſten. Die obſchon magern und kleinen Pferde haben indeß den— noch Staͤ rke ). Aus Afrika iſt das Kameel hieher verpflanzt. In An— ſehung der wilden Thiere ſo finden ſich unter den ) Die Race Pferde, welche man auf den Inſeln antrifft, iſt die der Barbarei, naͤ mlich die beſte nach den arabiſchen. Durch die Vermiſchung dieſer Pferde mit den Eſeln, die ebenfalls von ſehr ſchoͤ ner Race auf den Inſeln ſind, entſtehen treffliche Mauleſel, von großem Nutzen in einem gebirgigen Lande. (s.) 130 Saugthieren. I Die Maus, die Rate, das Kaninchen, und zwei Arten N Sfedermäufe, wovon eine ſehr klein iſt ); | Kriechenden. Die gruͤ ne Eidechſe, dicker und gelenkiger als die in Frankreich; die gruͤ ne Renette und der Laubfroſch; | Voͤ geln ). Der Rothſpecht. Picus medius ). *) Man muß zu dieſer Lifte von vierfüßigen Thieren, welche die kanariſchen Inſeln ernähren, die wilde Ziege und Katze hinzufuͤ gen. Hr. Le Dru hat bereits in dieſem Werke des Hirſches und des Rehes erwaͤ hnt. „*. Die in dieſer Notiz angeführten Vögel hat mein Kollege Mauger geſammelt; fie befinden ſich fat alle in den Gal— lerien des Nationalmuſeums der Naturgeſchichte. Letztere habe ich mittelſt eines Kreuzes bezeichnet. Die lateiniſchen Namen ſind aus der von Daudin verfertigten Ueberſicht (in 16. Paris bei Plaſſau im Jahr 10) gezogen. Die Zug⸗ vogel kommen von der Kuͤ ſte von Afrika, und kehren dort bei ihren periodiſchen Wanderungen wieder zuruͤ ck. | *) Der berühmte engliſche Ornithologe, Latham, verſt⸗ chert geradezu, der Rothſpecht mit rothem Kopfe (pieus medius) wäre in fruͤ herem Alter der gemeine Rothſpecht (pieus major), Auch Buffon war der Meinung, dieſe bei⸗ den Vögel wären nur Varietaͤ ten derſelben Art. Kaum darf man nach den Beobachtungen Lathams zweifeln, die— ſer große Naturforſcher habe bei dieſer Gelegenheit ſo wie bei allen andern nicht richtig geurtheift. Die Arten find in der Natur ſelbſt bereits vielfach genug, ohne deren Zahl durch nicht gegründete Abſchnitte zu vermehren. Sn: dem Hr. Le Dru den rothkoͤ pfigen Rothſpecht iſolirt, iſt er der Meinung der meiſten neuern Ornithologen Ke ich bal te fig aber nicht für gegruͤ ndet. S. X . nnn ̃ . n T n r . RR Be BETTEN 1 137 Der Geier. Ourigourap, Vultur ourigourap. Buffon gemalte Kupfer 427 ). Derr kleine oder weiße Geier. Vultur leucocephalus. Innerer Theil des Kopfes gelb, Schnabel braun, die Ex— tremitaͤ t der Fluͤ gel ſchwarz, fuͤ nf Fuß die Weite ſeiner ausgebreiteten Fluͤ gel ). *) Das illuminirte Blatt Nro. 427 der Voͤ gel der Buffon⸗ 0 ſchen Naturgeſchichte ſtellet den Geier von Malta dar | (Vultur fuseus, Lath.). Dieſer Geier iſt der naͤ mliche als der egiptiſche (Vultur percnopterus), an welchem ich viele Aehnlichkeit mit dem Ourigourap finde. Buffon hat aber den eigentlichen Ourigourap nicht gekannt; weil man dies ſen Vogel nicht als eine beſondere Art anſiehet, oder weil er nur, wie ich glaube, eine wenig verſchiedene Va— rietaͤ t des egiptiſchen Geiers zu ſeyn ſcheint. Le Vaillant verdankt man die erſte und bis jetzt auch die einzige Be— ſchreibung des Ourigourap (S. deſſen Voͤ gel von Afrika). Der ein wenig barbariſche Name, den dieſer Reiſende dem Geier, wovon die Rede iſt, gegeben hat, ruͤ hrt von einem Voͤ lkchen der mittaͤ glichen Spitze von Afrika her, das ihn ſo nennt; und dieß Wort bedeutet in der Sprache der 0 Hamaquols Weisrabe. Die Federn find wirklich von einem matten Weiß, mit Ausnahme der Schwungfedern der Fluͤ — | gel; dieſe find ſchwarz. Die Eriftenz dieſes Vogels auf. den kanariſchen Inſeln beſtaͤ rkt mich in der in meiner Aus: 0 gabe von Buffons Werken geaͤ ußerten Meinung über die | Identitat der Art des Geiers von Malta, des Geiers von Egipten, und des Ourigourap. (S.) ) Eine umherziehende Art, die ſich im Sommer auf den Alpen und den Pyrenaͤ en zeigt. Auf dieſer letzten Berg: kette hat fie Hr. v. Lapeyrouſe beobachtet und beſchrieben. Die Bewohner von Ober-Comminges nennen ſie Alimoche. Dieſer Geier hat einen noch eckelern Appetit als die ͤ bri— | gen Vögel feines Geſchlechts. (S.) 138 Der Sperber. Nisus vulgaris. Ein kleiner Raubvo- gel mit roͤ thlichem Gefieder, der dem Sperber ahnlich ſieht ). . ö Der Buſſaar von einem dunkelſchwaͤ rzlichen Braun. Buteo vulgaris. ö Circus aeruginosus. | Der Hühnergeier, mit einem fehr langen gabelfoͤ rmigen Schweif. Milvus vulgaris. Der Thurmfalk. Falco tinnunculus. Die Kircheule. Strix flammea. Ein kleiner Buntſpecht. Grauer Ruͤ cken; weißer Bauch; Schnabel, Seite der Augen, Extremität der Fluͤ gel, und über dem Schweif ſchwarz ). Die Droſſel. Turdus musicus. Die Amſel. Turdus merula.“ ö Der gemeine Staar. Sturnus vulgaris. Der Gruͤ nfink. Loxia chloris. Ein dickerer, ſtaͤ rkerer und ſchoͤ nerer Fink als der in Frankreich, mit dunklen Farben. Fringilla caelebs. Der kanariſche Zeiſig. Fringilla canaria. ***) ES „ Vielleicht der gemeine Sperber, wenn er jung iſt, oder eine Art Lerchenfalk. (S.) g g **) Dieſer kleine Buntſpecht ſcheint nur ſehr wenig von dem grauen Buntſpecht (Canuius excubitor) verſchieden zu ſeyn. *ν Nach Blumenbach brachte man im Anfang des ſechs zehn⸗ ten Jahrhunderts zuerſt den Zeiſig von den kanariſchen Sn: ſeln nach Europa; ſeitdem iſt er aber dort in verſchiedene Varietaͤ ten ausgeartet. Die urſprüͤ nglich wilde Race hat einen graubraͤ unlichen Körper, eine gelbe Bruſt, und grünliche Federn auf dem Schweif und den Flügeln. Von Weitem würde man ihn für den europälſchen Hänfling halten. | EEE 8 De STE Te - EL Der Hänfling. Fringilla linota. Der Diſtelfink. Fringilla carduelis. Der Gruͤ nling. Fringilla spinus. Emberiza petronia mit gelbem Fleck unter dem Halſe. Die Goldammer. Emberiza cristinella. Emberiza miliaria. Buffon illumin. Platte No. 233. Zwei andere nicht beſtimmte Emberizes. Der Rabe. Corvus coxax. Sitta europaea. 5 Eine Blaumeiſe. Parus caeruleus. Dunkeler als die europaͤ iſche; ſie hat einen Zirkel von weißen Federn auf dem Kopfe, und aͤ hnelt der kleinen Kohlmeiſe. | Die Lerche. Alauda arvensis. Die Feigendroſſel. Sylvia ficedula. Das Rothkehlchen. Sylvia rubecula. Hat dunklere Farben wie das in Frankreich. 8 Der Zaunkoͤ nig. Sylvia regulus. Die Grasmuͤ cke. mit ſchwarzem Kopfe. Motacilla atri- capilla. Buffon 580. | Die Grasmuͤ cke mit ſchwarzem Kopfe und rothem Rand um die Augen. Motacilla leucogastra.. (Mus. Parise.) Die Grasmuͤ cke mit gelben Fußwurzeln. Motacilla sylvia. Ueber den Fluͤ geln fahlroth, uͤ ber dem Koͤ r— per grau “). . *) Zwei Arten Grasmuͤ cken find bekannt, mit gelben Fuß— wurzeln, 1) die Rohrgrasmuͤ cke (motacilla arundinacca)), 2) die Grasmuͤ cke mit gelben Fuͤ ßen (sylvia rubricata)/ welche aus Neu⸗Suͤ d⸗Wallis gebracht worden iſt; ihre 140 f | Die weiße Bachſtelze. Motacilla alba. Die graue Bachſtelze. Motacilla cinerea. Die gelbe Bachſtelze. Motacilla boarula. T Eine Bachſtelze mit dunkelgelbem Bauch und ſchwor zem Halſe. + Eine Bachſtelze mit helgelbem Bauch und weißlich⸗ ter Bruſt. + Eine Bachſtelze, deren Bruſt und Bauch weiß ſind, durch eine ſchwarze Linie von einander geſchieden. ö Die Rauchſchwalbe. Hirundo rustica. Die Mauerſchwalbe. Hirundo apus. Dieſe beiden Arten halten ſich nicht lange auf Teneriffa auf, und pflanzen ſich dort ſelten fort. Der Wiedehopf. Upupa epops. Eine wilde Taube, der Haustaube in Frankreich aͤ hn— lich, die aber in die Jelſen niſtet. Columba aenas. | + Eine Holztaube , nicht fo groß als die europaͤ iſche, mit rothem Schnabel, oben und unten an der Seite des Halſes erzfarbig. + Eine afrifanifche Turteltaube. Columba afra. Huf. fon illum. Kupf. No. 160. Beſchreibung paßt aber nicht auf die Grasmuͤ cke mit gelben Füßen der kanariſchen Inſeln; nothwendig muß man daher die Benennung von dieſer veraͤ ndern, um die Verwirrung, die in der Nomenklatur dieſer und einiger andern ſich ihnen naͤ hernden Thierarten herrſcht nicht zu vermehren. Es ge: hörte ſich ebenfalls, der kanariſchen Grasmuͤ cke den ſpeci⸗ fiſchen Namen, Motacilla sylvia, nicht zu geben, weil da— mit die graue Grasmuͤ cke bezeichnet wird, deren Füße nicht gelb find. (S.) Er 8 SEI A 8 5 8 8 n og 141 + Ein Sandhaſelhuhn. Tetras arenarius. Kopf und Kropf grau, unten und an der Seite des Halſes fahl— 8 roth mit ſchwarzen Flecken ei dem Kropf und 1 dem Bauch ). | Das rothe Felsrebhuhn. Tetras petrosus. Ueber dem NRNopfe ein fahles Roth, einen rothen Krink um die Augen, Bruſt grau unterwaͤ rts, an beiden Seiten aber braun mit dowieiß gemiſcht. || | Die Wachtel. Perdix coturnix. | Der Sturmvogel. Procellaria pelagica. Der Sturmverkuͤ ndiger. Procellaria puffinus. Die Seeſe chwalbe. Sterna hirundo. Die kleine Seeſchwalbe. Sterna minuta. + Die Seemoͤ ve mit ſchwarzen Ruͤ cken und Fluͤ geln. TE rus marinus. Kopf, Hals, Schwanz, und unter dem Bauch weiß, der Schnabel lang, krumm und roth unter— waͤ rts, Ruͤ cken und Fluͤ gel aſchgrau, lange ſchwarze Federn, die ſich mit einem weißen Fleck endigen. + Moͤ be .... . Schwanz, Bauch, und unterm Halſe weiß, Kopf und Ruͤ cken grau, Fluͤ gel ſchwarzbraun, langer krummgebogener Schnabel, hervorſtehende und laͤ nglichte Naſeloͤ cher. | ai | + Moͤ ve ...... Langer ſchwarzer Schnabel, nicht fo fſtark gebogen, die Federn gemiſcht grau, dunkeler auf dem Nauͤ cken als unter dem Bauche. *) Die Beſchreibung des Haſelhuhns ſtimmt nicht genau mit der, welche Pallas von dem Sandhaſelhuhn, das in der | Naͤ he des kaſpiſchen Meeres lebt, in dem ıgten Bande der Petersburger Commentarien mitgetheilt hat, uͤ berein. | Mir ſcheints, als bildeten dieſe beiden Haſelhuͤ hner zwei | befondere Arten oder wenigſtens verſchiedene Racen, 142 Die Waldſchnepfe. Scolopax rusticula., Die Heerſchnepfe. Scolopax gallinago. Die Waſſerſchnepfe mit weißem Sterz. + Eine Seelerche, die von den afrikaniſchen Kuͤ ſten kommt, und kleiner als die franzoͤ ſiſche iſt. | Die Strandſchnepfe. Scolopax totanus. Der Geiſtkopf. Scolopax aegocephala ). Schleimthieren *). Nackte Schnecken, die naͤ mlichen wie in Europa. Die gewoͤ hnlichen ſind die ſchwarze, die rothe, die aſchgraue, und die Landſchnecke. Man findet dieſe nackten Schnecken in den Weinbergen, in den Gaͤ rten und auf der Ebene von Laguna. 5 | Porcellainſchnecke. Cypraea lurida. L. Turbo variegatus Gm. 3608. *) Um dieſe Ornithologie der kanariſchen Inſeln vollſtaͤ ndig zu machen, muß man zu dieſer ſehr gut von Le Dru ent— worfenen Liſte noch zwei andere Arten hinzufügen, deren der Verf. bereits in dieſem Werke erwaͤ hnt hat, naͤ mlich: Die Trappe; Le Dru bemerkt nicht, von welcher Gattung: 5 Den Faſan (phasanus colehieus) / der auf Lancerota und auf Fortaventura gewoͤ hnlich iſt. (S.) 0 Das folgende Syſtem der Thiere ohne Wirbelbeine iſt nach dem Spſtem von La Mark entworfen. Es ſtellet in der von dieſem gelehrten Naturforſcher angegebenen metho— | diſchen Ordnung, die Thiere dar, welche von dem Kapitaͤ n Baudin, von Mauger und Le Villain auf Teneriffa ber merkt und geſammelt wurden, und die ich dort ebenfalls wieder erkannt habe. 5 | € Adanſon gibt dieſe einſchalige Schnecke auf dem über 1000 Metres hohen Gipfel der Gebirge an, und bezeichnet ſie mit dem Namen pouchet. (Voyage au Senegal. S. 18 Pl. 1. Gen, 5. fig. 2.) Testacula haliotoides. Fab. — Roissy Hist. natur. des Mollusq. 8. 253. | Dieſe Gattung lebt unter den Steinen; und verſtopft mit ihrer Schaale die Oeffnung, wo ſie hineingegangen iſt. Sie kommt bei Nacht heraus, um BR zu ſuchen. (Mauger.) ) ) Hr. Bory de St. Vincent hat auf der Rheede von St. Crur folgende Gattungen von Würmern beobachtet. -(Essais sur les Isles fortanées. S. 370.) Der Gruͤ nrücken. Nerris viridis, actinia rufa, actinia crassiocornis, Seche Meduse, 5 Medusa pelagica, (Der Comet Muͤ l.) asterias rubens, N asterias violacea, Asterias seposita? Sept. has. XIII.; Der eßbare Meer⸗Igel, echinus esculentus, Die See-Eichel, lepas balanus, Lepas balanoides, L. Lepas testudinarius, Muller Lud. ulr 467. No. 4. madrepora annua. Eponge | | Eponge dichotome, spongia dichomata , Seerinde, flustra foliacea, | flustra truncata, 14% Pagurus. Schaalthieren Pagurus bernardus. N Pagurus strlatus. Am Ufer des Oceans in der Naͤ he von Candelaria. Oniscus asellus. L. Oniscus spinosus. Fr. Oniscus psora. L. Oniscus psora. L. Letztere beide befinden ſich auf den vom Ocean beſpuͤ l⸗ ten Felſen. Forbicina argenta. Lam. Die von Baudin und Mauger aus Teneriffa mitgebrach— ten Inſekten ſchmuͤ cken jetzt die Galerien des Muſeums. Ich habe ſie mit einem Kreuz bezeichnet. Die meiſten hat Hr. La Freille beſtimmt. Ich bezeige meine Verbindlich— keit dieſem gelehrten Enthomologen, der mir einen Theil ſeiner Arbeit hat mittheilen wollen. Tubulaire flustra papyracea, flustra pilosa, Tubularia muscoides, corallina opuntia, cosollani officinalis, 8 sertularia pumila, i sertularia tamarisca, sertularia melezina, sertularia cupressina, sertularia pluma, sertularia antennina , Ä Alcyonium, sive vesicaria magna. Etlis. | | | | By ER Sn ER SEEN) 145 Arachniden Aranea fasciata. L. Aranèea sexoculata. L. Die Senfterfpinne, Aranea domestica.L. Folgende Note iſt mir durch einen Teneriffer Arzt mitgetheilt: Acarus scabiei. L. Acarus reduvivus. L. (Hundsmilbe.) Acarus hispanus L. Acarus ricinus. L. (Der Holzbock. ) Acarus sivo. L. (Die Kaͤ ſemilbe.) Pediculus bovis. L. Pediculus sternae. L. N Ueberhaupt ernähren die Saugthiere und die Vögel von Teneriffa, gleich den europaͤ iſchen eine u Schmarotzer⸗ Inſekten. Scolopendra morsitans. L. Judianiſcher Scolopender. Sein ſechzehn Centimeter langer Koͤ rper iſt braungrüͤ n⸗ lich am aͤ ußerſten Rand der Ringe. Ignſekten 8 Hornfluͤ geldeckige. + Scarabeus silenus, mas. Oliv. 5 Eine Vorietit davon Copris rubidus. Oliv. Copris septem maculatus. Oliv, Copris Antenor. Oliv. Copris paniscus. Oliv. Copris bison. Oliv. Mauser hat dieſe Miſtkaͤ fer auf dem am meiſten be⸗ ſuchten Wege von St. Crux nach Orotava wahrgenommen. Le Dru Reiſe. I. Bd. K . Melolontha vulgaris. Tab. Getonia limbata. Fab. f Cetonia aeruginosa. L. Dermestes pollio. L. | Sylpha lunata. Fab. Es unterſcheidet ſich davon durch leichte Ruanzen: Gyrinus natator. In dem Strom, der von Laguna nach St. Crux fließt. Dysticus uliginosus. Fab. + Neun unbeſtimmte Arten. + Drei Linien lang, fein punktirt, laͤ nglicht, ſchmal, ein wenig wollig, aſchgraue Augen, das Bruſtſchild faſt wie ein abgeſtumpftes Herz, die Fluͤ geldecken punktirt. + Elaphre. | + Staphelin. T Ptinus sulcatus. + Bupreste. Mehrere Arten. I Apalux. c + Opatre des Sables. Opatrum axenarium. + Tenebrio. Zwei Arten. | + Blaps buprestoides. Blaps buprestoides, Oliv. + Pimelie muricate. Pimelia muricata. | Capxicorne africain. Cerambix afer. Fab. | + Capricorne, drei andere Arten. | | Lamia pedestris, Fab., iſt gewohnlich auf der eu- phorbia canariensis. + Callidee. 5 T Septure. * + Trogosite bleue. Trogassita caerulea. Oliv. + Chrysomele. Zwei Arten. | + Charauson, Fünf neue Arten. * | | 147 + Brachycère. Neue Art, braunſchwaͤ rzlich, aſchgraue f Augen, Antennen und Fuͤ ße braunroͤ thlicht, die Fluͤ gelde— cken ſchwarz geſtreift. N + Der gelbe Schildfäfer. Cassida flava. Fab. + Der Sonnenfäfer, das Fuͤ nfpunkt. Coccinella quin- que punctata. Fab. 2. Orthpteren Forficularia auricularia L. Forficularia argentea. Fab. Forficularia dentata. Fab. Blatta americana. L. Nicht fo häufig als auf den Antillen, von woher ſie die Schiffe mitgebracht haben. ö Gryllus fasciatus. Eine mir von einem Teneriffer Arzt mitgetheilte Note. Acrydium ast. subulato. Acrydium migratorium. Oliv. Acrydium luridum. Fab. Acrydium ferrugineum. Der Bewohner von Teneriffa wuͤ rde dieſe Heuſchrecke nicht zu fuͤ rchten haben, die ſeinem Boden fremd ſind (die drei letztern Arten), wenn die Oſt- und Suͤ doſtwinde fie nicht zu Zeiten auf die kanariſchen Inſeln brächten, nachdem fie fie über den heißen Sand des aͤ quinoctial⸗Afrikas ges führt haben. Man ſiehet dann unzählige Schwaͤ rme Heu— ſchrecken, Grillen auf die Aecker niederfallen, und in wenig Tagen die Blaͤ tter, die Ranken, die Fruͤ chte ſelbſt | ) Nach der Etymologie mit gerade aufſtehenden Fluͤ geln? Hr. Profeſſor Illiger ſcheint dieſe Ordnung mit wahrem Recht/ Säherflügel, plecoptera, zu nennen. v. 3. K 2 148 verzehren, und die Ueberbleibſel des Gruͤ ns vernichten. f Der Geſchichtſchreiber Viera entwirft ein furchtbares Ge⸗ mälde von dieſen zerſtoͤ renden Landplagen. Unter andern fuͤ hrt er die an, welche die kanariſchen Inſeln in den Jah⸗ ren 1588 und 1759 verwuͤ ſtet haben. 1 Montis superstitiosa. Fab. Auf den Orangen. Einige andere Gattungen derſelben Art, wovon ſich eine auf der globulaxia salicifolia finder. 3. Mit netzfoͤ rmigen Fluͤ geln. I idellula rxubicunda. L. Libellula variegata. F. Laͤ ngſt dem Kanal von Laguna in der Ebene. 4. Hautfluͤ gelige. + Ichneumon. S S echs unbeſtimmte Gattungen. + Gelbe Ophion. Ophion lutens. Fab. Evania appendigaster. Fab. Ziemlich häufig auf den Orangenbaͤ umen. e + Hylaeus. Fab. Zwei Gattungen. 5. Staub fluͤ gelige. T Sphinx, eine neue Gattung, die ſich der des Sphinx der Faͤ rberroͤ the naͤ hert. Sphinx euphorbiae. L. Sphinx convolvuli. L. Sphinx vitis. Fab. Sphinx stellatarum, L. Papilio cardui. L. Papilio brassicae. Papilio argia? Fab. | 249 Papilio belia. L. Papilio rhamni. L. Papillon. Eine neue Art, die fich den Saty⸗ ren naͤ hert. Hesperia. Drei neue Gattungen. Papilio machaon. L. Gewoͤ hnlich | Papilio chrysippus. L. | Bombix mori. L. 6. Zweiflügelige Musca stercoraria. L. Musca cellaris. L. Musca meteorica. L. Musca serrata. L. Musca vomiforia. L. Musca carnaria. L. 5. Ungeflügelte Baccinium reticulatum. L. 150 Zuſatz zur Geſchichte der kanariſchen Inſeln von Hrn. Sonini. Man darf ſich nicht wundern in einem das ganze Jahr hindurch weder von einem Fluß, noch bedeutendem Bach bewäſſerten Lande, das kein See, kein Teich, noch eine Lache befeuchtet, deſſen Boden kaum eine Quelle von bare tem, rohen, nicht ſtets fuͤ r das Beduͤ rfniß der Bewohner hinreichendem Waſſer durchlaͤ ßt ), in der Aufzaͤ hlung der dieſem ausgetrockneten Boden von der Natur zugeſtande⸗ nen Thiere, die ſonſt faſt durchgehends an Arten und In⸗ dividuen zahlreiche Klaſſe gar nicht zu treffen. Die reiſen⸗ den Naturforſcher, welche auf den kangriſchen Inſeln ges weſen ſind, erwaͤ hnen der Fiſche in ſuͤ ßem Waſſer gar 1 nicht, und es ſcheint ausgemacht, daß es deren auf dieſen Inſeln nicht gibt ““). Indeß fuͤ hren die ſpaniſchen Auto⸗ *) Man ſagt, das Laſtvieh ſauge, um den Durſt zu loͤ ſchen, die Wurzeln einer Lamona genannten Pflanze aus, die mir der Asphodil zu ſeyn ſcheint, oder fie ſoͤ ffen Meer: waſſer. Letztere Art, den Durſt zu ſtillen, iſt nicht ohne Beiſpiel auf einigen Inſeln des Suͤ dmeeres. (Bory Saint- Vincent, essais sur les isles fortunées. S. 220.) **) Ich habe keine Gelegenheit gehabt, die Fiſche des Landes zu ſehen, auch weiß ich nicht, ob es dort dergleichen in füßem Waſſer gibt. Corneille redet nach den Reiſenden von Fiſchen der kanariſchen Inſeln; allein aus dem We⸗ nigen, was er anfuͤ hrt, iſt nichts mit Sicherheit zu beſtim— men. Man findet in der Hinſicht eine ſehr ſpaßhafte No— tiz in folgender Compilation: Abregé de histoire des voyages ou il est dit qu'on estime assés aux canaries une sorte d’anguille qui a six ou sept queues longues d'une aune, jointes A un corps qui a une tere de meme longeurs Bory de Saint-Vincent , Essais sur les isles fortunees, S. 364. un er 191 ren, welche die Geſchichte der Guanches beſchrieben haben, dieſe ehemaligen Bewohner der kanariſchen Inſeln fingen die Fiſche in ihren Meeren und Fluͤ ſſen. Wahrſcheinlich war der Mangel an Waſſer ehemals nicht ſo groß als jetzt. Die zum Theil mit dicken Waldungen bedeckten Berge machten den Regen nicht ſo ſelten und reichlicher, waͤ hrend der Boden dieſer naͤ mlichen Berge, die vielleicht mit einer nicht ſo harten und nicht ſo dicken vulkaniſchen Schicht be— deckt waren, leicht von den Gewaͤ ſſern durchdrungen werden konnten, die im Innern der Erde hinlaͤ nglich große Waſſer⸗ behaͤ lter bilden mochten, um ohne Aufenthalt das zum Lauf der Fluͤ ſſe noͤ thige Waſſer zu liefern, deren Bett jetzt trocken iſt. An den hoͤ chſten der Vegetation faͤ higen Orten, in den Räumen, die ſich zwiſchen den Baſaltfelſen finden, Baͤ ume anzupflanzen; -dieß iſt, wie Hr. Le Dru ſehr richtig bemerkt, das einzige Mittel, um das Anſehen der kanariſchen Inſeln zu verändern, und jene Sruchtbar- keit, jene Friſche, jenen Ueberfluß wieder herbei zu fuͤ hren, die ihnen ehemals die glaͤ nzende Benennung „der gluͤ ck⸗ lichen Inſeln“ erwarben. Das tiefe Meer, welches dieſe Inſeln umſpuͤ lt und trennt, bietet keine großen Huͤ lfsquellen zum Fiſchfang dar. Die Bewohner derſelben finden ſie ſicherer an den niedrigen und fiſchreichen Kuͤ ſten von Afrika, nur im Fruͤ hjahr koͤ nnen ſie mit Vortheil an den Kuͤ ſten des Vaterlandes Angellei— nen auswerfen, und die Netze audfpannen, wenn die Ma⸗ krelen in unzaͤ hliger Menge hieher kommen. Ihre gewoͤ hn⸗ liche Methode, dieſen Fiſchfang mit Gewinn zu treiben, beſteht darin, ſich mit Kerzen zu verſehen, ſo bald die Nacht uͤ ber das ruhige Meer ihre Dunkelheit ausgebreitet hat, und ſich in den Kaͤ hnen in einiger Entfernung von der FTF % vet + sr Z RE 2 * 5 87 DRS EM TREE 2 — N 152 Kuͤ ſte zu zerſtreuen; von Zeit zu Zeit bleiben ſie ruhig an einer Stelle, halten dann ihre Fackeln über der. Oberflaͤ che des Waſſers, ſo daß ſie ihnen leuchten, ohne geblendet zu werden, und ſobald ſie nun die Makrelen um das Feuer verſammelt erblicken, werfen ſie die Netze nach ihnen aus, und fuͤ hren ihre Kaͤ hne bald voll Fiſche zuruck. Uebrigens iſt nach Adanſon die Makrele der kanariſchen Inſeln nicht von der naͤ mlichen Art als die, welche man an den euro— pöifchen Kuͤ ſten ſieht; fie iſt nicht fo breit und kleiner, obgleich ſehr lang; ſie hat eine dunkelweiße Haut auf dem Ruͤ cken, eine ſilberfarbige und angenehm gemiſchte hinge⸗ gen auf dem Bauch; ihr Fleiſch iſt weiß und feſt, indeß ein wenig trocken; ob fie nun zwar den europaͤ iſchen nach— ſteht, ſo iſt ſie dennoch von gutem Geſchmack ). Die Kultur, wodurch man den unter dem Namen des Malvoiſir der kanariſchen Inſeln bekannten Wein erzielt, iſt beinahe die nämliche, wie man fie an der Oöte Rötie, am Ufer der Rhone antrifft. Kleine Mauern von Stei⸗ nen, die nicht durch Moͤ rtel mit einander verbunden ſind, von Diſtanz zu Diſtanz quer über dem Hügel errichtet, dienen dazu, die Erde, ſo wie auch die koſtbare Feuchtig— keit zuſammen zu halten, die ſie durch den Regen in ſich ziehet, waͤ hrend ſie zugleich die Hitze durch den Wieder— ſchein der Sonnenſtrahlen erhalten und vermehren. Dieſe niedrigen Mauern ſind zwar dem Anſchein nach nicht feſt, werden nichtsdeſtoweniger ſelten von Regenguͤ ſſen wegge— riſſen, weil das uͤ berfluͤ ſſige Wal er zwiſchen den ſchlecht verbundenen Steinen einen Abzug findet; wirft indeß die Heftigkeit der Stürme dieſe Damme, derer Schwäche gerade *) Adanson, Voyage au Senegal, S. 7. 5 8 R 4 e ll 9 f 8 u K 1 1 1 ; a K * c 8. dnn . — De a WWW c 8 153 ihre Staͤ rke ausmacht, uͤ bern Haufen, ſo iſt dem Uebel bald wieder geholfen; man kann ihm ſelbſt zuvorkommen, ſagt Adanſon, indem man uͤ ber der hoͤ chſten Mauer ein Band von dicken ein wenig gebogenen Steinen gehen laͤ ßt, um die Heftigkeit des Waſſers zu brechen, und es abzuleiten ). | Nach der am allgemeinften angenommenen Meinung wird der Archipel der kanariſchen Inſeln als die Ueber— | bleibſel eines ungeheuren Zerreiſſens angeſehen, wodurch er vom feſten Lande von Afrika getrennt worden iſt, wie die Extremitaͤ t eines Landes, das durch die Wogen umge— ſtuͤ rzt, und von den Tiefen des Oceans verſchlungen iſt. Phyſiker haben dieſe Meinung widerlegen, und jeden Ge— danken einer ähnlichen Kataſtrophe in dieſem Theile der Welt verwerfen zu muͤ ſſen geglaubt. Die Naturforſcher der letzten Expedition des Kapitaͤ n Baudin haben mit vie— lem Scharfſinn die Frage der ehemaligen Vereinigung der kanariſchen Inſeln und des feſten Landes, oder die Exiſtenz der Atlantide der Alten in Betracht gezogen; und das Reſultat dieſer Unterſuchung geht dahin, Daß eine völlige und allgemeine Verſchiedenheit zwiſchen der Bildung der atlantiſchen Inſeln und der des benachbarten Continents jede Idee von gemeinſchaftlichem Urſprung oder ſelbſt von ehemaliger Vereinigung ausſchließen muß; daß die Hypo⸗ | thefe, nach welcher man die atlantiſchen Inſeln als die Reſte eines ehemaligen feſten Landes betrachten will, nicht zu behaupten iſt; denn, fuͤ gen dieſe gelehrten Reiſenden hinzu, da alle dieſe Inſeln vulkaniſch ſind, ſo muͤ ßte man annehmen, daß die Atlantis der Alten ein voͤ llig vulkani— ſches feſtes Land war, oder daß allein die pulkaniſchen * Yoyage au Senegal, S, 10. a 154 Theile dieſes Continents von der Kataſtrophe, wodurch es verſchlungen wurde, verſchont worden find. Der einen und der andern Annahme geht jede Wahrſcheinlichkeit ab!). So gegruͤ ndet indeß auch dies Raiſonnement ſcheinen mag, ſo reicht es, wie mich duͤ nkt, doch nicht hin, um die Zweifel gaͤ nzlich auszuloͤ ſchen, welche das Zeugniß des Alter— thums im Geiſt zuruͤ cklaſſen, ſo wie die Analogie, welche zwiſchen dem Archipel der kanariſchen und andern Inſel⸗ gruppen exiſtirt, wovon es feſt bekannt iſt, daß ſie ehe⸗ mals Theile des feſten Landes gebildet haben; endlich die augenſcheinliche Gleichfoͤ rmigkeit zwiſchen den Ureinwoh⸗ nern der kanariſchen Inſeln und den Voͤ lkern von Afrika. Unter der Menge dieſer Uebereinſtimmungen muß man als eine der ſonderbarſten, den Gebrauch, die Todten ein zubalſamiren, eine Art religioͤ ſen rührenden Cultus, be— merken, der eben ſo ſehr dem zur Ehre gereicht, der ihn erweiſet, als dem, der der Gegenſtand deſſelben iſt. Die Kunſt, die Mumien zu präpariren, die von den alten Egip— tern vervollkommnet wurde, ward von den Guanches, dieſem ſanften weiſen Volke, ausgeuͤ bt, das die kanari⸗ ſchen Inſeln bewohnte, und deſſen durch mehrere fpanifche Schriftſteller auf uns gekommenen Geſchichte mit ſehr vie⸗ lem Intereſſe von Hrn. Bory de St. Vincent **) geſammelt iſt. Auf den kanariſchen Inſeln, ſo wie in den unterirdi— ſchen Gewoͤ lben Egyptens trifft man mehrere Sammlungs⸗ plätze von menſchlichen Mumien. Ein neuerer Reiſender hat uns eine Beſchreibung von einer dieſer Mumien gelie- *) Voyage de decouvertes aux terres australes etc. VOR Peron. S. 24. ** Essais sur les isles fortuneés. 1 1 er 100 fert, die der Generalgouverneur Marquis v. Brancheforte ihm zur Unterſuchung gegeben hatte. Dieſe Mumie war die eines Mannes, und die von Hrn. Golbery daruͤ ber mitgetheilte Nachricht kann großes Licht auf die unter den verſchiedenen Voͤ lkern des Alterthums uͤ blichen Einbalſa⸗ mirungsmethoden werfen. Von dem aͤ ußerſten Punkt des Gehirns bis unter die Ferſe, ſagt Hr. Golbery, hielt dieſe Mumie ſechs Fuß zehn Zoll. Die Geſichtszuͤ ge waren noch ſichtbar; die Haare ſchwarz, ſehr lang und gut erhalten, ſie trennten ſich indeß leicht vom Haupt. Die Kinnbacken hatten zwei und dreißig Zaͤ hne, die ſo feſt ſaßen, daß man ſie nur mite telſt eines Inſtruments ausziehen konnte. Die uͤ ber dem ganzen Koͤ rper ſehr gut erhaltene Haut war trocken, aber fein, von dunkelbrauner Farbe; Ruͤ cken und Bruſt waren mit Haaren bedeckt; Bauch und Bruſt mit Saamenhuͤ lſen angefuͤ llt; dieſe Huͤ lſen waren leicht und weiß, und ungefähr von der Größe der Reiskoͤ rner. Dieſe Mumie fand ich wie ein Wickelkind umwunden, und in drei Einfaſſungen von drei Zoll und einigen Linien breiten Baͤ ndchen gehuͤ llet, die aus gewebter Bock- und Ziegenhaut verfertigt waren. Nach der im Lande beglaubigten Sage befolgten die Prieſter der Guanches bei ihren Einbalſamirungen fol— gende Methode: Alle Feuchtigkeit des Kopfes und die Eingeweide wur— den herausgezogen. Hierauf wuſch man den ganzen Koͤ r— per in einer Lauge von Fichtenrinde; man beſtrich ihn mit ſehr heißer Butter oder mit Fett, die man in ſtarken und wohlriechenden Kraͤ utern hatte kochen laſſen, z. B. in Salbey und Lavendel, oder andern gromatiſchen einhei⸗ ee RR, 3 ER eee en . \ 156 miſchen Pflanzen, hierauf ließ man den Koͤ rper an der Sonne trocknen; war er recht trocken, fo wurden die naͤ m— lichen Operationen wiederholt, und man ließ ihn dann von neuem trocknen, bis der Leichnam von dem aromatiſchen Fett recht durchdrungen war, und nur erſt dann, wenn der Koͤ rper recht leicht ward, wurde die Operation vollkommen. Hierauf huͤ llete man ihn in drei Einwickelungen von Band, und die Mumie ward mit allen Begräbnißceremo- nien in die Höhle, wo fie bleiben ſollte, gebracht, und wo man fie aufrecht in ihre Niſche ſtellte ). Der naͤ mliche Reiſende gibt uns noch andere Vermus thungen uͤ ber die ehemalige Vereinigung der kanariſchen Inſeln mit dem feſten Lande, oder wenn man will, von der Exiſtenz von Plato's Atlantide in alten Zeiten; er - ziehet dieſe Vermuthungen aus der Natur ſelbſt der Theile dieſes ehemaligen Continents, welche heut zu Tage noch da ſind. Ich will Hrn. Golberry's Bemerkungen beibrin- gen; fie laufen zwar denen der letztern Naturforſcher, die mit dem Kapitaͤ n Baudin gereiſet ſind, entgegen, indeß haben ſie ein bedeutendes Gewicht, da er Ingenieur war, und folglich Uebung in Hinſicht ſolcher Arten Bemerfun- gen erlangt hatte. Ich geſtehe, daß, ſo viel es moͤ glich iſt, ein ſicheres Urtheil in Hinſicht ſolcher Thatſachen zu fällen, die in die Dunkelheit der Zeiten gehuͤ llt find, ich eher geneigt der Meinung waͤ re, welche die heftige Tren— nung der kanariſchen Inſeln und Afrika's annimmt, als die der Phyſiker, welche fie verwerfen. Auf folgende Weiſe *) Fragmens d'un voyage en Afrique par M. Golberry. Cha . 0 9 ee, FE 0b | 157 erklärt ſich Hr. Golberry uͤ ber dieſen Punkt der alten Geo— graphie, der noch lange einen Zankapfel abgeben wird. „Das Eindringen des Oceans in das Baſſin des mitt— laͤ ndiſchen Meeres; die Wuͤ ſten von weißem beweglichen Sande, die zwiſchen Egipten und dem atlantifchen Oeean und zwiſchen dem ıdten und 35 Graden noͤ rdlicher Breite eine Oberflache von beinahe dreimal hundert taufend Quadratmei⸗ len bedecken; der vulkaniſche Zuſtand von allen den Inſeln, welche zu der Atlantide haben gehoͤ ren koͤ nnen; die uͤ ber— einſtimmenden Zeichen der vielfachen Zerreißungen auf allen Kuͤ ſten des weſtlichen Afrika noͤ rdlich der Linie; andere Umſtaͤ nde, wovon es hier zu weitlaͤ ufig waͤ re, ſie aufzu— zaͤ hlen, beweiſen: daß dieſe Weltgegenden durch ſchreck— liche Naturrevolutionen zerftört find, und eine andere Na— tur angenommen haben; daß der Zuſtand, worin ſie ſich jetzt befinden, nicht ihr urfprünglicher war, und daß die Sage der Atlanten von Afrika und der Atlantide, die ſich ſo viele Jahrhunderte hindurch erhalten hat, nicht ganz verworfen, oder in die Dunkelheit der allegoriſchen und fabelhaften Geſchichte verbannt werden muͤ ſſe.“ Dieſe Gegenſtaͤ nde, die ein intereſſantes Studium ge— waͤ hren, bieten ſich bei jedem Schritt, den man in Afrika thut, dar. Die Geologie dieſes Landes, die alten Beſchreibungen der Umſchiffungen von Afrika, die Anlagen der Phoͤ nicier auf den weſtlichen Kuͤ ſten zwiſchen dem Cap Palmes und der Meerenge von Gibraltar geben eben fo viele Veranlaſ— ſungen zu merkwuͤ rdigen Unterſuchungen ab ). ) Fragmens d'un Voyage en Afrique, Chap. 2. S. 97 und 98, 158 . Auf der Erde gibts nichts Gutes, das nicht auch mit einigen Uebeln verbunden wäre. Ohne von den Nachtheilen zu reden, die aus der Natur des Bodens und des Kli— mas entſtehen, ſind die jetzigen Bewohner der von den Al⸗ ten die gluͤ cklichen genannten Inſeln, (die von ihnen auch als der Aufenthalt der ſehr Gluͤ cklichen angeſehen wurden), einer ziemlich großen Menge Krankheiten unterworfen, die den Aufenthalt in ihrem Lande gefährlich machen, zumal für diejenigen, die nicht in Anſehung der Vergnügen, wozu das heiße Klima und ſo manche Reize mehr als anderswo einladen, zuruͤ ckhaltend und aͤ ußerſt vorſichtig ſind. Die 1 Krankheiten, welche die Schande und die Verzweiflung der Wohlluſt ausmachen, welche die Keime der Exiſtenz ſelbſt untergraben, ſind dort allgemein verbreitet. Die Kraͤ tze iſt dort zu Haufe, Faul- und auszehrende Fieber, der Seor— but, Coliquen und Durchlauf ſind haͤ ufig, und durch eine andere Verbindung mit Egipten verſetzt die ſcheußliche Ele⸗ phantiaſis oft genug das Volk der kanariſchen Inſeln in Jammer. | | 1 Se Ueberſicht der kanariſchen Inſeln. In einem durch große Fruchtbarkeit beguͤ nſtigten Lande iſt der Wachsthum der Bevoͤ lkerung dem gewoͤ hnlichen Gange der Natur angemeſſen; wenn ſich aber die Men— ſchen auf einem zum Theil durch Unfruchtbarkeit getroffes nen Boden vermehren, auf dem oft mehr verzehrt als ge— wonnen wird, ſo kann dieß politiſche Phaͤ nomen nur der Weisheit der Regierung zugeſchrieben werden, die mit allen Kräften den Ackerbau, die Induſtrie und den Han— del emporhebt. W | Im Jahre 1678 belief fich die Bevölkerung der Fana« riſchen Inſeln nur auf 105,637 Menſchen; im Jahre 1790 a betrug fie 174,026. Auf die Weiſe hat fie fich in einem Zeitraum von hundert zwoͤ lf Jahren um 68,389 Koͤ pfe ver⸗ mehrt. Wenige Staaten des Erdbodens koͤ nnten ſich wohl eines ſolchen verhaͤ ltnißmaͤ ßigen Zuwachſes ruͤ hmen. Auf den kanariſchen Inſeln iſt dieſe groͤ ßere Bevoͤ lkerung der beſtaͤ ndigen Sorgfalt einer väterlichen Regierung zu ver— danken. Die innere Verwaltung dieſes Archipels verbeſſert fich ſichtbar. Die über ihre wahren Vortheile aufgeklaͤ rte Adminiſtration hat bereits eine große Menge Mißbraͤ uche abgeſtellt. Indeß find dennoch mehrere Zweige der Staats— oͤ konomie bis jetzt vernachlaͤ ßigt, z. B. die wirthſchaftliche Behandlung des Holzes in den Waldungen; das Aufbe— wahren des Regenwaſſers, um zum Bewaͤ ſſern zu dienen; die Unterhaltung der Wege; die Anpflanzung von Frucht— baͤ umen; kuͤ nſtliche Wieſen an den Orten, die dazu faͤ hig find, aazulegen; weniger Luxus in den Kirchen, dagegen mehrere Werkſtaͤ tte zu Gunſten von armen Geſunden; mehr öffentlicher Unterricht u. ſ. w.; dann und nur dann erſt 160 werden die kanariſchen Inſeln den Grad von Wohl: habenheit erreichen, den ihnen ihr Klima . ihr Boden und das ) Ehe wir von den kanariſchen Jaſeln Abſchied nehmen, Genie I Bewohner v verbürgen 92 ſcheint es deßwegen fuͤ r deutſche Leſer nicht unzweckmaͤ ßig / der hier ihnen gegebenen ſchaͤ tzbaren Beſchreibung das Weſentlichſte hinzuzufuͤ gen, was ſachkundige Männer über ihre Entſtehung und heutige Bildung vorgetragen haben, befonders weil die in die Geogonie einſchlagenden Ideen des Bory de St. Vincent ſich bei der Ueberſetzung ſeines Werks ) uͤ ber dieſe Inſeln nicht finden. Ohne hier auf die vielen zum Theil ſehr ſeltſamen Hy⸗ potheſen uͤ ber die Atlantis der Alten und vorzüglich des Plato Rückſicht nehmen zu wollen, kann man nicht in Ab rede ſeyn, daß die Idee die Inſeln des weſtlichen Oceans von Afrika, naͤ mlich die Azoren, Madera nebſt ſeinen Ei⸗ landen, ferner die kanariſchen und die Inſeln des gruͤ ⸗ kules, tiſchen Meere lagen, nen Vorgebirgs, zuſammengenommen, am ſchicklichſten für die Ruinen jener bei den Alten ſo hoch geprieſenen Atlantis zu halten ſeyn dürften. Nachdem uns Hr. St. Vincent zuvor zu überreden geſucht hat, daß unter Her— wie Court de Gebelin annimmt, die Sonne ver- ſtanden werde, daß die hesperiſchen Gaͤ rten hier im atlan⸗ daß Teneriffa, eine der Heſperi— den, und der Pie von Teneriffa der wahre Atlas der Alten ſey, daß die heſperiſchen goldenen Aepfel die dor tigen Orangen ſeyen, und der ſie bewachende Drache nur der dort wachſende Drachenblutsbaum, dracaena, ſo be⸗ muͤ het er mit wirklich nicht zu verachtenden Gruͤ nden dar⸗ *) Essais sur les isles fortundes et antique Atlautide ete. par Bory de St. Vincent. Paris an XI. Chap. VI, und be⸗ ſonders VII. S. 427 U. f. Wenn RE RE S re Se a De REDET RENT ERNEUERT 161 zuthun, Cap. VII. daß die zuvor genannten Inſeln des noͤ rdlichen atlantiſchen Meeres als Bruchſtuͤ cke jener volkreichen, verſchlungenen Atlantis uns übrig geblie— ben ſind. | Mag nun gleich manches in den eben angefuhrten Hy— potheſen für grundlos gehalten werden, fo fpricht doch vieles zu Gunſten der Haupthypotheſe, welche uns hier angehet. Die Schoͤ nheit des Klimas, die Produkte der Azoren, kanariſchen und Cap Verdiſchen Inſeln kommen dieſer Idee zu Huͤ lfe. Noch mehr aber ihre Lage in We— ſten von Afrika und die Lage einzelner Inſeln gegen einan— der; ferner ihre heutige Bildung, ihre Vulkane, und übrigen hoͤ hern Gebirge, ihr primitives Geſtein, der Boden. Man ſiehet hier, wie beim Veſuv, und beſonders beim Aetna, daß offenbar nicht die Vulkane das Ganze gebil— det, ſondern nur zertruͤ mmert haben. Und ſo hoch die Wahrſcheinlichkeit iſt, daß Sieilien vormals mit Italien zuſammenhing, ſo ſcheint fie hier nicht minder fir das Daſein eines vormaligen großen Landes zu ſprechen, wo— von die angegebenen Inſeln als Bruchſtuͤ cke der Macht des Feuers und des Waſſers Widerſtand leiſteten. In wie fern nun die einzelnen Angaben, welche der Prieſter Patneis von Sais dem Plato (Plato im Ti— maͤ us p. 21 u. 22. edit. Serrani. über die alte verſun— kene Atlantis mittheilte, genau mit den hier aufgezaͤ hlten Inſeln zutreffen, und wie Hr. Vincent dieß alles mit vielem Geiſte auszugleichen ſucht, dieß verdient in ſeinem ſchaͤ tzbaren Werke ſelbſt nachgeleſen zu werden. Dort fin— det ſich eine eigene uͤ ber die Atlantis der Alten nach dieſer Hypotheſe entworfene Karte, welche zugleich unſere heu— tigen Inſeln, als einzelne Ruinen des ganzen großen Lan— des in ſich faßt. Freilich wird man ſie ſtets mit der Bil— ligkeit beurtheilen, die man einer bloßen aber vernunft⸗ ge Dru Reife, 1. Bd. L 162 vollen Vermuthung zugeſtehen muß. Merkwuͤ rdig genug kommt ihr uͤ brigens die Angabe der Epoche von der gro- ßen Erdüberſchwemmung zu Huͤ lfe, welche uns de Luc, Dolomieu und Pallas gegeben haben, wie dieß das ſchaͤ tz⸗ bare Werk des Herrn de la Malle auseinander ſetzt. M. ſ. Dureau de la Malle Geographie physique de la Mer noire et d P'Intérieur de “Afrique. Paris 1807. chap. XXX. S. 217 u. f. | | | v. 3. 163 | Vierzehntes Kapitel. 4 Abfahrt von Teneriffa — Taufe unter den Wendezirkeln — Angenehme Schifffahrt — Gefecht zwiſchen einem Wallfiſch und einem Schwertfiſch — Landung bei der Inſel Trinidad. Das Fahrzeug, welches uns von Frankreich nach Tene— rriffa gebracht hatte, war zum Theil vorn und hinten gebor⸗ | ſten. Der franzoͤ ſtſche Kommiſſaͤ r und Konſul auf den kanariſchen Inſeln, Clerget, erklaͤ rte es außer Stand, uns nach Trinidad zu fuͤ hren, und erſtand daher, an | deſſen Stelle von einem portugieſiſchen in St. Crux woh— nenden Rheeder die amerikaniſche Brick die Fanny von zweihundert Tonnen um 12,000 Piaſter ). Dieſer Zufall zwang Baudin auf den kanariſchen Inſeln ſieben und fuͤ nf— zig Leute feiner Mannſchaft, unter den Befehlen der Offi— ziere Angoumard und Beauſſard mit dem Auftrag zu laſ— ſen, ſie nach Frankreich zuruͤ ckzufuͤ hren. Er ſchiffte auf drei Monate Lebensmittel ein, und wir ſegelten den 18ten Maͤ rz von Teneriffa ab, nachdem wir uns hundert neun ) Der franzoͤ ſiſche Kaufmann Hr. Caſalon, deſſen bereits erwähnt iſt, ſchoß dieſe Summe auf eine edle Art vor. L 2 164 und zwanzig Taze auf dieſer e Kolonie aufge⸗ halten hatten. Den 2oten war ich Zeuge von einer facher auf allen Fahrzeugen gebräuchlichen Ceremonie, die den 23ten Grad der Breite erreichen; naͤ mlich von der Taufe unter den! Wendekreiſen. Den Abend vorher hatte ein aus d Maſtkorbe am Fockmaſt herabgeſtiegener Courir dem 909 taͤ n den von dem uͤ ber dem großen Ocean praͤ ſidirenden Gotte gefaßten Entſchluß angekuͤ ndigt, diejenigen unter der Mannſchaft, welche feiner Herrſchaft dieſen Tribut noch nicht gezollet haͤ tten, in dem Waſſer einer neuen Taufe zu regeneriren. Um zwei Uhr erſchien Neptun, einen Drei⸗ zack in der Hand, als Groͤ nlaͤ nder gekleidet auf dem Vor⸗ dertheil des Schiffes; man haͤ tte geſagt, er ſtiege aus der Tiefe des Meeres empor. Ein zahlreicher laͤ cherlicher Hof umgab ihn. Dieſe Maskerade, wuͤ rdig den Scenen des Sancho an die Seite geſetzt zu werden, ließ ſich auf dem Kaſtell des Hintertheiles des Schiffes um einen mit Waſ— fer angefuͤ llten Kübel nieder. Hierauf wurden auf Geheiß des Gottes der Stuͤ rme die Namen derer aufgerufen, die in dem Fiſchteich gewaſchen werden ſollten. Jeder derſel⸗ ben ward mit einer geringen Quantität Waſſer beſpritzt, und bezahlte dieſe Abwaſchung mit einigen Realen. Mei⸗ nen Kollegen und mir wurde daſſelbe Schickſal zu Theil. Die Schiffsjungen nebſt den jungen Matroſen kamen nun an die Reihe; fuͤ r dieſe ward dieſe Taufe aber ein wirk⸗ liches Bad; es entſtand indeß hiedurch unter dieſen und den pPrieſtern des Neptuns ein Kampf; in einem Augen⸗ blick war das Verdeck uͤ berſchwemmt, es regnete Ströme von Waſſer, wovon ein Theil auf uns kam, bis endlich der Kapitaͤ n den Abzug anbefahl, und Ordnung herſtellte. n e 7 I K 1 N Pr e ET TERTEB REN Rz, 165 Was fuͤ r ein herrliches Klima unter den Wendekreiſen! Weßhalb hat die Natur nicht mitten in die Meere der aͤ quinoctial⸗Zone die Eislaͤ nder des Polarzirkels gelegt, wo der Menſch ſtets im Kampf mit Baͤ ren und den Ele— menten bei muͤ hſeliger Arbeit kaum fo viel Nahrung zu— ſammenbringt, um fein ungluͤ ckliches Leben zu friſten? Waͤ hrend dieſer Fahrt habe ich oͤ fters das Schiff mit vie— len Meerſchweinen ) umgeben geſehen, die mit der groͤ ßten Geſchwindigkeit ſchwammen, hoch aus dem Waſſer fprans gen, und ſich ſogleich wieder hinabſtuͤ rzten. In einer Linie, zwei nebeneinander, ſehienen fie miteinander in Anſehung der Geſchwindigkeit zu wetteifern, und zugleich mit der des Schiffes, welches bald vorauskam, bald hinter ihnen blieb. Oefters habe ich des Morgens einige Stunden nach Son— nenaufgang mehrere fliegende **) Fiſche aus dem Innern der Wellen kommen und die Luft waͤ hrend einer Minute durchſchneiden ſehen, bis die Sonne ihre wie Fluͤ gel ge⸗ ſtalteten Bruſtfloſſen getrocknet hatte. Furchtſam und flie— hend ſchießen ſie in die Luft, um den moͤ rderiſchen Zaͤ hnen der Goldkarpfen **) und andern Tyrannen der Meere zu ) Delphinus phocaena. L. **) Die fliegenden Fiſche gehören zu den Geſchlechtern, | trigla, exocaetus und gasterosteus, ſo z. B. der fliegende Wachtel (exocaetus volitans), der Hochflieger (exocaetus evolans), die Meerleuchte (trigla lucerna, die Meerſchwalbe (trigla hirundo), der fliegende Fiſch (trigla volitans). #**) Coriphaena hippurus. L. Nichts kommt dem blenden- | den Glanz der Farben der Goldkarpfen unterm Waſſer I 3 gleich. Seine Augen ſcheinen in einem goldenen Rand | gefaßt, fein Rücken und feine Seiten haben eine eklatam / 166 gehen, die gierig nach ihrem Fleiſche fie öfters in dem Au⸗ genblick ſelbſt, wo fie untertauchen, freſſen. Mehrere fies len auf das Schiff; dieß war fuͤ r uns Manna in der Wuͤ ſte. Unter den Voͤ geln, die wir gewahr wurden, will ich die Seeſchwalben, die Fregatte, den Geck, den Tropikvogel nennen. Bekanntlich entfernen ſich letzte nie aus der Zone der Tropen, und ſcheinen nach Buffons Aeußerung an den Sonnenwagen befeſtigt zu ſeyn. Wenn ein Europaͤ er, der nach Amerika hinuͤ berfaͤ hrt, die Schiffsjungen von fünfzehn und alte Matroſen von ſechzig Jahren mit gleicher Leichtigkeit bis in die Gipfel der Maſten hinauflaufen ſieht, dann waͤ re es doch ſchan⸗ devoll, es wenigſtens nicht zu Zeiten zu verſuchen, ihr Beifpiel nachzuahmen. Die Naturforſcher und die Paſ— ſagiere haben dieſe angenehme Uebung zu Zeiten vorgenom⸗ men. Bald verfolgten fie ſich auf den Maſtkoͤ rben, oder aufs Tauwerk u. ſ. w., bald ward auch ein Glas Mal⸗ voiſier als Belohnung für denjenigen ausgeſetzt, der die Stangen, welche den Flaggenſtock halten, erreichen wuͤ rde. Dieß Unternehmen iſt aber ſchwierig, denn es verhaͤ tt ſich mit einem Schiffsmaſt nicht ſo wie mit einem Baum, auf den man leicht ſeiner Unbeweglichkeit und ſeiner Zweige wegen, welche die Form von Stufen haben, zu klettern * im Stande iſt. Auf der See hingegen halt das Schwan⸗ ken des Schiffes die Maſten in einer beſtaͤ ndigen Bewe⸗ gung, und die hoch in der Luft befindlichen Spitzen der⸗ blaue, und fein Bauch eine matte weiße Farbe, die dem Widerſchein des Silbers nachahmt. Alle dieſe Nuanzen wechſeln ab, und ſchmelzen in einander bei jeder Bewegung des Fiſches, der einer der gewandteſten des Oceans iſt. felben beſchreiben Bögen von einer Größe, die in direktem Verhaͤ ltniß ihrer Entfernung vom Centro zunimmt. Folg— lich muß der Kuͤ hne, der den Gipfel dieſer hin und her ſchwankenden Kolonnen zu erreichen trachtet, einen ruhigen Kopf, eine ſichere Hand, und den Fuß eines Seemanns haben; zwiſchen Himmel und dem Meere ſchwebend, wa— gen es feine Augen kaum, ſich auf das Fahrzeug zu rich- ten, das ihn hin und her ſchwingt, und ihn in ſeinem ſchnellen Gang fortreißt. Seit einigen Tagen kuͤ ndigten mehreren Seeleuten be— kannte Anzeigen die Nachbarſchaft von Land an; die Farbe des Waſſers war gruͤ nlicher und dunkler; zahlreiche Zuͤ ge von Vögeln erſchienen häufig um die Fanny, und den Abend war der Himmel in duͤ ſtere Wolken gehuͤ llt. End⸗ lich erblickten wir den zehnten April des Morgens die ſuͤ d— liche Kuͤ ſte der ſpaniſchen Befisung Trinidad, gegen die Spitze von Corral hin, weſtlich-ſuͤ d⸗weſtlich. Als wir uns um 10 Uhr einem Haufen Seefelſen gegenüber befanden, welche die blanchisseuses heißen, fand der Lootſe vier— zehn Klafter tief auf einem muſchelichen Sande Grund, und um eilf Uhr kamen wir in den Kanal, der die Inſel vom feſten Lande trennt. Hier gaben uns ein Wallfiſch *) oder Finnſiſch der Naturforſcher und ein Saͤ gefiſch *) in der Naͤ he des Fahrzeuges das Schauſpiel eines ſchrecklichen Kampfes. Dieſe beiden außerordentlich großen Thiere *) ſchoſſen mit großer Wuth auf einander los; die ſchleuni— *) Balena physalus. ) Squalus pristis. L. en) Der Finnfifch erreicht zu Zeiten eine Laͤ nge von drei: ßig Metres, und der Schwertſiſch die von ſechs bis fieben, — 168 gen Bewegungen des Wallfiſches, und die außerordent⸗ liche Staͤ rke ſeines Schwanzes, womit er ſeinen Feind zu treffen ſucht, brachten das Waſſer zum Schaͤ umen. Der Sägefifch dagegen, ſchneller und gewandter hob ſich in die Luft, um lothrecht auf den Gegner zu fallen, und ihn mit den ſchneidenden Zähnen feiner elfenbeinenen Schnauze, zu zerreiſſen. Wir ſahen das Waſſer fünf bis ſechs Me⸗ tres hoch in die Hoͤ he ſprudeln. Als wir an die Spitze der Küſte von Icaque gelangten, die wegen einer Menge dort befindlicher Stauden ») die eben fo heißen, dieſen Namen fuͤ hrt, befahl der Kapitän, eine Viertelmeile vom Ufer die Anker auszuwerfen; er ließ hierauf einen Kahn ausſetzen, ſtieg hinein, lud mich ein, ihn zu begleiten, und wir gingen ans Land. 8 | | *) Crisobalanus icaco. L. REEL LE TUE PER 200°. Noten über die Thiere, wovon im vorhergehenden Kapitel die Rede iſt, von Hrn. Sonnini. Ich habe manche der Leſer dieſes Buches zu verbinden geglaubt, wenn ich die von dem ſonſt geſchickten Naturfor— ſcher Le Dru angegebenen Thiere der Laͤ nder und Meere kurz beſchriebe. | | Folgt man der Ordnung der Größe der in dem oben beendeten Kapitel angefuͤ hrten Thiere von verſchiedenen Klaſſen, fo kommt zuerſt die Gattung von Wallfiſchen, die wir mit dem Namen Gibar (Finnfiſch), die Englaͤ nder mit fin-Ash bezeichnen, weil dieß Thier eine gerade Drei: eckige Finne aufm Ruͤ cken hat. Die Floſſen an den Sei— ten ſind oval geſtaltet, und die des Schwanzes in zwei Theile getheilt. Der Kopf iſt außerordentlich groß, ver— glichen mit der Laͤ nge des Leibes, denn er nimmt allein ein Drittel des Thieres ein, er endet mit einer ſpitzen Schnauze und einer erſtaunlichen Kehle, die aber mehr in Schrecken fett, als wirklich gefährlich iſt, indem kein Zahn die Kinnladen bewaffnet, woran die obere mit den Barten oder hornartigen Streifen verſehen ſind, die wir unter dem Namen der Fiſchbeine kennen. Die kleinen Augen ſind kaum auf dem dicken Kopfe des Finnfiſches ſichtbar, und was noch ſonderbar iſt, liegen fie bei den Winkeln der Kinnba— cken. Auf der Spitze des Kopfes laſſen zwei offene lange Roͤ hren die Waſſerſtroͤ me heraus, welche das Thier mit Heftigkeit hiedurch in die Höhe fprist. Der ganze Körper glänzt, an der Oberfläche iſt er braun, unten N weiß, die Barten ſind blau. Nicht ſo dick als der eigentliche Wallßſch iſt der auch weit gewandtere und zugleich weit flärfere Finnfiſch. Man nähert ſich ihm nicht ohne Gefahr, und die Schlaͤ ge mit feinem Schwanze find den Fiſchern zu Zeiten toͤ dtlich. Sein oͤ ligtes und gleich dem Leder zaͤ hes Fleiſch, gleich dem von allen zum Wallſiſchgeſchlecht gehoͤ rigen, iſt in An⸗ ſehung des Geſchmacks nicht von dem des Störd verſchieden. Dieſe Gattung iſt faſt in allen Theilen des Oceans von Groͤ nland und Spitzbergen bis an das indiſche Meer ver- breitet. Die Seefahrer treffen fie häufig unter den Wen⸗ dezirkeln an; und obgleich dieſer Fiſchfang nicht ſo viel abwirft, als der des gewöhnlichen Wallſiſches, fo iſt man dennoch dahinteran. Ich habe amerikaniſche Fahrzeuge nicht fern von den Bermuden, um Finnfiſche aufzuſuchen, kreuzen geſehen, die mehrere Monate auf dem Meere zu⸗ brachten, ehe ihre Ladungen mit dem Fett dieſer Thiere vollſtändig wurden. 5 Das Meerſchwein iſt die kleinste „aber auch die zahl⸗ reichſte Gattung unter den Wallfiſchen. Man trifft fie faſt in allen Meeren und unter faſt allen Breiten an. Sie gehen in Zügen von zu Zeiten mehrerer Tauſenden; und. viel- leicht begriff die Mythologie dieſe Haufen nebſt den Rho⸗ quen und unter Meerfalbern die Heerden Neptuns, die der Aufſicht des Sohns des Oceans und der Thetys ans vertrauet waren. g 5 Der Name Meerſchwein kommt offenbar von einiger Aehnlichkeit, die dieſes Thier mit dem Schweine hat. Aus den beiden lateiniſchen Worten maris sus hat man mar⸗ suinus, und das franzoͤ ſtſche warsouin gebildet. Dieſe Etymologie hat ſich in mehreren Sprachen erhalten. Indeß iſt die Aehnlichkeit des Meerſchweines mit dem 1 Schweine nichts weniger als vo (kommen, und nur Durch die Form des Kopfes vorhanden, welcher mit einer grauen Sturm getrieben werden, ſich in das füße Waſſer der Seen und Fluͤ ſſe, die mit dem Meere in Verbindung fies 171 dicken Haut bedeckt iſt, und deſſen nicht weit von den Win— keln der Kinnbacken befindliche Augen ſehr klein ſind, eine weiße Iris und einen weißen Stern haben. Eine Reihe von weißen, ſpitzen, ſchneidenden Zaͤ hnen fuͤ llet die beiden Kinnladen, und eine gleich einem halben Mond ges ſtaltete Oeffnung bemerkt man auf der Spitze des Kopfes; durch dieſe Roͤ hren laͤ ßt das Meerſchwein das Seewaſſer ſprudeln, durch dieſelben vernimmt man auch von ihm einen Ton, eine Art Grunzen, das dem des Thieres, wo⸗ mit es verglichen wird, aͤ hnlich iſt. Die uͤ brigen auffal— lenden Zuͤ ge der äußeren gleichfoͤ rmigen Bildung des Meer— ſchweins ſind die Dicke und die Kuͤ rze des Koͤ rpers, die Abflachung des Ruͤ ckens, eine dicke Floſſe, die ſich in einem halben Zirkel endigt; Floſſen der Bruſt auf gleiche Weiſe dick und gebogen; endlich die des Schweifes horizontal ge— legen, und gleich einer Sichel ausgeſchweift; am Bauche iſt es weiß, ſonſt aber durchgehends ſchieferfarbig braun. Es gibt keinen Seefahrer, der nicht oͤ fters auf offener See Zuͤ gen von Meerſchweinen begegnet waͤ re, die in dich— ter Linie ſchwammen, als wollten fie einen Kampf beſte— hen, die ſpielten, über die Oberfläche des Waſſers hin—⸗ ſchoſſen, den Schiffen folgten, ſie umgaben. Sie ſchwim⸗ men mit außerordentlicher Geſchwindigkeit, und faſt ſtets gegen den Wind. Die Seeleute halten ihre Erſcheinung fuͤ r ein Zeichen eines Sturms, und meine eigenen Beob— achtungen haben mich in dieſer Meinung beſtaͤ rkt. Es ereig— net ſich zu Zeiten, daß die Meerſchweine, welche ihrer Beute nachjagen oder von einem Feinde verfolgt, oder durch den hen, verirren. Im November 1804 ließ ſich ein Wall⸗ 172 I dieſer Gattung mehrere Stunden in Paris in dem Baſſin der Seine zwiſchen dem Pont-neuf und dem Pont des Arcs ſehen. Mehrere Voͤ lker des Nordens ahne ſich von dem Fleiſche des Meerſchweins; fuͤ r die Matroſen iſt es ein | wahrer Leckerbiſſen, und Belon verſichert, zu ſeiner Zeit habe man es auf den Pariſer Markt gebracht. Indeß iſt es ein ſchlechtes Gericht, welches durch das oͤ lichte Fett und durch ſeinen ſtarken Geruch widerſteht. N Von allen Feinden des Meerſchweins iſt die beſondere Gattung des Hayfiſches, die der Saͤ geſiſch heißt, die ges faͤ hrlichſte und die wuͤ thendſte. Durch einen angebornen Haß ſchleudert er ſich auf den größten Wallfiſch, und die Wellen des Oceans ſind oͤ fters von dem Blute des letztern roth gefärbt. Dieſer ſucht ihn dagegen durch ſeine Maſſe zu erdruͤ cken, ihn mit dem Schwanze zu treffen, deſſen Schlaͤ ge heftig und toͤ dtlich ſind; kann er aber den Schwert- fiſch nicht erreichen, ſo zerreiſſet ihn dieſer, und durchbohrt ihn mit der ſchrecklichen ihm von der Natur verliehenen Waffe. Dieſe beſteht in einer Verlaͤ ngerung des Stirn— beins, das ſo groß als ein Drittel des Korpers des Thie⸗ res, glatt „in der Mitte ein wenig dick, mit einer graͤ u⸗ lichen Haut bedeckt iſt, kurz in einer doppelten knochigten ſehr feſten Saͤ ge, an jeder Seite mit langen ſtarken Zaͤ h— nen verſehen; dieſe Waffe iſt in der That dem Fiſche, der fie hat, zum Angreifen und Zerreiſſen der Beute von gar keinem Nutzen; er bedient ſich derſelben nur im Kampf. Des Saͤ gefiſches Kopf iſt vorne abgeplattet; die Deff- nung des Mundes hat unten die Richtung in die Queere, gerade wie die des Wallfiſches: die Kinnbacken find mit ſehr dicht neben einander ſtehenden Zaͤ hnen verſehen, die | BR re Sn N 173 04 Augen dick, haben den Stern mit einem goldenen Rand, i . den Körper länglicht, die Haut rauh, endlich die beiden 3 Floſſen ſehr weit von einander auf dem Ruͤ cken, die der Bruſt ſehr ausgebreitet, und die des Bauches klein. Der Fiſch wird bedeutend dick; er findet ſich in dem Nord- und Suͤ dmeere, indeß in den zwiſchen Laͤ ndern ein— I) geſchloſſenen Meeren nicht. Sein Fleiſch iſt nicht bejier. als das von Meerſchweinen. | 9 Einer der ſchoͤ nſten Fiſche, deſſen Schönheit Hr. Le 0 Dru uns ſchildert, iſt auch einer der gewoͤ hnlichſten in den N Meeren, die Europa und Amerika fiheiden, fo wie auch ö im mittlaͤ ndiſchen. Die Griechen nannten ihn ipparos, Pferdeſchwanz. Die Etymologen find über den Urſprung . dieſer Benennung nicht einig. Linns hat ſich des alten Namens dieſes Fiſches bedient, um ihn von einigen an— | dern Gattungen zu unterfiheiden, die man ebenfalls Gold: | ſiſch nennt, und womit er oͤ fters verwechſelt wird. Der 0 wahre Goldfiſch (coryphaena hippurus), hat einen längs 0 lichten mit kleinen Schuppen beſetzten Koͤ rper, einen kur- Il zen zuſammengedrungenen Kopf, die Augen Dichte beim Hi Kopf, dicke Lippen, einen großen Mund, die Kinnbacken IN mit zwei Reihen kleiner vorwärts gebogener Zähne, einen gerundeten mit einer ſehr langen Finne verſehenen Ruͤ cken, gewoͤ hnlich ſechszig Strahlen an derſelben, fuͤ nf und zwan— zig an der Afterfinne, ſechszehn an denen der Bruſt und des Bauches, achtzehn an der des Bee „endlich fieben an der Membrane der Kiefern. Das Fleiſch des Goldfiſches iſt angenehm; die alten Dichter rechnen es unter die Speiſen bei Hebe's Hochzeit. Der Fiſch, welcher durch ſeine große Gefraͤ ßigket leicht auf der bohen See gefangen werden kann, gewahrt den der 174 trockenen Speiſen ganz überbrüßigen Seefahrern einen herrlichen Genuß. Stets macht er auf die fiegerben Fiſche Jagd, ob fie gleich eigentlich nicht fliegen; ſie heben ſich aus dem Waſ⸗ ſer, und erhalten ſich einige Minuten mittelſt dünner Mem⸗ branen, die fie ausſpannen, und die ihnen keinen Nutzen ; weiter gewähren, fo bald fie nicht feucht find. Das Leben der fliegenden Fiſche iſt voll Gefahren anne Schrecken. Stets von einem Schwarm Seethiere verfolgt, denen ſie zur Nahrung dienen, werden ſie ohne Mittel zur Vertheidigung oder Flucht, ſobald fie außerhalb des mit ihren Feinden angefuͤ llten Elements einige Sicherheit. zu finden hoffen, in der Luft von Raubvoͤ geln ergriffen, welche auf der Oberflaͤ che des Waſſers ſchweben, und fie zu ders ſchlingen trachten. Es gibt Weſen, welche die Natur nur zum Ungluͤ ck geſchaffen zu haben ſcheint „und zu gut weiß man, daß ſich dieſe nicht lediglich unter den verſchiedenen Gattungen der fliegenden Fiſche befinden. Mehrere erklaͤ rte Feinde dieſer Fiſche hat Le Dru be⸗ zeichnet. Die zahlreichſten Gattungen gehoͤ ren zu der gro⸗ ßen Familie der Seeſchwalben (sterna), welche keine ans dere Aehnlichkeit mit den Landſchwalben als die Laͤ nge und den Ausſchnitt des Fluͤ gels, den gabelfoͤ rmigen Schwanz, die Schnelligkeit und das lange Fortſetzen des Flugs ha— ben. Ihr Schnabel iſt duͤ nn, gerade und ſpitzig, ſie haben kurze Süße, ihre Zehen find halb durch eine Membrane miteinander verbunden, und am Untertheil des Beines be— finden ſich keine Federn. Ich erwaͤ hne der Farben des Ge⸗ 4 ſieders nicht, denn ſie weichen bei den verſchiedenen Gat⸗ tungen und ſelbſt bei den Individuen 05 (ben Gattung von einander ab. | 7: % wa e — 2 5 5 rg 5 n . 8 i N An, a Ten EN ER nr, RE ERNEST NEN ENNIRATIFRETEN BE 2 175 Ein anderer Feind dieſer fliegenden Fiſche, der fie von der Oberflaͤ che des Waſſers wegholt, iſt der Tropiquevo— gel, dem Linns den poetiſchen Namen Phaeton ertheilt ll hat. Er hat jenen Namen, weil er felten die Graͤ nzen 14 der heißen Zone uͤ berſchreitet. Das auffallendſte Unterſchei— ö diungszeichen an dieſem Vogel, wodurch er feine allgemeine Benennung erhalten, iſt, ſagt Buffon, eine doppelte lange Feder, die nur als ein am Schweif eingepflanztes Stroh— halm ausſieht. Dieſe doppelte lange Feder beſteht aus | zweien dünnen Stangen, wovon jede aus einer voͤ llig feder— I | loſen Ribbe gebildet, und mit ſehr kurzen Faſern beſetzt iſt; IH es find dieß nur Verlaͤ ngerungen von zwei Federn der 0 Mitte des Schwanzes, der uͤ brigens ſehr kurz und faſt gar . nicht da iſt; dieſe Federn ſind zwei bis vier und zwanzig 5 Zoll lang; oͤ fters iſt die eine der beiden laͤ nger als die | ii) andere, zu Zeiten iſt nur eine einzige da, denn dieſe Voͤ gel | verlieren fie um dieſe Zeit. Zu dieſem Characteriſtiſchen | der Bildung des Tropiquevogels muß man noch den ſpitzi⸗ 0 gen, wenig gebogenen Schnabel hinzufuͤ gen, ſo wie die f kurzen nach hinterwaͤ rts laufenden Beine, die durch eine Ill Membrane verbundenen Zehen, wodurch er die Kraft hat, m feinen ſtarken ſchnellen Flug zu Zeiten zu unterbrechen, um ſich ul auf den Wellen auszuruhen. Die Größe iſt nach den Gattun- In gen perſchieden, der Grund der Farbe iſt ein ſchoͤ nes Weiß, | mehr oder minder mit ſchwarzen, rothen und falben Flecken. Den Namen Gecken haben die Schifffahrer der euro— päifchen Nationen einem Vogel ertheilt, der mehr einfäl- tig und dumm, als thoͤ richt iſt. In der That iſt er ſehr wohl bewaffnet; er hat einen langen ſich in einen Hacken endigenden, ſtarken, gezähnten Schnabel, ſtarke Klauen, und die mittlere hat an dem innern Rande Saͤ gezaͤ hne; 170 er kommt unſerer Hausgans an Groͤ ße gleich; ſeine durch⸗ aus mit ſehr großen Schwimmhäuten verſehenen Fuße ges ſtatten ihm auf dem Waſſer auszuruhen; er kann ſelbſt tauchen, und die langen Fluͤ gel geben ihm die Kraft, die Luft mit eben ſo vieler Geſchwindigkeit als Beſtaͤ ndigkeit zu durchſchneiden. Aller dieſer Vortheile ungeachtet nimmt der Geck die Flucht beim Anblick des Menſchen nicht; er ſetzt ſich auf die Segelſtangen, und laͤ ßt ſich mit der Hand fangen; man erſchlaͤ gt ihn mit dem Stock auf den Felſen, worauf er niſtet, und kleinere und ſchwaͤ chere, aber Fühnere Voͤ gel als er zwingen ihn, ſeine Beute fahren zu laſſen. Gefangene Gecken wollten ſich nicht buͤ cken, um das Dar: gebotene zu freſſen, ſo daß man ihnen das Futter gerade nach der Hoͤ he des Koͤ rpers reichen mußte, damit ſie es nur nahmen. Man kennt mehrere Arten Toͤ lpel; die, wovon Le Dru redet, iſt die gewöhnliche; (pelecanus sulla); ſie hat ein dunkelaſchgraues Gefieder, den Bauch ausgenom⸗ men, der weiß iſt. Der krumme Schnabel der Fregatte (pelecanus aqui- lus), ihre dicken, kurzen, beſiederten Beine, ihre ſpitzi⸗ gen Krallen, ihr ſcharfes Geſicht, ihr ſchneller Flug, ihre Wuth, ihre Art Gewalt, oder vielmehr Tyrannei, welche ſie auf den Gewaͤ ſſern des Oceans ausuͤ bt, naͤ hern ſie dem 5 Adler, und machen ſie auf gleiche Weiſe furchtbar. Iſt der Adler der Geſandte Jupiters, fo kann man ſagen, die Fregatte iſt der Bote Neptuns. Ihre laͤ nglichte Taille, ihr gabelförmiger Schweif, die außerordentlich großen Fluͤ ⸗ gel, endlich eine bedeutende Muskelkraft geben ihrem Flug eine außerordentliche Schnelligkeit, und geſtatten, daß ſie ad Ru >: wer BB ag 4 — amn STER e TER g 0 | 191 durchgehends angebauten Ebene. Im Jahre 1595 ward dieſer kaum aufbluͤ hende Flecken von dem beruͤ hmten Ad— miral Sir Walter Raleigh verbrannt, der den super: neur Don Antonio Berreo zum Gefangenen machte. Im Jahre 1800 war er nur ein Dorf von drei hundert Huͤ t— | ten mit 1900 oder 2000 Einwohnern, die in Anſehung NN der Gewohnheiten und Sitten den nomadiſchen Voͤ lkern ahnlich find. 9 Carenage, eine zwiſchen Port d' Espagne und Cap 00 Monos gelegene Halbinſel bietet die vortheilhafteſte Lage . dar, um einen Schiffswerft anzulegen. Der Madrider Hof IN | hatte den Plan dazu entworfen. Seit langer Zeit haben 0 die Englaͤ nder angefangen, denſelben auszufuͤ hren, wel— . cher fuͤ r ihren Handel und ihre Marine die gluͤ cklichſten I Folgen verfpricht. Sie haben bereits das Fundament zu ı einer befeſtigten Stadt und zu furchtbaren Batterien vor⸗ il geriſſen, die fie in Carenage und auf den nicht weit vom Cap Monos befindlichen Inſeln aufzuführen willens find. 9 Wahrſcheinlich werden fie ebenfalls mittelſt eines Kanals 1 die nicht weit entfernten Quellen des Caroni und Oropuche 1 vereinigen, um die Mittheilung der Lebensmittel ſehr da— I durch zu befördern, daß fie denen im Innern des Landes | Aibſatz verſchaffen. Das wichtigſte Etabliſſement von Trinidad iſt die nord⸗ weſtlich gebaute “) drei Meilen von St. Joſeph, am Golf 9 von Paria in der Naͤ he der Muͤ ndung des Caroni gelegene Stadt Port d' Espagne; ihre Straßen find breit und regel: * — *) L. 636 49/ 29/ — Br. 1086 387 42% (Connoissance des tems an 1810). Nach der in Paris im J. 13 geſtochenen Karte L. 630 40/ 20% Br. 10% 39, Le Dru Neiſe. 1. Bd. N 1 en}, 11 N 192 mäßig 5 fe iſt der Sitz der Civil- und Militaͤ rautoritaͤ ten. Als wir dort landeten, beſtand die Garniſon in zwei Ne gimentern, einem engliſchen und einem deutſchen; die Sortificationen waren nicht zahlreich und in ſchlechtem Ver— theidigungsſtande. Die Chaguaramas genannte Rheede wird von Winden ſelten in Bewegung geſetzt; dieß macht das Waſſer derſelben ſehr ſchmutzig; die Schiffe finden dort einen ſicheren und geraͤ umigen Ankerplatz. Im Jahre 1778 ſchlug der Miniſter Galvez Trinidad zur Gerichtsbarkeit der Compagnie von Caracas, und 1780 räumte er die ihrem Handel entgegen ſtehenden Hinderniſſe aus dem Wege. Im Jahre 1782 belief ſich die Bevoͤ lke⸗ rung nur auf 1000 Spanier, 200 Franzoſen und Irlaͤ n⸗ der, 107 Neger und 1800 civiliſirte Indianer, welche Kopfſteuer erlegten; zuſammen alſo 3872 Köpfe. Letzere vermietheten ihre Dienſte taͤ glich um einen Franken und die Koſt; es ſind dieß gute Arbeiter, indeß dem Trunk zu ſehr ergeben, und ein wenig traͤ ge. Die Bevoͤ lkerung hat ſeit 1789 ſehr zugenommen. Eine große Menge franzoͤ ſi⸗ ſcher Koloniſten, die aus Martinique und St. Lucie um die Zeir entflohen, als dieſe Inſeln in die Hände der Englaͤ nder fielen, haben die Reſte ihres Vermoͤ gens hie⸗ her gebracht. | Im Jahr 1797 flieg. die Anzahl der A en auf 5 16,556, nämlich 2081 weiße, 4466 farbige Leute und f 10,009 Sklaven. Im Jahr 1801 waren derer dort 22,768, und darun⸗ ter 2308 Weiße, nämlich 1574 Franzoſen, 418 Spanier und 376 Englaͤ nder; 4307 faͤ rbige Leute, worunter ſich 250 Franzoſen, 1089 Spanier und 526 Engländer be- | fanden. Die Zahl der Sklaven betrug 16,083, 17/1 Eins . geborne darin begriffen. Das Militär iſt von diefer Be⸗ voͤ lkerung ausgeſchloſſen Y. | Im Jahr 1803 zählte dieſe Inſel, Mac-Cullum * zufolge, 28,000 Einwohner, naͤ mlich 2261 Weiße, 5275 farbige Leute und 20,464 Neger ***). b | Die Inſel hatte 1801 563 Pferde, 3671 Daufefel, S539 Kühe, 758 Ochſen, 809 Schaafe, 331 Ziegen und 65765 Schweine, zuſammen 7546 Hausthiere, 6 Windmuͤ h— len, 106 für den Kaffee, 250 für die Baumwolle, 162 die durch Thiere getrieben wurden, 636 völlig eingerichtete Oefen, und 96 Deſtillirblaſen. Man fand dort 6,900 Morgen mit Zuckerrohr beſtellt, 2531 mit Baumwolle, 4886 mit Kaffee, 2976 mit eßbaren Pflanzen und 6689 an Weide, zuſammen 23,982. Dieſer geringe angebaute Theil macht nicht ein Zötel des Landes aus, indem man dieß auf 878,400 Morgen anſchlaͤ gt. Die ſpaniſche Regierung hatte ungefaͤ hr nur 400 Verleihungen *) Aus engliſchen Journalen entlehnt. *) Reiſe nach der Inſel Teinidad vom Kapitaͤ n Mac-Cul— lum im Jahre 1803 unternommen Liverpool 1805. in den Annales des Voyages von Malte-Brun tom. 4. No. 12 angefuͤ hrt. N Kun) Mentelle und Malte Brun ſchaͤ tzen ihre Bevoͤ lkerung im Jahre 1789 auf 60,000 Menſchen ), und Bourgoing **) auf die naͤ mliche Zahl im Jahre 1796. Dieſe Berechnung koͤ mmt mir aber übertrieben vor, weil nach den dem Par- lament im Jahr 1801 vorgelegten ſtatiſtiſchen Etats die Inſel damals nur 22,758 Menſchen zaͤ hlte. *) Geographie mathematique tom. 15. %) Tableau de I Espagne moderne. 1803. 2. 8. N 2 ::!!! ———P b 19 4* von Ländereien, jede von 320 Morgen, zugeſtanden, und es blieben noch 2320 fuͤ r den Ackerbau uͤ brig; ſeitdem ſich dieſe wichtige Kolonie in den Haͤ nden der Engländer befin- det, hat fie jährlich ungefähr 449,614 Pfund Kaffee, 280,170 Pfund Kakao, 9,895,644 Pfund Zucker, 128,509 Gallons Syrop, 317,395 Gallons Rhum, und 1, 300000 Pfund Baumwolle erzielt. N 185 Litten die Baumwollenſtauden nicht oft von den Rau⸗ pen, welche große Verheerung darin anrichten, fo würde. hieraus der meiſte Vortheil zu ziehen ſeyn. Zu einem Hektar Land mit Tabak bebauet, werden vier Neger erfor: dert; dieſer gibt gewoͤ hnlich 750 Rollen, von fuͤ nf Pfund jede; das Stück davon wird zu 9 Franken verkauft. Die⸗ ſer Zweig der Kultur iſt wenig verbreitet, und beſchaͤ ftigt faſt lediglich die ſpaniſchen Kreolen. Die gewoͤ hnlichen Krankheiten der Eingebornen ſind ſchleichende Fieber und der Tenesmus, der ſehr heftige Schmerzen veranlaßt. Die eben angekommenen Europaͤ er empfinden ebenfalls den Einfluß der Veraͤ nderung des Kli— ma's. Sie find den hitzigen Fiebern ausgeſetzt, woran ſie 3 häufig am dritten oder vierten Tage ihren Geiſt aufgeben, zumal wenn ſie in dieſem Zuſtande nach engliſcher Art be⸗ handelt werden, nämlich daß man ihnen Brechmittel und Madera gibt. Sie muͤ ſſen ſich der kalten Baͤ der, des Branntweins, der zu ſehr erfriſchenden Getraͤ nke, des kalten nicht vermiſchten Waſſers enthalten, zumal aber des unmaͤ ßigen Genuſſes in der Liebe. Maͤ ßigkeit in den Ver⸗ gnügungen, und im Genuß der Nahrungsmittel, treffliche Weine, laue Baͤ der — hiedurch erhält man am beſten die Geſundheit. 5 N — 195 Folgendes Verzeichniß von Thieren und Pflanzen, die auf der Inſel Trinidad angetroffen werden, iſt ſehr unvoll— ſtaͤ ndig. Wie konnte ich indeß in acht Tagen ein Gemaͤ lde entwerfen, das mehrere Jahre und die Feder eines geuͤ b— ten Zeichners erfordert haben wuͤ rde? Die Hausquadrupeden der Kolonie ſind das Pferd, der Mauleſel, der Hund, die Katze. Der Eſel gibts nicht viele; die Schweine ſind trefflich, und von Martinique ausgefuͤ hrt worden. Die Hammel kommen gut fort; die Ziegen haben ſich ſehr vervielfacht, und werfen zu Zeiten vier auf einmal. Unter die wilden Saͤ ugethiere zählt man die Alouatte ); er erreicht die Dimenſtonen und die Höhe des gewoͤ hnli— chen Hundes. Die Tigerkatze oder den Jaguar von Neuſpanien “); ſie iſt das groͤ ßte von allen wilden Thieren der Kolonie. Die Menſchen werden nie von ihr angegriffen, die Hunde aber verſchlungen, ſo wie auch die Katzen, wonach ſie ſehr gierig iſt, auch ſtellt ſie große Verwuͤ ſtung in einem Huͤ h— nerſtall an, wenn fie hineinkommen kann. Eine Art Hirſchkuh mit kurzen Fuͤ ßen, die ſich gemei- niglich in den Savannenwaͤ ldern aufhaͤ lt; das Fleiſch da— von hat einen guten Geſchmack. Die Waldungen naͤ hren wilde Ochſen und zahlreiche Schwaͤ rme von Maron- (wilden) Schweinen, die auf einem gelblichen Grund ſchwarz gefleckt ſind. *) Simla seniculus. Gm. 36. Alouatta seniculus. Daud. ) Von Buffon im 9ten Bande, 1777, in ızmo beſchrieben. 0 196 - Das Ferkelkaninchen, das Agouti a). Die Piſamratze oder die Piloris der Antillen b). Der Paka c). „Der Philander oder Faras 4). Das Armadill mit neun Guͤ rteln e) | Das Stachelſchwein k). Der Neau 9). g Und unter den im Waſſer lebenden Saͤ ugthieren der kleinere Manati h) und die Fiſchotter i). Jener erſcheint zu Zeiten in dem Kanal, der Trinidad von Tabago trennt; und die andern gegen die Muͤ ndung des Guaracaro. | | Hausvögel: der Hahn, die europäifche Ente, die Bi⸗ ſam⸗Ente, die Gans, der Truthahn, die Taube u. f. w. 8 Waſſervoͤ gel: g Der braune Pelikan B). 2) Cavia americana Gm.. 122. — Agouti Coyanus Daud, — Cavia aguti Mus | 4 b) Mus pilorides. Gm. 126. c) Cavia paca. Mus. d) Didelphis philander. Gm. 105. e) Dasypus novem-einctus. Gm. 55. Daud. ) Histrix cristata. Daud, g) Bradypus didactylus. Daud. h) Manatus australis. 1) Mustela lutris, var. brasiliensis. Gm. 92.) k) Pelecanus fuscus. Gm. 570. ) Die Fiſchotter it nichts weniger als ein eigentliches Amphibium. Sie kann nicht lange ohne Aibem zu ſchoͤ pfen unterm Waſſer ausdauern. | v. 3. 197 Der Taucher von St. Domingo a). Die Ente von St. Domingo b). Das Waſſerhuhn von Cayenne c). | Die Fregatte d). Die Gazelle e). | Der Grillvogel (Müller) k). | Der weiße Fiſcher (Müller) g). | An den Ufern des Meeres, in den Umgebungen des | Hafens ſahen wir auch einen Raubvogel, den kleinen ame— rikaniſchen Geier oder den Geier mit nacktem Halſe b). Er hat die Geftalt eines gewoͤ hnlichen Bußhart, das Ge: ſieder durchgehends ſchwarz, und iſt ziemlich gemein. Die Einwohner vermeiden es, dieſen Vogel zu toͤ dten, der ſich von Aas naͤ hrt, und den neben den Haͤ uſern befindlichen Unrath verſchluckt. Waldvoͤ gel. Allgemein find fie ſehr manchfaltig und | verſchieden. Unter denſelben haben wir nur eine kaum einen halben Decimeter lange Eule i) bemerkt, die eine beſondere Gattung auszumachen ſchien, und woran fol— gende Charaktere waren: einen ſchwaͤ rzlichen Schnabel, ein falbes Gefieder, mit den großen Fluͤ gelfedern, die mit ſechs weißen Flecken bezeichnet ſind, am Unterleibe iſt er a) Colymbus dominicus. Gm. 593. b) Anas dominica. G. 521. e) Fulica cayennensis. Gm. 700. d) Pelecanus aquilus. Gm. 572. e) Ardea gazetta. Gm. 628. f) Charadrias pluvialis. Gm. 688, g) Pelecanus sula. Gm. 578. h) Falco nudicollis. Mus. Par. 1) Strix Phalenoides. Mus. Pax. weiß und roth, der kurze Schwanz iſt von den Stägelmbe- deckt, befiederte Fußwurzeln, Zehen behaart und roher 5 Naͤ gel ſchwaͤ rzlich. Der kleine rothe Ara a). Der Papagei mit dem Halsbande b). Der Papagei von St. Domingo c). Der Specht von Bengalen d). ee e Der karoliniſche Specht e). Der Geierkoͤ nig k). Der Menſchenfreſſer oder Uru (Muller) 20 Die geflammte Eule h). Die kayenniſche Schwalbe i). Die Felſenpipra K). Die meiſten dieſer Voͤ gel haben wir e nach Frankreich gebracht, wo fie nun die Gallerien des e Muſeums ſchmücken. Dieß ſind nicht die einzigen, welche di Inſel erna 5 3 man findet dort ebenfalls den Guarouba !), a) Ara aracanga. Daud. b) Psittachus Alexandri. Daud. e) Psittachus dominicensis, Daud. d) Picus bengalensis. Daud. e) Ficus carolinus. Daud. f) Vultur papa. Daud. g) Vultur aura. Daud. h) Strix flamme. Buffon 449. 1) Hirundo cayennensis. Buff. 6 k) Pipra rupicola. Buff. 1) Psittachus, Gm. 320 Guarubs⸗ RESET TEE HERE ES REN NE N | 25% den Papagei mit okerfarbigem Kopfe a), den bunten Amazon (Müller) b), den Schwarzkopf (Ebendaſ.) ©), den Curucui d), den goldgruͤ nen Colibri e), den Colibri von Tabago k), die oranchenfarbene Droſſel g), | den Tanagra von Cayenne (Buffon) h), | den Toucan mit vergoldetem Bauche ). Baudin und Maugs fingen ebenfalls folgende Juſekten 1 wovon ſich einige in den ll des Pariſer Muſeums | | befinden. m | Der Ochs (Schildkaͤ fer). Cassida taurus. Fab. . 4 Eine Varietaͤ t des Maientäfers, Melanie rus- 1 tica. Idem. 1 | Ein Trox. in | | Eine Brenta (Brente) »), welche der Longimane von ME Fab. zu ſeyn ſcheint; braunroͤ thlicht, ein hoͤ ckeriches ſta⸗ m | cheliches, kupferiches Bruſtſtück; die Flügeldecken haben 3 a) Psittachus ochrocephalus. Gm. 339; var. B. | b) Psittachus aestivus. Gm. Var. B. 340. 1 c) Psittachus melanocephalus. Gm. 2346. d) Trogon Curueui. Gm. 403. e) Trochilus viridissimus. Gm. 496. ) Trochilus tobaci, Gm. 399, g) Turdus aurantius. Gm. 832. h) Tanagra chlororica. Gm. 890. | HM. ſ. binter dieſem Kapitel die Noten über biefe vers | ſchiedenen Gattungen Arten Thiere. | *) Ich finde dieß Geſchlecht beim Fabricius Sept. ) | Den, nicht, j 200 ſechs Querſtreife, die Schenkel einen Zahn, der Kopf iſt cylindriſch, doch nur bis zu der Baſis, woſelbſt ſich die Augen befinden. Horia maculata. Fab. Die gefleckte Horie. Apis hemorhoidalis. Fab. Apis cordata. L. Apis dentata. L. Apalus ruficornis. Latreille. Ligaeus varicolor. Fab. Formica tuberculata. Encyc. 41. Vespa americana. Fab. | Fulgora phosphorea. L. Die Schildkroͤ ten ſind ziemlich gewoͤ hnlich auf der noͤ rd⸗ lichen Kuͤ ſte; ſie kommen vom April bis zum September ans Land. In den Waldungen, deren Anblick etwas uofähikee hat, trifft man die meiften der Bäume, welche die Der übrigen Antillen, die ae des Drinoto und die AR ſchmuͤ cken. Die Botaniker geben fuͤ r dieſe Inſel folgende Man. zen an; den Cyperus haspan. Vahl. Commelina hexandra. Aubl. Panax chrysophyllum. Vahl. Vitex capitata. Vahl.. Justicia secunda Wild. Solanum hirtum. Vahl. Cestrum latifolium. Vahl. Allamanda cathartica. L. Macrocnemum coccineum. Vahl. Froelichia paniculata. Vahl. } EN FE ER 301 Spatodea corymbosa. Vent. Robinia rubiginosa. Poiret. Lupinus villosus. Wild. Glycine picta. Vahl. Begonia humilis. Dry. Taberna montana ondulata. Vahl. Tapo gomea tomentosa. Aubl. Tontalea scandens. Aubl. Croton gossypifolium. Vahl. Tragia corniculata. Vahl. An nahrhaften Vegetabilien findet man dort: Reis, Latuke, Cichorie, Kohl, die gelbe Ruͤ be, die weiße Ruͤ be, die Runkelruͤ be, die Peterſilie, Kerbel, Spargel, Erbſen, Bohnen, und im Allgemeinen faſt alle Gartengewaͤ chſe Eu— ropens ſind an das Klima von Trinidad gewoͤ hnt, und kommen dort gut fort; davon muß man die Artiſchocken ausnehmen. Zu den ernaͤ hrenden Produkten der alten Welt fuͤ gt der Bewohner dieſer Inſel diejenigen, welche das Klima der Antillen darbietet, naͤ mlich den Bananenbaum, den Feigenbaum, den Maniac, den Kohlbaum, die Pa— tate, den Igname, die angoliſche Erbſe, die Kohlerbſe, die Gojava, die Frucht des Caſchimangbaums oder Ka— neelaͤ pfel, den Papayenbaum, den Aprikoſenbaum der An— tillen, den Kakao, den Kaffee, den Zucker, die Kokos, den Palmkohl, mehrere Ananasbaͤ ume, Orangenbaͤ ume, Citronenbaͤ ume, Brei-Aepfelbaͤ ume. Das nordoͤ ſtlich vom ſuͤ dlichen Amerika und ſuͤ dlich von den Antillen gelegene Trinidad iſt ſeiner Lage wegen eine der wichtigſten Kolonien der neuen Welt. Der Meerbuſen von Paria, der ſie vom feſten Lande ſcheidet, haͤ lt dreißig Meilen in die Länge und zwanzig in die Breite. Er ſteht b RNEIEEET FERN, “ 308 gegen Norden durch eine bouches du Dragon genannte Meerenge mit dem Meere der Inſeln unterm Winde in Verbindung, und ſuͤ dlich mit dem atlantiſchen Ocean mit— telſt des Kanals Soldat. Der Ankerplatz des Golfs iſt acht bis fünfzig Klafter tief, und gewährt den Schiffen zu jeder Zeit Sicherheit. Man nimmt hier einen ſehr merklichen Strom in der Richtung von Norden nach Süden wahr. Zu dieſem ſehr fiſchreichen Meerbuſen ergießet ſich der Guarapiche, der die fruchtbare Provinz Cumana bewaͤ ſſert, und den man dreißig Meilen mit Fahrzeugen von 150 Tonnen hinauf— fahren kann; auch laͤ uft ein Arm des Orinoco hinein, der von Langouſton, dem Hauptort der ſpaniſchen Niederlaſ— ſungen an den Ufern dieſes Fluſſes, bis nach St. Tho⸗ mas **) ſchiffbar iſt. Im Jahre 1783 wurden die Fahr⸗ zeuge hauptſächlich zum Transport von Holz jeder Art, von Ochſen, von Mauleſeln, geſalzenem Fiſche und von Taſſot ), womit Handel getrieben werden ſollte, beſtimmt. Ein Schiffchen, das achtzig Ochſen tragen konnte, ward taͤ glich zu 66 Franken vermiethet. Um dieſe Zeit bezahlte man den Taſſot, den Centner mit 32 Livres; die Ochſen galten an den Ufern des Guarapiche, fünfzig bis ſechszig das Stuck. Im Jahre 1805 bezahlte man fie Vas ge nur mit 25 bis 30 Livres. ) Dieſe ebenfalls St. Thomas de Guyana genannte Stadt liegt auf vierzig Meilen uͤ ber der Muͤ ndung des Fluſſes. Länge, nach Humboldt 668 26/; Breite 89 84 24. ) D. i. eingeſalzenes und an der Sonne e Ochſenfteiſch. „ n ee eee EEE a RR n . 1 203 Anmerkungen zur Geſchichte, beſonders zu der Raturgeſchichte der Inſel Trinidad von Sonnini. Zu bedauern ſteht es, daß Le Dru das Innere der AInſel Trinidad nicht hat bereiſen durfen; unſtreitig wuͤ r— den wir hiedurch eben ſo genaue und wichtige Nachrichten, 1 wie er über die kanariſchen Inſeln mitgetheilt hat, erhal: | ten haben; fie hätten deſto mehr Werth fuͤ r uns haben il! muͤ ſſen, da wir über Trinidad keine neueren Notizen be— | | ſitzen. Es gibt eine im Jahr 1805 in Liverpool erſchie— I nene Reife nach Diefer Inſel von dem englifchen Kapitän il T. M. Cullum; aber dieß Buch iſt nicht ins Franzoͤ ſiſche | uͤ berſetzt, und nur durch den Auszug, den Hr. Malte— Brun in ſeinen Annales des Voyages de la Geographie N get de l’histoire ) daraus geliefert hat, bekannt. Man 0 | wird es mir Dank wiſſen, dieſe Nachrichten hier mitzu— ll) theilen, da fie zum Theil zu Erläuterungen derer des Hrn. Le Dru dienen, die er nicht hat ſammeln koͤ nnen. ö „ . . Hauptſaͤ chlich iſt dieſe Schrift gegen den Ge- neral Picton gerichtet, und zwar dazu geeignet, den Vor— 1 wurf eines empoͤ renden Deſpotismus in ſeiner Geſchaͤ fts— | führung, und der Grauſamkeit bei der Ausuͤ bung von Ge: rechtigkeit zu begruͤ nden, den das Geruͤ cht und nachgehends | 9 die Gerichtshoͤ fe dieſem Gouverneur von Trinidad gemacht | haben. Der Verfaſſer ſelbſt hat durch ein willkuͤ hrliches Einſperren, und durch ſonſtige uͤ ble Behandlung die Wir— 1 kung davon empfunden; und vielleicht wäre ohne dieſen Um— 1 ſtand die Beſchreibung feiner Reiſe nie ans Licht getreten. | 15 *) Tom. 4. S. 396 u. f. 204 Die Gewaͤ ſſer des Orinoco, druckt ſich Hr. Mac Cullum aus, die ſich durch die vier Muͤ ndungen des Dragon (bocas del Drago) verbreiten, machen das Meer zwiſchen Tabago und Trinidad ſtets truͤ be, und bringen eine ſo heftige Fluth in den Gegenden hervor, welche Trinidad von Punta Salina in der Provinz Cumana trennen, daß die Schiffe nicht anders als mit einem friſchen guͤ nſtigen Winde hineinzukommen im Stande find. Der Hafen Chaguaran oder Chaguaramus iſt geraͤ u⸗ mig, ſicher, und bietet einen trefflichen Ankerplatz dar. Die Englaͤ nder haben dort Schiffswerfte errichtet. Puenta de Espanna, der Hauptort der Inſel auf der nordoͤ ſtlichen Kuͤ ſte des Golfs von Paria hat einen ger mauerten Hafendamm mit einer Batterie wie eine Bar— bette, um die weſtliche Seite der Stadt zu ſchuͤ tzen; dieſe iſt regelmaͤ ßig, aber an einem ungeſunden Orte angelegt, in einer Art von Vertiefung; öftlich und nordoͤ ſtlich hat fie Berge, und nordweſtlich eine ſumpfige Savanne; die Einwohner derſelben gehoͤ ren faſt zu allen europaͤ iſchen Na⸗ tionen, beſonders trifft man dort viele Franzoſen. Ueber dem Hafen liegt das unnuͤ tze Fort Abererombie-tower. Die Anhoͤ he, worauf ſich der Ort befindet, iſt ein erlo— ſchener Volkan, woran der Krater noch ſichtbar iſt. Im Jahre 1803 befanden ſich daſelbſt zwei Regimenter Neger in Garniſon, die in den franzoͤ ſiſchen Kolonien errichtet, und von franzoͤ ſiſchen Offizieren kommandirt wurden. Ich hatte Gelegenheit, ihren Character und ihre Einrichtungen auf St. Domingo zu kennen, und ſetze kein Vertrauen auf ihre Treue; ich wuͤ rde den Vorſchlag thun, auf den brit⸗ tiſchen Kolonien, die man ihrem Vaterlande ſicher ſtellen wollte, Bergſchotten zu vertheilen; dieſe find, faſt jedes 205 Klima zu ertragen, im Stande, und haben dabei bereits großen Hang zum Auswandern. Es gibt hier acht Doͤ rfer, Arima, Coral, Gayaco, 0 Comana, Monteferat, Savana-Grande, Savaneta und ii Eiparia, deren Einwohner aus Eingebornen beſtehen. Bei der im Jahre 1797 angeſtellten Zaͤ hlung rechnete man il ihrer 1802, nämlich 305 Männer, 401 Frauen, 190 Kna— | ben und 186 Mädchen. An der Spitze eines jeden Dorfs ni ſteht ein katholiſcher Miſſionarius, der große Gewalt über | dieſe ſobern, ruhigen und arbeitfamen Indianer ausuͤ bt. Die Bevoͤ lkerung von Trinidad betrug zur Zeit, als I es die Engländer 1797 eroberten, 16555 Köpfe, darunter I waren 2081 Weiße, 4466 farbige Leute, 10,009 Sklaven. Sie hat ſich ſeit der Zeit ſehr vermehrt. Im Februar 1803 rechnete man 2261 Weiße, nämlich 663 Englaͤ nder, 505 Spanier, 1093 Franzoſen; 1275 farbige Menſchen, nämlich 599 Engländer, 1751 Spanier, 2924 Franzoſen und 20,464 Neger; das Ganze belief ſich auf 28,000 Köpfe. Trinidad iſt ſehr fruchtbar. Herrliche Orangen, Zitro— nen, Roſinen obgleich wenig erzielt, und Tamarinden ſind die Fruͤ chte, welche am beſten fortkommen. Ehemals baute man ebenfalls tuͤ rkiſchen Weizen in ſo großer Menge, um die benachtbarten Inſeln damit zu verſehen; auch gab es dort bedeutende Kakgo-Anpflanzungen, allein. ſeit 1727 find fie faſt gänzlich vernachläßigt. Baumwolle wird wenig gebauet, ob fie gleich von vor— zuͤ glicher Guͤ te iſt; Zucker hingegen mehr; 128,000 Mor— gen Land find von der ſpaniſchen Regierung an Partikuliers verpachtet. Der Verfaſſer ſchaͤ tzt das ganze in Kultur zu ſetzende Land auf 870,400 Morgen. Die Ausfuhr von 305 Trinidad. für Großbrittanien ſeit 3799 bis 1802 war folgende: Jahre. 1700 n6,72B Centner Zucker. 2800 . 54,515 67 Pfund. 1801 \ 69,551 200 1900 104 Gallons Rhum. 1800 0 3,008 5 4 1801 x 19,387 . 1700 1,898 Centner 43 Pfd. Kaffee. 1800 x 3,018 } 2 . 1801 « 10,797. 1 . . 1% . 1,403,290 Pfund Baumwolle. 1800 5 0 . 1801 e 0 } Neger wegen Entfernung aus ihrem Vaterlande, ſo wie Die meiſten Klein von Trinidad ſind 20 Englaͤ n⸗ dern ſchuldig; es gehet daher der geringſte Theil ihrer Produkte direkte nach England; die vereinigten Staaten erhalten das meiſte davon; und in dieſer Hinſicht iſt Tri⸗ nidad eine eben ſo große Laſt fuͤ r das Vaterland als Ka⸗ nada, Neuſchottland u. ſ. w. England hat von Hk 700,000 Pfd. Sterling Koſten. Nach der Idee des Verfaſſers ruͤ hrt die große Sterb⸗ lichkeit der Europäer, wenn fie nach Trinidad kommen, weniger vom Klima als von dem zu häufigen Genuß des Frauenzimmers und des Getraͤ nkes her. Die Neger ſter— ben viel an der cachoxia africana, einer in den Werken über die Mediein wenig behandelten Krankheit. Sie faͤ ngt mit einer hohen Melancholie und einem Abſterben der Le— bensgeiſter an; eine Folge der Traurigkeit, welche die BEER EEE TU FE T = 177 fih in die hohen Luftſchichten zu heben, und lange darin zu erhalten vermag. Die Fregatte war der eg unſerer Bewunde— rung, fagt La Billardisre. Wir nahmen deren wahr, die u in einer erſtaunlichen Höhe ſchwebten, ihre Beute auffuch- 5 ten, und warteten, bis fie auf der Oberfläche des Meeres 1 ſichtbar wurde. Dieſe Vögel erhielten ſich wahrſcheinlich in dieſer großen Hoͤ he, um mit einem Blick einen unge— heuren Raum zu umfaſſen; außerordentlich iſt es aber, daß ſie ſo fern die kleinen Voͤ gel, wovon ſie am gewoͤ hn— lichſten leben, wahrnehmen koͤ nnen. Ein fo ſcharfes ges naues Geſicht ruͤ hrt vielleicht mehr von der Dispoſttion der Feuchtigkeiten des Auges als von der großen Empfindlich⸗ keit der Retina her. | | Die Fregatte ift bekanntlich ſehr gierig nach fliegenden ji Fiſchen. Sobald fie fie wahrnimmt, kommt fie aus der hohen Atmosphaͤ re ungefaͤ hr auf ein Hektometer uͤ ber der ı Dberfläche des Waſſers hinunter; hier haͤ lt fie ſtill, um ii bereit zu ſeyn, fie zu faſſen, fobald fie ſich außerhalb des il | Waſſers zeigen. Alle ihre Bewegungen find mit bemuns ö derungswuͤ rdiger Geſchicklichkeit geleitet. Sie ſtuͤ rzt ſich nicht mit dem Kopf zum voraus, wie die Voͤ gel, die ihr Futter unterm Waſſer ſuchen. Pfoten und Hals in glei- cher Richtung horizontal geſtellt, ſchlaͤ gt ſie die obere Luft— ſaͤ ule mit ihren Fluͤ geln, nun hebt ſie ſte in die Hoͤ he, und legt fie aufeinander über ihrem Ruͤ cken, damit fie der Luft keinen Widerſtand leiſten, ſchießt jetzt auf ihre Beute los, und bemächtigt ſich ihrer nicht fern vom Waſſer. Da der fliegende Fiſch ſich nicht ſehr viel über das Meer erhebt, ſo waͤ re die Fregatte in Gefahr, hineinzuſtuͤ rzen, wenn ſie ſich in ihrem Falle nicht aufzuhalten vermoͤ chte, indem Le Dru Reiſe. I. Bd. IR 178 ſie die Fluͤ gel herunterlaͤ ßt, um ſich ſofort wieder zu heben, und eine andere Beute zu verfolgen. Die Fregatte jaͤ gt auch nach großen Fiſchen. Eines Tages ſahen wir einen Goldſiſch, welcher hinter einem flie⸗ genden Fiſch her war, und von Zeit zu Zeit aus dem Waſ⸗ fer hervorſchoß, um ihn zu faſſen. Eine Fregatte ſtuͤ rzte aber jedesmal auf ihn, und riß ihm mit Schnabelſtoͤ ßen Stuͤ cke Fleiſch aus, bis daß der vor dieſem fuͤ rchterlichen An⸗ griff erſchreckte Fiſch in den Grund des Meeres ging ). Die Fregatte hat mit Schwimmhaͤ uten verſehene Fuͤ ße, eine ſchwarze zwiſchen dem Schnabel und dem Auge nackte Haut, große ſchwarze Augen, das ganze Gefieder von einem Schwarz mit blaͤ ulichem Refler. Beim Weibchen iſt der Bauch weiß, das Maͤ nnchen hat, wenn es alt iſt, unter der Kehle zwei hellrothe fleiſchige Membranen. \ 9 Voyage à la recherche de Lapeyrouse, I. 47. EFF a . RR | Fuͤ nfzehntes Kapitel. Hübſche Landſchaft — Die Englaͤ nder bemaͤ chtigen ſich der | Fanny — Sie verweigern Baudin die Erlaubniß zu 1 landen — Betrachtungen über dieß Ereigniß. | ' Wie vermag ichs, den tiefen Eindruck zu ſchildern, den ich beim Anblick von ſo vielen Tauſend fuͤ r mich neuen Ge— genſtaͤ nden empfand? Ich betrachtete, ich bewunderte das außerordentliche Schauſpiel, welches mir dieſes Land der neuen Welt darbot. Die Sonnenſtrahlen vergoldeten die Gipfel der Waͤ lder, die der Hauch des Zephirs ſanft in Bewegung‘ feste. Ein Schwarm Voͤ gel, deren glaͤ nzendes und manchfaltiges Gefieder die Regenbogenfarben dar— ſtellte, ſchien durch ſeinen Geſang das Erwachen der Na— tur zu verkuͤ ndigen. Baͤ ume, von menſchlicher Hand nie verſtuͤ mmelt, die ein ewiger Fruͤ hling mit Blumen und Fruͤ chten bereichert, beſchuͤ tzten unterm Schatten ihrer Blaͤ tter einen Teppich von Pflanzen, welche die Luft mit lieblichem Duft erfülten, Tauſende von Schmetterlingen und andern Inſekten von Gold und Rubinen ſchimmernd, liebkoſeten, indem fie umherflatterten, die halb eröffnete Blumenkrone. Hier bildeten Bananenbaͤ ume, auf zwei gleichlaufenden Linien gepflanzt, durch die Verbindung N i M 2 | / 180 ihrer breiten Blaͤ tter ein gegen die Sonnenſtrahlen un⸗ durchdringliches Gewoͤ lbe. Dort verkuͤ ndeten zahlreiche Anpflanzungen von Kokosbaͤ umen, Palmkohl, Baumwol⸗ lenſtauden, die Fruchtbarkeit des Bodens. Einige auf der Ebene zerſtreut liegende Haͤ uſer belebten dieſe Landſchaft. Beim Anblick des Schiffes liefen eine Menge Creolen und Negern beiderlei Geſchlechts ans Ufer. Wir beſahen meh⸗ rere ſo eben erbaute Wohnungen, wovon die meiſten mit Franzoſen beſetzt waren, die uns freundſchaftlich aufnah⸗ men. Nach einer vierſtuͤ ndigen etwas ermuͤ denden, indeß doch angenehmen Promenade in den Ebenen und Waͤ ldern, kehrten wir an das Ufer zuruck. Ein Schwarm Pelikane, denen eine breite Kehle, ein langer ſpatelfoͤ rmiger Schna⸗ bel, ein außerordentliches Anſehen verlieh, ſpielte dicht beim Ufer auf der Oberflaͤ che des Oceans. Ich bewun⸗ derte, mit welcher Geſchicklichkeit dieſer Vogel auf ſeine Beute losſtͤ rzt, ſich erhebt, und von neuem wieder hinab⸗ geht, um ſich des Fiſches, den er im Waſſer gewahr wird, zu bemeiſtern. Als Baudin an das Land trat, und vernahm, die In— ſel befaͤ nde ſich ſeit dem 16ten Februar 1797 in den Haͤ n⸗ den der Englaͤ nder, ließ er es ſich angelegen ſeyn, dem Gouverneur der Kolonie ſeine Ankunft auf Trinidad gleich zu melden. Folgender Vor fall beftätigte bald das Geſcheidte dieſer Maaßregel. Während tiefe Stille in der Nacht vom 14kten auf den ıdten die Fanny umgab, und wir uns mit Sicherheit dem Schlaf uͤ berließen, entſtand plotzlich das Geſchrei: „da ſind die Englaͤ nder!“ Durch ihre Spio⸗ nen benachrichtigt, es befände ſich ein franzoͤ ſiſches Fahr⸗ zeug in dieſen Gegenden des Meeres, waren ſie herbeige— eilt, um ſich deſſelben zu bemächtigen. In einem Augen⸗ | 181 blick befanden ni: uns auf dem Verdeck. Zwei Briks, la Victorieuſe von ſechszehn und die Zephire von vierzehn Kanonen waren nur vierzehn Metres von uns, und ſtan⸗ den bereit, beim erſten Zeichen auf uns zu feuern. Der Mond ſchien hell genug, daß wir die Manoͤ upres der feind— lichen Schiffe wahrnehmen konnten, und wir hoͤ rten deut— lich die von den Oberen der Mannſchaft ertheilten Befehle. Der Kapitän der Victorieuſe rief uns an ), und ſetzte fein Boot aus. Zehn bewaffnete Leute ſtiegen hinein, naͤ herten ſich der Fanny, und kletterten an unſer Verdeck hinan, gleich Feinden, die entern wollen. Der Offizier, der fie befehligte, ließ unſere Matroſen in das Zwiſchendeck brin— gen, ſtellte ſechs Leute mit gezogenen Gabeln an verſchie⸗ dene Punkte des Schiffes; hierauf unterſuchte er die Journale des Kapitaͤ ns, behielt aber den Paß zur Expe— dition, und kehrte auf ſein Schiff zuruck, nachdem er einen Lootſen mit dem Auftrag, uns nach Port d' Espagne zu bringen, hinterlaſſen hatte. Nun entfernten ſich die beiden Briks ſchnell, und wandten ſich gegen den Meerbuſen von Mexiko, um auf ein den Abend vorher in dieſen Mee— ren geſehenes ſpaniſches Fahrzeug Jagd zu machen. | Auf die Weiſe waren wir alſo jetzt ohne Paß der Gnade des erſten Korſaren Preis gegeben, der uns umherirrend in dem Meerbuſen von Paria begegnete *), wo wir den Wind bald gegen uns, bald voͤ llige Windſtille hatten. Dabei mußten wir ermuͤ dende oft unnuͤ tze Schlaͤ ge unter der Leitung eines Matroſen machen, den wir nicht verſtanden, und der da— *) D. h. er redete mit uns mittelſt des Sprachrohrs. ) Dieſer Meerbuſen ſcheidet die Inſel vom feſten Lande des ſuͤ dlichen Amerika's. 00G 182 bei dieſe Gegenden in der See wenig kannte. Endlich erreichten wir des Abends den ı7ten April den ſpaniſchen Hafen Shagaramus; es kam ſofort ein Marine-Offizier an Bord, und ließ die Fanny eine halbe Meile vom Lande in einer Tiefe von ſechs Klaftern in ſchwarzem Schlamm por Anker gehen, hinter dem Dietator, einem inen von 64 Kanonen. Der Kapitän Baudin ging ſofort nach dem Hafen, um den General Picton, den Gouverneur der Kolonie, zu bes ſuchen, und um ihm den Zwe ck ſeiner Reiſe nach der Inſel Trinidad mitzutheilen. Er kehrte von dort um 9 Uhr zu⸗ ruͤ ck, und kuͤ ndigte uns an, daß er den Zweck ſeiner Sen⸗ dung nicht habe erreichen koͤ nnen. Man muß, ſo wie wir, waͤ hrend mehrerer Tage unter der brennenden Sonne der heißen Zone, dabei allen Unbequemlichkeiten Preis gege⸗ ben, die man auf einem engen Fahrzeuge ausſteht, ums hergeirrt ſeyn, um ſich einen Begriff von dem Wunſche zu machen, den wir hegten, an dieſem Lande zu landen, und ſo die Abſicht unſerer Reiſe, weßhalb wir den Stürmen - getrogt und den Ocean durchkreuzt hatten, zu erreichen. Mangel an friſcher Waͤ ſche und friſchen Nahrungsmitteln vermehrte noch unſere gerechten Klagen. Ein ausgeſpann— tes Segel vermochte nicht, unſere Koͤ pfe gegen die loth— rechten Strahlen der Sonne zu ſchuͤ tzen; wir empfanden nicht weniger eine erſtickende Hitze, da wir unbeweglich auf einem Meere waren, das von keinem 1 be⸗ ruͤ hrt wurde. Tags darauf um neun Uhr begab ſich Baudin nach dem Hafen, um von neuem um Erlaubniß, daß wir uns aus⸗ ſchiffen dürften, nachzuſuchen. Um 10 Uhr kam ein eng⸗ liſcher Offizier an Bord der Fanny 3 er unterſuchte die 183 Lucken, die in den Raum hinableiteten, die Konſtabelkam— mer, die uͤ brigen Kaͤ mmerchen, und mit den muͤ ndlichen Verſicherungensunſerer Offiziere, wir hätten weder Waa— ren noch Kriegsmunition an Bord, zufrieden geſtellt, ent— fernte er ſich nach zehn Minuten wieder, ohne einen einzigen von unſern Mantelſaͤ cken durchſucht zu haben. Um neun Uhr Abends kam Baudin mit der Nachricht zuruck, die Naturforſcher der Expedition ſeyen den folgenden Tag nebſt ihm zum Fruͤ hſtuͤ ck beim engliſchen Gouverneur eingeladen. Den ıgten gingen wir bei Zeiten ans Land; bei der Fahrt auf der Rheede zaͤ hlte ich dreißig Schiffe jeder Groͤ ße, engliſche, amerikaniſche, daͤ niſche, und einige ſpa— niſche Priſen. Der General Picton behandelte uns auf eine edle Art, durch ſeine hoͤ flichen Manieren haͤ tte ichs vergeſſen, mich am Tiſche eines Feindes der Franzoſen zu befinden, wenn er nicht auf ſeiner erſten Weigerung beſtan— den waͤ re. Wir ſpeiſeten hierauf beim ehemaligen ſpani— ſchen Gouverneur der Kolonie Hrn. v. Chacon. Ich brachte den übrigen Theil des Tages damit hin, in den Umgebun⸗ gen des Hafens zu botaniſiren. Während ſich Baudin den arten ans Land begab, um einen letzten Verſuch beim Gouverneur zu machen, beſuchte ich nebſt Maugs und Riedle die engliſchen Offiziere auf dem Dictator, die uns hoͤ flich aufnahmen, und uns ge— ſtatteten, alles zu unterſuchen, was unſere Neugierde nur erregen konnte; es war luſtig auf die Weiſe die friedfer— tigen Naturaliſten, die bis dahin nur hinter Inſekten und Vögeln gejagt, zwiſchen den Feuerſchluͤ nden, den Haufen von Kugeln, den Pyramiden von Saͤ beln, Bayonetten und allen Mordinſtrumenten, welche das Kriegsgenie nur zu erfinden vermochte, zu ſehen, A r N — 15 — ße, ß,... EN 184 Baudin kam bald zuruck, und kuͤ ndigte uns an, den Befehl vom Gouverneur erhalten zu haben „noch den Tag abzuſegeln . Auf dieſe niederſchlaß ende Nachricht Aa wir traurig nach unſerm Schiffe, der Fanny, zue ruck. Bei der erſten Zuſammenkunft unſers Kapitaͤ ns mit dem Sehr Picton hatte er ihm den Geleitsbrief der Lon— doner Admiralität vorgelegt, die Diplome, die der fran— zoͤ ſſche Marine-Miniſter jedem der Naturaliſten ertheilt, und die officiellen Inſtruktionen, die er ſelbſt erhalten hatte; zuletzt auch noch ſein eigenes Journal der Beobach⸗ tungen ſeit unſerer Abfahrt aus Havre, um ihn zu über: zeugen, die Expedition habe nicht den mindeſten Bezug auf das politiſche oder Handelsintereſſe von Frankreich, habe keinen andern Zweck, als den, die Natur zu ſtudiren, und die ſchoͤ nſten Produkte daraus auf einer von keinem daturforſcher bis dahin unterſuchten Inſel zu ſammeln. „Ehe ich mich entſcheide, erwiederte der mißtrauiſche Gou⸗ verneur, muß ich den Hauptkommandanten der großbrit— taniſchen Truppen, der in Martinique reſidirt, zu Rathe ziehen.“ Den Tag darauf waren wir ans Land geſtiegen: mehrere im Hafen wohnende Franzoſen hatten uns freund⸗ ſchaftlich aufgenommen „erfreut, Landsleute, die vor Kur- zem aus dem Vaterlande angelangt waren, zu ſehen. Die Spione, welche uns auf dem Juße folgten, hatten dieß dem Gouverneur hinterbracht „und ihm leicht gegen die Expedition die traurigſten Vorurtheile eingefloͤ ßt. Durch folgenden Umſtand ging bei ihm gar alles Vertrauen ver⸗ loren. Picton hatte die abgeſchmackteſten Nachrichten auf der Inſel verbreitet; unter andern follte die Rheinarmee vernichtet ſeyn; die italieniſche die Waffen niedergelegt haben; der General Bonaparte von Wurmſer geſchlagen, 185 gefangen ſeyn u. ſ. w. Mehrere in Irrthum gefuͤ hrte Fran— zoſen wiederholten uns dieſe Unwahrheiten mit dem Aus- druck des Schmerzens, und die Englaͤ nder fuͤ gten in un⸗ ſerer Gegenwart noch unglaublichere und beleidigende Um— ſtaͤ nde hinzu. Jetzt glaubten wir, nicht die Vorſicht außer Augen zu ſetzen, die man mitten unter einer feindlichen Garniſon beobachten muß, indem wir dieſe Verlaͤ umdun— gen in ihr wahres Licht ſetzten; die Ehre des franzoͤ ſiſchen Namen gebot es. Wir kuͤ ndigten daher laut an, die Ar— meen der Republik verfolgten ſtets ihre Siege, ſie haͤ tten Belgien, die Pfalz, das rechte Rheinufer, Savoyen, Mailand, Corſika, Livorno inne; die 1791 gebildete Coalition ſey faſt vernichtet; Mantua, einer der feſteſten Plaͤ tze Europens habe ſich unſern Truppen uͤ bergeben, und dieſer Verluſt koſte dem Kaiſer achtzehn tauſend Mann, hundert Kanonen, zwei Generale u. ſ. w. ..... Dieſe letzte Nachricht, die Baudin in Gegenwart des Gouver— neurs wiederholte, reizte ihn vorzuͤ glich, „Nein, ſagte er, Mantua iſt nicht genommen, waͤ ren ſie auch dreimal ſo ſtark vor der Feſtung geweſen, ſo war es dennoch un— moͤ glich, ſie zu nehmen.“ — Und ſeit wann, Herr Gene— ral, zweifeln ſie an dem Muth der Franzoſen? Sie ſind unglaͤ ubiger als die Londoner Zeitungsſchreiber, die ſich nicht gefuͤ rchtet haben, dieſe Begebenheit dem ganzen Europa anzukuͤ ndigen ). | Als der Gouverneur keinen Vorwand, uns abzuweiſen, anzugeben wußte, ſagte er zu Baudin, er willige in ſeine Ausſchiffung, wenn er ihm zwei im Hafen anſaͤ ßige Leute 4) Wir hatten es durch europaͤ iſche Zeitungen in Teneriffa erfahren. 186 als Geiſſeln ſtellen koͤ nne. Der Kapitän führte ihm zehn herbei, und er hätte deren dreißig finden können. Hierauf erwiederte der nun in die Enge getriebene Gouverneur, ein ſolcher Auflauf (von zehn Perſonen) ſey eine gefaͤ hr⸗ liche Kabale, und er koͤ nne kein Vertrauen weiter in ihn ſetzen. N EU Baudin iſt diefen Morgen, wie ich bereits erwaͤ hnt , ans Land gegangen, um bei dem Gouverneur den letzten Verſuch zu machen; er hat ſich auf die Bitte beſchraͤ nkt, ſich lediglich mit den Naturaliſten ausſchiffen zu duͤ rfen, er wolle dann die ganze Mannſchaft nach Quadeloupe ſchi— cken, um allen Streit, der durch das Zuſammentreffen von engliſchen und franzoͤ ſiſchen Matroſen in derſelben Stadt in Kriegszeiten entſtehen koͤ nnte, zu vermeiden. Allein Picton's Antwort fiel dahin aus, unſere Staatsgruͤ nde ge⸗ ſtatteten nicht, daß er ſich laͤ nger auf der Inſel aufhalten duͤ rfe; unſer Paß fen der brittiſchen Regierung nur durch Ueberrumpelung abgenommen, er vermuthe, wir haͤ tten einen geheimen Zweck. . .... Er befahl ihm daher, ſich ſogleich an Bord zu begeben, und noch den Tag abzuſe⸗ geln, um unter Escorte eines Kriegsſchiffes nach Marti nique zum Generalkommndanten gefuͤ hrt zu werden, der unſer Schickſal entſcheiden ſollte. „Sie koͤ nnen mir, er- wiederte Baudin, das Landen auf Trinidad verweigern, obwohl Ihre Regierung mich ausdrücklich bevollmaͤ chtigt, mich hier aufzuhalten; aber ſie haben nicht das Recht, mich als Gefangenen zuruck zu halten, und nur die Ge— walt hindert mich, an einer andern ſpaniſchen oder neutra⸗ len Inſel zu landen, um dort die Abſichten des Directorii zu erfüllen. Die Wiſſenſchaften befinden ſich im Frieden, ſelbſt dann, wenn die Voͤ lker im Kriege begriffen ſind, und CTT r 187 unſere beiden Nationen haben ſich ſtets eine Pflicht daraus — gemacht, die Expeditionen zu beguͤ nſtigen, welche die Maſſe | ) der Kenntniſſe in der Naturgeſchichte zu befördern, zum. 1 Zweck hatten; ich berufe mich auf die dem Kapitaͤ n Cook, 4 dem Reiſenden Spillard von Frankreich zugeſtandenen Ge— leitsbriefe, ſo wie auf die, welche England an La Peyrouſe und d'Entreiaſteaux gegeben hat. Sie fuͤ rchten, meine Lan— 9 dung auf einer andern ſpaniſchen Kolonie ſey dem Intereſſe | von Großbritannien nachtheilig. ..... Warum waͤ re ich aber für Sie mehr zu fürchten an einem als an einem an⸗ dern Ort, da ich doch nur als Naturforſcher handeln Darf we Ich werde noch heute unter Segel gehen, allein Europa ſoll eines Tages die wenig redliche Art ven: nen, womit Sie ſich gegen mich benommen haben.“ Es haͤ lt ſchwer, den Unwillen zu ſchildern, womit wir bei dieſer Nachricht durchdrungen wurden; jedweder brach 1 | in Murren gegen das willkuͤ hrliche Betragen aus, welches 1 | ſich der Agent einer aufgeklaͤ rten Nation gegen friedfertige Fremde erlaube. Indeß ließ der Kapitaͤ n, der dieß un— | gaſtfreundſchaftliche Land zu fliehen, ungeduldig war, die Anker lichten, und ſteuerte noͤ rdlich gegen den Meerbuſen | der Antillen hin, unter der Begleitung eines von Dixon gefuͤ hrten engliſchen Briks. Auf die Weiſe waren alſo die Naturforſcher gezwungen, eine Inſel zu verlaſſen, wo 9 ſie ſich geſchmeichelt hatten, ein herrliches Jahr damit hin— zubringen, die reichſten botanifchen und zoologiſchen Pro— dukte zu ſammeln. Baudin ſelbſt konnte die Erlaubniß nicht erlangen, die Gegenſtaͤ nde der Naturgeſchichte, welche er 1705 mehreren auf Trinidad anſaͤ ßigen Franzoſen an— vertraut hatte, mitzunehmen. Dieſe koſtbare Sammlung, 188 der Hauptzweck der Expedition, blieb in den Haͤ nden der Engländer 95 15 * Note uͤ ber den Pelikan von Sonnini. Hielte man ſich an der von den meiſten Ornithologen angenommenen Nomenklatur, ſo gehoͤ rten der Geck, die Fregatte und andere Voͤ gel zum Pelikan; wenn man aber Weſen nicht mit einander vermengt, welche die Natur ge— trennt hat, ſo macht der Vogel, der von jeher den Namen Pelikan gefuͤ hrt hat, eine beſondere Gattung, und ſelbſt ein beſonderes Geſchlecht aus, zu dem dann einige andere faſt ähnliche Gattungen beigezaͤ hlt find. | Der gemeine Pelikan, den man faſt in allen füdlichen Gegenden ſieht, iſt einer von den großen Waſſer⸗Raubvö⸗ geln, der leicht an dem großen häutigen Kropf ſeiner Kehle zu erkennen ſteht. Dieſer einer großen Ausdehnung fähige Art Sack dient ihm zu einem Magazin für Lebens: mittel, worin er ſeinen Fang einſchließt, um ihn dann nach Gefallen zu verzehren. Wenn er den Fiſch heraus⸗ treiben will, fo druckt er den Kropf gegen feine Bruſt; weil er ſich nun eben fo benimmt, um feine Kleinen zu fuͤ t— tern, ſo haben ſt 0 die Alten Ned der Pelikan öffne 90 Einzelne ne derſelben, z. B. die Vogel, die Inſekten und die Muſcheln ſind neuerlich durch Baudins Vruder nach St. Thomas gebracht, und dort den Haͤ n— den der Kaufleute Hrn. Eckhard anvertrauet. Der Ka— pitaͤ n konnte nachgehends nur einen geringen Theil davon wieder erlangen. r 0e bbb BL ; Im 1 80 1 den Magen, und naͤ hre ſeine Jungen mit ſeinem Blute. 1 Es gibt kaum eine Fabel, deren Urſprung nicht einigen 1 Grund hat, und die ſonderbare Bildung des Pelikans, 3 ſeine nicht minder außerordentliche Art ſich zu naͤ hren, * ö waren wohl dazu geeignet, zu dem Wunderbaren bei eini— Mm. gen erhitzten Köpfen Anlaß zu geben. Der Pelikan ward ll das Sinnbild der zaͤ rtlichen Väter, der guten Koͤ nige; da indeß fein Aeußeres zu unedel war, um für fo glaͤ nzende * Eigenſchaften zu paſſen, ſo nahmen ihm die Maler den 1 Kropf, und gaben ihm die Physiognomie des Adlers. | Der Attributen beraubt, welche ihm die Zabel fo reich: lich zutheilt, iſt der Pelikan ein ſehr haͤ ßlicher, aber auch 9 zugleich ein aͤ ußerſt merkwuͤ rdiger Vogel. Der Vorder— | theil des Kopfes iſt nackt und fleiſchfarbig, ſein Kropf fahlgelb, fein Schnabel roͤ thlicht an der Kante und gelb— . | licht am übrigen Theil. Dieſer Schnabel iſt lang und ge: ö rade bis an das krumme Ende. Schmutzig weiße zarte | || Federn bedecken kaum den Kopf und den oberſten Theil | des Halſes; dieſe halbe Nackte iſt deſto zuruͤ ckſtoßender, ll | da man es mit einigen langen ſchmalen Federn verbunden | findet, welche vom Hinterkopf herabhaͤ ngen. Das Geſie⸗ der iſt matt weiß; Fuͤ ße, Zehen, ſo wie die Haut, welche fie mit einander verbindet, haben ein bleifarbiges Anſehen. Dem Aeußern nach zwar ſchwer hebt ſich indeß der Pe— likan auf den großen Fluͤ geln leicht in die Luft, ſchwebt ohne Schwierigkeit über dem Waſſer, um ſich ſeiner Beute . zu bemaͤ chtigen, indem er lothrecht auf die Fiſche hinab: ſtuͤ rzt, die von dem Falle einer fo ſchweren Maſſe betaͤ ubt, ſelten einem ſo maͤ chtigen Feinde entgehen. 7 — Sechszehntes Kapitel, ‘ Nachricht von der Inſel Trinidad — Bevölkerung — Kultur — Produkte — Naturgeſchichte — Meerbuſen von Paria. Trinidad „welches Columbus 1498 entdeckte, ward erſt | 1535 von den Spaniern in Beſitz genommen. Die Inſel liegt zwiſchen Tabago und dem feſten Lande des mittäg- lichen Amerika, faſt gegen der Muͤ ndung des Orinoco uͤ ber, um, wie ſich Raynal ) ausdruͤ ckt, die Schnelligkeit Dies ſes Fluſſes zu hemmen. Das Klima der Inſel iſt im Allgemeinen ſehr geſund. Ob es gleich dort häufig von der Mitte Mai bis Ende Ok⸗ tober regnet, ſo vergeht dennoch waͤ hrend dieſer Zeit kein Tag, wo ſich die Sonne nicht wolkenfrei zeigte. Man zaͤ hlt dort mehr als vierzig Baͤ che und vier Hauptfluͤ ſſe, den Oropuche und den Quatro, die ſich an der Oſtkuͤ ſte in den Ocean ergießen, den Guaracaro und den Caroni, die ihre Muͤ ndung im Meerbuſen von Paria haben. Letzterer Fluß iſt der bedeutendſte; man kann darauf mit leichten Fahrzeugen bis auf acht Meilen ins Innere der Inſel *) Buch 12. a g — 7. 0075. b . JENA De, 191 fortkommen. Die drei übrigen find ebenfalls ſchiffbar; die Mündung des Guatuaro iſt durch einen ſeichten Grund dere ſtopft, der die Einfahrt erſchwert. Die Laͤ ndereien ſind fruchtbar, obgleich leicht; ihr Boden beſteht aus Sand und Thon bis zu einer Tiefe von einem bis zu vier Metres. Grauer Schiefer in ziemlich regelmaͤ ßi— N gen Schichten, macht den Kern von mehreren Huͤ geln aus. Oeſtlich vom ſpaniſchen Hafen befinden ſich Bruͤ che von || Steinen, die zum Haͤ uſerbau und zum Straßenpflaſter ge— |) braucht werden. Im ſuͤ dweſtlichen Theile der Inſel an | den Ufern des Meerbuſens von Paria, nicht fern vom Cap N { Brea hat die Natur ein großes Baſſin voll Erdpech ge: ſchaffen, das ſo nuͤ tzlich, zum kalfatern der Schiffe gebraucht wird. Die Umgebungen dieſes Sees ſind volkaniſch. Man ö trifft dort mehrere Quellen von warmen Waſſer ») an. Die beinah viereckig geſtaltete Inſel endigt ſich nord— | örtlich mit der Spitze Galera ); gegen Suͤ doſten mit der in | von Galgota ***); gegen Nordweſten mit dem Cap Mo: 9 g nos ), und gegen Suͤ dweſten mit dem von Coral *****), — Ihre Dimenſionen koͤ nnen folgendermaßen nach der im | Jahre 13 in Paris geſtochenen Karte berechnet werden; die groͤ ßte Laͤ nge von Norden nach Suͤ den vom Cap Chu— pura bis zu dem von Curao 43“ oder 143 Meilen (lieues), „) S. am Ende dieſes Kapitels die Beſchreibung des Sees von Erdpech. % Breite 10° 49/4, — Länge 630 4/ 30%. K, Breite 109 % 20¼% — Länge 630 8/40.“ Aa) Breite 10 42%“ — Länge 630 50/ zoll, A=) Breite 100 3/% , — Laͤ nge 649 61 30%. 92 groͤ ßte Breite von Oſten nach Weſten von der Muͤ ndung des Guatuarofluſſes bis zu der von Cuba 34“ — 114 Meilen. Die oͤ ſtliche Kuͤ ſte, zwiſchen zwei von einander 40“ 20“ entfernten Caps gelegen, hat ungefaͤ hr eine Laͤ nge von 135 Meilen. Sie iſt ungemein fruchtbar, gut bewaͤ ſſert, und im Allgemeinen niedrig. Die ein wenig hoͤ here Süd» kuͤ ſte (deßhalb zum Anbau von Kaffee und Kakao geeig⸗ | net), hat 58° = 193 Meilen Lange. Das Meer, welches dieſe Kuͤ ſte beſpuͤ lt, hat auf einer halben Meile Entfer- nung nicht mehr als fieben bis acht Klafter Tiefe, und iſt ſehr fiſchreich. Die weſtliche, nach einer von Norden nach Suͤ den berechneten Linie, die durch Port d' Espagne läuft } iſt 39° = 13 Meilen lang, dabei die reichſte und die am meiſten angebaute; man rechnet darauf mehr als neunzig Wohnungen. Die nördliche Kuͤ ſte, die zu hoch liegt, und zu ſehr zerhackt iſt, um auf eine nuͤ tzliche Weiſe zum Acker⸗ bau zu dienen, hat ungefähr 47“ 22“, oder 16 Meilen an Lange. Der Umfang der Inſel iſt auf achtzig Meilen zu rechnen ). EICH | | Die Hauptſtadt St. Joſeph d'Oruna liegt nordweſtlich drei Meilen im Innern des Landes *), mitten auf einer *) RNaynal, der 1780 ſchrieb, gibt der Inſel einen Um⸗ kreis von 110 Meilen und an Quadratoberflaͤ che 318; der Nordkuͤ ſte 22 Meilen Laͤ nge; der Oſtkuͤ ſte 19 und der flds lichen 25. Die Herren Mentelle und Malte⸗ Brun ſetzen ſie unter 100 der Breite, und 639 20/ der Laͤ nge, ſie geben ihr 30 Meilen Länge von Oſten nach Welten, und 19 in die Breite. ) Lange 630 48 7, Br. 109 297 64 5. Bonne zufolge; nach der in Paris geſtochenen Karte betr. die Lange 630 34/3 die Br, 100 407. 6 207 über die barbariſche Behandlung empfinden; die ferneren Symptomen ſind ein widernatuͤ rlicher Appetit, ein unmaͤ — biger Hang zu Holz, zu Kalk, zum Schlamm u. ſ. w.; eine voͤ llige Abzehrung endigt die e und die Tage dieſer Ungluͤ cklichen. Vergleicht man den Zuſtand der Sklaven in Hochfihott- land und auf den benachtbarten Inſeln mit dem der Skla— ven auf dieſer Inſel, ſo findet der Verf. die Lage der letz⸗ tern weit erträglicher. Wenn das Gemälde, welches er von der Sklaverei in Schottland entwirft, der Wahrheit . angemeſſen iſt, ſo mag ſeine Behauptung richtig ſeyn. Trinidad hat einen Ueberfluß an Subſiſtenzmitteln aus dem Thier- und Pflanzenreiche. Zugleich nimmt die Inſel an den meiſten uͤ brigen Produkten der beiden Reiche Theil, welche die terra firma,‘ der fie gerade gegenüber liegt, darbietet. Unter die Quellen des Reichthums muß man den auf dem Kap Brea gelegenen See voll Erdpech rech— nen; es iſt dieß ein fuͤ nfzig Fuß uͤ ber dem Meere erha— benes Baſſin, von ungefaͤ hr drei engliſchen Meilen im Umfange, das in einer von volkaniſcher Aſche und Schla— cken gebildeten Gegend liegt, und mit Erdpech mehr oder weniger tief angefüllt iſt. Man trifft auch noch hie und dort auf Trinidad Asphalt in fluͤ ßigem Zuſtande, ſo wie mehrere warme Quellen in den Umgebungen des Sees. Das Erdpech iſt haͤ ufig mit ein wenig Schwefel gemiſcht, und wird mittelſt einer paffenden Verbindung ſehr gut bei Ausbeſſerung der Schiffe gebraucht. Die Berge der Inſel, die in drei paralelen Linien von Weſten nach Oſten laufen, beſtehen aus thonichtem und märgelichtem Schiefer, fie find mit dicken Waldungen be: deckt, die zum Schiffbau ſehr paßliches Holz liefern. Le Dru Reife, 1. Bd. Rt. 208 Es gibt der ſchiffbaren Fluͤ ſſe acht auf der Inſel; unter dieſen ergießen ſich der Caroni, der Guaracara, der Loura und der Siparia in den Golf; der Guataro oder Ottoire, der Reg, Lebranche und der Oropuche in den atlantiſchen Ocean. Der Caroni ſo wie der Quataro ſind auf zwanzig engliſche Meilen ſchiffbar, nur die Muͤ ndung des letztern in die Bay Mayaro, uͤ brigens ein guter Ankerplatz, iſt durch eine Untiefe verſperrt. In der Zeit, als ſich der Verfaſſer dort aufhielt, hatte man das Projekt, den Caroni und den Guataro mittelſt eines Kanals zu vereinigen 75 und gegen den Caroni hin Verbindungsgraͤ ben in der Sa⸗ vanne zu eroͤ ffnen, um die Suͤ mpfe derſelben auszutrock— nen, damit die Hauptſtadt dadurch geſunder wuͤ rde. Zur Errichtung neuer Etabliſſements empfiehlt unſer Verf. das Thal Rio⸗Grande, und den ſechs engliſche Meilen davon gelegenen Fleck Ballaudro. \ Das Obergericht iſt der Cabildo. Es beſteht aus 1 zehn Gliedern, die ſich des Montags verſammeln; unter dieſen waͤ hlt man jährlich zwei von einander unabhaͤ ngige Richter. Man trifft dort eine Menge Advokaten (escri- vanos, scrives), denen indeß der Verf. keine Lobrede haͤ lt. Viele Reger befanden ſich zu der Zeit der Zauberei wegen angeklagt, im Gefaͤ ngniß. Man behandelte fie mit großer Grauſamkeit. Dieſen Glauben an Hexerei trifft man auf den meiſten ſpaniſchen Kolonien von Amerika und ſelbſt auf Cayenne, wenn man Picton's Verſicherung fuͤ r wahr annehmen darf. Sie ſcheint ſich auf die Gewohnheit zu gruͤ nden, welche die Neger haben, bei ſich unbedeutende Zierrathen „Lumpen, kleine Stuͤ ckchen Holz, Wurzeln u. ſ. w. zu tragen, die ihnen zum Fetiche, oder zum Gegen- ſtand der Anbetung dienen. N \ in „% ee KETTE ENTE TÜTE RE EEE TETTTETTT HET . N nn 209 | | \ N | Einige Nachrichten in Betreff des Sees voll Erdpech 1 > auf der Inſel Trinidad findet man in den transactions de | N la Société lineenne tom. 8. vom Jahre 1789, die fol- | | | gendermaßen von den Herausgebern Der bibliotheque bxi- | tannique uͤ berſetzt find. | A 1 I I Schreiben an Herrn Tobin. 5 | St. Vincent den 2. April 1807. | | I Mein Herr! | l | Ich habe einen ganzen Tag an den Ufern des Sees | Ä voll Asphalt (Pitch-lake) von Trinidad zugebracht, um * | | ihnen die Proben, die fie wuͤ nſchen, zu verſchaſſen. Sie || | find auf dem Schiffe Isle de l'union in zwei Faͤ ßchen > | | eingeſchifft, und ich hoffe, fie werden in gutem Zuſtande ans ö Ä kommen. In dem einen befindet ſich eine Auswahl von 1 | Kieſelſteinen, laͤ ngs dem flachen Ufer aufgenommen, ins ı dem man über den Ankerplatz hinaufgeht; ich habe Stuͤ cke " von den Felſen der Küfte hinzugefügt, die zum Theil tiefer | als der mittlere Meeresſtand lagen, und zum Theil aber 3 auch hoͤ her; alles ſcheint indeß von derſelben Natur als das Baſſin des Sees zu ſeyn. In dem andern Faͤ ßchen befindet ſich in getrennten Paketen erſtlich eine Art gekohl— ten Pechs, das man in großer Menge an den Ufern des Sees antrifft; zweitens, hartes aus einem Theil des Seeufers gezogenes Pech; drittens, aus dem Ses ſelbſt geſchoͤ pftes Pech; viertens, die naͤ mliche aus dem Krater eines ſehr kleinen Huͤ gels gezogene Subſtanz, der ſich un— gefaͤ hr zwei Fuß uͤ ber den ihn umgebenden Boden erhebt, und ungefaͤ hr hundert Ruthen vom See entfernt iſt. Dieſe 5 O 2 210 Materie hat ein weit friſcheres Anſehen, und als waͤ re fie erſt Abends zuvor hervorgequollen; fie machte unge⸗ faͤ hr die Haͤ lfte der ganzen in I Krater enthaltenen Quantität aus. Dieſer See liegt ungefähr eine Meile vom Golf auf einer wohl achtzig bis hundert Fuß uͤ ber der Meeresflaͤ che erhabenen Anhöhe, an allen Seiten iſt er mit ſehr hohen Holzungen umgeben, außer da, wo die Baͤ ume gefällt ſind, um dem Zuckerrohr Platz zu machen. An dieſen Stellen hat man den Boden aͤ ußerſt fruchtbar gefunden; das iſt der hoͤ chſte Theil in dieſer Gegend der Inſel. Der See hat ungefähr die Breite einer Meile, er wird von allen Seiten von Baͤ chen, die ein klares Waſſer haben, worin ſich viele kleine Fiſche befinden, durchſchnitten. An vielen Stellen und gegen die Mitte des Sees auf einem feſten mineraliſchen Pech trifft man mehrere Arten von Inſeln, worauf Pflanzen und Stauden von verſchiedenen Gattun⸗ gen wachſen, unter andern die wilde Ananas in großem Ueberfluß. Ich habe Herrn Edwards in England mehrere Pflanzen davon zugeſandt; er hatte mich naͤ mlich darum erſucht. Der Rand dieſer Baͤ che hat die Geſtalt von halb Rn Wuͤ lſten, und am Grunde find fie geſpalten. Die Tiefe des Waſſers wechſelt von zwei bis zu zehn Fuß, und die Kanäle ändern ſich beſtaͤ ndig; der, welcher heute acht bis zehn Fuß Tiefe hatte, wird vielleicht morgen ans gefüllt ſeyn, und andere oͤ ffnen ſich dagegen wieder da, wo man nur eine feſte Maſſe von Pech wahrnahm. Nach dieſen Abwechslungen hat es das Anſehen, als ruhe das Pech ſelbſt auf einer Maſſe Waſſer; ich habe indeß kein Datum uͤ ber ſeine Dicke. Es ſcheint mir aber deutlich, daß dieſe Materie der Wirkung eines unterirdiſchen Feuers r TEURER EEE > a 2 TTP 211 ihr Daſeyn verdankt. Man hat mir geſagt, die in Hin— ſicht auf den See unterm Winde gelegenen Theile der In— | ſel, wären ſehr reich an Steinkohlen; indeß habe ich nie „ erfahren koͤ nnen, bis wohin ſich die Adern von der Seite des Sees erſtrecken, auch iſt mir nie eine Probe von dem | aus dieſem Flecken gezogenen brennbaren Stoffe zu Ge— g 1 ſicht gekommen. | | Dr. Anderſon, Direktor des botaniſchen Gartens von St. Vincent, der mich bei dieſer Gelegenheit begleitete, 3 \ hat den See vor ungefähr 20 Jahren befchrieben, und | | feine Schrift iſt in einer periodiſchen Sammlung bekannt gemacht. Ich glaube nicht, daß eine andere Beſchreibung N | erfchienen ſey. | NR I ' Um dieß mineraliſche Pech gebrauchen zu koͤ nnen, muß 1 man es nur mit einem Zehentel ſeines Gewichts mit Oel 1 | oder Talg kochen laſſen. | m | j Ich bin u. ſ. w. | ie | ©. Span. | | | 1 Schreiben des Hrn. Tobin an Hrn. Hatchett, 1 indem er ihm das Vorgehende ſendet. | | | Mein Herr! Hieneben habe ich die Ehre, Ihnen den Brief eines Freundes zu ſenden, der eine bedeutende Menge Laͤ ndereien auf der Inſel Trinidad kaͤ uflich an ſich gebracht hat. Er wird Ihnen einen ziemlich genauen Begriff von dem ſon— derbaren Fleck geben, den die engliſchen Bewohner dieſer großen koſtbaren Inſel, den Asphaltſee genannt haben. Ich füge einige Proben von dem in dem Briefe angegebe- 212 nen bezeichneten mineraliſchen Harze hinzu. Aus dem intereſſanten Memoir, womit Sie den vierten Band der Linne'ſchen Transaktionen bereichert, ſehe ich, daß Sie ſich beſonders mit Unterſuchungen in dieſem Zweige der Mineralogie beſchaͤ ftigt haben, und dieß veranlaßt mich in dieſem Falle an Sie zu wenden. Ich bin fern davon, über die Frage abſprechen zu wol— len, ob alle erdpechartige Subſtanzen ihren Urſprung aus organiſchen Körpern ſowohl der Thiere als der Pflanzen ziehen; indeß zweifle ich nicht, daß die Entdeckung einer ſo bedeutenden Maſſe von erdpechartigem Stoff in einer beim Aequator ſo nahe gelegenen Gegend nicht dazu bei— trage, einſt einiges Licht uͤ ber eine Frage zu verbreiten, Die ferneren Nachrichten, die ich uͤ ber dieſe Gegen— ftände geſammelt, belehren mich, daß dieſer See (wie man ihn nennt) drei bis vier Meilen im Umfang hat; daß das Waſſer darin in Geſtalt von kleinen Teichen und Baͤ chen vertheilt iſt; daß der ganze Boden umher bis zu einer un— beſtimmten Entfernung auf einer Lage von derſelben erd⸗ pechartigen Subſtanz ruhet, die wieder ein oder zwei Fuß hoch mit guter vegetabiliſcher Erde bedeckt iſt, unter welcher dieſe Lage dann von dem See bis ans Meer fort— lauft, nämlich an einigen Stellen auf die Entfernung einer halben Meile, und daß fie ſich ſelbſt unter dem Wogeſtand des Oceans bis auf eine unbekannte Weite erſtreckt; daß die Felſen, die laͤ ngs dieſem Theil des Golfs fortlaufen, und an einigen Orten lothrecht fuͤ nfzig bis hundert Fuß abgeſchnitten ſind, gaͤ nzlich gus dieſem erdpechartigen ſehr harten, feſten und mit einer nicht gleich dicken Erdkruſte uͤ berzogenen Mineral beſtehen; daß, obgleich die im Lande e TER ET TEE BRETTEN TER 213 allgemein herrſchende Meinung dieſer außerordentlich gro— ii | ßen Maſſe Erdpech einen volkaniſchen Urſprung zuſchreibt, 1 man dennoch in dem ganzen Umfang des Sees gar keine | Spur von Hitze gewahr wird, ſelbſt nicht in den kleinen m | Höhlen, die uneigentlich Kraters genannt werden, und 1 woraus dieſe Materie neuerlich in die Höhe getrieben zu. | ſeyn ſcheint. Endlich iſt in den Proben, die ich bis jetzt IN) erhalten habe, nichts, das Laven oder Schlacken aͤ hn⸗ lich ware. | | Bis indeſſen die Naturforſcher im Stande ſeyn werden, dieſes merkwuͤ rdige Phaͤ nomen genauer zu unter ſuchen, | | j habe ich geglaubt, dieſe erſten Nachrichten würden für Sie N einiges Intereſſe haben. |: | | Ich bin u. ſ. w. ı | Tobin. ss ME Bemerkungen des Herrn Hatchett über das I] | | Vorhergehende. N Aus den eben angeführten und den über den nämlichen | Gegenſtand bekannt gemachten genauen Nachrichten des Dr. Anderſon *) geht hervor, daß der unter dem Namen Pitch oder Tar-lake bekannte, von den Franzoſen La Bray genannte See voll Erdpech von ziemlichem Umfange iſt, und wir die Tiefe deſſelben nicht kennen. Es ſcheint ferner, daß die allgemeine Maſſe der Materie, welche die— ſen See bildet, bis dahin fuͤ r ein minder oder mehr hart gewordenes Erdpech angeſehen worden iſt. Indeſſen be— *) Philos. transactions. 1789. 214 merkt der Dr. Anderſon, daß, ob er zwar auf der Ober— flaͤ che der Materie ohne Beil keinen Eindruck habe machen koͤ nnen, er ſie in der Tiefe eines Fußes weicher fand, und daß ſie in den kleinen Oeffnungen eine Art Oel enthielt. Dieſe Haͤ rte ſcheint wirklich weit groͤ ßer, als die von den reinen und harten Erdpechen, die man gewoͤ hnlich antrifft; ſie fuͤ hrt natuͤ rlich zu der Vermuthung, der groͤ ßte Theil der erdpechartigen Maſſe von Trinidad ſey nicht, ſo wie man es angenommen hat, bloß mineraliſches Erdharz oder Asphalt. ö | | Bei der Unterſuchung der mir von Hrn. Tobin zuge— ſandten Proben habe ich ſie meiſtens ſehr hart, und ſchwer zu zerbrechen gefunden. Am Bruch bemerkt man weder den Glanz noch das Muſchelfoͤ rmige, die an dem der ge— wohnlichen Erdharze wahrzunehmen find. Die unter den Proben, welche ſich leicht zerbrechen laſſen, haben noch weniger den Charakter von reinem Erdharz, denn ſie ſind im Bruch erdigt, und haben Aehnlichkeit mit gewiſſen wei⸗ chen eiſenhaltigen Thonſteinen. Die ſpecifiſche Schwere dieſer Proben übertrifft auch bei Weitem die des nicht vermiſchten Erdpechs. Es wird genuͤ gen, zwei Beiſpiele davon anzufuͤ hren. Die ſpeeifiſche Schwere des feſten dunkelbraunen Erdpechs von Trinidad iſt 1744, der Temperatur von b5° Fr. (14°7 R.) und die der einen blaßbraunen, der erdigten Proben = 1,336, waͤ hrend das ſpeciſiſche Gewicht des Asphalts nur 1,023 bis 1,104 oder 1,165 beträgt. Nimmt man die Zahl 1,104 als die mittlere Denfität des Asphalts an, fo wäre der Unterſchied zwiſchen dieſer reinen Subſtanz und der erſten der beiden Erdharze von Trinidad = 0,640, und zwiſchen 3 1 run a re 5 n Narren r PPTP 2 215 dieſem naͤ mlichen reinen Asphalt und dem zweiten dieſer Erdharze = 0,232. | Aber unter den vermiſchten oder unreinen Erdpechen . gibts wenige, deren fpecififches Gewicht dem des Erdhar— I zes von Trinidad gleich kommt; die der dichteſten der von Il Herrn Kirwan angeführten Steinkohle iſt & 1,426. Er | erwähnt wirklich einer falſchen Steinkohle, deren ſpecifiſches 1 Gewicht er zwiſchen 1,500 und 1,600 angibt; auch redet m er von einem Erdpech, deſſen ſpecifiſche Schwere 2,070 be= betraͤ gt; letzteres iſt aber nach der Beſchreibung des Ver— faſſers offenbar ein mit Erdpech geſchwaͤ ngerter Kalkſtein; denn eine von ihm mit einem Stuͤ cke angeſtellte Unterſu— chung gab nur vierzehn von 8 von erdharziger Materie, das il übrige war gemeiner Kalkſtein“) Die außerordentliche Härte, | | | fo wie die meiſten der äußern Charaktere von den an Hrn. ii Tobin gefandten Proben ließen mich glauben, fic beſtuͤ nden —— nicht lediglich aus mineraliſchem Erdpech, nicht als ob | | | ich keine aus Trinidad geſehen hatte, bei denen man nicht | | alle Abſtufungen vom Bergoͤ l bis zum Asphalt vorfand; * U aber die Proben waren verſchieden, und ich glaubte, ſie deßhalb einer chemiſchen Unterſuchung unterwerfen zu müffen. Als ich zur Deſtillation der feſten dunkelbraunen Va— rietät in einer gluͤ henden Retorte ſchritt, behielten die Stuͤ cke ihre Figur, und ſelbſt dann noch, wie man ſie in einem Schmelztiegel bei offenem Feuer gluͤ hend erhielt. Mittelſt dieſer Proceduren verlor ein Stuck, das gewöhnlich 250 Gran wog, 81 Gran ſeines Gewichts = 32,40 von 2 in faſt reinem Erdharz; ein Stuͤ ck der erdigten blaß ) Elemens de Mineralogie tom. 2. 216 braunen Varietaͤ t verlor 91 Gran an 250 — 36,0 von 8 ſo daß das erſte ein Reſtduum zuruͤ ckließ, welches 169 869 17 und das zweite eins von 159. Dieß Reſiduum von ſteinig⸗ ter Konſiſtenz war ſehr loͤ cherig, und zerbrach leicht am offenen Feuer, und erhielt ein okerhaftes Anſehen; indeß behielt es innerlich eine ſchwarze Farbe in Verhaͤ ltniß zu der Kohle, die bei der Zerſetzung eines Theils des Erd— harzes herauskam. Der Stein ſchien in beiden Faͤ llen der nämliche, nur war der, welcher aus der erſten Varietaͤ t 6 kam, feſter; in hundert Theilen waren enthalten: | an Kieſel — — 60, Allan 2 — 19 „ Eiſen rie 10, ** Kohle (nach Schaͤ tzung) 11, 100. Ich habe dieſe Zerlegung nicht wiederholt, und bin daher außer Stand, zu behaupten, die Verhaͤ ltniſſe zwi— ſchen dem Allaun und dem Eiſen⸗Oxyde ſeyen genau; in—⸗ deß koͤ mmt es in dieſem Falle auf die Genauigkeit nicht ſo ſehr an, indem nur im Allgemeinen die Rede davon iſt, die Natur dieſer Zuſammenſetzung darzuthun. Bis jetzt habe ich nicht die geringſte Spur von Kalk entdecken koͤ n— nen; ſo daß ſich folglich das mit Kalk geſchwaͤ ngerte Erd— pech völlig von den bituminoͤ ſen Kalkſteinen und andern ähnlichen bis jetzt bekannten Subſtanzen unterſcheidet. Aber die wahren aͤ ußeren Charaktere dieſes Steines muͤ ſſen ungewiß bleiben, bis man Proben erhalten hat, die entweder von Erdpech frei, oder nur zum Theil damit geſchwaͤ ngert ſind; ich wage indeß die Muthmaſſung, daß dieſer Stein von der Natur desjenigen iſt, den man in re TEE EL ee FFF EETLTREERRETETEPRTREF NET FE FENPN Kan der Auvergne mit Erdpech vereinigt findet, und den Hr. v. Born eine graͤ uliche feſte Lava genannt hat ). Die Analyſe deſſen, was noch von der ſteinigten Maſſe uͤ brig bleibt, nachdem das Erdharz davon getrennt iſt, I | | ſtimmt mit der Natur des Bodens der nfel überein, 1 | Der Doktor Anderſon belehrt uns, das Erdreich in den 1 Umgebungen des Sees Bray beſtehe aus verbrannter Erde, || | und man finde dort derbe thonichte Erden; auch fagt er am Ende derſelben Seite: er habe nach angeſtellter Unter— ſuchung gefunden, die ganze Inſel ſey mit thonichter Erde verſehen, ſowohl in ihrem urſpruͤ nglichen Zuſtand (worun— ter er wahrſcheinlich den gewoͤ hnlichen Thon verſteht), als auch in ihren verſchiedenen Verwandlungen. Die Baſen der Berge beſtehen aus Thonſchiefer oder talemu litho- marga des Wallerius. Bekanntlich herrſcht der Kieſel in i allen Steinen von thonigter Art; der mit Erdpech ge- ſchwaͤ ngerte Stein, wovon hier die Rede iſt, gehoͤ rt offen⸗ | bar zu dieſer Gattung, fo daß er ſich bis zu einem ges — 1 wiſſen Punkt der Natur der erdharzigen Schiefer naͤ hert, aber nicht dem Gewebe nach. Es iſt indeſſen zu bemerken, 1 daß in den feſteſten Proben dieſer Subſtanz das Erdpech N ſo voͤ llig den Charakter dieſes Steins verhuͤ llt, daß man | ihn leicht für eine Varietaͤ t eines zweideutigen Asphalts nehmen kann, wovon es mehrere Beiſpiele gibt. Bereits habe ich erwaͤ hnt, mehrere aus Trinidad ge— kommene Proben geſehen zu haben, woran alle Abſtuffun— gen zwiſchen dem Bergoͤ l und dem Asphalt wahrzunehmen | waren; und nach der Beſchreibung des Doktors Anderfon ) Cataloque de la Colleetion des Fossiles de Mademoiselle de Raab tom. 2. N 218 trifft man dort an mehreren Orten das fluͤ ßige Erdpech oder Steinoͤ l an ); allein dieſe Materie, ſo wie der reine Asphalt wird wahrſcheinlich nur in gewiſſen Spalten oder Höhlen gefunden; denn nach den mir zugekommenen Pro— ben darf man annehmen, daß ein großer Theil der Maſſe, die man bis jetzt für mineraliſches Erdpech oder reinen As— phalt gehalten hat, nur loͤ chericher Stein von t | Art ſtark mit Erdharz geſchwaͤ ngert iſt. | Ich habe das Reſultat meiner Unterfuchungen Hrn. To: bin mitgetheilt, der mir geantwortet, er glaube vielmehr, die unterſuchte Subſtanz ſey kein reines Erdpech, weil er ver- nommen, man bediene ſich derſelben zu den Straßen, und weil ſie die Sonnenhitze unter den Tropen aushalten koͤ n— nen, ohne bedeutend davon weich zu werden. a Außer in dem See, wo die bituminoͤ ſe Materie in fo feſtem Zuſtande ift, findet man fie auch fluͤ ßig hie und da in den Holzungen; H fo wie zwanzig Meilen vom See zwei Zoll dick in runden Löchern von drei bis 4 Zoll im Durch⸗ meſſer, und oft in Kiffen. Dieſe iſt ſtets fluͤ ßig, und der theerartige Geruch iſt ſtaͤ rker als der des hart gewor— denen Erdpechs. Sie ſetzt ſich an alles feſt an, was ſie beruͤ hrt, und man kann die Finger nicht anders davon losmachen, als wenn man ſie mit Fett reibt. 8 Vierfuͤ ßige Thiere. Unter den vierfuͤ ßigen Thieren, welche auf der Inſel Trinidad exiſtiren, nennt Hr. Le Dru die roͤ thlichte Alouate, oder den heulenden Affen (simia seniculus) zuerſt. Dieß Thier iſt eins der außerordentlichſten des ſuͤ dlichen Amerika, weniger wegen ſeiner Formen als des Laͤ rmens wegen, den es macht. Es iſt dieß naͤ mlich eine Art Geheul, wel— ches man auf große Diſtanzen wahrnimmt, das eine knochigte Trommel hervorbringt, die von dem Haupttheil des Zungenbeins gebildet wird, und ſich zwiſchen den Schenkeln der untern Kinnlade befindet. Dieſe Affenart lebt truppweiſe mitten in Waldungen, die dann von ihrem Geheul wiederhallen. Ihre Zuneigung, ihre Beduͤ rfniſſe, ihren Zorn, ſelbſt ihre Liebe druͤ cken ſte durch ein furcht— bares Konzert von unharmoniſchen Toͤ nen aus, die wirk— lich grauſend klingen, wenn man nicht weiß, daß ſie von dieſen fruchtfreſſenden und mehr laͤ rmenden als gefaͤ hrli⸗ chen Thieren kommen. Der Reiſende, daran gewoͤ hnt, die einſamen Gegenden zu durchlaufen, welche Alouates mit ihrem Geſchrei anfuͤ llen, freuet ſich, ihr entſetzliches Konzert zu hoͤ ren; er wuͤ rde davor ſchaudern, wuͤ ßte er nicht, daß ihm dieß eine leichte Beute ankuͤ ndigte, die eben ſo gut ſeinen Geſchmack als ſeinen Appetit befriedigt. Wirklich ſind die Alouates nicht ſehr wild, und ihr Fleiſch iſt gut zum Eſſen. Man kennt ſie in dem Franzoͤ ſiſchen Guiana, unter der Benennung der rothen Affen, nichts deſto weniger ſind ſie doch eher rothgelb als roth. Ihr Kopf iſt pyramidenmaͤ ßig geformt, ihr Geſicht platt, und ihr Schwanz ungemein lang und greifend, d. h. er dient ihnen dazu, ſich aufzuhaͤ ngen und damit zu faſſen, als 5 8 Mi 1 ꝶꝶ6˙ ae ʃʃʃ:ter LANE ———P—P—P—PFPFPP—P—P—P—P—P—P—P—P—P—P—P—P—P——P—P———P——————— Ser 220 hätten fie eine fünfte Hand; kurz, Die Alouate iſt ein eben fo ſcheußliches, als auf eine graͤ ßliche Art ſchreiendes Thier. Ein zwar nicht ſo laͤ rmendes, dagegen aber weit gefaͤ hrli— cheres Thier, als die Alouate, iſt die Art Tigerkatze, welche Buffon unter dem Namen der Jaguar von Neuſpanien, und vor Kurzem Hr. d'Azara unter der Benennung Chibig⸗ nazou, wie fie in Paraguay heißt, beſchreibt. Dieſe Ti: gerkatze, welche von dem Ocelot (kelis pardalis. L.) nicht verfibieden zu ſeyn ſcheint, naͤ hrt ſich gewöhnlich von klei⸗ nen Quadrupeden, Voͤ geln und kriechenden Thieren. Nicht weit von jedem Ohre, in dem Zwiſchenraum, der beide von einander trennt, fieht man einen ſchwarzen Gürtel ent— ſtehen, der bis an die Augenlinie laͤ uft; zwiſchen dieſen Streifen und dem des andern Ohrs gibt es ſchwarze Um riſſe; von dem Nacken laufen vier ſchwarze Streifen, die ſich bis auf den Hals hin erſtrecken, und auf der Schulter ä erblickt man kleine ſchwarze unregelmaͤ ßige Flecke. Von dort bis an den Schwanz finden ſich an dem Ober— theil des Koͤ rpers zwei ſchwarze fortlaufende Streifen. Uebrigens iſt der Grund des Oberleibes roͤ thlich weiß; aber an jeder Seite erblickt man eine Reihe von einander geſchiedener Flecken, die von der Mitte des Koͤ rpers an bis gegen den Schwanz hin im Mitteltheil leer ſind, ſo daß ſie ſchwarzen Gliedern einer Kette gleichen. Derglei— chen Glieder füllen den uͤ brigen Theil der Seiten des Koͤ r⸗ pers, der eine hellere Farbe zum Grunde hat ). | ) Voyage dans l’Amerique meridionale par Don Felix de Azara; publié d’apres les Manuseripts de lYauteur par Walcknaer ete. Paris 1809. ches Dentu. Hr. Walcknger fügt in einer Note hinzu, die Chibig⸗ 221 Die Art von Hirſchen mit kurzen Fuͤ ßen, welche in den | Savannen von Trinidad lebt, iſt wahrſcheinlich die Ma— 1 \ zame, oder die der Savannen des franzoͤ ſiſchen Guiana, Il | der Gonazouti von Paraguai (cervus mexicanus. L.) Sie Ill hat ein braunroͤ thlichtes Haar an den Obertheilen, ein a hellweißes an den untern. In den ſuͤ dlichen Klimaten von Amerika, wo man das Kaninchen nicht antrifft, ſcheint der Agouti oder Acouti il (cavia aguti. F.) deren Stelle einzunehmen; er hat einige ı wi Aehnlichkeit in Anſehung der Bildung und der Gewohnhei⸗ | ten mit dem europäifchen Kaninchen; aber außer mehreren | j andern Unähnlichkeiten hat fein Pelzwerk nicht das Sanfte 1 ) | von dem des Kaninchen; ſein Haar iſt lang und eben ſo 1 hart als Schweinsborſten; ſeine Farbe iſt im Allgemeinen | braun und rothgelb gemiſcht; der Bauch hellgelb und die Fuͤ ße ſind ſchwarz. Der Agouti hat fuͤ nf Zehen an den N Vorder- und nur drei an den Hinterfuͤ ßen. Seine Ober || lippe iſt geſpalten gerade wie die eines Haſen, und ſeine N Schneidezaͤ hne fo geſtellt, wie die der übrigen nagenden Thiere, ſind orangegelb; ſein gewoͤ hnliches Geſchrei iſt ein ſchwaches Grunzen, allein ſein Locken eine Art Pfeifen; die | Jaͤ ger verſtehen es nachzuahmen, um das Thierchen an ſich zu ziehen. Es iſt das gewoͤ hnlichſte Wildpret, und eines der beſten der ſuͤ dlichen Gegenden der neuen Welt; und da es am leichteſten aufzureiben ſteht, ſo hat ſeine Gattung | auch durchgehends, wo ſich viele Menſchen finden, ſehr abgenommen. nazou habe, gleich der gewoͤ hnlichen Katze eine laͤ nglichte Pupille des Auges, und keine runde, wie die Loͤ wen, die Tiger, die Panther, die Jaguars u. ſ. mw. 22 Ein dem Agouti ſehr nahe ſtehendes vierfuͤ ßiges Thier, deſſen Le Dru nicht erwaͤ hnt, das aber faſt an allen den Orten exiſtirt, wo der Agouti lebt, iſt das, welches die Eingebornen von Guiana Akouchi nennen. Es kommt bei Weitem nicht fo haufig vor als der Agouti; es iſt etwas kleiner, fein Körper dünner, fein Haar länger, fo wie auch fein Schwanz. / Man hat den Namen Moſchusratze mehreren nagenden Quadrupeden beigelegt, die einen ſtarken Moſchusgeruch verbreiten. Die, deren Le Dru erwähnt, iſt der Pilori oder die Moſchusratze der Antillen (mus pilorides. Erx- leb.). Sie ift faft von der Größe des Kaninchen, und graͤ bt ſich auch eine Grube in die Erde. Am Körper iſt fie ſchwaͤ rzlich, unterm Bauch weiß. Der Pilori iſt von der Moſchusratze von Afrika und der Inſel Ceylon verſchie⸗ den; ich bringe hier dieſe Bemerkung nur deßhalb bei, weil ein großer Naturforſcher fie zu verwechſeln ſcheint Y, Der Pak oder Paka (cavia paca. L.) gehört zu demſel⸗ ben Geſchlecht als der Agouti, und er wuͤ rde ein eben ſo gutes Wild abgeben, wenn ſein ſehr ſchmackhaftes Fleiſch nicht zu fett wäre. Man findet ihn nicht über dem Zoten Grade ſuͤ dlicher Breite; er lebt in feuchten Waldungen und nicht weit vom Waſſer, frißt nur des Nachts, und naͤ hrt ſich von wilden Fruͤ chten. In Anſehung der Größe nähert er ſich einem kleinen Schweine, ſo wie dieß hat er auch das Grunzen und die Gewohnheit, die Erde mit ſei⸗ ner breiten Naſe aufzuwuͤ hlen. Er iſt mit rauhem Haar 9) Pallas, novae species quadrupedum e glirium ordine. P. 91. J. VI. 223 bedeckt, oberwaͤ rts ſchwarz, unten weiß, die Seiten des Körpers find mit weißen Guͤ rteln und Flecken bezeichnet. Die Arten der Tatous (dasypus) waren nach der Zahl der Guͤ rtel unterſchieden, woraus ihr Kuͤ ras zuſammenge— ſetzt iſt. Dieſe Abtheilung haben die Naturforſcher durch— gaͤ ngig befolgt; allein ein guter Beobachter belehrt uns, daß dieſer bis jetzt als weſentlich und entſcheidend ange— ſehene Charakter von gar keiner Wichtigkeit ſey, weil ver: ſchiedene Arten Tatous dieſelbe Anzahl von Guͤ rteln haben, und die Zahl dieſer Guͤ rtel ſelbſt in der naͤ mlichen Gattung verſchieden iſt ). Die von Hrn. Le Dru angefuͤ hrte Art, welcher Buffon den Namen Cachicame beilegt ‚ gewährt uns einen neuen Beweis von der Nichtigkeit der Beobachtun⸗ gen des Hrn. von Azara. Man trifft wirklich Individuen dieſer Art an, die eine knochichte aus neun Guͤ rteln be— ſtehende Hülle haben; andere, woran man ſieben oder nur gar ſechs wahrnimmt; auch iſt die fpecififche Benennung dieſes Tatou in den Nomenklaturwerken verſchieden, in— dem es zu Zeiten durch das Beiwort septem cinctus, bald durch das von novem cinctus bezeichnet wird. Die Tatous bilden ein beſonderes Geſchlecht von Qua— drupeden in der ſuͤ dlichen neuen Welt. Die hervorſtechend— ſten Charaktere ihrer Bildung ſind, daß ſie keine Hunds— zaͤ hne und einen knochigen glänzenden Kuͤ ras haben, der den Kopf, den Ruͤ cken, die Seiten des Koͤ rpers, das Kreuz und den Schwanz bedeckt. Vier oder fuͤ nf lange gebogene Nägel enden die Zehen, und die Beine ſind un— gemein kurz. ) v. Azara's vorher angeführtes Werk tom. II. Le Dru Reife, I. Vd. P * ame ede nen wer e 15 10 2 0 Nr SNN 2 ee an ER BETEN ERTL TE Te WERE ET FEN — EN — hen * 324 Hr. von Azara nennt den Cachicame den ſchwarzen Tas tou wegen der Farbe der Schuppen. Das Hauptſchild der Schultern, druckt ſich dieſer Reiſende aus, beſteht aus zweien Arten kleinen Schuppen; die groͤ ßten ſind faſt oval und zwei eine halbe Linie lang, und erheben ſich ein wenig uͤ ber die uͤ brigen. Die Intervallen, welche dieſe großen Schuppen trennen, ſo wie der Mitteltheil zwiſchen den Reihen, ſind mit kleinen ausgefuͤ llt. Das Hauptſchild des Kreuzes gleicht dem erſteren, und beide haben viele Aehn— lichkeit mit den Guͤ rteln des Rumpfes mittelſt des Ran— des, der ihnen zunächft liegt. Letztere beſtehen aus großen dreieckigen Schuppen, deren Baſen einander entgegen ſte⸗ hen. Die Bedeckung der Stirne iſt unregelmaͤ ßig, und aus großen Stücken gebildet, die aber nicht von Weitem der Feſtigkeit des groͤ ßten Theils der uͤ brigen Arten glei— chen. Er hat einen weit kleineren wie einen Ruͤ ſſel geform⸗ ten Kopf, hoͤ here Ohren, und im Ganzen zwei und drei⸗ ßig Backenzaͤ hne. Er iſt auch dadurch darin verſchieden, daß er nur vier Zehen an den Vorderpfoten, und weit kleinere Klauen hat; auch ſind die Hinterpfoten weit hoͤ ⸗ her; ſein Koͤ rper iſt weit abgerundeter; außer den Bruͤ ⸗ ſten auf den Bruſtmuskeln hat er noch ein anderes Paar zwei Zoll von der Gebaͤ hrmutter. Das Glied iſt in ſeinem unthätigen Zuſtande einen und einen halben Zoll lang, und endigt ſich mit zwei Glandeln, die in der Mitte ein kleines vier Linien langes Glied haben. Alle dieſe Schuppen ſind ſchwarz. Die Zahl der Ruͤ ckenguͤ rtel iſt ſehr verſchieden, naͤ mlich von ſechs bis neun einſchließlich Y. *) Voyage dans pamerique meridionale tom. II. S. 346. 2 4 — — W L RN. F nnr e NE 27 225 ıı Ich habe die ganze Beſchreibung, welche der fpanifche Reiſende vom Cachicame macht, hier beigebracht, denn |) niemand hat uns die Tatous genauer kennen gelehrt. Ue— „ brigens haben dieſe Thiere, welche man als den Uebergang der Quadrupeden zu den Schaalthieren anſehen kann, ges | ſundes Fleiſch, das eben fo ſchmackhaft als das der Frie- I chenden iſt. | Wahrſcheinlich ernähren die Inſel Trinidad, ſo wie die übrigen mittäglichen Gegenden von Amerika noch an— 1 dere Arten Tatous. Das europaͤ iſche . 9 1 55 cristata, exiſtirt — aber nicht auf dieſer Inſel; das zu derſelben Familie, aber N ! | nicht zu dem naͤ mlichen Geſchlecht gehörige Thier, der | | | Coendu (histrix prehensilis. L.), findet fih dort; es | hat einen ſehr langen und faſſenden Schwanz; dieſes Cha— I rakteriſtiſche entfernt ihn vom Stachelſchwein, das einen | ungemein kurzen und nachgiebigen Schwanz hat. Er iſt | auch noch durch den Mangel eines Schopfes auf dem | | Kopfe, durch kleinere Proportionen, durch weit kuͤ rzere | | Stacheln, und zumal durch entgegen geſetzte Gewohnheiten davon verſchieden. Der Coenda frißt kleinere Thiere als jenes, klettert auf die Baͤ ume, um Voͤ gel zu fangen, ſchlaͤ ft am Tage, und geht des Nachts auf den Fang aus. Die Stacheln, welche den Kopf und den Koͤ rper des Coendou bedecken, haben drei verſchiedene Farben: auf | | dem erſten Drittel der Fänge find fie gelb, ſchwaͤ rzlich in A der Mitte, und weiß an der Spitze. Die Vertheidiger der . | Endurſachen werden ficher dieſe Art Bewaffnung des — Coendu der Sorgfalt der Natur zuſchreiben, welche den 1 Thieren dieſer Art Schutz gegen jeden Angriff verliehen, N und fie ſelbſt in Vertheidigungsſtand geſetzt, indem fie ihnen P 2 u — ep umn 226 Vertheidigungs- und Angriffswaffen gegeben hat. Was fuͤ r ein großes Intereſſe kann man indeß bei der Natur zur Erhaltung der Coendous annehmen, waͤ hrend ſie allen Gefahren von Nacktheit und außerordentlicher Schwäche eine Menge anderer Thiere bloß ſtellt, deren Exiſtenz und Erhaltung ihr wohl eben ſo theuer zu ſeyn ſcheinen? Mir kommts vor, es ſey vernuͤ nftiger, und den großen Abſich⸗ ten der Natur angemeſſener, zu glauben, ſie habe bei der ungeheuren Menge ihrer Weſenſchaffungen alle Formen, alle nur denkbare Zuͤ ge erſchoͤ pft, und unſern Augen alle Proben ihrer unerſchoͤ pflichen Fruchtbarkeit vorgelegt. Gibts wohl etwas Seltſameres, als daß diejenigen vierfuͤ ßigen Thiere, deren Gang doch bei weitem lang⸗ ſamer als der der Schildkroͤ ten iſt, ihnen den Namen des Faulthieres zuwege gebracht hat? Sie haben matte Au⸗ gen, und eine ſtumpfſinnige Phyſiognomie, ein ſehr rauhes Pelzwerk, zwei Zehen an den Vorder- und drei an den Hinterfuͤ ßen, zuſammen mit ſtarken langen krummen Na: geln bewaffnet, ſechs und vierzig Rippen, Maͤ gen von wie⸗ derkaͤ uenden Thieren, endlich eine einzige Oeffnung aͤ ußer⸗ lich fuͤ r den Urin und die Exkremente wie die Huͤ hner. Der Unau (bradypus didactylus. L) iſt eins von dieſen; es iſt indeß noch weniger träge als der Ai, der in denſel- ben Gegenden lebt. Sie find ſtumpfſinnig, wenn man ihnen ihre Bedärfniffe entzieht, oder fie ſchlaͤ gt, oder ſogar quält, nichts ſetzt fie in Bewegung, kaum haben ſie die Faͤ higkeit, ſich zu bewegen, ſie vegetiren nur ſtatt zu leben, und ihr Daſeyn iſt das traurigſte unter allen, naͤ mlich das einer vollkommenen Gefuͤ hlloſigkeit. Die Seekuh der Antillen (trichecus manatus austrä- lis. L.) macht einen Theil eines Geſchlechts von Quadru⸗ 227 peden, das in die Ordnung der Amphibien mit einbegrif⸗ fen iſt. „Die Natur, ſagt ihr beredter Beſchreiber, ſcheint die Seekuh geſchaffen zu haben, um zwiſchen den Amphi— bien, Quadrupeden und den Wallfiſchen einen Uebergang zu bilden; dieſe in der Mitte befindlichen Weſen uͤ ber die Graͤ nzen jeder Klaſſe hinausgeſetzt, kommen uns un— vollkommen vor, ob ſie gleich nur außerordentlich und uns gewöhnlich geſtaltet finds denn bei aufmerkſamer Betrach— tung ergibt ſich bald, daß fie alles dasjenige beſitzen, was ihnen nothwendig war, um die Stelle auszufüllen, die fie in der Klaſſe der Weſen einnehmen ſollen ).“ Der Koͤ rper der Seekuh iſt dick, nur zwei mit fuͤ nf Naͤ geln verſehene kurze Fuͤ ße erſcheinen vorn, die hintern hingegen ſind verbunden, und ihre Zehen unter einer Haut verborgen. Sie hat zwei und dreißig Backenzaͤ hne, ohne Schneide- oder Hundszaͤ hne. Ihre Haut iſt dick, hart und ſchieferfarbig. Unter einer dem Anſchein nach ſchwer⸗ fälligen und faſt ungeſtalteten Maſſe verbirgt dieß Thier den Inſtinkt der Geſellſchaftlichkeit, und um deſto bewun⸗ derungswuͤ rdigere Eigenſchaften, je weniger man fie in der menſchlichen Geſellſchaft antrifft, namlich Sanftmuth des Charakters und Liebe zu ſeines Gleichen. Sollte ich die Naturgeſchichte dieſer ee Art Quadrupeden ſchrei— ben, es wuͤ rde mir Vergnuͤ gen gewaͤ hren, die Einigkeit, die ſanfte Zuneigung zu ſchildern, welche unter den See⸗ kuͤ hen herrſchen. Jetzt zu der Art Otter, cher Le Dru den ſpeeiſiſchen Namen Mustela lutris gibt, oder fie Saricovienne nennt; * *) Buffon Naturgeſchichte der Seekuh, in der der Qua— drupeden, | 228 letztere Benennung legt Buffon einem Thiere dieſer Gat— tung bei, das in den ſuͤ ßen Waſſern des fuͤ dlichen Amerika gewöhnlich iſt. Ich vermuthe, die Gattung, welche unfer Reiſender bezeichnet, iſt die wahre Saricovienne oder Meer— otter, von Linnse mustela marina genannt. Aber dieſer kleine Streit uͤ ber die Nomenklatur iſt von geringem In⸗ tereſſe; von welcher Gattung der Otter die Rede auch ſeyn mag, fo iſt doch der Unterſchied zwiſchen ihr und der ge— meinen Otter zu geringe, um lange dabei zu verweilen. Voͤ gel. Der braune Pelikan (pelecanus fuscus) unterſcheidet ſich von dem bereits erwähnten weißen (pelecanus albus) nur durch das aſchfarbige Braun, welches auf ſeinem Ge— fieder verbreitet iſt, mit Ausnahme des Kopfes und Hal⸗ ſes, welche weiß, und der Schwungfedern der Fluͤ gel, welche ſchwarz oder ſchwaͤ rzlich ſind. Man nennt Castagneux Waſſervoͤ gel mit Zehen, die durch Schwimmhaͤ ute verbunden ſind, Schwimmer, weil ihre nachſchleppenden und nach hinten gerichteten Fuͤ ße fie nicht auf dem Boden tragen koͤ nnen. Sie tauchen aber \ leicht unter, und haben fie ſich einmal aus dem Waſſer erhoben, fo fliegen fie lange Zeit. Ihr Körper iſt ſtatt mit Federn mit Daunen bedeckt, und zwei Buͤ ſchel ebenfalls von Daunen nehmen die Stelle des Schwanzes ein. Die von Hrn. Le Dru angegebene Art iſt der Castagneux de St. Dominique, der Arſchfuß von St. Domingo (podi- ceps dominicus. Lath.). Die allgemeine Farbe ſeines r NE EL ARE EEE 280 Gefieders iſt mehr oder minder dunkelbraun, der Bauch aber faſt ſtets weiß. Man findet dieſen Vogel auf den ſuͤ ßen Gewaͤ ſſern des feſten Landes und der Inſeln des mittaͤ g— lichen Amerika. 1 Ein langer ſpitzer Schwanz unterſcheidet die domingiſche Ente (anas dominica), die man auch die roͤ thlichte Ente 1 N mit langem Schwanze nennt. Letztere Benennung vertritt N die Stelle einer Beſchreibung. | Das große Waſſerhuhn von St. Domingo (gallicula cajennensis. Lath.) hat die Bruſt von lebhafter rother | Farbe, den Unterleib dunkel olivenfarbig, und den uͤ brigen Theil des Gefieders braungrau. | { | Die Aigrette d’Amerique (ardea garzetta), der | | * weiße Reiher. Sein Geſteder iſt rein weiß, und glänzende | Buͤ ſchel von biegſamen ſeidenartigen Federn, die ſich über Il | den Rüden ausbreiten, find des Vogels natürlicher Schmuck, wovon er ſeinen Namen erhalten hat. Die | Reiher find auf den oͤ ſtlichen Kuͤ ſten des füdlichen Amerika | ſehr gewöhnlich, fie leben darauf in Heerden, und ſchmuͤ — N cken ſie mittelſt des blendenden Weißes ihrer Federn. Sie | haben einen Inſtinkt zur Geſellſchaftlichkeit und einen Hang zur Vertraulichkeit. | Unſer pluvie dore (charadrius pluvialis), (Grillvo— | gel. Muͤ l.), findet fih in den waͤ rmeren Klimaten der | L neuen Welt, indeß mit einigen Modifikationen wieder, welche die Wirkung des Unterſchiedes der Temperatur ſeyn koͤ nnen. In Amerika iſt dieſes Thier faſt um ein Drittel I | kleinor als in Europa, und ſein Gefieder nicht ſo regulirt — | und fo ſchoͤ n. So wie in unfern Gegenden verändert er W feinen Bezirk, und wandert ſelbſt weit. Er kommt auf 1 St. Domingo und auf Martinique mit den erſten Regen, * * 230 die im Herbſt fallen, an, fliegt dort in bedeutenden Schaa⸗ ren, und wird drei oder vier Monate hindurch für die Be⸗ wohner der Spitze des Salines, wo er fi) am meiſten nie— derlaͤ ßt, eine wahre Manna. Aller Orten erblickt man dieſe amerikaniſchen Grillvoͤ gel in Zügen von vierzig, fuͤ nfzig, ja von drei oder vier Hunderten. Sie halten ſich in den Savannen, in den Zuckerrohrfeldern, wo man Feuer an- gelegt hat, und auf den alten zerſtoͤ rten Plantagen von Baumwollenſtauden auf, nur an den von Kraͤ utern entbloͤ ß⸗ ten Orten laſſen fie ſich nieder. Es halt ſchwer, ſich ihnen zu nähern, beim Fluge Drängen fie von einer Zeit zur ans dern ihre Reihe, ſie leben eigentlich von Wuͤ rmern. Man ſucht ſie als ein ſehr gutes Wild auf, allein ihr Fleiſch hat nicht den wilden Geruch, worauf die Liebhaber des guten Eſſens bei dem Grillvogel unſerer Klimata vorzüglich ſehen. Wenig Voͤ gel ſind ſo ſonderbar verkannt, als der, den man in dem Franzoͤ ſiſchen Gujana, rancanea nennt. Ei⸗ nige haben ihn unter die Adler, andere unter die Geier, manche unter die Sperber, noch andere unter die Falken gezählt. Er hat indeß gar keine Aehnlichkeit mit den Raub⸗ voͤ zeln; es iſt dieß ein ruhiges harmloſes Thier, das ſich nicht von Beute naͤ hrt, in Geſellſchaft mit eben ſo fried— fertigen Voͤ geln anderer Art lebt, und beſſer in der Reihe der Hühnerarten als in der der Raubvogel ſtehen wuͤ rde. Der Beweis, daß dieſer Vogel hier nicht hingehoͤ re, liegt bereits darin, daß die Naturforſcher, welche ſich ausſchließ⸗ lich mit methodiſchen Klaſſifikationen beſchaͤ ftigen, ſich nicht über den Platz haben vereinigen koͤ nnen, den er in den Schranken einnehmen ſollte, die in den naturhiſtoriſchen Kabinetten fuͤ r die verſchiedenen Gattungen der Raubvogel beſtimmt e da dieß Thier einige Aehnlichkeit mit den * a RATTE 241 Raubvoͤ geln und den Huͤ hnerarten hat. Die Verwirrung in der Synonimik dieſes Vogels iſt nicht minder groß ge— weſen, als die Ungewißheit in Hinſicht ſeines Platzes in dem Syſtem. Einige Schriftſteller haben ihn auf eine un— paſſende Weiſe unter eine ganz andere Gattung als 9 a Naturforſcher geſetzt. Wie dem indeß auch ſey; dieſer für einen Geier, Ad— ler, Habicht u. ſ. w. gehaltene Vogel iſt beim erſten An— blick wegen der nackten Haut und des Purpurrothes merk— wuͤ rdig, womit die Kehle, der Vordertheil des Halſes, die Seiten des Kopfes und Kreis der Augen bedeckt ſind, auch iſt dieß die Farbe der Fuͤ ße. Sein ganzes Gefieder iſt ſchwarz, die Federn des Bauches, der Beine ausge— nommen, welche weiß ſind. Er gehoͤ rt zu denen, die viel Geſchrei machen, und ſeine Stimme iſt rauh. Dieſe Gat— tung lebt in großen Zuͤ gen in den Waͤ ldern und faſt ſtets in Geſellſchaft mit den braftlianifchen Aelſtern. Folgende Gattungen Papagaien findet man auf der In⸗ ſel Trinidad. Erſtens: Den petit ara rouge (psittacus aracunga. L.), den kleinen rothen Ara; er iſt nur wenig von dem jedem bekannten rothen Ara (psittacus macao. L.), (weſtindiſche Rabe. Muͤ ller.), verſchieden, nur nicht ſo groß. In Hin⸗ ſicht der Farben weichen fie wenig von einander ab. Uebri— gens unterſcheiden ſich die rothen Aras unter einander nicht nur in der Vertheilung der Farben, ſondern auch in An— ſehung der Groͤ ße; mit Gewißheit laͤ ßt ſich nicht beſtim— men, ob der kleine rothe Ara bloß eine Varietaͤ t der Gat— tung des rothen Ara iſt, oder eine beſondere Gattung aus macht. Sr * eee. TE Seen * . 2 ERS Ta sang SR AR EEE TE RATTE TTREN US NT ETF rr r rr x — 232 Zweitens: Wenn der Kragenpapagey (Muller) (Esit- tacus Alexandri) ſich auf Trinidad gefunden hat, fo war dieß in einem zahmen Zuſtande, denn er iſt ein afrikani⸗ ſcher am Senegal ſehr gewoͤ hnlicher Vogel. | Drittens: den (Psittacus dominicensis.). Er iſt we⸗ gen des rothen Bandes auf der Stirne, das ihm von einem Auge zum andern laͤ uft, merkwuͤ rdig. Die Fluͤ gel ſind blau, und das Uebrige des Gefieders iſt dunkelgrün und etwas roͤ thlich auf der Bruſt. ne | Viertens: den gelben angeliſchen Papagey e solstitialis); er iſt faſt gänzlich orangengelb. Fünftens: den ſurinamiſchen Papagey (psittacus ama- zonicus. Var. Lath.“; er hat ein wenig Gelb auf der Stirn, ein gelblichgruͤ nes Gefieder, einen wenig röthlich- ten Schnabel, und graue Füße. Sechstens: den bunten Amazon (psittacus aestivus); er gehoͤ rt zu denen, welche Amazonen-Papageyen genannt werden, und hat eine blaue Stirn, die obern Theile gruͤ n, die untern hellgelb, die Spitze des Fluͤ gels und die vier Seiten-Schwungfedern haben eine friſche rothe Farbe. Siebentens: auf Cajenne hat man den Namen Mai— pouri einer Art Papageyen gegeben, die ſo ſchneidend pfei⸗ fen, als der Tapis, der dort Maipouri heißt. Es iſt dieß der ſchwarzkoͤ pfige Papagey mehrerer Ornithologen (Psit- tacus melanocephalus.). Mit dieſem charakteriſtiſchen Zuge vereinigt dieſer Vogel ſchoͤ n abwechſelnde Farben, ein herrliches Gelb unterm Halſe, ein Orangegelb unter⸗ waͤ rts, ſo wie unten am Bauch, ein ſehr helles Gelb unter dem Körper, und ein ſchoͤ nes Grün oberwaͤ rts. Ich begreife nicht recht, wie ſich der picus bengalen- sis (bengaliſche Specht. Muͤ l.), ein indiſcher Vogel, eben⸗ 3 2 eienr es n 8 NT RE RE ER RR 233 falls auf der Inſel Trinidad findet. Wie dem nun auch ſey; er hat eine lange rothe Haube, ſein Gefieder iſt ab— wechſelnd ſchwarz und weiß. Eine andere Art, noch mehr im noͤ rdlichen als im ſuͤ d— lichen Amerika verbreitet, iſt der picus carolinus (der karoliniſche Specht. M.) Er wechſelt in Anſehung der Far— ben, wovon die naͤ heren Umſtaͤ nde und die Vertheilung durch eine lange Beſchreibung doch nicht deutlicher wuͤ r— den. Es mag daher hier genuͤ gen, anzufuͤ hren, daß an ſeinem Gefieder weiß, ſtrohgelb, roth, grau, ſchwarz, braun und rothgelb abwechſeln. | Faſt alle Voͤ lkerſchaften des ſuͤ dlichen Amerika kommen darin uͤ berein, den Namen Koͤ nig einem großen Geier bei— zulegen, der alle Voͤ gel dieſer Gattung an Groͤ ße, an Staͤ rke übertrifft, und am merklichſten von ihnen unter— ſchieden iſt. Auf Cayenne heißt er der Koͤ nig der Courou— mous, in Paraguay der Koͤ nig der Iribus u. ſ. w. nach den Benennungen, welche dort den Geiern gegeben werden. Linné hat ihn durch das Beiwort papa (vultur papa) Geierkoͤ nig bezeichnet, (der Kahlhals. Muͤ l.). Ueber ſei— nem Kopfe befindet ſich ein Kranz von nackter und blut— rother Haut, und ein Palatin von Federn, wovon einige die Richtung nach vorne, andere nach hinten hin haben, und ſo den nackten Hals und den Kopf umgeben. Ein orangenfarbe— ner fleiſchiger Kamm geht zwiſchen den Naſeloͤ chern in die Hoͤ he. Dieß iſt der Schmuck des Koͤ nigthums dieſes Vo— gels, der uͤ brigens nicht weniger Widerwillen einfloͤ ßt, als die uͤ brigen Geier, und ſich, ſo wie ſie, von dem uͤ belſtrie— chenden todten Vieh naͤ hrt. Der nackte Theil ſeines Hal— ſes wechſelt mit Roth, Gelb und Violet ab; nach dem Tode dieſes Vogels verſchwinden dieſe angenehmen Far⸗ e e EN, — 6 3, ben, an deren Stelle eine dunkle Bleifarbe tritt. Das Ge— fieder iſt weiß mit Ausnahme des Schwanzes und der Flu gel, die ſchwarz ſind. | Der Vultur aura (der weſtindiſche Bußagar) if ein anderer Geier von einem gleichfoͤ rmigen Schwarz. | Die Strix flammea (feurige Nachteule. Mil.) von Amerika iſt die nämliche, wie die in Europa. Die (Martinets) Hausſchwalben unterſcheiden ſich von den uͤ brigen Schwalben durch beſiederte Züge, fo wie durch ihre vier nach vorn gerichtete Zehen. Die Hirundo cayennensis mit weißem Kragen (Hir. rıfa. Gmel.) hat außer ihrem niedlichen Kamm zwei weiße Flecken neben den Augen, der Vorderhals und die Seiten des Bauches ſind von der naͤ mlichen Farbe. Ein famtarti- ges Schwarz mit violettem Reſſex iſt die Hauptfarbe ihrer Federn. An Groͤ ße kommt ſie den Fenſterſchwalben gleich, und niſtet fo wie dieſe in den Häuſern; aber dieß aus der Waumwolle der Apocynum gebaute Neſt iſt mit weit mehr Kunſt als das der übrigen Schwalben zuſammengeſetzt. Der Pipra rupicola, der Steinzei ßig, iſt einer der ſchoͤ nſten Vögel von Amerika. Eine aus zwei gebogenen Planis, welche ſich auf der Spitze vereinigen, beſtehende Haube erhebt ſich auf ſeinem Kopfe in einem Halbsirkel, degen doppelter Rand braun und gelb ift. Das ganze Ge— fieder hat eine ſehr lebendige Orange- oder Saffranfarbe. Der Steinzeißig iſt nicht groͤ ßer als eine Taube, „er wohnt in den Hoͤ hlen und den Riſſen der Felſen. Obgleich ſehr wild im Zuſtande der Freiheit, wird er leicht zahm; ich habe in Gujana mehrere dieſer Voͤ gel mit den Huͤ hnern leben und laufen geſehen. j ie c 235 Es bleibt mir nun noch von ſechs Arten Gaͤ nſe zu reden übrig, welche die franzoͤ ſiſchen Naturforſcher auf der In⸗ ſel Trinidad bemerkt haben, und die ich ſelbſt oͤ fters auf meinen Reiſen nach Gujana geſehen. Die erſte derſelben nach der von Hrn. Le Dru befolg⸗ ten Ordnung iſt der Curucu mit weißem Bauche (trogon curucui). Der Name dieſer Gattung ſo wie die der uͤ bri— gen deſſelben Geſchlechts kommen von dem Worte courou- couis oder couroucouais her, womit die Brafilianer fie bezeichnen. Die Eingebornen von Gujang nehmen auf das c nicht Ruͤ ckſicht, und ſprechen urucoais. Dieſe in ver- ſchiedenen Laͤ ndern gewoͤ hnlichen Benennungen haben eine faſt vollkommene Gleichheit des Lauts, weil ſie nur der Ausdruck des Geſchreies der Curucus find. Sie haben einige natuͤ rliche Merkmale mit den Papageyen gemein, naͤ mlich einen kurzen krummen Schnabel, kurze Fuͤ ße, und zwei der Zehen in der Richtung nach vorn hin und zwei nach hinten hin. Sie unterſcheiden ſich aber von den Pa— pageyen durch mehrere Charaktere, vorzuͤ glich durch die Natur ihres Gefieders. Es beſteht dieß vielmehr in lan— gen Daunen, einer Art dickes Pelzwerk, womit man die Curucus bekleidet findet, als wahre Federn; indeß ſind fie damit fo beladen, daß fie weit größer erſcheinen, als ſie wirklich ſind; dieſe Bekleidung, die aber das Anſe— hen hat, als waͤ re ſie aufgeblaſen, iſt ſo wenig feſt an der Haut, daß fie theilweiſe beim geringſten Reiben abfällt, und es ſehr ſchwer haͤ lt, einen ausgeſtopften Vogel zu bekommen. Die Curucus wohnen in dem Dickigt der Waldungen, ſie ſcheinen ſich nicht aufzuſuchen, und man ſieht ſie allein und ruhig, ſo daß ſie ihr eintoͤ niges Pfeifen vernehmen mr. Ums tec A ae FFPPPPPP p ¾˙ . ˙ . EEE TER NETTER — — ** 1 0 236 laſſen. In dieſem einſamen Leben naͤ hren fie ſich von den in dem ſuͤ dlichen Theile der neuen Welt fo häufigen Inſekten und Wuͤ rmern. Sind ſie indeß von Natur traurig und finſter, ſo findet man dagegen die Farben ihrer Federn lebendig. An dem Curucu mit rothem Bauch nimmt man nicht nur das herrlichſte Roth an dieſem Theil ſeines Koͤ r— pers wahr, ſondern an der Bruſt, auf den Federn, welche den Schwanz darunter bedecken, wodurch er von den Ein— wohnern von St. Domingo rothe Unterhoſe genannt wird. Ein ſchoͤ nes Gruͤ n mit blauem Wiederſchein glaͤ nzt auf Dem Kopfe, dem Halſe und dem Koͤ rper, und das N, der Seiten des Kopfes und der Flügel gibt ihm noch mehr Lebhaftigkeit. Ein goldener Zirkel bildet die Iris des Auges, und der Schnabel hat eine mattere gelbe Farbe. Der Vogel iſt ungefaͤ hr ſo groß wie eine Alſter. Dieſelben Klimata, welche der lothrechte Strahl der Sonne erhitzt, ernahren außerdem: eine Art Voͤ gel, die noch mehr Glanz haben, als die Curucus, und ſich wegen ihrer außerordentlichen Kleinheit auszeichnen. Jedermann kennt dieſe niedlichen Miniaturſtuͤ cke, welche es ſogar mit den Edelſteinen in Anſehung des Glanzes und des ſtrah— lenden Wiederſcheins ihres Gefieders, und mit den flie— genden Inſekten in Hinſicht ihres leichten Koͤ rpers aufneh— men. Eins von dieſen befiederten, von Hrn. Le Dru ange— zeigten, Prachtſtücken iſt das, in deſſen Namen bereits die Beſchreibung deſſelben liegt. L'ox vert (trochilus viridis- simus. Latham.) der goldgrüne Koli bri „ deſſen Federn von einem glänzenden Grün das leuchtende reine Gold zus ruͤ ckſtrahlen. Der- andere nicht fo reich und minder her- vorſtechend, iſt nicht 8 deſto weniger ſehr huͤ bſch, namlich der trogilus tabagensis. Lath. Der Kolibri von Tabago, 237 auch fo genannt, weil der erſte Vogel dieſer Art, der die Sammlungen der Naturgeſchichte ſchmuͤ ckte, von Tabago kam. Er iſt faſt auch ganz gruͤ n, aber die Reflexe, die auf ſein Gefieder ſpielen, ſcheinen, ſtatt von reinem Golde, wie beim vorhergehenden, nur von Kupfer zu kommen. Er hat uͤ brigens einen braunen Unterleib, und einen weißen Streifen auf den Fluͤ geln. Mehrere Arten Amſeln haben das ſpecifiſche Beiwort „braun“ erhalten, wie z. B. der Palicour (Turdus for- miciverus), die Ameiſen freſſende Amſel, der Turdus« abyssinicus, die abyſſiniſche Droſſel, Turdus leucage- nus, die weißbaͤ ckige Amſel u. ſ. w. Die merle brun, deren Le Dru erwähnt, Turdus aurantius, waͤ re vielleicht beſſer die orangenfarbene Amſel benannt, weil das Gefte— der faſt gaͤ nzlich orangengelb iſt. Die Verwirrung, welche unvermeidlich daraus folgt, daß man dieſelben Namen Thieren von verſchiedener Gattung beilegt, ſetzt die Na— tur forſcher in Verlegenheit. Der Tangara cayennensis, Lath., Tangara von Cayenne iſt ganz ſchwarz mit einem Orangeflecken auf jeder Seite der Bruſt. Die Tangaras, Voͤ gel, die ſich im mittaͤ glichen Ame— rika ſehr vervielfaͤ ltigt, haben ungefaͤ hr die Groͤ ße, die Figur und die Gewohnheiten der Sperlinge. Der von Cayenne iſt der kleinſte, man nennt ihn dort auch Tan— gera negre. Unter allen amerikaniſchen Voͤ geln gibts keinen ſonder— barern, als die, welche die Eingebornen von Braſtlien Toucantabouracé nennen. Ihr Schnabel iſt in Verhaͤ lt— niß zu ihrem Körper erſtaunlich groß; auch haben ältere Reiſende fie ganz⸗Schnabel benannt. Dieſer ſehr große m ˙ꝛꝛà ]⅛ » ̃ ] bl] ] ͥ u&·ʒů TR RE EATARNERTERERT 238 Schnabel iſt hoht, ſehr duͤ nn, und an den Raͤ nden zahn⸗ foͤ rmig ausgezackt. Die in dem Schnabel enthaltene Zunge iſt noch außerordentlicher, es iſt vielmehr eine Feder als eine Zunge. Von den vier Zehen gehen zwei nach vorne zu, und zwei hinterwaͤ rts hin. Ich hoffe, man wird es mir Dank wiſſen aus einem neuen Hefte des ſchoͤ nen, großen, von dem beruͤ hmten Reiſenden Hrn. von Humboldt herausgegebenen Werks zu den trefflichen Bemerkungen des Hrn. Le Dru uͤ ber die In— ſel Trinidad einige ſehr wichtige des Hrn. Jabbo Olt⸗ mans hinzuzufügen. Dieſer hat bei jenem Werke die aſtro— nomiſchen Obſervationen durch Rechnung beſtimmt. | Die Manuferipte des Hrn. von Humboldt geben fol⸗ gende Beobachtung an, ſagt Hr. Oltmanns H. Die Lage des Panta de la Galera, ſo wie die des oͤ ſtlichen Caps von Tabago ſind drei Gegenſtaͤ nde von der höchſten Wichtigkeit für den Seefahrer. Alle europaͤ iſche Schiffe, welche nach den Inſeln unterm Winde, oder nach den Haͤ fen des feſten Landes des ſuͤ dlichen Amerika ſegeln, muͤ ſſen durch den Kanal fahren, der Trinidad von Tabago trennt. Dieſe beiden Inſeln ſind das erſte an nerikaniſche Land, welches der Seefahrer erblickt. Der Lotſe darf ſich 15 Recueil e astronomiques d' operations trigo- nometriques et de mesures barometriques, faires pendant le cours d'un voyage aux regions equinoxiales du nouveau continent depuis 1799 jusqu' an 1803, par Alexandre de Humboldt; redigees et ealeulees d’apres les tables les plus | esactes, par Jabbo Oltmans, premiere Iiyraison. | 2 * PPP 1 | 239 0 hiebei nicht taͤ uſchen. Haͤ lt er Trinidad fuͤ r Tabago, rich— | tet er feinen Lauf nach Süden, um dasjenige zu umſe— geln, welches er für die Spitze der Sandbaͤ nke anfieht, | | fo ſteht er in Gefahr, für feinen Irrthum theuer zu buͤ ßen. | | Er kommt in die Muͤ ndungen des Dragon, wo ſich | der Orinoco mit Ungeſtuͤ m in den Ocean ergießt. Die ö Gefahr waͤ chſt um ſo mehr, da die meiſten von Europa | kommenden Schiffe, die ihre Fänge nur mittelft des Logs kennen, ungewiß in Hinſicht ihres Ortes find. Die Strös. me, welche zumal, von dem 42° der Breite an, ſehr fuͤ hl— bar werden, veranlaſſen ſehr bedeutende Irrthuͤ mer. Die | | Fänge der Fahrt läßt einen Irrthum bis zu 3 oder 4’ flei: «» N gen, wenn das Schiff nicht bei Teneriffa landet, oder | wenn es voruͤ berfaͤ hrt, ohne von weitem den Pie von Teyde gewahr zu werden, der waͤ hrend eines großen Theils des Jahres in Wolken gehuͤ llet iſt. Alsdann wird man das Land zwei Tage eher gewahr, als man es erwar— tet; kaum erblickt man die Kuͤ ſte, ſo fuͤ hrt auch bereits der Strom das Schiff dicht an dieſelbe, und man kennet | ihre Lage nicht. Der entſetzliche Regen, welcher zu Zeiten vom Monat Jun. bis zum December fallt, verdunkelt | öfters die Sonne während drei bis vier Tagen. Je mehr | man ſich dem füdlichen Amerika nähert, deſto ungewiſſer e iſt man uͤ ber die Breite. Daher kommt es dann, daß ſo viele Lootſen, welche die Geſtalt der Kuͤ ſten nicht kennen, nicht wiſſen, ob ſie ſich gegen Trinidad, Tabago oder Granada uͤ ber befinden. In dieſer kritiſchen Lage ſollten | 7 die Charten denjenigen, welche in Anſehung ihres Orts entweder durch die vom Mond zur Sonne oder zu den Sternen genommenen Diſtanzen, oder mittelſt der Chro— nometer gewiß ſind, Auskunft gewaͤ hren. Aber gerade Le Dru Reiſe. I. Bd. | 2 En — 240 a dieſe Karten, die oͤ fters in Hinſicht der Meeresgegenden, die am wenigſten beſucht, und denen man ſich leicht naͤ ⸗ hern kann, am genaueſten ſind, tragen dazu bei, die Aufloͤ ſung deſto verwickelter zu machen. Die alleraͤ lteſten, z. B. die reducirte Karte der bekannten Theile der Erde, die 1755 herauskam, die Karte des Golfs von Mexiko, die auf Befehl des Herzogs von Praslin aufgenommen ward, ſetzen Tabago oͤ ſtlich von Trinidad ), aber la Cruz Olmedilla und die neuen franzoͤ ſiſchen Karten, z. B. die vom atlantiſchen Oeean, die im Jahre 1786 aufgenom⸗ men, und 1798 verbeſſert wurde — eine Karte, deren ſich die Marine aller Nationen bedient — legen Tabago weſt⸗ lich der Punta Galera von Trinidad. Auf der letztern Karte hat die Inſel Trinidad eine ſehr laͤ nglichte Geſtalt, waͤ hrend die alte viereckige Figur, die man in dem Atlas findet, den Bonne zu den recherches philosophiques von Raynal entworfen hat, ſo wie auf der auf Befehl des Herzogs von Praslin herausgegebenen Karte des mexika⸗ niſchen Meerbuſens ſich weit mehr der Wahrheit naͤ hert. Man muß ſich wundern, daß ſo wichtige Lagen bis jetzt haben zweifelhaft bleiben koͤ nnen. Lange hat man es nicht gewußt, ob man auf dem Wege von Europa eher bei Ta⸗ bago als bei Trinidad lande. Hunderte von Schiffen gehen jährlich durch den Kanal zwiſchen dieſen beiden Inſeln, und dennoch iſt die Breite deſſelben der Gegenſtand eines geographiſchen Streites geworden. Bonne hat die große ſpaniſche von La Cruz 1775 herausgegebene Karte verbeſſert, ) Diefe Lage findet man auf der alten Karte von Diego Rebera von 1529 angegeben; fie it als eines der koſtbar— ſten geographiſchen Monumente anzuſehen. 0 ... TRETEN, 241 in dem er dem Kanal neun Meilen ſtatt vier dreiviertel | gibt. Der Franzöfifche Geograph hat ſich in der That nicht | geirrt, denn es iſt jetzt anerkannt, daß der Kanal zehn Meilen breit iſt.“ | | Nichts iſt auffallender, als die Geſtalten, welche man zu verſchiedenen Zeiten den Inſeln Tabago und Trinidad gegeben hat. Da dieſe faſt die Form eines regulären Vier— | ecks hat, fo wird es bereits hinreichen, Die Breite von vier an den aͤ ußerſten Spitzen befindlichen Caps zu beſtimmen. | Zbwei engliſche Geographen, Arrowſmith und Faden mei- chen um 15 bis 16° von einander ab in Anſehung der ö Breite der Spitze von Icaco und der des nordoͤ ſtlichen Caps; indeß iſt die Karte von Arrowſmith ein Jahr nach ö dem Fadenſchen Plan herausgekommen, der ohne Zweifel die trefflichen Bemerkungen von Churucca und Fidalgo zum Grunde hat. Arrowſmith zufolge läuft die nördliche Kuͤ ſte von Trinidad von Nordoſten nach Suͤ dweſten. Der Unter— ſchied der Breiten zwiſchen den beiden Nordcaps betraͤ gt 147, während er doch wirklich nur 9° iſt. Die Karte von La Cruz iſt im Allgemeinen genau genug in Hinſicht von Trinidad. Man muß davon die ſuͤ doͤ ſtliche Spitze, das Cap Galeota, das falſch Punta de la Galera genannt iſt, und das La Cruz um 24“ zu ſehr ſuͤ dlich liegt, ausnehmen. Alle dieſe Zweifel ſind durch die im Jahre 1802 erſchie⸗ nene ſchoͤ ne Karte des hydrographiſchen Depots zu Ma⸗ drid gehoben. . —..———— 20 27 242 Kr N ee | Churrueca und Trinidad nach La Cruz Faden Arrowsmith Fidalgo R 1802 e 1802 Punta de la Galera 10°50° 1051“ 101“ 105107 Nordweſt⸗Cap 10° 40°. 103“ 107% 10% hat Spitze von Jcaco 10 5“ 10° 37 9e 48“ 10% 837 Spitze Galeota 9° 450 10° 0’ 10° 9‘ Tabago | Fa Das Nord⸗Cap 113000 13, 119% Das Suͤ d⸗Cap rel 8 11 67 Ende des erſten Bandes. eo; S SE TEEHTEEGRTE GENE 5 Frineeanien Amine vorne In — 2 | I ur n H > nie ap} N . Er — e Ra | 2 —— — — ' 8 — * 8 — — / 5 — 911 — { 1 N 1 2 7 2 712 * 7 8 11 1 | | 0 | | N 1 | \ I 1 N | | \ | q 3 N Il a RE RES ee — 27 55 . x N